Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 19 (14.8.1892)
- Date
- 1892-08-14
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4. Freies Blatt. v'orvn v d. iSol? in die Hände des Gesandte» v. Brandt gelangt sei und kieier die ganze Gesandtschaft alarmirt habe und lveggegmigen sei. Ich wollte auäznin Tempel und traf unterwegs' den inzwischen verstorbenen Baumeister Aß in an» Während ich mit dieiem sprach, erschien plötzlich Paasch in. einem . über und über beschul uv reu und »wagbare» Zunande Er sagte nur zu uns: .Na. sind die fettet schon da?" ES gelang uns durch lleberrediiiig, ihn in die lüeiandl'chast bincinziibringei,, zu welcher er wohl instincNv zurückgefuiide» Halle Paasit, >atz dann eine SSeile aus der Veranda des Gesandiichastsgebäudcs, widerie von eviein Tieiier Tinte und Papier und schrieb ans eiiieu für einen Händler besliininten Zettel: „Bitte um sine halbe Ilaiche vergifteten Eham vagiter!" Ich holte Herrn v. Brandt herbei und.bestellte einen Arzt Alsdann vbanianrte PaLich und ries n. A.: „Herr Biiinsier, gehen Sie zum Xaiser, ver'chanen Sie sich eine Audien;. ich beschwöre Sie, nnd sagen Sie ihm: Paai'ch in da, es kann noch Alles gut werden!" längere Zeit verfolgten ihn Wahnideen, nnd er ring an zu toben Es gelang dann, ihm beruhigende Medikamente, Cmiiiit ii dg!, beiznbrtlige», und als ich Paasch wiedersah, lag er anscheinend 'chlai.iid im Bette. Wir wachten abivech'eliid bei ihm. oit der folgenden Rächt bat er den bei ihm wachenden Herrn Ajzinann in der »iiglanblichi'ten, brutalsten Wesse iibei'allen, ihn ins l'-esickit gebissen, ist zweimal anogebrochen und am Morgen aus dein Zensier gesprungen, wobei er sieh den Arm gebrochen. Borher! alte er sich mit einem zerbrochenen Uhrglase so leichte Berlebungen am Arm rnae'ügi, easi der Arzt ibn. nicht einmal verbunden-hat. Rach diesen bösartigen Anialleii baden ibn niedrere Perionen gewaltsam ins Bett gebracht, nnd. wir baden ein Teckl-tt über "ibn sesigebniideii, das; er nicht.ausivringe» konnte. Er u\ü ui g>>äb'lich, MR jiii eigentlich niemand an ibn^Keranwagte. Tiefe Be ' bandiuiig, bei meidier Vaasiti ivie ei» lleineo xind gewanet iverA'n innsite. \u;en, eiing? T.ure Ebiiiesische Tiener wachten an leinei» Bette/wir lösten und in der Sderan'sicht ad Endlich ivurde er ruhiger, und v. Brandt trug durch gilnges Zurede» und liebevolle Erinabnungen weiemlich zu reiner Be inbisti.ng bei. ,li» Aiiguü «eiste Paa'ch nach Tientsin, lind ton dort liest er roz» ernein Tclmei'ch ^i> Briete an den Ge'andten schreibeii. die in der. Bro 'chüre adgidrnrkl nnd. Rechisain:alt Tr Iv, rs Wi''e,i Sic ,-nvas über de« Berbleib der pariere und 'Ji; Reiten de Her.,, bau ich - — Zeuge: Meines. Wissens hat Paa'ch sie Herrn v Brandi in dei Absicht übergeben, sie den chine iichen Be bilden .p, überiniitelii. v .eBrandi Kat die Pläne nnd Ausarbeitungen ins Hi Uiesinche nber'ei.-en las'-ii und hat Baa'ch in Begleilung de-7- Herrn v. d. (.W-It? : amu zum >'HHieia!gouverneur ge'chiili.. der die Sibrisisiiicke in Emptäng ge uoMiNeu bat Rechtsanwalt Tr ,-vers. Ich rede „ich! von den chinesischen ilide:>>!-iiugen, -ondern von den 'Triginalarbeiten des/Puaich. Winen Sie. >vo die geblieben sind? — Zeuge: Ich glaube, sie sind ans Auswärtige Amt ge-, schickt worden Tr. Ivers: isilauben Sie dies, oder wissen Sie es? — Ze i! ge- Zch kabn ictk sogar Niiizii'ügen, das; dieser Tage, ein Herr asts dem Aurwäriigen Amt zu mir qeiagt kai:/„Was will der Paasch -nur: Herr von B'.andt l a: do,t> die belr,sseitden Arbeiten ans Ausivärtige Amt ge-chickt." — Aro^llagier Paasch: Ter Ge-andte Herr v. Brandt Hane ein geheimes Archiv .eingerichtet, in weichem inan bei ilim als Bertraueiisinamr wichtige Tosu mente ouibebe» konn^ Tort habe ich meine Arbeiten der'Sicherheit wegen deponiri, aber er sollte sie natürlich glicht für sich behalten. Zch Halle ilm uur lichelen. gewstne Tinge politische. Rainr a» Bismarck einzuienden. — Bor 'ipender: Sie boren die Tarsiellung des Zeugen, die doch von der Ihrigen ire'eullich äbweicht. Müssen Sie Nicht eigentlich zu der Erkenniniv lomineu, da st Alles nie Idee ron Ilmen ist.