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Freies Blatt · 1892-08-14 · 19 (14.8.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
19 (14.8.1892)
Date
1892-08-14
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Freie» Blatt. Seite Nr. 19. SJatelli unter der Anklage der Hilfeleistung. Jncriminirt ist ferner ein Aufruf "äiT die deutschen Wähler aller Parteien und beider christlichen Eonsessionen. Paasch und Minde werden ferner beschuldigt, zweimal während der Dauer der Beschlagnahme einer confiscirten Druckschrift dieselbe verbreitet zu haben. Paasch, Minde, Hille und Radetli sind schließlich angeilagt wegen eines Aufrufs: „Auf, Deutsche, zum Stampfe gegen daS Judenthum." Den Borsitz führt Landgerichtsralh Raufe st er, die Anklage vertritt Staat«- auwalt Hoppe, die Bercheidigung de« Hauptangeklagtefi Paasch führt Recht» anwalt Dr. Jver», außerdem ist Rechtsanwalt Stünz aus Magdeburg als Per iheidiger des AngeNagten Schwerdtner zur Stelle. Bor Eintritt in die Verhandlung ersucht der Bertheidiger Tr. JvcrS um Vertagung mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Paasch und stützt sich aus daS Zeugniß eines Dr. Pielke, der bekundet, -.daß «r Paasch vor einiger Zeit an einer Kehlkopfentzündung behandelt habe. Tkr gerichtliche Sachverständige SanitätSralh Dr. Mitteuzweig erklärt jedoch, daß a»S einer Verhandlung keine nahe Gefahr für die Gesundheit des Angeklagte» zu bestirnten sei Ter Gerichtshof beschließt daher in die Verhandlung eiuzulrcten. Angeklagter Paasch, nunmehr über die Sache selbst befragt, erklärt, de» Wahrheitsbeweis führen zu wollen. Angeklagter Fritsch will den Inhalt der Broschüre, die er verbreitet hat, nicht gekannt, sondern nur im Allgemeinen gewußt-habest, daß sich dieselbe gegen die Jude» richte. Tie übrigen Augellagten wollen von dem Inhalt der Broschüre sowie der Flugschriften nicht-; gewußt haben. Ter Thatbestand ist im Wesentlichen folgender: Paasch halte in de» achtziger Jahren vergeblich versucht, von der chiuesische» Regierung die Zustimmung zur Ausbeulung von Kohlen- und Eisengruben sowie zu Eisenbahnbaule» zn-<erla»gen. Er macht nun in seiner Schrift haarsträubende Schilderungen von den Zhstiuiden bei der kaiserliche» Gesandtschaft in Peking, welche er al» vollständig von jütischem Geist erfüllt und mit jüdischen und Börscnkreisen verquickt darstellt, beschuldigt Mitglieder der kaiserlichen Gesandtschaft, daß sie versucht-haben, sich mit Gewalt in den Besitz der von ihm auSgrärbeiteicn Pläne zu setzen und sie zum eigenen Nutzen zu verwcrlhc». Bei der Beiprechmig der Aiigelkgenheii lonnnt Paasch aus die gesaniinte» obgenannte» ReichSbeamtc» zu sprechen nnd beichuldigt sie einer ganzen Reihe strafbarer Handlungen; er macht über dieselben schwer cbreiikränkendc Aeiißernngen. Tic Quintessenz der Broschüre besteht in dem Bcrsnche de» Nachweises, daß v. Brandt und eine ganze Anzahl von Beamten mit dem „internationalen JUdenthum" und dem Börsemveie» aufs Engste vcrlnüpsl leien »nd sich mit Hilfe des letzteren;n bereichern suche». Paaich behauptet sogar, daß man sich seiner mit Gewalt habe entledigen wollen und ihm u. A. auch, vergiftete Pastete» vorgeseyt habe. Ans Antrag des Dr. JverS beschließt der Gerichtshof, die gcfaminten in rriminirten Schriftstücke (mehr als 2titX) Seite») znr Verlesung zu bringen. Es beginnt hieraus die Verlesung. Zunächst ist eine Stelle der Broschüre inrriminirt, wonach der Gesandte v. Brandt Paasch habe erkläre» laste», daß er ihn ins Irrenhaus bringen oder il„i sonst Mseiiigen lasten würde, wenn er seine Angelegenheii in dkc Seffent - lichkeit brächte. Paasch erklärt dies beweisen zu können und äußert sodann, daß er Herrn v. Brandt für einen Agenten de» JudciilhumS hallt. Derselbe sei auch mir dem frühere» ReichSgerichlSpräsidente» v. Simson verwandt und habe jede Woche dicke Briefe an diesen gerichtet, die doch nicht wissenschastliche» Inhalts