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Freies Blatt · 1892-08-07 · 18 (7.8.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
18 (7.8.1892)
Date
1892-08-07
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Freies Blatt. 1 Seite 7. Nr. 18. Acht erfahrt man, daß er auch des Polnische» und Rnlhenischen in dein Maße mächtig ist, daß er sich zutraut, die christliche Bevölkerung GalizicnS in, Interesse der antiseinitischen Internationale ausrcizcn zu können. Lorbeerkränze tvird cs für Schneider in "Tarnow und Brodh kaum gebe»; weit leichter Quitte ihm ' dort eine ausgiebig« Tracht Prligel zu eiuein Marthrium verhelfen. Prinz Liechtenstein wird jedenfalls gut Ihu», nicht initzureifen. — £. (Wieder eine gesprengte Persaiiiiltlttiig.) Es vergeht leine Woche, w« nicht aus irgend einein Orte der Provinz Nachrichten über eine gesprengte antiseinilisch« Bersainiulung einlaufen. Tic antiseniilische, oder, wie sie sich aus der Ambulanz nennt, „christlich-sociale" Partei scheint in das Zeichen der Tecadence getreten zu sei»; ihre Führer, durch die fragwürdige» Erfolge bei einigen vorstädtische» Desperados allzu kühn gemacht, glaubten auch die Provinz ini Sturmschritt »ehine» zu können; allein Niederlagen über Niederlagen charrten ihrer draußen an den Stätten des gesunden, selbstbewußten Volksthum». Wie in Linz, St. Veit a. d. Glan, Warnsdorf und anderwärts' endete auch das ain 31. Juli zu Schattau bei Znaiin veranstaltete l'lastipiel der Wiener Sendbote» des Prinzen Liechtenstein mit einer vorzeitige» Auflösung i» Folge der heftigen Opposition, welche die liberalen und socialdemokralischcn Beiwohucr gegen Lueger, Schneider und Gregors geltend machten. Be - zeichnend für die Art und Weise, wie es die Anliseiuite» mit der Nedefreihcil halte», ist eine Scene, welche sich gleich zu Anfang der besagten Persanuntung . abipielte. Noch vor Eingehen in die Tagesordnung richtclc der Socialist Neuen a lyt an de» Vorsitzenden, den bekannlcn T nrchsaUScaiididaten Buchdrucker Ngvrattil aus Znaiin die Fnterpellalion, ob auch ankere Personen als Gre - goHg, Schneider und Lueger zu in Worte gelangen können; der Vorsitzende iMuc dies jedoch mit der Motivirung ab, daß anderweitige Ncdncr nicht aus - «m Programm stände». Tie« rief eine» stüriniiche»,. langauhaltende» Protest hervor, und wurde die Ruhe erst wieder hergestelll, als Lueger die Zusicherung gab, daß auch die Gegner seiner Partei je eine Viertel stunde zur Entwicklung ihrer Ansichten daS Wort erhalle» werden. Als jedoch Neuinann nach einer iin bolaiintcn Jargon gehaltene» Rede Gregorig's »in das Wort bat, wurde ihm diese» verweigert, dasselbe aber dein Wunderiuechanikcr Schneider ertheilt Dies war das Zeichen z» erneute» turbulenle» Scene», während welcher ei» anliseinitischcr Diplomat ans Neuman» zutrat und ihm veriprach, er werde das Wort erhalte», lufiiii er gegen die liberale» sprechen ivolle. Neumaiui wies aber dieses Ansinücn gebührend zurück. Ter neuerlich sich erhebende Tunuilt bewog den anwesenden RegierungSvcrlrelcr, die Vcr sanunlung für aufgelöst z» erklären,'»och ehe Schneider den guten Schallauern icinej gelungenen Geschichten von den niagparische» Rumänensressern, von der z» M Percent auS abgestrasle» ZnchthäuSlern bestehenden „Eoneordia" u. s. >v. erzählen konnte. — Für den 21. d. berufe» nun die „Christlich-Saeialkn" eine nur ssür „Eingeladeuc«' zugängliche Versammlung, nach Schaltan ein, ui» ihre Ansührer von dem Schmerze, den chnen verhaltene Rede» bereiten, zu befreit». Von den Znaimer Arbeitern wurde für de» 14. d. eine Versauunlung anberauinl nud zu derselbe» auch da» Eonuiiando der „christlich socialeu" Wiener Streiter geladen, tvelchcs jedoch,' da Vorsicht der bessere Theil der Tapserteil sei. hübsch iveil voiu Schüsse bleiben dürste. «Ein antiskinitischrr Fiigkiidbuud.) Aus