- — Angeklagter: Im Gegembeil! Ich mochie den Zeugen amti noch nach folgendem srage,,. Angeblich soll Herr v. Bi and: hj li,'lernst bem.-gt um mich n'iihrend meiner XranlKeit gewesen sein Ist-dem Zeugen nicht belanni, daß Herr r Brandt eine Zivaugsjaete besorgt und sie l:i nu n, Tiner mit emiiii+en BeineUungen iiber mich kerumgezeigt tnttte - Zeuae Tavon weist ich nichts. Rechtsanwalt Tr Ive rs: Ist 'ein.-ii •<-,! i> :eud eine Entsteh,luasuriache desangeblichen Wahnsinns bekannt. .zH:oii--u - — Zeuge: Wir haben im Interesse des Paasch ausgespreugl, das; er i oii! Sc-nn nst'äi tlc-'-.lleü -Ei, »i» ibn in seinein Interesse vor ksisier Rachrede »»' darc: zu 'sinnen, ^,e -'eaiidal'üchtigs Menge von Ivlinuiiitnuivi» '■'!« köiime " Alsraui, n,:>- kr Major a. T. .Hai: Friedrich Heinrich PaulI> verrn I e. selbe et! ärt. dass er r.'i'ei'ter Ervorigesellichaft tbärig sei. . Er sei ''".neizeii ans de: Armee getreten, »eil er von der chinesischen Regierung enoa-zir! iviilke Treieinbalb Jahre lang >ei er anillich bei leisterer Ihälig ge ne-'». dünn sei er aus A--ro. r über die Maännaiione» des -Herrn v. Brandt > an! gewo-.d.-u und 'ei nach Europa gegangen. Später .fei er nckh Ehiiia zi»ii>tbe>!li'en n eiden und l abe einen neuen EoniiTct mit der Regierung gemacht, , d'-»:n -ei Ls wieder krank '.'worden-nnd nach Äiröpa znrüelgekehrt. Er habe rrichiedime Beziehungen zu Tr. Z'eiiz und anderen Eoiisnlatscertreiern gehabt, — Prä> : itVieji Sie etwas Rachtbetliges über Tr. Venz zit sagen? — Zeuge:' Jawohl, Tr. Z'enz Kai sich verschiedene Rachlässuzkeiten im-Amte;» Schulden foimneiT lasieii - P rä >.: Tarüoer sieht Ihnen gar kein Urlbeil z», sondern nur seiner vorgesevte» Behivde xöinie» Sie Thatsache». aufiihren, ans denen h.'irargebi. das; Tr Z'enz kein glaubwürdige.' Zeuge ist? .Zeuge: Ja, sch Nr. 19. klage ihn der Unterschlagung im Amte an. Der Zeuge erzählt dann, daß Dr. kenz die Hinterlassenschaft eines Verstorbenen an die Erben in Europa zu senden hatte. Darunter hätten sich auch viele Goldsachen befunden. Dr. Lenz habe einen Theil dieser Goldsachen für sich behalten und in einem kleine» Paket minderwerthige Goldsachen, die er in Tientsin selbst gekauft, abgeschickt. — Staatsauw: Hat der Zettge die Goldsache» selbst gesehen? — Zeuge: Rein, cs ist mir aber von glaubwürdige,/ Personen erzählt worden. — Staatsauw.: Ich lege gar kein Gewicht aus diese Aussage. — Rechtsanwalt Tr. Ivers:' Tie Bercheidigung auch nicht. -— Angekl. Paasch: Der Zeuge Pan»; wird doch wissen, daß v. Brandt einmal die Absicht hatte, auch ihn für verrückt zn erklären. — P räs.: Zeuge, welche Bewandtniß hat eS mit dieser Behaiipiiing? — Zeuge: Ich habe durch Herrn v. Brandt meine Stellung nnd mein Vermögen verloren. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Herr von Brandt lind alle seine Lreaturen nicht die deulschen Interesse» vertreten. Er Kal mich geschädigt, wie er Paasch geschädigt hat. Ich habe gearbeitet für deuliche Inleresien-. . . — Präs.: Das gehört nicht hieher; ich wünsche nur That i'achen, aus denen sich entnehmen ließe, daß Dr. Lenz ein unglaubwürdiger Zeuge ist. — Zeuge: Ich weiß, daß Tr. Lenz einmal mit vier betrunkenen EoinmiS Eisenbahnschienen i» einer für den Eisenbahnverkehr bedrohlichen Weise ansgerisien hat.