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Freies Blatt · 1892-09-11 · 23 (11.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
23 (11.9.1892)
Date
1892-09-11
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Freies Blatt. Nr. 23. in diese,!, Zustande nicht mehr zu inciiscksiichcm Genüsse tauglich war. 5a wurde nnn mittelst Ehlorkalk das (Gewürm beseitigt, und die durch die, Ehlordämpse ungenießbar gewordenen -Körner wurden für tadellos gute, abgelagerte «rrucht a» verschiedene lleinc Müller verlaust. Tie P-i, knng konnte nicht ausblcibe», denn das'erzeugte-Mehl lieferte ein übelriechendes Brot, dessen Genuß kraut machte, und die Müller verloren nicht bloß viel Geld, sondern auch die -ktniidschasl. Tic antisemilische Schandvressc „ininit von diesen crasien Fällen entweder gar keine Rotiz oder berührt sic nur sehr oberflächlich. Tic passen eben nicht in das Susiem' der Indciihctze.. Handelt cs sich „», die Schurkerei eines P-iencr .Selchcrsiicisters, so besorgen überdies die hiesige» H-tz organe, sic könnten einen Herr» „vom (^ninb“ verletze», der schon einmal einen <''nldcn für ein „christliches Tagblalt" gespendet hat. „Tculschliatioiial." Unter dieser lieber schritt brachte die Troppaücr „,T,eie Sch.Iciischc Presse" eine Serie von Artikeln, welche die schädliche» folgen des AiiliseiniiismnS für das Tenlschthnm i» Vcs,erreich bclcnchiet und dabei besonders ans jene „denischnatioiial" sich »cniiende (Gruppe Rücksicht nimmt, welche, von St ei „wen der angeführt, größientbeils verschämt die Antiscmilcrci betreibt. Ter off-ubar mit den parlanrcntariichcn Borgängcii hinter den C;online, genau vertrante BersaNer schildert die Entstehung der ..Teiilschiiationalcii Beieiniqnng", der »iinmckrigcil „ Tentichen '.lfatioiialpartei", die er ans kleine pcrsö» lichc llnisiäude zilrücknihrt »»d deren Erisleiizbercchligniig er bestreitet, lieber die Slelluiig dieser Parte, zum Aiikiscinilismiis sagt der Pc, saner: „Ja, wen» cs »och mit dem Aniiiemiiismns ginge! Hierin zeigt sich did Teiilschc Rationalparici als -. Tranmichnichl': sie möchte wohl, aber, sie kann nicht und hat sich deshalb schon;» wieder-' Hollenmalen'„lkläsiige Rip;ensiößc des Roseiianer Schloßheir» gefallen lanrn müsseii. Taß Tr Lueger, dieser Brennpunki fi'rr Itltviuiton taue, Ezechtti, Soeialisicn und sonnige heterogene Parteien, von „^fit Zeit ansplanderi wie „»längst, daß er sich bei de» P-alpen der' Mithilic der Ticinwcndcrlenkeversickker» werde, kann de», Prestige derselbe» ebcnsalls nicht '.»kläglich sein To sehen wir denn, den Boden unter den Iiißei, der stolzen Rationalparlei iiiinice mehr schwinden, und ihre Anhänger im Vaiidc miinen mangels jede» politischen PrineipS sich daraus verlegen, die Sprache zn reinigen n»d >tornbln»icn im .stnopsioch zu trag.»." om weiteren Berlansc seiner Anssührniigen .kommt c, ans das Berhaltniß der „ Tteiiiwenderlciile" zu Herr» Schöne rar zu sprechen n»d bemerkt: „P-ollken wir boshail sein, wir konnte» die Schönere, scheu Auslassungen gegen die , Tcntsch nationale Pereinigungjetzi, e . Tentiche Ratioiialpartci' abdrnckc» : wir wollen aber nicht so »zraniam sei». Es ist ja. besannt, was das Schöne, eriche Programm will, . und nach welcher Richtung hin cs steuert: es Ü von Äbgeo.idiieten, die sich sür Tircetorposten an ciner Miltel'chiile oder gar als Beamte im llnkerrichtsininislerinm zur Bei siigling gestellt habe», einfach nicht möglich, bei der nngcnirleii Bcliaiidlnng des österreichische» Patriotismus, Ivie wir sie jüngst nach cineP tlkcichenbergev. Blatte Schönere, scherztliichinng angenagclt, bei. Schönere, Ministrantendicuste zu