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Freies Blatt · 1892-09-18 · 24 (18.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
24 (18.9.1892)
Date
1892-09-18
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Freies nicht Wahnsinn in. dann sind die Insasse» einer bekannten Anstalt von Brünulseld durch die Bank Philosophen. iWctlStltf jüdische Samiltcn.) Wir baden schon einmal der unter diesem iitel erschienenen antisemitischen Proseriplionsliste gedacht, deren Tendenz nur die sein kann, ehrbare, von europäischen Monarchen geadelte Familien der socialen Berachtnng preiszugeben. Täß dieses antisemitische Machwerk eS mit der Wahrheit nicht allzu ernst nimmt, baben mir schon an einem früheren Falle erwiesen. Einen nenerlichen Beitrag zur Kritiklosigkeit dixier Broschüre liefert der „K ti sfb ä u f fr“, tu denen Verlag das Büchlein erschien, in seiner September 'Hummer selbst, indem er folgende Erklärung des Friedrich v. Enobloch k. und k. Oberst a. T. lind Gti'sbesiver, «ido. RoSzoni-Miliz, teil 14. August I8G.>, zur Notiz Sexte 18 der Broschüre „Geadelte jüdische Familien" reprodurirt: „Ans dem Taufscheine, rewertive aus.dein Extrakte ans de», Kirchen buch;ü- Freiburg ffffo. Iti. Oclober 18A1, den ich alS Aellester ineiner Familie in Händen babe, ist zu erfeben, dost mein Vater Friedrich Sigmund am 8 Februar 1781 als ehelicher Sohn des prdtestamiichen LnpertulendeMen und P'arrcrs M. August Sigmund Enobloch geboren und am selben Tage getauft wurde, So viel ich mich ferner auf dje Mitlheilnnge» meine? seligen Vater» emstnue, wäre nicht allein dessen Vater, sondern auch sein ('irejjpätrr — mein Urgroßvater — protestantischer Geistlicher, ftamnictr wir Enobloch» überhaupt von einer protestantischen Familie ab, die im XVII. u»d XVIII, Jahr- .linndert geistliche und kirchliche Würdenträger aufwies und nie von Juden ab. staimme." —g Tas antisemitische Satonblait bemerkt hiezu: „Wir etklären unser lebha'tes Vedauern allen jenen gegenüber, welche durch die allerdings in Anbetracht des schwer zugänglichen Materials ^>st naturnotbwendige llngenauig fett des Venan'ers und der fraglichen Leitung, nmer die .Geadelten indischen Familieir an'geitointneit erscheinen, obne von Juden abzustaininen. Wir be , gtetieii, daß dadurch die gesellschaftliche Stellung einer Familie angegriffen wurde, und stnupathiuren mit Allen, Judenlproßlinge zu gelten. Aus diesem Grunde und im Interesse geben >vir bier wirklichen Berichtigungen'gerne Rauin, ohne uns aber im rnin denen verpflichtet zu 'üblen, nie die Feiger Anderer eitizutreteu." eemitischeu Genealogen können wir nur fitr'tie'oulimit einpfebten, das nicht als 'bestimmt;it behaupten, was sie „in Anbetracht des schwer zugänglichen Materials" nicht bestimmt ivifsen. Tas ist in der vetjndeten Wisi'ctt>chaft so Sitte, Keinesfalls feststebend ist es;. B-, daß sich Freiherr v. Enobloch durch die Zumnthnitg, ein Jndeivprößling zu sein, in seiner Fantilienehre gekcankt ffiblt. '' ' »Edristlichr Nächstenliebe.» Unter dem Titel „Eine obre" gönnen sich die „Teuti'ch - socialen Blätter" folgende schädenfrohe Bemerkung': „Hamburg war die erste größere Stadt Temichlands, die aus Judenhätschelei bie aniifemitischen Versaminlungen verbot. Hamburg batte dafür auch die Ehre, die erste Stadt zu sein, in der J>ie russiichei, Juden die Cholera einschleppten." X>m multa. setl multitm! Offenbar ein Ausfluß jener „völligen Umbitdiing des inneren Menschen zu einer tieteren Tieelt und Lebensauffassung", als ivetche das'etbe Sudelbtatt vor .Nur,Zein den