Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 24 (18.9.1892)
- Date
- 1892-09-18
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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/ Nr. 24. Freies Si»zinger in RudolfSheim -ffint' conftituirenbf Vcrsainm'.uiig abhiclt. In« bei diesem Anlässe von einem gewissen Hohen an er entwickelte Programm ist, >vie kann! erst erwähnt iverden »inst, das christlich-sociale und sordert an hervorragender Stelle von de» Mitglieder», kein jüdisches Blatt z» kaufe», die gcgen^ leitige» Käufe nur nnter Christen z» machen, ferner hie Gründling von Roh waaren-, Credit , Alter«, und Wohnnngsvereinigniigen, also vielleicht auch eine Art jndenreiiicr Börsen, wie i» Dentschland, 311111 Schutze christlicher Pofelwaare. .inierestant siir BerusSpoliliker ist eine lebaue, welche sich gegen Schluß der Beriammlung entspann. Ein gewisser stloucek beantragte eine^ Entschlilßnng, ert jufotge sich der Verein für eine Umgestalning der ReichsrathSwälsiordnnng in sei» Sinne anSiprkchen soll, daß je 3CtK) Gewerbetreibende desselben Faches einen Abgeordneten wäblen sollen. Ans Antrag eine« anderen Mitgliedes der Versammlung wurde jedoch dieser Antrag in dein Sinne abgeändert, daß sich rer Bercin im Allgemeine» für die Ständevcrlretnng ansspricht. Wenn hier nicht von den, alte» vormärzlichen Slänoc», sondern sin Sinne gewisser Socialresormcr nur von den productiven BeriisSsländen die Rede ist, dann wurden manche V>c> icctoren de» neue» Bereines bei dem' ZnknnslSparlainenle schlecht wegloininen. («iatholischcr Gautag.). Tie WarnSdorser „Sesterrcichische Vvllszeitnng" des Hetzpaters Spitz bringt jetzt de» anssührlichen Bericht über den Ga »tag 'er katholische» Männervcreine in Ehrenberg; der daselbst de ichlossenen Resolution entnehme» wir folgende Stelle: „Ter Verein «lag ncllt sich auf den Boden der ch ri st l i ch soci a l cn R cs or m be weg» ng, ivelche die gesunde Besserung zahlreicher cingeriffener Schäden mit Ernst und ..liachdrnck anstrebl, und die ebenso Volk freundlich, al» nolhivendig für die .iseltung kcr christliche» Staat« und Gesellschaftsordnung nnd die gesunde nirllnchafllichc Erneuerung ist. Lcr BercinStag dankt den wackere» Vorlämpfern der christlichen Socialresorin, die in Wort, Schrift und e bar mannhaft »nd nneigennntzig für die gerechten Forderungen de« Volkes, vor Allem de« rapid verarinciiden Bauer» und Gewer bestand es nnd für die .cialwirthschasilichen nnd'relegiö«.sittlichen vebensinteressen de« Arbeiiersiandes inlrclen Der BercinStag schließt «ich d iesen Resormbcstrebungen a». weist aber andererseits auch hi» auf die standesgeniäßen Pflichten, wie ' rene, spleiß.-Sparsamkeit und angemessene Vebens'ührnnq, welche zugleich ein wesentlicher Theil der »olhwendigen Lclbsthilse sind und von keinem Mitgliede er productiven Stände außer Ach» gelassen weiden dürfen. Der BereinSlag beinnert auf» tiefste die großen Verwüstungen, welche der Viberalisnin« seit Fahrnlnite» durch viclgestallige Corruptio» aus -lvirthichastlichem, religiös sittlichem, n isienjchaftlichem und socialem Gebiete im christlichen VolkSIebeii, namentlich unter Mithilfe einer »tartelen n»d vielfach .vkijndeien Presse, in Sester reich angerichtel hat. Ter Bereinsiag spricht aber auch seine vollste llebe.rzcngnng an«, daß die Socialdeinokratie, derc» Führer sich osse» zni» Atheisinn« (der Goltcslengnnngs, zur Feindschaft gegen die Monarchie, für die Bernichtnng der persönliche» Freiheit nnd des persönlichen Eigentln»»«, sowie der Ehe nnd für den ltinstiir; der ganzen christlichen Staat« und Gesellichaflsordnung erkläre», bei lurchsührnng dieser verderblichen Grundsätze die bestehende» Uebelstände siir das. Volk nicht nur nicht besser», sondern im Gegemheil die össeniliche 'Wohl iahrt dem völligen Ruin zulrciben wurde. Deshalb weist der Bereisiag einer seit« den VibcralismuS als erfahrnngsmäßigeS Verderben des Volkswobles gb, il»d andererseits warnt er die, christliche Arbeilcrschafl sowie die Männed der productiven Vollsständc, von dem Anschlüsse an' die Socialdemotraric Heil'.nnd Relluilg;u erwarten." Mau sieht, der in vinz sieghaft gebliebene „ltciile Mann" der Hierarchie beginnt sich allerorts;u regen. »Vom Mainzcr sialh^lilcntng. 