Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 23 (11.9.1892)
- Date
- 1892-09-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 :HVi1)tfti i'tr N'iil'It lOiiinraliivn Partei, jener Nechte», deren Haß gegen de» 8ai;Ie> >» den Aero Artikeln der . „Hmijscitmifl" nnd iit der „Reichsglecke" ,i.fiit emeir idm-adien Tbeil 'eines trifte; abgelagert Kat. Ten A»»d, e. n diele beiden Parteien bei der diesmaligen Präsidentenwahl de- Ahgeoidnelen lon'.s durch die Roäiwiitnng de» 8öl»er Toindaufestes verhind.rl wnide», zu de'ilgelti, .baden sie timer dein Banner der Aiiliseinitenbeivegung, gedeckt durch m: Ungetänck ilnev Gegner, auss.R.ne schließen können. Ter fernerhin treffende B.ick de» xanzler« in er nicht, der dieser Bewegung Ziel und Richtung vorz .ihi.ot. Taliir aber auch, wie kläglich, wie wideilich ist da» Schauspiel/ das >:>■ erli.r-i: Ta iit zuerst Herr Stecher, der eilte» eigenen Slrei »vagen führ uud' Mtt der Seheiar, welche lieh leidst Äulileinil II nennt, wenn inan seine» "eenen gl.'.nbe» d,i>l. iiiäiis zu iknu dal. So lange er eine geselliämslliebe Moiol gibt, da! da» Belfadren für verwecstich gegolten, gegen einen linbeilimimeii und deckt uHefi l'e;eichueie» Theil der Beikledendeu den Zorn der Mehrzahl zu etirgen und i'uie Bezeichnniig der Peito» allgeineine Anklagen hinzu ichlendeiii Bern inl iii dieein Bertahre» siel» die Hin.erlist und die Feigheil , i I'Iichi. negtie de ichliinine Thar zu lehnten lind sich sogleich vor der Per .ii.iiror/i.l lei: zu '-impen snehi, weleche sich gleiech schwer vecinndigl an den Per Ie» N ie an de» Ttcker». Wie soll inan das Bersghrrn des Herrn Stöcker r 'nichueii / har es auf der Rediierbnline des Äbgeordiielenhauses geleliildert >.ir* l'eitt-eidigi. Ih,n in die Snden'rage weder eine religiöse iiveh eine Rare» >>ae,e- ’oiT'cru eine;e ia! ell iiefie. Wenn dieler Ansdrnck i» dein Sinne gebraucht i. eiden in. de» er allein haben kan», lo heiszt das: Herr Stocher ivill nieniaikd it-eder »Ni der lildi'cken ÄbliaiitNtuiig willen betäiNv'i oder beschränkt sehen, er N ili nur aciri'se z'I»swncl>le auf dein Boden de»' »'diäten V. hen» bekäinpfen-, und , zu ar nur l iitch die Mittel des inorali'chen Eiiislitv's, der ösieiitliche» Mts; dittiina. der Wock-'oiiiteu gegen lnh nnd Ändere. Tie-er 'Weg liegt ja einem P.ediger nahe z. ihn zn beirelen, in da» Borrecht der .Naiizel. Aber er Ivird .z 'adrlich. irenn er voll der aianzel in die Brts»verlai»i»lnng führt, ivenn er /e geine-Uiie Sviache der erneren mit der draslilchen Riicknchl»losi/,keit der liNieti» reiiau'cht. .wenn er, anstatt die'Gesonimiheii der Hörer an den nn ii. tiih.u > ii Rtchner-zn reiweilen, de» Eigenni-V und-die Veiden>ck>o'l einer w'tden -.'.'i.1 - ui d:e Rolle des äußere» nnd liine>en Richteis zugleich rin'ebt. Wo» hat Heil Siculer in leinen Bo:ksve>l.»ijinlu»geil gelhau> Er Kat .eine zusainnien >.e„ ii,n l:e, „lizmechniiilgssahlge B alle olnie Broees; zur inoralilchten Bernrihlilung o:.Heimen nnd de» Haß dieler Mali.- li»i lo.gefährlicher enlslaiiiuil. als er ihr .i-iegeiids de,: pratiinbeii Weg zur Bisleiiiiig der beklagten Zustände geiviele» heu. Herr Stochet tat nchi nicht eti »ui zn den sordernngen der Anti'eiiiileiipetilion zu deleiinen gewagt: nur den vierten, ganz weliblosen Pniilt, lo sagte er, habe e. Kuinrcuet, die übrigen widerratben. -Nnd doch har er. d:e Petition unler;e -luiet. nachdem er zuerst den Berliich gemacht, die slnterlchrill abzuleisgne». Irn/ dieser .t'uiiiii, lo unsicher in seiner Einsicht, will als Reformator anstreteu, -- l iü: "ch"en'en zweiten Vlilber neiineu ohne vor dem.Ge'iihle der Beranlivortulig i» 'ie Eres zii sinken! ' . VIii d! '.'