Antisemitismus p'uäwlogi'ch er klarte. Nach der obigen Auffassung des menschlichen Elend» dütfie zum Heile der. Menichbeit der „Galilei" von den „Teulich socialen Blättern" Recht belialten, wenn er klagte, „daß die Antisemiten mit ihrer vereinsamten Wissenschaft noch einige Jahrzehnte hindurch das Op'er der herrschenden Vorurtbeile iverden". Hoffentlich noch einige Jahrhunderte. »Ailtil'killitil'cher lffrist.» Tie „Staatsbürger-Leitung" brachte in ihrer Abendausgabe vom 1. d. M. unterm Strich einen Aufsatz über Va ff alle, wo lt. A au die Eriväbnuug eines bei den Socialdemokraten vielverbreiteten Bildes, auf dem man Lanalle in. der einen Hand ein'e Fahne, in der anderen ein Schwert halten sieht, die höhnische Frage geknüpft wird: .„'Was ult das Schwert»in der Hand' eines Juden, der sich von enteilt jungen Bojaren mit der ersten Kugel niederschießen liest V" Unsere Berliner Kanipsgeno'sin luinerlt hie,zn treffend: Alto daß er „sch mit der. ersten Kugel niederschießen ließ", be weist, daß -eit, Schwert in seinen Händen sich, lächerlich ansnintmt, beweist mit anderen Worten feine Feigheit oder seine Untüchtigkeit im Gebrauche der Waffen: denn sonst hat koch der Salz keinen Sinn. Wie sich wohl solch ein antisemitischer FeniUetonschreiber einen Zweikamvf auf Pistolen nur vorstellen inag? Meint er, daß ein Nichijude an Laff'alle's Stelle, sich mit seinem Gegner etst Stunden lang kerttingeschonen batte, bevor Einer den Andern treffe Oder daßer dem «Gegner, bevor der die erste Kugel abfenden koitute, seine Pistole Blatt. Nr. 24. an den -stopf geworfen hätte? Oder daß ein noch jo alter, noch so löwenmulhiger und noch so waffengeübter Germane sich auf irgend eine Weise sonst von der ersten Kugel des jungen Bojaren nicht hätte treffen kaffen, wen» der junge Bojare nun einmal gut zielte und richtig äbkam? Andere Leute werden das für reinen -Blödsinn halten; der antisemitische Feuilletonschreiber in seinem Innern vielleicht auch- Aber sie klingen so schön, die Spottworle von dem Juden, der sich von einem jungen Bojaren mit der ersten Kugel niederschießen ließ; und darnnt mußten sie den Anfsah zieren, und sie fanden gewiß, auch zahlreiche Bewunderer und Nachposanner unter den Lesern der „StaatSbürger-Zeitnng." »Wieder die „Jlldrilflintkn".) Gegenüber den Behauptungen der „Neuen Teutsche» Zeitung“, baß von den „geradezu schamlos schlecht gearbeiteten" Loewe'ichen Gewehren bei einem sächsischen Landwehrbataillon nicht weniger als 15(1 nach nur zivei Schießübungen zurückgestellt werden mußten, wird dem „Vaterland", dem Organ des conservativen Landesvereins für daS Königreich Sachsen, von der znständigen Behörde mitgetheilt, daß die Angaben des Asitisemitenblaties univahr seien. Tie anthentifche Erklärung besagt: „In Wirklich feit sind, wie schon jet?t genau sestgestelli ist, bei dem in Dresden aufgestellt getvefenen Reiervebataillon nur 15 Stück Gewehre wegen meist unerheblicher, im Tieust entstandener Schäden zum Umtausch gelangt, tijtb aufs Neue ist auch bei diesen llebuugen iestgestellt worden, daß unsere Gewehre, gleichviel aus welcher Fabrik sie ftaminen, durchaus kriegsbranchbar sind und allen, selbst sehr hoch gestellten Anforderungen entspreche»." Eine gleichsinnige Erklärung hat tiijit 'auch das amtliche „Tresduer Journal" abgegeben. ' ij Bon Den Pariser Antisemiten.» Tie Pariser Aiilisemiten sind über die Zurückweisung des.