Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 23 (11.9.1892)
- Date
- 1892-09-11
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ttr. 23. Freies Blatt. Seite 5. eine Anerkennung sei sic ihm schuldig: er sei bei seiner konservativen Grundstininiung und bei seiner contemplativ nnlhätigcn Charakter anlage ein goldechter Ehrenmann, dem jede Ungerechtigkeit ein Greuel ist. Tendenzproccssc, wie sie der' Graf V i p p c in Scene setzte, und wie sic Herr v. Friedbcrg mitunter habe gewähren lassen, wäre» unter ihm „»möglich gewesen. Er habe liberale Richter befördert, nicht weil er an ihrem Liberalismus Freude gehabt hätte, sondern weil er cs für gerecht hielt, sie nach ihrem Verdienste zu befördern. Er habe jüdische Richter in höhere, Stellen befördert, nicht weit er ein freund der bilden ist, sonder» weil das Gesetz nicht will, daß zwischen Ehristcn und Juden ei» Unterschied gemacht werde. So hätte er sich auch nie dazu hcrgtgebc», die antisemitische Hetze;» begünstigen? Und das habe ihm seitens der Antisemiten tödtlichen Haß zugezogcn. Es würde daher als ein-recht unerfreuliches Zeichen zu betrachten sein, wen» er jetzt gcnöthigt wäre, seine» Platz zu räumen. rtlllflblflttcr.) Karl Schncidt kündigt eine Serie von Fing blättern an. In 4>cr von ihm heransgegcbcnc» Zeitschrift: „Tic -Schmach des Jahrhunderts" lese» wir: Ein »achahmenSwerlheS Beispiel, ivie man e°> wache» niiiß, in» dein AiilisemilisiiinS wirksam cntgegenznlretcn, habe» mehrere jüdische Bürger der Stadt Leipzig gegeben. Sie habe» »nler große» Gcldopsern i» die dortigen rocalbläiter »msaiigrkiche Inserate einrüeken lasse», in denen sie mit.sachlichen ««runden de» antisemitischen Angrifsen und Behauptungen zu Voibe ginge». T iese Art der Propaganda erregte natürlich großes Aussehen, Tie aulisemilischett Führer schäumen söriulich vor Wulh darüber, daß ihnen vor einer so weite» Sesscnllichkeit die Maste so ri'utsichislos heruulergerissen ivordeu ist. Tie Leser teuer Loealdlätter aber haben doch einmal die Sache von einer, änderet« Seite ansehen gelernt, sie haben die ««egenpaitei gehört und sind nun schon eher ge neigt, auch in eine vernünslige Auseinandersetzling über die Indeiisrage einzugehen Tie besondere Agitation, welche i» Leipzig zur Anwendung gelangte, in lchon wegen der damit verlnüpsie» hohen .»toste» , nicht allenlbalben au wendbar. ES empfiehlt sich daher die Berlheilnng von Flugblätieiii, die «edoch ■cii'olil dem beabsichtigte» Iivccke geschickt angepaßl werden müssen als auch dem Publicum, aus daS-sie berechnet sind Solche, nach einem so«gsaliig er ivogenen Plane hergestellte,Flugblätter gibt es noch gar nicht. Wohl iß manche Flngichrist verössentlicht worden, die einen hohe» agitatorischen Werth besim - ich rechne hier;» in erster Vinie die echten Talmudanszüge von Tr. Hiiich Hildesheimer^) — dennoch aber fehlt eS noch immer an einer Flugblatt lileratur, die es sich zur Aufgabe inachte, in innerlich zusammenhängender und iuii («ründcn »vöhlverfehener Tarlegnng gerade in denjenigen >1 reite» der Be, vollerniig dem AnlifeinitiSmuS entgegenznirete», die diesem s.tion;nm gioßen Theile verfalle» sind Es müßten Flugblätter da lei» für die Banei», Flug blätter für d.e Handweiler und .Kleinbürger, sür die kleinen. Beamten,- fiir die?»idente» ». s »> Tamil man mir nicht den innivurf mache, daß ich ledig lich Anregnnge» z» gebe» miste, de» Anregunge» aber nicht die!hai folgen lasse, habe ich beschlossen, selbst eine Serie von Flugblätter» in Angrist zu iiebnieii, durch die ich ei» wirksames Tesinfeetionsmiltel gegen die antifcutitiMie Scnche in de» Verkehr zu bringen Höste. Tiese Flugblätter solle», soiveit sie für Vente ans dem Voll bestimmt sind und sich nicht ausschließlich