gen>ksen sei» könnten. Der Angl klagte äußert weiterhin die Ucberzkugnng, daß um de» dentschenKaiserthro» herum ein großartiger semitischer Betrug vor sich gehe, und daß der Kaiser vom geheimen Inden ihnm umgebe» sei, welches die Wirkungen seiner Befehle ver mittelst seiner Machtstellung srnstrire» kann. Herr v. Brandt wird al« ein Theilnehmcr dieses gebeime» Wirken» geschildert. Ter Angeklagte hat in Ehina zwei Selbstmordversuche gemacht, von denen er selbst in seiner Broschüre erzählt. Eine Bemerkung seiner Broschüre, daß Herr v. Brandt sei» blutiges Hemd genommen habe, erläutert er dahin, daß die» für „jüdische Ritnalzwecke" geschehen sei. Die weitere Verhandlung wird auf Montag vkllagt. - H, August. Tie Verlesung der Druckschriften des Angeklagten Paasch wird zu Ende geführt. Daß er mit seinen Pläne» in China nicht Glück gehabt habe, daran 'ei, nrie Paasch schreibt, nur der Einfluß de« Jndenlhums schuld Ter Vicetönig in Peking sei ihm sehr freundlich begegnet, bi» ihn ein PegalinnSiecrclär besucht und umgestimmt hatte. Dem deutschen Gesandte» in Peking. Herrn von Brandt, dem Legationssecretär Freiherr» v. Ketteler, dem Viceconsul Tr. Rudolf Lenz, den Brüdern kindau :e wirft Paasch ihre angebliche jüdifche Abstammung vor, und er behauptet, daß bei de» Inden eine Schein lauste erlaubt sei; der Jude dränge sich i»^ den Kreis von Christen, um dort Erfahrungen zu sammeln 'und für seine GlaubenSgenosteii zu verwerthe». I» dem Briefe an den Kanzler greift Paasch die öbgcnannte» Beamten; an. Ferner sagt er, daß das Judeitthuin niemals ehrliche und pslichtgctreue Beamte stellen werde, undunmittelbar daraus bezeichnet er den Atlach« bei der Madrider Botschaft, Freiherrn v. Eckardtstei n, als SlammeSgenosten de» Herrn v. Brandt, als Nachkommen eines Diebe» namens Stein. Ter Fall Eckardtstein veranlaßt de» Staatsanwalt Hoppe, zu bcmerken: Auf Grund der mir auf meine Ermittlungen zngegangenc» 'Nachrichten 'muß ich annelunens daß hier eine Ver Wechslung vorliegt. Ter Stammbaum de» in dem Flugblatt erwähnten Frei- Herrn v. Eckardtstein kan» bis zumVEndc de« vorigen Jahrhunderts verfolgt werde» und weist keine Ausnahme einer Person jüdischer Abstammung aus, < wohlllber soll ei» anderer Freiherr v. Eckardistai» liier lebe», in dessen Familie eine Jüdin durch Heirat ausgenommen sein soll Tieier Freiherr v. Eckardtstein hat aber mit dem GesandtschasiSanack,'-, denen Mutier eine geborene Grän» -'t leist v Oi ol (f ii b o r f ist, keine Gemeinschaft. — P aasch erwidert: Meine ' Angabe habe ich von zwei Herren, welche ich al«. Zeugen Vorschlägen werde. —' StaatSanwalt Hopve sagk hieraus: Ich lege übrigens keinen besonderen Werth darauf, ob der Freiherr v. Eckardtstein jiidncher Abstammung ist, oder nicht, denn ich finde die Beleidigung viel weniger darin, daß der Freiherr von einem . jüdische» Ticbe nameys Stein, abstamme, ai« darin, daß der Freiherr von jüdischer Abstämmling sein soll und von den Juden behauptet ivird, sic könnten leine ehrliche» und 'pflichigetreuen Beamten sei». 'Nach beendigter Verlesung der Truckichristc» werden die Angeklagten -mit Ausnahnie Minde'«, welcher angeblich durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, eiiivernönimcil. Sie bestreite» iämniilich ihre Schuld. ' ■ — -!> August. Vireconiul Tr. b'enz wird al« Zeuge vernonuiien. Vom Präsidenten be fragt, ob er die Darstellung de» 'Angeklagten über da» sogenannie'Alienlal in der Broschnic kenne, und ob diese Taistcltnng richtig sei, erklält er: Vieles ist »ie'inlich, das Meiste aber -sehr entstellt, und die Hauptsachen sind direct falsch dargestellt. Paasch ist meines Wisse»; im Sommer 1**7 nach Pcling ge komme» und war zunächst-Gast des Herrn v. Brandt, der ihn mit anßer ordentlicher Freundlichkett und piebenswürdigkeil aiimafim. Oiachdem er einige Monate in Peking gewohnt, machte er eine Reist in» Innere und besuchte Gkgendeu, deren Kohlenreichihuin