1 Der i» voriger Woche;» Mainz abgelialtcnc eiall>0likenlag bat die össentliche MeinmicsDentschland» gehörig in Alhem gesetzt, wo;» übrigens die nieikwürdigc Halmng der" „Rvrddentschen Allgemeinen Zeitung" in Bclrcss der ans dein Katholikentage erörterten Feiinien 'rage nicht unwesentlich beitrug. Ter Antiscinitisnius trat in der Mainzer Ber iamiulung gewissermaßen nur als Strömling unter dem Wasserspiegel ans, doch tonnte es sich ein Seminardirector, Tr. Gustav Müller, nicht versagen, den Wiener Vereinigten Christen e,ncil Fleißzeitel alisznstelle», der allerdings die Tliätigleit der Aulisciniic» i» der zuiressendsten Weise schildert. Dr . Müller uiglc: „Dasjenige, wa« sich seif einige» Fahren in Wien nnter dem christticheu Rainen vereinigt, ist noch nicht, von Schlacke» gereinigt, und cs bedarf noch bedenlendcr Arbeit, kiese Bewegung zu einer st>c»g katholischen zu mache» Aber es liegt viel gesundes vcben in dieser GeisteSslröinung. und diese Behauptung lau» durch Thatsachc» erwiesen werde». Vor Tausenden von Männern kann. man heute in Wie» von der Rolhwendigkeit, der coiisejsionellen Schule sprechen und dabei stürmischen Beifall erziele», vor Tausenden, die von dieser Roth Wendigkeit vor wenige» Fahre» noch keine Ahnung halten, vor Tausenden, die „ionft große» Gefahren ansgeietzt sind, durch die himmelschreienden socialen Miß stände zu eine», höchst radicale», die gesellschaftliche Sehnung gefährdenden Slandpnnkr'gedrängt zu werden. Vo» eifrige» und mit der Sache; Gotte« und .seiner heilige» Kirche es sehr gut mcinenden Priesteln anL dem Säcular- und Srdeiisclerils, und gerade aus dem Munde solcher Srdcusinäuiicr, welche den größten Seeleneifer bclntide», Hörle ich wiederholt die Thalsache coustatircu, daß seit dem Bestehen dieser Bewegung die Frequenz de« Beichtstuhles seilen« der. ' -e Blatt. Seite 7. Männerivelt eine größere geivoi.de» ist. Tausende von Riänner» .der vcr - ichiedenste» Stände, die man in'Wien in de» lel.'tcrcn Fahren;» Conscrenze», zu Vorträgen au»ichließlich für' Männer i» große» Kirchen znianiineinirs, folgten dem Ruse in erbaulicher Weise. Fa, cs in ei» gesunder Hern in dieser Bewegung!" — Sb sreilsch, >dje Wiener Antisemiten mit diesem Fleißzeitel bei allen ihren Anhängern-paradirc» werden, ist eine andere Frage, über die ivic unS nicht de» .stopf zerbrachen iverden. (SU lilltisciiiitischc Agitation in DkNtschlaud.» Zn Freiberg in Sach'cn ivird am Ist. September eine anliseuiiliichc Partcic0»screnz stall sinden. in welcticr die Schaisnug' rint« deutsch sociale» Vankcsvcr , ' bände? für Sachsen in Angriff, genomme» werden soll. Auch wird in deui'ch socialen Kteiicn die Frage der Abhaltung eines allgciueincn desn tsch sociale» Parteitages für das ganze Reich ventilirt, der gleichfalls eine - allgemeine Srganisatioir der dentsikien Anlisemiien zni» Zivccke haben soll Fndes während die deutschen Anlisemiten'fich l>esländig zn raUiircn suche» »ich erst liencrdings auch an« dem vielbesprochene» Bel Handlungen des Mainzer Katholikentages guten 'Mull,. siir die Erstarkung ihre« Häusleins schöpfen, scheint e« ntit der Einheit im eigene» vager nicht so ganz sonderlich IvfteUt 511 »gilt. Herl" B öclcl ist auf seine antisemitischen Loncnrrenlen so schlecht zu spreche», als wäre» sie,eitel Fnden. F» einer Tonart, die lebhaft an die Feremiaden heimischer Grvßcii, erinnert, klagt er int „Reichsherold" über Maizizel an Beriranen und Spserwilligkeit bewährte» Fßhrcr» gegenüber. Feder A»' schneidcr, Wichligmacticr. »nd Schwindler fiii.de noch iininer'seine „Anhänger" nnd, iva-Z dasselbe ist, „Spfer", ivährcnd die bescheiden ziirückhaltenden, ihre« Werlhes