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Freies Blatt · 1892-09-11 · 23 (11.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
23 (11.9.1892)
Date
1892-09-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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; ttr. 2.1. _ . _ ' freies gciftige Zurechnungsfähigkeit beobachtet wird. Ter Gerichtshof beschloß,^ j» Abwesenheit deS Klägers z» verhandeln, da der Dhatbestanh auch ol>»e ihn festgestcllt werden kann. Ueber die Pcrhandlnng tntnchnic» wir einem Berichte der „Post" Folgende«: Tie Klage fhll't sich ans eine Rede, die Ahlward.t in einet anliseniilischen Versammlung in den Germania Säle» am Abend des I2. Männer d. I. über säiädlichc» Einfluß der Inden in Deutschland gehalle,, Ix». Ablwardt be laiiptele, die Juden hätten eS daraus abgesehen, ihn zu vernichten, und deshalb achi «lrafanzeigc» an die SlaatSanwallschast gelangen lasse». Darunter desinde sich eine, ivelche ihm vorwerfe» er habe bei einer Fra» eine silberne Uhr er» noinme», sie aber nicht bezahlt n»d vergeht. Als Ahlwardt dann, von Glii» digrrn gedrängt, fr» Tffenbarniigscid habe ablege» müssen, habe er den Besiv o,-r »hr verschwiegen. Als er einige Zeit späte» »ach Westphalen gereist ivar, dal-e seine Fra» ei» schwarzbärliger Herr besucht, welcher ihr mitgelheilt habe, Recht-tanwall «lei» seien von Herr» v. B 2<l.<l<x> '.Marl geboten worden, inen» «lein diesem das Material zu d,m von Ahlwardt getcislelen Meineid veiichassen wolle. Ter Beklagte beslrill es cnlschieden, sich in dieser ätfcijf, >vie Mf Anllage behauptet, ausgelassen z» l>aben. Als ihm zwei Zeuge», die Herren -zimrnerinann »nd Haase, entgegenirele» nnd Überein.stinimend beluude». east Ahlivardt in jener Versammlung sich ganzi» dem «liiiic ausgesprochen babe, wie in der Anllage angegeben, ve>sichert dieser, die Zeuge» seien ihm .nicht ivohlgesinnl »nd deren Anssagen nicht richtig, we-llialh er beantrage, diese zu vroiololliren. Ter Gerichtshof ging.ans diese» Aulrag nicht ei». Au» er läiiterle der Bellagte, daß er in seiner Rede die Angelegenheit mit der Uhr gar leinen Ziisainmeuhang mit de», Rechtsanwalt «lein gebracht habe. Er babe vielmehr die einzelnen Fälle, deren ihn die Juden brzichligen, aiigesnhrt, und dann ,-zst sei die Sprache ans den Rechtsanwalt «lei» gekoinme» Ahlwardt iKhit dann ans, es seien zu einer Fran Schulz zwei indische Herren geloininen und babe» der Frau Geld gebolen, wenn sie behanplen inolle, daß Ahlinaidt liie Uhr von ihr dnlnoinine» habe. Fran «chulz sei jedoch ehrlich genug ge . weien, eiiizngrslehe», daß Ahlwardt überhaupt niemals eine Uhr von ihr gelaust labe. In der Bersaminlnng Inüpste Redner daun an diesen Vorfall Be liachtiingeii, indem er daraus hlnivies, ivie dir Juden velsahie», wenn sie »'inaiiden verdeibe» wollrn. So sei auch die Angelegenheit mit dein Ciinibainngseid. Daß er — Ablnardl — kiiien solchen geleistet, sei »beiHaupt nur nnei Personen belannl gewesen, dein kaufnian» Rustfeld n»d dein Rechts aniiurti «teil,.- Einer von diesen Beiden lönne e» nur gewesen sein, der dest Inden davon Millheilung gemacht habe Allein die beiden Zeugen beharren aus de, Richtigleit ihrer Anssagen. Es wurde hieraus der ReichstagSabgeordiiele . Piäenbach als Zenge vrriioinmk», welcher mit dem Rechtsanwalt «lei» über die Angelegenheit gesprochen haben und von dein Angebot der '^XXXl niail wisse» sollte. Zcuge Piäenbach iagte Folgendes aus: Er ist eines AbendS dci» Rechtsanwalt «lei» gekoininen, mit dem er in geschäftlicher^Beibludnng geslande». Er fand bei seinem Einlrill Slein sehr erregt. Dieser nahm eine >>ui,»„er der „«laalsbürger Zeilnng" aus und hielt sie dein Besuchenden mit e> Frage hin, ob er schon gelesen habe, daß Ahlwardt, obgleich er im Termine iintil zugegen gewesen, gerichlsseilig schlecht weggekoniine» sei, nachdem in dein J bnoeeß .