die 'Anlage von Eiseiibahne» vielleicht empschlen . löinite. Otach seiner Rückkehr nach Peking mieihele er sich in einein etwa zwei Slnndcu von der Gesandtschaft enlsernten Tempel eine Wohnung, wo er -sich mit der Ansarbeituiig itincr Eiscnbahnpläne befaßte. Im Frühjahr l*** fragte mich Herr v. Brandt, ob mir an Herr» Paaich i» letzter Zeit nichts aujgcsqllen sei. Ich bestätigte die», da ich die Beobachtung gemacht hatte, daß Paasch in legier Zeit außerordentlich aufgeregt^ war. A>» *. Mai besand ich mich mit Herrn v. Brandt auf der Hochzeit der Tochter eines Chinese». Beim Weggehen wurden uns kleine Hochzeiiskuchen zum Milnehinei) angebolc», nnd ich nahm ein Palet Kuchen mit. »Dies ist der .Kuchen, der in der Broschüre des Herr» Paaich eine.Rolle spielt. . Als ich mit Herrn v. Brandt nach Hanie gekomincn war, überreichte uns der Pförtner der Gesaudlichail eine .Karre oeS Herrn Paasch, welche nur die Worte enthielt: „Hochverehrter Herr Miniftcr! Keine Gnade? Und womit? — Ihr trcuergebeucr Paasch." Herr. v. Brandt bat mich, sofort zu Herr» Paaich hiiianszugkhene AlS ich zu Paaich lam, war cS schon ziemlich dunkel geworden Ich fand Paasch etwa« uiatl vor, entdeckte aber au ihm sonst nicht» Besonderes. Es war etwas schwül, und wir traten in eine» Höhliveg. Ta fragte mich Paaich: „Ist Herr Buchheister lei» Coneurrenl von ihm) in Peking angekonimen?" - 'AlS ich die« bejahte, sagte Paasch: „Ter ist auch ein" Nagel zu meinem' Sarge." Tann kam eine kurze Paust, und plötzlich brach der Wahnsinn bei Paasch aus. Er rief plötzlich: „Wir dürfen nie' mehr nach Pekiyg zurück, wir. sollen vergiftet werden, wir alle beide — Sie auch!" Tann lies - er kort. Ich suchte ihn zu halte» und ihm zu sagen, daß wir doch erst envas efie» wollte», er aber rief: „'Nein, »ein, cs ist 'Alle» vörbercilci, ich habe ein wundervolle» Souper hergerickuct, komme» Sie, lomine» Sie, retten Sie sich!" Er ließ sich nicht hatten, sondern sagte: „Im Hinterhalte sind 2'*> Man»!" Tann habe sch ihm nicht mehr folgen Nonnen. Es gelang mir, einen, zufällig' de» Weges kommende» Karre» zu iniethe», ich fuhr bis vor* da» Thor der Stadt nnd fragte nach Paasch Ich suchte mir in stockfinsterer 'Nckht mühselig de» Weg »ach dein Tempel des Paaich. Ter Diener desselben fragte mich, >oo -Paasch wäre, woraus.ich ihm sagte, daß er kraul sei Ter Tiener fragte sofort: „Er ist wohl verrückt?" nnd sügle hinzu, daß Paaich sich in letzter Zeit zu sonderbar gezeigt habe. Weil ich glaubte, daß Paaich uock) vor den Thoren von Peking weilen oder zu Schaden getominen jei» könnte, bol ich etwa sechzig p'cnte aus. ließ ihnen Patenten geben.und schickte sie auf die Su3k nach Paaich ans. Tann schickte ich einen Bries nach i>er Geiandii'chaH an Herr» v k. Goltz, in, welchem ich schrieb:' „Paasch ist wahnsinnig lind irrt vor den T Horns umher." ES gelang mir, trotzdem die Thöre vou Peking schon verschlösse» ivarcn, diesen Brief doch noch in die Stadl zu "bugsiren. Wir suchten hange vergeben» nach Paaich, bis uns ei» Thorwächier sagte, daß ein Mann, ans den die Perjonat bcschrcibung von Paasch paßte, noch vor Thoresschlus; in die Stadl gelaufen sei. Ich wußte, daß Pääich in-seiner Behausung Schußwaffen haue, »nd da ich fürchtete, daß er sich oder Anderen Böse« anlhun tonnte., hielt ich mich ftir berechtigt, in seiner Wohnung danach'zu juchen. Ich fgnd in 6i»ein offenen.Kofier drei Revolver vor, welche ich an, mich nahm. Tabei sand ich auch Schrifstncke, welche bewiesen, daß die Gedanke», denen Paaich in seiner Bio>chnre 'Ausdruck! gegeben, ihn schon lange vor Ausbruch de» Wahnsinns beschäftigt haben, 'Ich | fand näinlich die Entwürfe zu Reversen vor,-in welchen die. Mitglieder der Ge! saiidlschafl anerkennen sollten, daß sie Paasch wie'Schulte behandelt hätte». Als! ich bei Helle»). Tage auf die Gesandtschaft kam, Höne.ich, daß mein Brief an

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