— S taat «a n w.: Woher wissen Sie da»? — Zeuge: Ich habe es gesehen, und es ist mir erzählt worden. — StaatSaiiw: Das sind doch zwei einander!allsschließende Dinge. Ich lege gar keinen Werth ans diesen Zeugen — Rech^sanw. Tr. IverS: Ich auch nicht, denn, derselbe scheint mit Thatlachen nicht dielten zu können. — Staatsauw.: Ach bitte auch, beit Z.'iigeii nicht zu vereidigen -.Wenn derselbe den Iol. tüt der Broschüre ab gedruckieii Brief an Paasch geschrieben hat, worin er den Tr. Lenz als „schiel - äugig" bezeichnet nnd Herr» v. Brandt beleidigende Bezeichnungen beilegt, so ist er' als Mitlhäier zu belrachten. — Zeuge: Ich habe diesen Brief ge -chrieben, bestreite aber, das; es eine Beleidigung ist, wenn ich jemand schiel äugig iienlie. — Sla alSa nw : Ich erlaube mir anderer Ansicht zu sein. — Ter nochmals vorgeladene Zeuge Tr. Lenz bestreitet die Beschitldignngen des Major Panlp als gänzlich unwahr. Wahr fei nur, daß er eines Abends Schienen, die sehr nubegiiein vor dem Eingang eines Locals gelegt waren, habe ivegichaiien lassen - Angell. Paasch bittet nochmals Herr» Paul», mitznlheile», -daß in der Thal durch die Milbilfe des Herrn v. Brandt in mehreren Iällen Perwiie» für verrückt erklärt lverden sollle». Wen» so etwas so oft vor tomme, sei dies doch auffällig. - P.räs.: Sehen Sie, Angeklagter, ich denke mir, daß alle die Leute, die nach Ehi-na komme,, „nd nicht gleich die gewünschte Förderung ihrer Projeele durch die Gesandt schaft finden, der Geiandtschast U eb les. n ach red en. Ter Gerichtshosi saßt den Beschluß, de» Zeugen Panlp nicht;» ver ' eidigen. Ter Gerichlshof beschließt sodan» die Bertagnng. Der Beweisanlraq der Perlheidigung, welche darlege» will, daß der „Sch»lchaü-Ar»ch" »och heule das gillige jüdische Geiepbuch-sei, wird abgelehnt. Tagegen wird/dem Beiveisantrage desk Aiigeklaglen Paasch statlgegebe», wonach der Gesandte v. Brandt in Peking iiber eine Reil»e von Anschuldigungen, welche Paasch gegen ihn erhoben Halle, coinmissarssch veriiominen werden soll. dic Cvfcr dee ^.'littiscmikisiillis in .lauten.) Für die Iämilic Luichhoss und die übrige» durch die aukiseinikische Beiuegiiiig geschüdiglen jüdische» Bewohner von Ictitte» erhielten wir eine weitere Spende von Z st. mit folgendem Begleitschreiben: -Meine Berbällniss^ zwingen mich, noch einige Zeit der anlisemitische» lste sellnhail äußerlich aiiziigehören. Mit dein Herze» gehöre ich ihr aber nicht mehr an. Ich habeiinich überzengl, daß diese Gesellschaft einen schlechten Ziveck mit sträfliche,i Mittel» verfolgt Ter Proceß wegen der Geschichte in laute» Hai mir die Augen geössnet, undich sehne den Augenblick herbei, in ivelchem ich, aller amiiemitischeii Iesselu ledig, mich wieder i» honelter Gesellschaft werde bewegen Imine». Vorderhand fei es mir erlaubt, 3 fl. aus der Sparbüchse meiner Tochter, welche, ich gestehe es, al-S „llnterstülruiigsbeilrag einer kleinen Aiiliiemiiin" für das „Tculsche Pollsblatt" besliinmt waren, den Lpfern der lanleiier Vorfälle u, widme». Ich glaube dainil auch besser dem Wunsche nicines xindes zu eliliprechen, welches den. Betrag zu einem guten Zwecke ver wendet wissen wollie. (Eine mm folgende Aenßeriing des „Bekehrten" über die Urbeber des lanteiier Processes ist unseres ErachtenS -unbegründet und obendrein ans preßzesevlichei, Gründen nicht reprodneirbar.» Im ii'aiizeii lstehe Ausweis in 'J(r. 17 des „Isteien Blattes") stud nnS an Spenden für Bnschhofs und dessen st'eidenSgcfährten 170 <>l ii lde n ii » d Mark ztigekommen, die wir iitin an die Berliner lieiitvalftcUc für Sammlungen, das BaitkhanS Delbrück, Leo (i o., abgefenbet haben. , (Tic Reichsrallis-Candidalnr des?r. lckronawctter.) I», anti semitischen Lager hak die Nachricht von der Reichsrathscanhidatiir des?r. -ttronawetter im ersten Wiener Bezirke Schrecken erregk, und sic schlagen Alarm. -In erster Reihe sind cs dic Bertretcr des „Socialissmils für den dummen -sterl von Wien", welche über diese Kandidatur