an die Gebildeten wenden, in populärer TarsteUung alles das emhalte», ivas sich an triftigen Gründen gegen die antisemitische Verirrung ins Feld führen läßt. Ter nächsten Rninmer dieser Zeitschrift werde ich Ar. I dieser Flugblätter, enihallend einen ..oiienki; Brief an de» denlsche» Bauersmann" beilegen. Tie Leser möge» dar »ach benrtheilen, ivie ich mir den Xampf i» weitestcli Vollekreijen dritte Es iverden diesem eisten „Banerubries" noch zivei weitere Briese folgen, dir bis Ende September fertig vorliegen werden. Sobald die für die Landl,itte be summten Flugblätter heraus sind, wird in ähnlicher Weise dir Ansllärungs arbeit unter den Handwerkern ». f. >v in Augrifs genommen ivel de» Ta die Agitation durch ,Flugblätter billiger ist als jede andere. Agitation, glaube ich der Unterstützung aller interessirlen Kreise mich versichert halleik ^» dürfe». Wenn der Zweit, der mir bei dieser agitatorischen Arbeit vorschivebt, erreicht werden soll, müssen meine volksthümlichen Flugblätter in Massenanslage» dem Volle kostenfrei zugänglich geniächt weiden. Es ivürde sich daher einpfehlen, neun die Freunde unserer Sache sich alleuthalbeii znin Bezüge größerer Partie» znsamme» Ihälen. Tie Sache tan» de» Hals nicht -koste». cTer „Moderne Verlag" liefert 10U» Flugblätter zni» Preise von U) Mark. Bei belangreiche» Bestellnngeu ließe sich dieser Preis vielleicht Noch elivaS ermäßigen. Tie Freunde der Abwehrbestrebnnge» inüßie» es sich zur Aufgabe machen, in Ver 1'olgnng ihrer Ziele ebenso rührig z» sein, als es die Antisemiten sind. Tieselben sind geradezu unermüdlich, wenn e« gilt, die Inden mit Schmutz zu be werfen. Mail vergegenivärtige sich nur, wie beharrlich sie auch jetzt iioch ans der abscheuliche» Blntlüge herittnreitc». Tadnrch, daß sie immer und immer wieder von solchen Tinge» sprechen, bewirke» sie, daß selbst die wahnsinnigsten *1 Hoher agitatorischer Werth ist »»seres Erachtens auch dem inzn i chen er schienene» und von unS a» anderer Stelle reprodncirle» Flngdlatte: „Fürst Bismarck und die naiven Antisemite»" beiznmesten. TieRed VorstcUlingcn ihren Weg ins Volk finden. Wen» sie aber i» der Volksphäntasie einmal Wurzel geschlagen haben, da»» sind sie schwer wieder ausznrrttc», da»» stellen sie eine Macht dar, mit der wir ernsthaft zn rechne» haben. <?ic Eliolcra und dir rnssischc» ^»dru. Ter Vorsitzende des- H»nplgrrn;coniil?-s für die riisiischen Inden in Si ö n ig s b c r g, Rabbiner Tr. B a in b c r g c r, veröffentlichte in der „Hart n ng'fchen Leitung" iiachstchcndc Erklärung: Gegenüber irrige» Tgtstellungen in d,r hiesige» und auswärtige» Preste betreffend die Einwaiiderufiß und den Tnrchzüg ruislzchei Jade» und die hiedurch erwachsende Gefahr der Eiäsitileppnng der Cholera ist .zn constatiren: l. Säinml liche ostprenßische Hilssco»lil>-s, und zwar zu Königsberg Eiidlklihnen, Inster bürg, Tilsit, Memel, Prostken, sind seil säst dl ei Wochen geschlossen. Ter Schluß erfolgte, noch ehe der erste Cholerafall ans Sk. Petersburg gemeldet war. Tie Eoniili-S werde», weil» überhaupt, erst »ach dem völligen Erlöschen der Seuche wieder erössncl Turch telegraphische und briefliche Miltheilnngen an die maßgebenden Persöulch,kette» und Zeitniigbn ist die Schließimg der Evu.ili-s in Rußland sofort bekannt geworden, und sind selbst die zur Besöidernng nach Amerika bereits vorgemcrktcii Auswanderer, die sich ihrilweise schon linlerwegs befanden, von der Rebe hieher znrüclgehalle» ivorde». -">. Ter bis jetzt an danernde Znzng russischer Emigrante» besteht, wie man sich ans dem hiesigen Bahnhose und zumal ans dem Ailswandernngsselnippe» zn Rnheleben überzeuge» Ia»n, überwiegend an» »ichtjüdischen Answanderern mit ni,d ohne Paß 1. Es ist in Hamburg pveiiellos