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Freies Blatt · 1892-09-18 · 24 (18.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
24 (18.9.1892)
Date
1892-09-18
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Freies Blatt. Seite 6. lebend mit Juden friedlich verkehrte und eng befreundet war. Dein „Berliner- Tageblatt" konimc» nun einige Zuschriften zu, welche diesen keineswegs antisemitischen Zug im liliiuaftcr und Vebett Hossmann's von Fallersleben aufs Aeuc beweisen, wenn es dessen überhaupt erst bedarf. Ein früherer Schüler der Eainionichnlc in Wolfcnbüttel ertolgwib« charakteristische Erlebnis;: „Wir wurden bei dem in Wolsenbüttcl alljährlich stattsindenden Schützensestc von niiscrcm Hausvater ans den Festplav. hiiiansgcführt. Bei dieser Gelegenheit trafen wir Hosstnanu von Fallersleben dat'elbst ans Der Hausvater, über diese Begegnung freudig bewegt, lieg uns israelitische Knaben das Hofsntannsche Lied .Deutschland, Deutschland 'über Alles an stimmen. Der dichter nahm mich, den kleinsten der Knaben, auf den Schoß und lieg inicli das Vicö noch einmal Solo singen. Daraus sagte er, er freue sich über den Eifer, den er "bei den Juden fände, deutsches Lied und deutsche 3 111 c h o ch; n h a l t e n." Ein angesehener Schulmann und (belehrter, ivelcher ansatchS der Siebzigrrjahre chel mit Honmanli von Fallersleben verkehrte, alio ge radc die Ani'chanuügen kannte, zn denen der Dichter von „Deutsch- . land, Denn'chland über Alles" auf <^r„ttd der Erfahrungen eines langen'Lebens gekontnien war, schreibt an dasselbe Blatt: „Hossmann von Fallersleben war, wenn wir politische Dhentata berührten, offen genug, seine freisinnigen Ansichten auch in religiösen Dingen 'nie zu verleugnen. Wer ihn für die Antisemiten in Anspruch nimmt, zeigt, dag er Hoffntann's Velen, Denkweiie und Ellaralter nicht kennt. Bon Feindschaft .Hossntann's gegen die Enden, auch ttitr von einem Bor urtheil gegen sie habe ich nie eine Spur an ihm gesunde»." Woher tollen auch die aniisemtirschen Donangeber. Hofsmaun's Leben. Denkweise und Eharakter kennen? «beschichte kennen sie ans (V'nttiöKttj ttidji, und in persönlichen Berlebr dtir-ste der Dichter tu Lebzeiten mit Leuten solchen Schlages, selbst wenn sic damals schon ihr.antisemitisches Herz entdeckt halten, käniu getreten fein'. Wirvcr rin ^tüchspirl zum Proceß i» E'Icvc. > Bor der.Ferien nrastauttner zn Elberfeld stand a:n September der Kedaeten. der anttsemitischen Zeitschrift „üe b ei n i i ch e Beacht", t Gerhard tcn- Wttik-el. unter der Anklage, in zwei Artikeln „Zunt Fall Bnt'chhot's" - den Ersten Staatsanwalt Banmgardt und den Latkdgerichtsrath Bririns in Eleve iowic. die Mitglieder des Landgerichtes daselbst beleidigt zu haben-. Der Angeklagte .gab an, er habe die Artikel ans Blättern nachgedrucki oder, znsautntengestellt, lieg aber int Uebrigen durch seinen Bertheidiger eine, Anzahl von Anträgen znnt Beweise der -Wahrheit überreichen. Das Gericht lehnte die meisten als belanglos ab und beschloß nur die zeugcneidltche Bruchtnung des Ersten staats anwalt^s Banmgardt, des Landgerichtsratbes Bririps aus Eleve und des ('vümutJ Mölders ans Dante» in eiiix.nl netren Berlntndlnngs termine. Mölders toll bekunden, ob er bei feinen Bernchtnnngen durch den Ersten staatsattwalt Banutgarot verwirrt.gemacht worden lei. Die Zllvtll «Ilv Vas HaildlvcU. Der ..Berein zur'Beförderung des' Hnndwerks n»»er den I s r a.e I i l c u in Dberltgssen und den benachbarten Gebieten" versendete lürzlich teilen ersten, Kecheutchastsbeticht für das Jahr Der Umfang der Dbätigkeit ist, wie das .erst zweijährige Bestehen des Bereines erwartett lieg, noch ein geringer: die Zähl der unterstützten' Lehrlinge beläut't sich ans sechs. Die Anzahl der beitragenden Mitglieder ist von bei der 'Gründung auf nnntuehr l'.