!t Vlrtitel, lueldici auch mit Viiiiflldit ans die jetzige Haltung tis'..i'''i.i:zbileii"'einiges /iiietesie beaiilpziichk, tiiiipfi miserc Berliner Hecke./i,'die Frage: ..Wie veNragl sich aber mit der'vorstehenden Vlns '-'"ung Uder die Sio>ker'schc Vlgikalio» die in den Hamburger Rach t iilchen vor >klli",ei» ansgeklellle Behanplnng, Fiirsl Bismarck - habe d e Ei'c'lge del Vlgilaltou Slöcker's gern geiche»?" Rach niiserein r.tNitballen iu die Völnng aller Widersprüche darin zn sindeii. daß sviiin 'Bismarch'wie in der auswärtigen Politik so auch in allen.iiineren Vliigelegenheilen genieiniglich daraus bedacht.war, zwei (iifen iui Feneb •,u l'.iben, und dieser Hlewohnheit selbst im dlrnheslande Iren geblieben :m. '.Inlaß!ich jener erüe» Vliitiieniitenpetilio» gab der preußische Minister des .'line'.n es war derselbe l''rat E u len birrg, welcher heute-dci» pzenßi'chen Minißeritliii präiidirt und nijeder das Porlesrnille des *"H >:: Händen bat ans Vliidrängc'n der ,vorlschrittsinä»ner>:schließ li.li'd e r.eet»!:e EiIlarnng des scnl.alts ab, daß ' die Regierung eine d:e >^iot.1,'.-.".echti>ping anshebende ^'.'sehesäitderiliig nicht anstrebe, lieber diwns,e Vlgilauc',! sprach er kein Vrori des aadels, so daß der .vi'ihrer d-.l .vorl'cht'lispartei sich zu der Beinerknng veranlaßt sah, seine», Vr-iinsche l’.ittc es entsprochen, wenn die Rcgiernngse.rilärnng elivas >rai Mer ge>vese,i wäre. Slocker und «^enosse» aber betiachteten die offi -lelle 'Vleußernng als Vlnsinnniernng T as-Merkinal der Bis»,ürek'scs,e» Sl.llnng zn»! Vlntiseinitisinns war stets eine wohlberechnete Zwei kenngkeil. - . ' .>» Berlin i nnf und Ber lag von Mar Hossschläger erschien ein ' ... /vitt B i s in a r ek und die reinen Vlntifeiniten“ iiberschriebenes -v I ii it hjn 11, welches durch das Bitrea» des dortigen Pereins zur Vlbw-hr des Vtiitlseiiiitisiiius - Berlin, \Y , Magdebnrgerstraße 1 zue lu;!.ljen :>t ,eiir 1 •» > Ereniplare sind «'»U Psennig, für 1UOO t£rcntl'liue ., Mark eiiiziisenden Tas ,'ringblatt lautet: Viiäii» bewein so übe die „««ckinnung-tüchtigkeit" der vtiitiseniiten ,al» ihr Beib.il' i, ge,u::nder dem srirnen Bismarck. Vlts der sfnrsl »och der all- Blatt. Nr. 23. mäch lige Reichskanzler war, da ei schien »nter den Flugblätter» de« Herrn Fritsch auch ein Bismarck-Flligblatt. Unter dem Bildniß de-Fürsten war ei» Theil der Rede abgedrnckt, die der Fürst im Bahre 1817 gegen die Einancipatio» der Juden gehalten hatte. Man verschwieg, daß Fürst Bismarck sich später auch ösier-Z in änderem Sinne geäußert hat. So. eiklärte er n. A. in der Sihung de» preußischen VlbgeordiieteuhauseS vom 30. Jänner 1872: „Sobald wir den Staat in eonfessioneUe Siücke schneiden, a»' welchen jede Coiifession ihren ver hällnißmäßigeii Ämheil haben Muß, so koinmt auch »och die ganz beträchtliche .hopszahl der jüdischen Bevölkerung i» Betracht, deren Mehrheit sich ja durch besondere Befähigung und Jnlelligenz für Staalsgeschäste auszeichnet." *) Fürst Bismarck ist nicht mehr der gebietende Mann im Reich, er ist ei» Privmmann im Sachsenwalde. Mau du. s denjenigen, die ih» zur Zeit seiner Macht bekämpft haben, den Ultrmiionlaiie», lüberaleu und de» „Dectaranten" der eonservalive» Partei das Recht nicht »ehliie», de» Fürste» auch jeht de lampsc.». Böen aber die Scham abhalle» müßte, de» Fürste» zu setlinäheii, das sind die Äiktiseiniien, die zur Zeit seiner Machtsnlle sich an ihn heranzndrangxn versuchte» Lilie verhielien sich aber die Vliiliseniiten noch dein Slnrze de« Fürste» Bismarck:' Stöcker behanplet in einer Unterrediiiig mit dem Berliner Cor reipondenien des „Rew z'jork Herold", - er feiin reinen Bestrebnnge» durch den Fürste» Bisiliaick behindert worden. I» deü „Hamburger Rachrichten" stand losort zu leien, daß Slvcker sich in einem uub'egreislichen Jrrthili» befinden »inffe. „Tie Vlgitalion seiner Parlei," so heißt e« wörtlich, „ist durch den