-durch die „I.iffro mirole“ gesammelten Betrages von Seite des Baron Mokrenheim sehr vergrämt und thnu so, als ob der E;ar nun, da er sie, seine besten Freunde, von sich gewiesen, ins nuadhalibare Verderben rennen müßte. Wir haben bereits jenes Schreibens gedacht, in welchem MarguiS tbeilweife citirten Subfcriptionen gibt und daran die an die Adreffe des Ezaren gerichtet» Watnung -schließt: „Tie ganze Frage ist, wir iviederholen es, die, zu erfahren, ob der Czar genau unterrichtet ist. Ich glaube zu wiffe», daß er es mehr ist, als nian es bei dem .Figaro' vermulhet,. und daß er hier einige unhekannte Diener bat, die in Alexander III. den Herrscher und den Manu lieben. Tiefe Ergebeneu iverden den Ezar vielleicht verhindern, in die Fallen zu stürzen, die sich augenblicklich auf seinen Wegen vermehren. Wenn der Ezar sich täuschen läßt, so ist er verloren. Tie ihm gestellten Horoskope verkündigen für ihn große Gefahr binnen wenigen Monaten, von der er vielleicht durch einen Muschik oder durch einen Soldaten seiner Garde getroffen werden soll. Möge er sich mehr den Kleinen als den Großen anvertraueu! Möge er sich erinneZtn, daß Paul I. und Alexander II. ebenfalls int voraus von dem gegen sie geschmiedeten Eokitplot.unterrichtet waren und sie nichts davon hören wollten." Tie deutschen Atttisentiten scheiuen von den Enthüllungen Mor,-«' und von der Ruffomauie Trttinout'S, den sie ja bisher nicht genug verhimmeln konnten, nicht' sonderlich erbalit zu sein. In ihren Blättern schweigen sie allerdings über die ganze Affaire in sieben Sprachen.' Nnrchie „Krenzzeitting" läßt sich die Klage entschlüpfen, daß die antisemitische Betvegung in Frankreich leider in fauche, d. h. chauvinistische Bahnen gelenkt wird. Ganz besonders albern »ei diese Liebäugelei mit Nnßland. und diese fixe Idee Trumonl'«, daß die Gefährlichkeit der Rothschild oder, allgemeiner gefaßt, der, haute? lntinzne in erster Linie in ihrer angeblichen Freundschaft für Teutschland besteht. Ties beständig' iviederbolte Wort: „der deutsche Rothschild!" sei in der Thal im Munde eines französischen Antiieiniten sehr kindisch. Es ist dies aber doch noch derselbe seither kaum viel älter gewordene Trumont, von dem die „Kreuz zeittiitg" und ihresgleichen erwarteten, er werde der Begründer eines neuen Verbälliiiffes;iviicl»en Franzosen und Teutsche» durch das Zaubermittel des Aniiseinitisuuis werden. ' » Briefkasten. >>., Krems. Rur Mnih! Lasten Sie sich durch die. anoinimen Brief iclneiber nicht einsihüchter»! Sie dicuen einer guten Sache. Bedauere, daß Sie mich ueiUidi, al4:_Ste in Wien waren, nicht trafen. die cs nie eine Beleidigung halte», als de Morl s fein Mutbchen dadurch kühlt, daß er interessante Enthüllungen über der Wahrheit! die intimen Beziehungen der russischen Gesandtschaft zu den Pariser Antisemiten macltt und noch intereffantere zu machen droht. Possierlich wie immer benimml Ten auti , sich der Preßbajazzo Truinont, der in feiner „l.i>>i>> >ntrole" Erklärungen über die herschiedene» vom „Figaro" früher beanstäudeten und auch von uns „ Bcilritlscrkläriiligcii;iini „Pcrciii zur Abwehr dcs '„Hutifcmitismus" werden ciitgegciigciiomuicti im Lttrctariatc des Percines Lijen, I., Parisergassc 4. Alion„ru,cnt«an,nrl-ungen ans das „Freie Blatt" »iuiinl die ADininistration, Wien, I., Scilerstäktc 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Nummern abgegeben, Probknummern zur weitere» Verbreitung des „Freien Blattes" werden Gesinnungsgenosse» ans Verlangen bereitwilligst zur Btrfiiguug gestellt. Herausgeber»und verantwortlicher Redacieur: Ernst Vtct.or Zenker. — Truck von Eh. Reißer & M. Werthner, Wien.

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