seslgesteUt, daß die Cholera seeivärls dort cingeichleppt worden. f>. Unsere Co»iil,-s sind sich, lvie seither, auch in dieser schweren geil bei ihrer Thätigkeit ihrer Pflicht gegen nnseie Provinz n»d das deutsche Vale, land.voll »nd ganz bewußt und werde» auch weiter danach handeln. . «..Kttklwlischrr KilldtrWrtril.") Einer Miltheilnng der „Schle I isAjeii Volkszeit» ng" zufolge erließ nntcri» -4. Angnfi Stadt schul,ath Tr. Pf» »dt »er :» seiner Eigenschaft als löniglicher screisschulinspeelor sür de» SlaiMrcis Bzeslau int Auflragc der löniglichcn stiegiernng an alle Rectoren eine Verfügung, in welcher sie anfgesordcrl werde», binnen fünf Tagen zu berichten, ob das Buch „Ralholifcher Kinde»garlen oder Legende für Rinder" von Hall! er sich kn der Volksschulbibliothet sSchülerbibliothel) Per betreffenden Schulebefinde, und wie cs in dieselbe gelangt sei. Es ist dies eine „Jugend fchrift", in welcher jüdische. „Ritnalmorde" als gefchichllich erwiesene THatsache» hiitgeslellt und durch einige „Frille" aus der Legende „be legt" werden. Tic „Rölni.sche Zeitung" hat sich ei» gioßcs Verdiciifl dadurch erworben, daß sic anläßlich dcS Eleve» Proccffes' wegen des Tanlenra Rnabeninordcs auf' diesen „Rindergarlcit" als Brulstütlc des AbeiglatlbcilS die öffentliche Allfnteilsamkett gelcnlt hat. Lchstchtsrnstt Illid RlltisrmikisMlls. > Man schreibt der Mnnchenel „Allgeni einen Zeitung" ans Verii: Tie Regicrnngen der Eanlonc Aargau und Berit hatten vor einige» Jahren Maßnahme» getroffen, welche auf ein Verbot der.jüdische» Schlachtmethode hinaus liefen, liegen diese Beschlüsse »nd.Vcroldnunqe» rcichlcn die ifraeli tische» Enluisveteine stiecurie beim Bnndesrath ein. Ungefähr zu gleicher Zeit richtete der. Eentralvoifland der fctsweizcriichen Thicrjchntz veieine an die näi»licl>e TKhörde eine Pelitio», in welclser nnler Be rnsung »ins Alt.;">t* und t der Bnndesverfaffnng « „die freie Ans Übung gottesdienstlicher Handlungen ist innerhalb der Schtante» der Silllichleit »nd der össentlichLii.S rdiinng gewährleistet": „asle Sclsweizei sind vor dein ««,'setze gleich") .im Rainen der Moral nnd der össenl lichen S'.dnnng sowie im Rainen der ««leichheil aller Btirger vor dem l«esetzc eine grundsätzliche Entscheidung gegen das Schächte» ver langt wurde in dem Sinne, daß das Tödtcn der Schlachllhieie ohne vorgängigc Betänbnng 'durch Schlag oder Schuß, verboten iver.de. Tiefe Petition ivnrde dahin beantwortet, daß die Behörde nnr dann darauf cinlr-elen lönne, wenn der Beweis" erbracht würde, baß die israelltische Schlachlniethode als eine gnalvolle. oder Ihiergnälerisäse Lödtnngsart z» betrachten fei": dieser R.achweis' lönne aber angesichts des abweichenden Urthcils zahlreicher competenter Fachmänner nkcht als geleistet angesehen werden. Was nun die Recnrjc bettisi'l so saszie der Bnndesrath folgenden Beschluß: Tic Recnrse der Israeliten-gegen die Maßnahincn cantoiialcr Behörde» gegen das Schäcliteu iverden insofern als begründet erklärt,' als dieselben gegen ein nnbedingles Verbcw des Schächtens gerichtet sind, liegen cankona'le!''efetze nnd Vcrordnnngc» ist von Bnlideswegen nichts einznivenden, wenn dieselben bloß bezweiken, dafür zn sorgen, daß die Vorbereilni'gslsandlnngen dem Thierc keine nnnöthigc» S.iialcii bereiten, l^egrm diesen Beschlnß'wurde weiter rccnrrirt aü die BniideSversaiuinlung, welcl>e siclp ab r ans den Slandpttnkt des Bnndesrathcs stellte. Rani» war der Beschluß der eidgenössische» stcälhe bekannt gtwoideki, als der schweizerische Tchjer schlitzvercin seine Absicht knndgab, i» dieser Sache nun an das Voll selbst zu appclliren. llnd er hielt Wort, denn das millteriveile für die Schweiz cingeführte Volksrechl der Initiative in V^lsassungssacheu bot