ü > angcwachscn. Erfreulich sind die Anschattuttgen, tvclche ans dem Berichte hinsichtlich der Bertvaltungspritteivien des Bereines hervortretcu. Es find dieselbe», avelche die gleichartigen Eat'feleratnd Franksttrter Bcreinc seit vielen Jahrzehnteu vertreten und welche den .Hauptwerk auf die sorgfältigste lieber tvachttng der Lehrlingsausbildung legen. Die durchschnittlichen Ans Wendungen belan'en sich aus G» bis löü Mark per Jahr tknd Vehr ling. Als einen nicht zu nnterschätzenden Bnntt der Bcrcinsthätigteit in die 'Propagation der dem Bereit! zugrunde liegenden Idee zu betrachten. , Do hielt im Sommer ldst'lt .Herr »k a v e u st e i u in Esteßcn einen Bontag über die Bedeutung der Handarbeit für das heutige Judrnthnin, dem sich eine lebhafte ttnd ansklärende D isensston anschloß. Aus diele Weise gedenkt man immer weitere »kreise'des Jndcuthtuns für das Handwerk zn gewinnen. . > Frciililiurcrci und xHnttfcinitic-ituiv. Wir erhalten von wohl . unter richtetet 3 eite folgende Zuschrift: <".'b -e t e r V e r r :>i eda > :: u r ’ E,Natten Die mir mit Beziebung an' die Notiz „Frerntaurerei-und Anti iemitismns" in Ar. 23 .tl'.i? geschätzten Bkat:?S ei lige Beincrlinigeii, mit etwaige dnieti die Ans'nhrnngeii 'ec- Bro'enoeS Tr. itm ’flflft liervo-get useiie ’jinlK Borsieünngen von den, denf'cheü Fretmanreneben richttgznnellen. -Shne auch mir im ent'ernteneti die Autorität Dtettcgast's anzweifcln zn ivollen, tunst doch hervoegehoben toerden, das; auch I-ziie.lnl: il'tt in seine,n Werke Nr. 24. Borgcbrachten intmer der Satz: atnlitzttir et alter» paes! gilt. Von einem AiitiseniitismnS »ach dem landtänfigen Begriffe kann in den unter der Lonstitntion der „Großen National Muttcrtoge zu den drei Weltkugeln" arbeitendeu Lauhütteii schon deshalb keine Rede sein, weil eit'denselben seit dem Jahre 1SG8 jüdische Brüder anerkannter Logen al« ständig Besuchende zugelassen werden und daselbst, eine nicht minder herzliche Aufnahme als die besuchenden Brüder christlicher Confet'sion finden. Es ist daher nicht ganz richtig, wenn Pro sesior Siettegast die ertvähnlen Logen einfach des Antisemitismus zeiht. Achtungsvoll j Ein Freimaurer. ■> < (?ill „WitlUtlmorb" ill Jyrnilfrcid).) Bor einigen Monaten wurde der verletzte Veichnatn eines weiblichen Kindes in einem Strome des Departements Bientte anfgefunden, und eine in Dours erscheinende elcrieale Zeitung, das ..lourunl ei lutlrtt ol. intire", versicherte, das Bcrbrcclfeit sei zu „Ütitualz wecken" von Juden ansgeübt worden, obgleich, kantn einige Juden in dem District lebten. Der Pariser -'Iniiisw.