>>, anchö srstgcstrllt worden sei, daß-Ahlivardl von dem Milangellaglen des Manch,-, dem Comniissionär Meper, ^Ll xx> Marl erhallen habe. Ze»gc Pittenbach bekiindet, die Erregung des Stein sei ihm »insoinehr ansgesallen, als it-ier für Ahlinaidt doch früher öslcrS Proresse gesührl. habe, «lei» »ahm dann die Proschüre Ahlwardt'«, tniff die Stelle »in, an der sich dessen Rechlsertignng inegeu der 2>* >t Mark besand, und legte sie . in den Tischkasten. Von weilere» tüeidangelegenheiten ist zwischen dein Zeugen- »nd dem RechiSanwall «lein leine Rede gewesen. Pittenbach, der mit Ahlwaidt sonst io gut wie gar nicht;»iai„me»ton»nt, ist iifffr die Volladung i» hohem Grade erstannl gewesen, da er in diesem «lreilfall nichts zu bekunden vermöge. Der Bellagte beantragte nun die Ladung des Tr. .'I ussero >v und noch zwölf anderer Herren, ivelche in der Persainnilinig in den Germania Sälen anwesend gewesen seien, tu» durch . ihr Zengniß ieststetlen z» lasse», daß die beiden Zeugen Ziminernia»» n»d Haaie blnrichlige» ansgesagl hälte»; außerdem die Ladung dl« stausmanr« Müller, welcher der schwarze Herr sei, der in ".'(hlrvardl'S Abwesenheit dessen Iran ausgesucht habe, »nd stellt noch andere Beweisantrüge, denen aber Rechts amvalv Böreschner entschieden entgegenliili, da sie unr dazu angelba» seien, die Sache zu verschleppen. Hier handle cs sich doch nur um die ineiiininiile Aenßerung und nicht »in »och a»dere nebensächliche Tinge, die den Bellagieii beirrssen. Ter Gerichtshof lehnle »ach längerer Beralhnng alle wdilereti Beweis aulroge Ahlwaidl'sab »nd hielt nur denjenigen belressS des .Nansinaiiii» M ü 11 •' r sür gerechlsertig«, obgleich der Gerichtshos von dein Borhandensein einer Be leidigung de» Rechlsainralls Slein durch den Bellaglen schon jem überzeugt ist. Hieraus wurde der Termin vertagt. jl lKlliscr' Wilhelm II. gegen bcii Aiiliscmitismus.j Die i» Magdeburg erscheinende „Israelitische Wochen sch r ist" berichtet über folgende bcdculsamc Kundgebung des Kaisers Wilhelm II gegen anliscniilischc Hetzereien: Tie antisemitische Presse hat in letzter Zeit 8 l a t k. Seite ■t. den ^berstlicutenant v. Moßncr, Eomlnandcur del Leibgardchnsareii, angegriffen, weil er jüdischer Abkunft sein soll. TcSwrgen ist sogar die „'.licuc Trutsche Zeitung" in Leipzig, die der ans Rußland ciiigewandcrte Erwin Bauer teilet, wegen Bcrlcümdnng nutz Belcidigniig unter Anllage gestellt worden Tic bctrcssenden Artikel sind dem Raster vorgelcgl worden, und 'derselbe hat daraufhin Herrn v. Moszner, der ihal sächlich einer israelitische» Familie entstammt, neulich bei der Parade zn seinem Fliigcladjntantrn ernannt. Er drnctte bei dieser k^elcgcnheit dem bcivährtcn Cffictcr, der sein ganzes Pcrtrane» besitzt, sein ltessle^ Bedauern darüber ans, dag der religiöse und politische Hass in Denlsch land heute leider »och nicht vor den Tsncicrsepanletrcn Halt mache, das; es Veute gebe, denen nichts mehr heilig sei, sobald cs gelte, ihrer lrankhasle» Berlcunidniigssucht Vnft zn schasse». Erfreulicherweise aber können derartige Berseumdungen.an ihn nicht hcranreichen. l Ein Wort Tiszo's.