verichc». Man sollte nnn glaube», es lei unmöglich, beide Parteien, nämlich die nnler Schoiierer'schcm Eoiiimando und die »nie, Steiiiwendcr's Vcilnng stehende, linler eine» Hut zu blingcn und sich als deren gemeinsamer Pertheidiger ans;,, spielen wir kenne» aber doch Blätter, die dies - zuwege bringe», freilich bekomme» sie auch von Gesinnungsgenosse» beider Richtungen «Gelder t'i,r ihre zweierlei H'esi»»n»g. >iom»it ein. Gulden von der Pait i Steinwende, s, io liegt immerhin auch-österreichischer Patrio tislllns darin, -kommt ein Gulden non den Mannen .Schönere, scher Richliing, dar», -'sreilich wird mit .»»vcrsülschk dcnksche», t^rnß -gedankt " .n, den Wahlen l».'» und l^»>, als cS sich darum handelte, einen Zwiespalt in di« tentiche Baucrnschast Böhmens zu tragen, als P-irlbichanspartei. Schnciderpartci und dentichböhmischcr Bauernbund in'den Rücken der denlschsorlschrittlichcn Phalanr der -euischcn Vaud -wirthe ^öhmens zu fallen^ habe Herr Schönerer richtig auch de.» .Heit znnlk iiir gekommen erachlkt, .für keine agrarische» Idee» zu ivcrbc», und Ju ihm ici cs wahrlich nicht gelegen gewesen, wenn die deutsch böhmeiche Baiiernschask auch diesen Angriss auf ihre Einigkeit imicker besiande» ^habe. „Bei den eonservalive» Vandwirthcn," fährt de. Beisasicr to11, „ging - die Provagiinng des Antisemitismus tiidit: zudem beiseite sich die Vage des BaNeinNandes »ach und »ach doch in Einigem, und man veliegt sich nun daraus, die <Gewerbetreibenden s,i> de» Aut, selniiismiis zu bctoiniiieii. 'Aber gciadcder t^ewe, bestand hat alle Ursache, sich die'c seine Ivürviie von. Halte z» ballen: gerade der we,bestand in angewicle», sich die ganze Gesellschaft als >iänscr onc» zu .Kalten, und er daif nicht selbst.mit einem Grundsatz, wie H-jnit iihi bei lihiiüg,-, au 3iman. ciiibürgeri, ivollen, das dem Handel n».d P'andel ii,»e,Iialb der t^-sellichast nicht zuträglich sein lann. Auch hicr -l.osie» wir, daß k'« Minirarbeil der Erlradciiischki, mir. der Zeit au deren Erfolglosigkeit zugrunde gehen wird. Zudem will Schönerer in seiner unruhigen Rcformthätigkcit, nachdem er die Vandwirthe und die (Gewerbetreibenden ohne sonderlichnt Erfolg hatte bekehren wollen, sich nun aus die Arbeiter werfen und sic mit seine», agitatorischen Talent anfschüttel». Rn», die Herren (Gewerbetreibenden möge» selbst bcnrthcilen, ob cs i» ihrem Interesse gelegen sein kann, die Unzu fricdcnhcit i» diesen reifen noch mehr zu ctregcn. Die Herren l^cwcrbctrcibendcn klagen über ihre Bedrückung durch den (slroßbetrieb, aber die Arbeiter auch des Klci»bctricl>es beschwere» sich über A„Sbc»t»»g der Arbeitskraft dnrckh die Meister, und Schönerer will ihnen Mittel und zeigen, daß sic keine» Grund zur Silage mehr haben. TaS kan» auf keine» ,vall -günstig für die Meister auSfallen, und wenn sic sich auch jcvt noch den Hcpp Hcpp Rufern anschließcn, so ist das freilich ihre Sache. Bon der Intelligenz nnscreS Gcwerbcstandcs darf nun, aber mehr erwarten " In de», Schlnßartikcl heißt es: „B?er die ganze aiiiiscmilische oder, mißbräuchlich gesagt, ,dcntschnalio»alc' Bcwegniig bei lichtem Tage besieht, wird sindc», daß sic »nr Ber wirrnng i» die Slclinng der Tentsche» in Sestcrrcich gebracht hat, und da sich die Bevölkerung allemal eher' verivirrci, als befriedigen läßt, hak diese Bewegung immerhin einen Anhang sich erworben, dessen geringe Zahl durch Zähigkeit und die t^rnndsätze des Instamcnluich» gehoben wird. Taß dieser Zwiespalt, der von den sogenannten.Tcntsch nalionalci, in das deutsche Bolk getragen wurde und der sortwührciid lind i» »Iiverantworklichstcr PI eise angefacht wird, nicht zum Pfahle des deutschen