- bringt nun einen Bericht über -die Angelegenheit, welcher zeigt, daß die Mutter selbst den Mord begangen hat,. um sich ihres iUegitimen Kindes zu entledigen. Sic wurde zu zwanzig Jahren Zucht- Hans verurtheilt. H.'llitiscmitischcs aus Zrlanü.) Die ..Jvwislt World“ weiß von susteutatischcn Angrissen auf Judcit in Irland zu berichten. Erst in jüngster Zeit wurden zwei polnische Juden und ihre Weiber in der Aachlmrschast von L i tu e r i ck - ausgelanert und furchtbar mißhandelt. Dch^Jiländer, sagt das erwähnte Blatt, stehen in dem Rufe, das citzz^ze Bolk zn sein, welches int Mittelalter die Inlett nicht verfolgte, und - böswillige Kritiker behaupten, dies sei weniger ans einen besonders entMtelten Sinn für l^ewisiensfreiheit von Seite der Iren als ans das geringe Borkommen der Inden in Irland zurückzitstthrcn. linkt* imiifte A'atioualitäten sollten vor Allein anderen Mitdnldcrn st,mpathische <ssesüi,le entgegcnbringcn, und die rnssischeu Flüchtlinge in Irland komtnen aus einem Lande, wo die Berfolgnngen weit gran sanier sind, als sic jemals unter demstrengsten Üeegimente in Irland waren. In einem rein agricultnrellen und nicht übermäßig reichen Lande, wie Irland, sollten die. Inden bc,villkouttttt und ermnthigt werden, üch niederzulassen. Ihr (sseld, ihre Industrie, ihr Geschäfts geilt und ihre hänslichen Dngcitden wären feine zu unterschätzende. Aeguisition, um jene Äera des Friedens ltnb Wohlstandes zn zeitigen, die die guten. Frcnndc des Landes begehren .Berfolgung und llndnld' sämkeit können bloß der nationalen Sad,e schaden, indem sic die Sntn pathien gefährden, welche sich bisher hänfctt auf das Bolk der „unglüdlichett Insel". siillssischt (.voilsclslicil).' Wie ans Pctersbnrg gemeldet wird, hat sich der '.fi'achsolgcr des Fittanzministers Wvschnegradski, der bisherige-Bautenminister Witte, zunt Entsetzen der höheren Kreise mit einer aus .Schäulen gebürtigen ge tau st eit Jüdin vermählt, deren Ehe mit einem Beamten der S»nod -auslöste. Witte unterließ nicht, den Ezar von der Herkunft der Braut zu unterrichten. Jin „Grashdauin" erschien bereits eine nicht mißzuvcrstehende Attdeutuitg, daß die nicdercit jüdischen Elasscu bedrängt würden, die intelligenten dagegen sich des größtett Einslnsses erfreuen, woran ausschließlich einflußreiche Kussen die.Schuld trügen. Die hiesige Antisetttitenpresic wirft dent „Bäterchen" auch einen unveitcnnbar scheelen Blick zu. Indessen dürfte die Frau Fiuanzministerin ebensowenig wie früher der angebliche (?) Jndettstämmling Wuschnegradski die Einstellung der empörenden Juden Verfolgung in üinßlattd bewerkstelligen. Also getrost! Zur „Zlldcilfragt" in )!iußla»ü. > Biellcicht im Znsamtnctthangc mit dem schon gemeldeten Stitttnittngsntnschlag in der antisemitischen Prcne Rußlands steht eine Meldung der ,,'A otvojc Wrem ja", daß das von der Eonitnitsion unter Borsitz des l'-ü'heitttrathcs v. Plchvc ansgearbeitcte „Project zur Lösung der Judcit frage in. . ürußland" in der Herbstscssion des russischen Rcichsratheö zur Be rathung gclaitgen werde. Jedenfalls wird man aber gut thun, sich diesbezüglich nicht allzu sanguinischen Hot'sttttttgeat hinzugeben, dcutr der bcsägie Entwurf, denen Berathung int vorigen Jahre, auf Befehl des Ezars nnterblicb, soll in streng natioual-rttssichem Sinne abgefaßt sein. 2Uis antisemitischen Oereinen und Oersannnlungen. 'Ein aiitiictuitilriier Bo»cottverci».> Das nmf: matt den vereinigten Antisemiten und Rcactionären lassen, daß ne rüstig an der Arbeit sind, ttnd in ihrem organisatorischen Eiter mancher anderen Partei als Muster dienen könnten. In den tvestlichen Bororten hat sich neuerlich ein „Politischer ^Verein christlicher Handels- und Gewerbetreibender für Niederenerreich" gebildet, der atu d M unter dem Vorsitze deS DbtnatmeS

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