senheren Reichskanzler niemals gehindert ivoiden, vielmehr hat derselbe die Wahlerfolge mit Freude, gesehen." Auch Herr Frilich, der Bersasser deS BiSinarck-Flng. blaues, rückte von dem Fürsten ab. „Wenn einzelne Änlisemite»," so schlieb er in de» ,Tenl'ch>oeiaIen Blätter»', „einen übeltriidenen Bismarck Cullns pflegen, so löniien wir ihnen das nichl venvehre». Tie Veiinng der .Temschsoeiate» Bläuet' weiß sich davon frei." 21 in heftigsten aber waren die Vtngrinc der Vthlivardt'schen Sippe. Bn einer Schrift „Tie Vtutiieiniten nnd Bismarck" heißt es B.: „Ter Anti ieiiiitismii» war von jeher für Bismarck zu gut. War denn Bismarck elwaS andere« al« euer Feind? War er nicht da« mächtigste «glied der Blldelischnb truppe?" Ans dem Teckel dieser Schrift lvar ein anderes Schandbnch: „Groß Preußen oder die verfehlte '.steiigestaltniig Temschlaiws" angepriesen mit sol gender Empsehlung Vlhlwardt's: „Selbstverständlich ist die Schrift, weil gegen Bisn arck, kräftig amiiemitisch." Geradezu säainlos ist aber eines der jüngsten aiiiiieniiti'änn Erzengnifie: „Tie Wahrheit Über Bismarck", deren Berfafier, nach Vlngabe B rliner Blätter, Vl hl ward! und der „SchnslsteUer" V.'iiiliel' sind Ta iviid Bismarck als Vthköniinling von Jude» und .8>äin»tn dargestellt; seine ganze Politik, die Bersiaallichuiig der Eisenbahnen, der Friede mit Rom, das Biiiiduiß mit den Eonservalive», habe nur in schmnbige». Geldgeichäslen ihre Ursache. In der geheimnißvolle» Weise, die auch aus anderen Vlhlivardl'schen Schrisien helannl ist. werde» Eriminalveihrrche» angedenlel. So heißt cS i» der Brotchüre: „Bald daraus versäiivaud Haller ans eine niiausgellärlc Weise." (S.!*!*.) „Es. ist im hohen Grade alissallend, daß gerade diese beiden Gebitrishelfer des neuen Temiäteu Reiches lind die vornehmsten Zeugen nnd Zenger deSselbeu: H ö »ig 1!iidw i g nnd .8 ronpt i »; Fri edrich. zur Zeit, als nochmal; Bismarck alle Gewalt und allen t^lanz an sich zn ziehen in der Vage war, ein jo nn natürliches, rälhselhasie» Ende nehmen mußten." l S. 78.) Auch dunkle Pläne von einer Thnastic Bismarck weld.ii angedenlel, für die 8rone der Schrisl Hallen >vir aber solgende» Vtilsiprnch: „Jnkeß die »Mer Veitiing des stkaeen genossen Bleichr'öder's stehende. Presse sorlwähreiid ang'peilschl war, es hinaus zlipot'auiieu in alle Well: Wie granß die Teilschen dastehen innen ihrem grausten Bislnatck." ' Als Bismarck der allmächlige Miiusler war, da wurde Kaiser Friedriä, in nicht iviederziigebeiiden Vlilsdrncke» vo» de» Autisemilen als der Proleeior der Bilden hingestelli. Gleiäizeilig wiirde zum Vtngrifs geblasen gegen die „seile Bnteiipresse", die den eenlichen Hero-s wie ein TherfileS schmähe. Bel>t, wo mit Bismarck lein t^eschän mehr zu »laäien ist, da war er das mächtigste Glied der-Budenichiibtriippe, ein Ergebnis! jüdischet" Reelame! Wahrlich, diese reine hoben den Ausspruch des Aiilisemile» Marr reiflich verdient: „Ich bi» em aller Parleigäiigei, aber nie habe ich mehr Erzschelmenbande gefunden als nmer den hemige» t^eschäflsamisemile»." / I Stein contra 2lhlwardt. Vlm I d. M wurde vor dein Schösseugcricht in Berti» die Beleidigiingsklaqe des Rechtsanwaltes Dr. Stein gegen den Er Rcrlor Vthlivardt vethandelt. Zn>» Tcriniit war der Beklagte, nicht aber der äitägcr erschienen: für diesen stellte'sich dessen Pcrtrctcr, Rechtsanwalt LPrcschner ei». Rechtsanwalt Tr. Stein befindet sich noch in der psiichiatrischc» Vtblhcitnng der Renen Eharitü, wo er ans seine *) Ter Abgeordnete Windhorst antwortete damals: . . . daß auch andere Eoiifeifioile» das Recht hätten, eine Beeiicksichtigniig zn haben, ist uiizweiselhasi, und ivir habe» i» de» vergangenen Tiätcn wiederholt nufere Stimmen erhoben, daß den Bsraeliien ihr Recht werden müsse. Ta« hat niemand bestritten.