Bolkcs gereichen tan», ist selbstverständlich, »nd wen» bcispiclsiveisc der Tbmann des Bundes der Tentschen in Rordmähren, Herr Herma»» B r a ß, sich bei der jüngst staltgcsiindciic» Hanptvcr sanimliing in Bär» in ganz gerechtfertigter P-eise über die Vanhcit, Schläfrigkeit und Intercssclosigteit der Tentiche,, am nationalen und politischen Vebe» beschwert hat, so wäre V» „»Icrsnche», inwieweit die sogenannte .dcnischnationalc- Bewegung i» V cslcrreich daran-schuld trügt, und cs wäre unserer Meinung »ach gut, erst sclbsf die Bcrhaue ans dem PIege, der zur Einigkeit aller Tentschen führe» könnte, zu ränmcn, statt sich i» seiitimciitalcn V lagen zu ergehen, die, wiewohl berechtigt, doch mir in der Selbstschnld der . Tcntschnakionalcn' ihren Urgriliid haben " E'ill jüdischer Allllsrillit. Tic „Bnkowinaer Rundschau" i» Ezernowih erzählt: Ei» Enriosnm, das man, ohne zu übcr Ireibc», unter die PIeltwiinder sehen töniite, ist ei» „Mcdeincr", der, einer der jüdischeste» hiesige» Iamilic» entsprossen, jcht Judenhaß bc treibt. Tabci kan» er sich über ein etwa zu prononeirk» arisches Acußeres durchaus nicht beklagen, '.','achdem der Edle in P-icu einige Zeit seinen^ Studien oblag, feinte er in seine Heimatstadt Ezernowitz zurück, um ' hier nute, gleichgesinnten <>'e»onc» als „Bollblntgermane" über seine ehemaligen <>ha»bensgei,ossc» die ganze Schale seines bittere» Geifers ansziischüttea. Ta man aber hier sür ihn höchstens ein mitleidiges Vächeln bereit hatte, suchte er den Enrort Vopiiszna auf, um den heimatliche» Bergen sei» t^ernianenthnm zu verkniidc». Tasclbst machte er die Betannischast einer '.>,'otarsfamilic, n»d diese würdigkc er'seines Uiiigangcs. da er sie für Arier hielt. Als aber der P-ackerc erfuhr, daß er es mit Inden zu thn» habe, ließ er seine neue Bekannschasl seine ganze Bcrachtiing spüre». Seine» antisemitischen Borbildern gemäß zeickpicle er sich nnn durch ein Bciiehmc» aus, wie cS gewiß in keinem >tnigge enthalten ist, »nd die Iolgc war ein Sübcldnell zwischen ihm und dem Rotar. Tie „Bnkowinaer Rnndschan" meint, daß einem solchen Bursche» gegeniiber eine -andere, wenn auch weniger ritterliche Salissaeiio» am Platze gcivesen wäre Zllstizillillistcr v. Schclijllg.' In Berlin sind (Gerüchte von dem bevorstchciidci, -)fiiettritte des Instizministcrs v. Schcl ling in Umlauf, und der dortige Eorrespondcnt der „,r,r a n kf» r t c r Zeitung" glaubt, daß mau sie nicht als völlig nnbegrüiidct znrückwcise» dürfe. P>c„n Herr v. Schelling znrückirele, meint der Eorrespondcnt, so werde man dies geradezu als eine» Erfolg des Anliseniitismiis bezeichne» miisscn. Trotz seiner siebzig Jahre sei Herr v. Schelling noch rüstig, und andere Ieindc als die Antisemitcir habe/er nicht Er sei seines Paters So<iii, und damit sei ansgespröcheu, daß er ein i» der P'ollc gcfärbter Eonservativcr ist Er sei zwar niemals ein leidenschaftlicher Politiker gewesen ans dem t^rnnde, weil er überhaupt nicht leidenschaftlich,^ vielmehr eine der kühlsten Ratnren ist: so weit aber sein politisches ‘ ^Interesse reicht, werde er theoretisch durchaus auf dem Boden der, Stahl'schci, Staatsphilosophie stehen. Tabci sei Herr v. Schelling keineswegs lhalenliisich PIaS er als Staatsseerclär, als Ministcr geiprochcn hat, sei stets klar und -sachgemäß, aber auch stets zurück: haltendgewesen. Er habe es geschickt verstanden, Angriffe, die gegen ihn gerichtet waren, abziiwcisc», aber er habe cs vermieden, de» geschlagenen ,rei»d zu verfolge». Tie liberale Partei habe gar keine Bcranlasinng, sich für de» Minister v Schelling zu erwärmen. Aber

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