■ 'Ans An las; seines fünsnndzwanzigsäliriqen Jubiläums als L)bcrenrator des' evangelisch rcforniirtcn K irchendislrieles jenseits der Tonan einzifing. Koloinan D iszn auch eine (^liiitwnnich depntation der israelitischen EnlliiSgcnicindz' in sio.morn nnd jagle in Beantwortung der Ansprache ihres Führers, er hone, die Zeil weide bald kominc», .in welcher die Fesseln von den Eonsessionen fallen werde». - . (Alois Vicdltcilftcill und ZnltS Huret.) Ter Pariser „ I-' bringt ein Schreibe» dcö Prinzen Alois Bi cch t e»sl ei n, i» wcleliem dieser den Bericht über die Unterredung, die zwischen ihm nnd Jules H » r c t slatlfand,. als „i ni r o s; c n n n d a n z e» r ich t i.g" be zeichnet, aber einige Irrthüuicr berichligt, deren Ursache darin -liegen dürste, daß cs ihm «chrvierigleilen bereue, sich französisch anszudrüilen. Er habe, erklärt der Prinz, nicht gesagt, daß der in Indcnhänden. befindliche Eredit eine Ursache des «oeialismus sei, sondel» die Miß bränche, welclsc die Inden mit diesem Eredit treiben, als. Ursache des Antiseinitisnins in Oesterreich angegeben nnd hinzngcsügt, daß „alle »nscre Anstrengnnge» in Bclrest einer «oeialresorin cinniiilhig die cingeslcischlcsle lilegncrschasl seitens der Inden gefunden haben". Ferner habe er nicht gesagt, er' sei .'«oeialist, sondern sich als Anhänger der . «oeialresorin im christlichen «innc bekannt. „Tie Eneiilliea unseres Heiligen Paters, des Papstes.Leo X1.II., nnd die Ansichten »nsenr Parlci slimnie» in allen Punttcn überein" — erklärt. Prinz Vicchlen stein, der schließlich eine im , I''in:i>"" enthaltene falsche Angabe über sei» vcnvandlschasllichcs Pcrhältniß znm regierenden Fürste» Vicd)ic„ slei» richtigslelli. (Abgeordiieter Bebel gegen den Aiitiscinitisliliis. In einer Wiener Arbcilcrvcrsainmlnng sprach vor einigen Tagen der soeial demokratische deutsche Reichstagsabgeordnele Bebel. Im Banse sein r Aussühriuigcn berührte er auch den Antiseinitisnins. ^Dieser habe, jagte er, gar keine Bcrcchlignng, und der Ramps gegen das „jüdische Eapital" sei ein Wahnwitz. Ware cs möglich, -nllc egpilalistischen Inden ins Meer z» versenken, wo cs,-am liesslen ist, wären morgen di^Zn stände dieselben. An die «telle der Jude» würde» gut germanische- Ehrislcn treten. Es sei eigentlich nur der Neid nui die Mule, die diesen fälliose» Anliscinilismns zum Handeln stachelt. (Gegen dt» strich. Ten Antisciniten, 'welche Habgier als eine spceisisch semilische Eigenart hinzustelleu liebe», gebl cs sehr gegen den «lrich, daß sich in letzter Zeit die Fälle hänfen, i» denen „Arier" aus l^cwlnnsncht die. größten «chändlichleiie» verüben, und-zwar solche „Arier", welche nicht zur Elaisc gewöhnlicher Perbrecher zählen. Erst neulich wurde in Wien ein „christlich soeial". angehauchter «elcher meistcr vcrurlheilt, dessen Würste auch suherbeu enihielien ’ T österreichische l^/sctz ist für dcrlci-M'isselhalen viel z>i milde, nnd" de> . gewissenlose Mann tarn mit einer Geldstrafe von In sl. davon, «chlcchtcr erging cS einem'seiner Berliner Berufs nnd l^itsinnnngs genossen, einem .«chlächtcrincistcr T lto Poll mar, rvelcher sörkgeiel-i Pscrdcslcisch nnd Fleisch von tnberenlose» Irinder» zu Würsten, verarbeitet halte. Es wurde ihm eine l^esängnißstrase'von sechs Monaten nebst einer t^eldstrafe von Bl>l> Mart zncrtannl. Die antisemitischen Redcrcic» von jüdischen Rörurvlichcrern, welche wir ^>,r den jüngste» Tagen anläßlich des „Internationale» «aalcninarlles" rvicdcr io 011 hören tonnten, werdcis durch einen Fall illnstrirl, rvclchen der „T be r . lans.itzer Pollsbole" ans « ch ie-l i n g Swa l de bei Bäritze» miltheill. Ein dortiger als Anliferuil belannler lBnlsbesitzer I>alle-.je,l zwei Jahren seine reichen Erträge an üroggcn anigestaveil nnd äva> trotz der hohen <iietreidcprci.se nicht zu bervegen, seine Porrällre zn ver lausen, weil er sagte: „Das muß noch thenrer werde», che iäi los schlage."'A'achdem aber die Roggenpi'eise in Folge der. Zoltermäßignng \ nnd im Hinbliit der gnlen Enite inimer mehr laute», »liißle ersicli doch-entschließen, seincit Rörnerrcichthnni an den '.Whim zn br-inge'n 1 Doch alS cs an das Einsalten gehen jollle, zeigte es siel;, daß Milliarden von Rrebsrn das Getreide durchseuchte», und daß dasselbe

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