Krems Ivird »ns geickiriebeii: Fu einem Ausrufe, de» ei» anliseinilischcr Fugendbund an der Spree erläßt, strotzt eS von anliskinitischen Hetzphrase». Es sei endlich an der Zeit, sich von kein Joche der lüdischen Knechtschaft z» befreien, daß sich die deutsche Fugend dessen bewußt werde, was es heiße, ein reines, echtes deutsches Vaterland zu wisse», oder immer von den Fudeu ausgcsogcn, ftelS geknechtet zu sein. Ter Bund, dessen Losung laute: „Mit Gott für Kaiser und Reich wider die FndeiG, wolle für einen Monatsbeilrag von nur 25 Psennigen die dcutlche Fugend »uh hohen idealen Zielen naher bekannt iuachcn. Das junge Deutschland müsse sich »i» die Fahne deS AntiseinilisinuS sainmelu. Wir lapire» diesen Berliner Bund nicht höher als die antisemitische» Allüren einiger Kremser Gymnanastcii. Nur wenige Buben, die eine Mittelschule besucht haben, verkoininen und sinken zu' antiseinitischen Schriftleitern herab. Die meisten streife» ersreulicherweise, wenn sie heranwachsen, die Jugendeselei ab. Mögen dieselbe», so lauge, sie eine blaue oder rothe Kappe trage», Schöiiercr'schen „Hochgedanken" huldige», nach absolvirten Studien wendet sich ihr Sinn praktischen Ziele» z», lind sie habe» dann den Ehrgeiz, Polizeiconcipist;» werde» oder gar bei einem k. und k. Hof staat Unterkunst zu finde». (Trunkenbold und. Lügner.) T^r ivege» Trunkes entlassene Pastor Tr. Danneil, welcher jetzt!seine Episte»; als aiiliseinitischer Wandcrprediger sristct, hatte »ach cinein Berichte des „Ostsricsischen Anzeigenblattes" in einer Versammlung zu Tornui» ebenso wie i» andere» Vcrsammluugcn er klärt, er sei als Pastor nicht abgejetzt, sondern ,»ur zum» Zwecke seiner jetzigen Agitationsreise vorübergehend aus dem Amte getreten, nach Beendigung seiner Reisetöuren werde er jedoch in der Provinz Sachse» als Pastor wieder angeftellt. Zn der Anstalt Bethel des Herr» v. Bodclschwingh sei er nicht, wie von anderer Seite behauptet werde, als Pflegling, sondern alS besoldeter Beamter thätig gewesen, er habe aber wegen'Zwistigkeiten unter den dortigen Beainte» seinen Posten niedergelegt. Zur Beglaubigung dieser seiner Aussage präseulirlc er eine» Brief des Herrn Pastors v. Bodelsckpvingh, mit dem er als Freund und Evllege iioch läglich ini Briefwechsel stehe. Herr v Bodelichiviugh, aus de» 'Mißbrauch ausnictlsain gemacht, der mit seinem Name» getriebe» wird, vc> öffentlicht nun ei» Schreiben, in welchen, cs heißt: „Tr. Tanneil ist Pflegling unserer Anstalt gewesen, von seinem Vater hier nuieigebrackil, der auch für ihu bezahlt hat. Von Zwistigteiien unter den hiesige» Beamten, u», dcreiwille» er seine» Posten hier »iedcrgclegt habe» will, ist mir »ichtS bekannt, wohl aber daß er sich nicht entschließe» konnte, die Wege i» die Stadt und i» die Vcr saniinlnnge» auszugcbe», »nd daß dies ihm zur Bedingung seines Bleibens i» der Anstalt gemacht war. ES ist mir nicht erinnerlich, jemals einen Brief von Herr» Tr. Tanneil ruipsangen zu habe», jcdenialls habe ich eine» solche» »ich» beantwortet, cs »iüßlc den» id»,' daß icli, während er hier n»S heimlich ver laflen halte, ihm die Bedingungen geschrieben, unter denen allein wir ihu wieder als Pflegling ansnehmcn lönnten, aber auch deflen entsinne ich mich nicht." ) (Für 20 Pfennige.