bewußte» geistigen veiler nnbeachlel bleiben. Man frone sich ihrer Er- , folge, aber inan Ihne nicht« siir sie. lind io wende» sic denn Über kn»; oder »ang, der ewige» Spser müde, der Bewegung de» Rücke». So sei ein lühring,' ei» Perrot, ein Glagan behandelt ivordcn, so gehe cS heute noch de» Männern der vratiiichen Arbeit. Tie Stöcker, Ahlivardt, Gronsicllier, Piukert, Rnppel' Hcnrici, Förster u. A. nennt er Irrlichter, ivelche die antisemitische Bewegung in den Snmvs gerührt Ijnbf». „Aber, gerade diese venle," ruft Böcke! schmerz erfiilst, „haben viele, viele Frejinde gcsundcn>, und Millionen sind siir sie geflossen — für »ichl-s nild ivicdcr nichts, während die ehrlichen Verfcchtqr'der Sache darbten und arbeitete». Wenn das nicht bald ander« wird, ist Alles verloren. Es kann so nicht weil er gehen. Am Unrechte» Sn wirst man das Geld mit Hände» hinaus, »nd am rechte» Sri fehlt, es." — Also auch in Deutschland die uns detannle „Kargheit" der „Rörglcr" V Ans die Eoniervativen ist Herr Bocket wegen ihres Zauderns, sich de» autiseniilischen „Volksparteien" offen a» zuschließc», schrecklich schlecht zu. sprechen. Er hält ihnen ein langes Siiiiden rcgister vor und nennt ihren bevorstehenden Parteitag eine „Komödie". linier so erbitterten Formen des „stampfe« uni da«" aniiscinilische Dasein" wird es ivohl auch mit kein AUgeuieincn deutsch socialen Parteitage siir das Reich vorder Hand cnvas windig ansiel,e». 2lus antifcmitifcbcii flattern. «ly ine fcnfalioncKc b'iilhiillnng.i Tic iib.rinäsiig große Hitze de« ver' .stosjenen Monates - scheint einige anliiemilische' Fonrnalistlei» richtig nin de» Verstand gebracht zii haben. Tie ickiier znm Ueberbtliffe iverdendc Preßsehdc, - ivelche seil den Tagen , des vinzer KatholikciuageS zivilchen den Anhängern der rein laihotiich conseivaliven und desten der christlich iociale» Partei, oder besser gesagt ziviiche» den Srgcnen ke-s hohen und denjenigen de« vom A»ti'cn>uisui»s durchseuchte» niederen Clern-s hin nnd herivogl, hat schon die interessanleslen ' Eiilhiillungen zu Tage .gefördert, aber gewiß »och keine io verbliissende, als die, daß die Bischostpartci einfach da« Spser.der sreimaiircrischen'Verstihrlingskunststiicke geworden fei. Ter „S este r re ich üche Vo l t «i reu nd" ist über die Sache sehr genau unicrrichlel. „Tie Freiinaurerloge," schreibt er. „und das ihr ans« innigste verbsiudele Großindenlhum haben mit 'Hecht die ungeheure Gefahr erlannl, welche ihnen beideil ans dem Ernarscn der christlich iociale»,Bcwegnng - droht, lind weil sie sich selbst zu schwach suhlen, dieser Bewegung Herr zu werden, so haben sic sich um Verbündcle in allen möglichen vager» bemüht Die ganz nnter jüdischer Führung stehende Soeialdemokratie stellt sich gerne nnd eifrig in ihren Sold, lind ' nnninehr sinden sich auch im conservaliven Vager einige vente, die tbdwnßl oder linbeipußi, direct von der voge oder ans ' dem llluvege durch das össiciöie Preßbnrean siie alle« dem Chriftcnthnm Feindliche gcivonne», ivollen wir nicht untersuchen» als Werkzeuge gegen die christ liche Bollsparlei sich gern« gebrauchen lassen. Allein groß wird der für da« Freiinanrerlhunl und den jüdischen Capitalismiis dainiicejiclic '.linnen nicht sein Bia» kennt »nd durchschaut nun auch im laiholüchen Vager seine Pappen heinicr und weiß genau, wessen Geschäfte sie so eifrig besorgen." '.>iun, wenn . man nur-das snrchlbarc Complot' zwischen Fzide» und Freiinaurern wenigstens dnrchichanl! Ans kiese Weise wird sich vielleicht noch der Einlriti der .'tirchen fürsten von vin; und Salzburg, aus die es der „Bollssrennd" besonder« siliäis zu habe» scheint, in den Freimaurerorden nnd'ähr llebeitrttt ztii» Fiidenihum noch verhiiidern lasse». Die RedaclionSstube» der „Salzburger .NircherzciinNz" und der „Renen Tiroler Stimincn" scheinen sich riidcsscn »ach Psenner'-s I» sormalioncn unividerrlislich in Tochierlogeu ningkwandcll zu habe». Wenn das