> Eilt Eutroe von nur 2" Psenuigen verschaffte am' l. d. M. den Anliscinilen vp» Hamburg und Altona den Genieß, eine» Herr» Raab zwei-Stunden lang über hen LandgerichlSralh Bririus, Pro-, lessor Tr. Nöldeke, die - S laalSänwallschast und die Vepthcidigung im Proeesse Buschhoss tchinipfen zu höre». Als ,.Zugabe" zum Programm vernahm das Auditorini» auch den AuSipr'uch eines Herrn S teiger, daß das Rechlsbcivnßtsein hcS deutschen Volkes durch einen derartigen ProeeßauSgang wie in Eleve keine» ivegS gestälkt werde. Tas aiiliseinili'che »Ncfindel, welches eiucn Fnstizmord hcrbeisehnle, der sich dann zu Hetzzwecken verwenhcn ließe, kan» sich ossenbar von dem Schlage, den« ihm der Vcrlmis und das Ergebnis! der: Elever Ver. Handlung versetzt haben, nicht erholen, und der Aerger über zerronnene ZulnnftS plänc gibt sich in de» widersinnigsten Schmähungen kund. (Vicbcrmnilll ill Der Slcmillt.) Ter antisemitische Hetzredner Lieber in a iikam jüngst ans einer Tournee durch Baden in die Kleninie. Zn B r u ch.s a l setzte ihm Fabrikant Louis Marx hart zu und wie» auch daraus hin, daß selbst Herr v. Friese» sich über die jetzige anlisemitischc Agitation und deren Macher äußerst abfällig ausgesprochen ^habe Tic anliieinilischeu Zuhörer machten lange Gesichter und waren durch die schärfe Entgegnung Marr' so sehr verblüfft, daß sie sogar vergaßen, ihre „OhoS" von sich zu geben. Licberniaun luchte sich aus der Verlegenheit zu helfen, indem er behauptete, er habe einen Brici des Herrn v. Frielcn erhalten, worin vieler ihu tim Entlchuldigung bitte Tas Entschuldigungsschreiben volzuleicu, unterließ er aber; daß cm lolches überhaupt eaiftirt, ist leineswegs jestgestellt. . 2lus antisemitischen^ blättern. i Ein Hiiildcrljährtgkr.) Nachträglich besingt auch F r v, sowcn die vor handeur» .uräsle reichen, seinen Brolgeber zu dessen, sün'zigstem Gebunslage. Fzo feiert Schönerer, al» einen Hnndertiährigen, denn viele Fahre feine« Lebens sollten äl>< „Kamps- und Kriegsjahre doppelt und dreilach 'gerechnet werden". Ta Schönerer, der Sohn eines glücklichen Unirrnehmers, eines Groß eapiiatisten, sich in seiner Fugend nicht geplagt und erst seil 1*73, in welchem Fahre er als liberaler Abgeordneter die öneniliche Lan'bahn betreten, lick, kerndeutschen Osmiarkvolke geopfert bat, so brächten wir, auch wenn wir iämmilielie neunzehn Fahre dreifach rechnen wolllen, . leinen Hundertjährigen, heraus: wze das Fro zustande gebracht hat,, wisicir wir nicht. Auch begreifen wir nickit. daß der Gratulant von Fremdlinge» spricht, die Schönerer in den Kerker geworren hätte». Unseres Wissen» waren cs doch Richter auS dem deutschen Ostmarkvolle, ipelche Schönerer ans Grund dTs^StralgeseveS oerurtheill haben. Verständlich ist.nur, daß sich Fro .schon heule ans den 2<>. Teeenibkr I*!»3, an. welchem Tage Schönerer wieder irr den Besitz feiner bürgerlichen Rechte gelangt, anßeiordcntlich sreut und sür denselben die Abdalliing 'eines ParicisesttageS anlündigl. Ter Zuckerbäcker a D. wild mit dieser Anlündignng auch einigen aeliveu Gast wirthcn eine große Freude bereiten. . >Ps»i!> Wir erhallen folgende Zuschrift: „Geehrter Herr Redaetene' Tie Herren Antisemiten tönncn -ihre Wnth, daß sie in der .Theater und Munt auSstellung' nicht das große Wort führen, nicht verbeißen. Bei >edemiienc» Arrangement, welches dazu bestiinint ist, der Ausstellung Gäste .zuzusülirc». die selbe zu cinein geselligen Anziehungspniikl zu gestalten, beginnen icnc ianbercn Gesellen von Neuem ihre läppische» Nörgeleien. Aber sie nörgeln nicht bloß, sic schimpfen in der unflätigsten, unanständlgsten Weise, wie ein mit .Pliri! überlchricbeuer Artikel des .VoltSblalt' über-tas letzte linrlienische Nachtsest beweist Fnhall und AusdrnckSweise dieses Gemächles ist sä jedes Anstandsgesübl verletzend, daß ich e»'meiner Frau und meinen Töchtern um leinen Preis in die Hand geben möchte. Der antisemitische Berichterstatter, welcher niit'Erlotg in die Schule der modernen Pornographen gegangen zu lein scheint, verrälh eine so erstaunliche Local nnd Sachlenntniß in pikanten Fragen und eine derartig versaute Phantasie, daß man sich bei seiner Moralpredigt an die Fabel.vom Fuchs erinnert, der de» Gänsen predigt. Nebenher will ich nur bemerke», daß ich das lustige Eonseni Bombardcinent initgeniacht, aber auch nicht das Geringste

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