Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 18 (7.8.1892)
- Date
- 1892-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite fi. Freies Blatt. dcr antisemitischen Agitation befinden sich in Gladbach und in Crefeld. 3n (Gladbach erscheint auch eine Zeitung, der „Gladba-cher ' Merrur". der neben dem Ultramontanismus den Antisemitismus brutalster Art betreibt. ^iachspicl zum Protest Bllsltlhoff. Tas „Clever di reisblatt" - bringt die Meldung, daß der'3nsti;i»inister gegen sämintliche antisemitische -Heilungen, die Verleumdungen des (Gerichtshofes, der Staatsanwälte und ("eidwmeueii gebracht haben, klagbar vorzngehe» beabsichtigt. Antisemitische Propagaiido iiciiu dcntscheil Militär. Man berichtet der „Franksnrler -Zeitung"' aus Ulm:' Gelegentlich einer Auseinandersetzung zwischen der antiseinitische» „Ulmer Schnell post" und der volksvaneilichen „Ulmer Zeitung" bringt letztere einen lkmstand;itr (iennlniß des Pnblirnms, der auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient. Tie von dem kaiserlichen Gonvernenient der Festung Ulm rechten und linken Users ausgestellte Wachinstruetion enthält die Vorschrift: „Mit Ausnahme der .Uluier Schnellpost' dürfen Trncksachen der 'Wache nicht zngehen. Gin Exemplar dieser Zeitung wird durch den Selträger von der Hanptwache über bracht, ebenso das Schreibmaterial. Tie Zeitung ist wenigstens 24 Stunden zu erhalten." Es ist mehr'als verwunderlich, daß in dieser 'beeise von der höchsten inililäriiche» Stelle der Festung das Velen einer nach ihrem Programm anliiemitischen Zeitung den waeliihnenden Soldaten nicht etiva ge stattet, dagegen ließe stch wenig sage», weil ei» Perbot »och schliminer wäre, sondern — sozusagen ausgezwnngei.l wird. Ansgezwnnge» insö tern, als alle anderen Trncksachen verboten sind und ein ausdrücklicher Peiehl daiür sorgt, daß jede-'Rninmer wenigstens 24 Stunden, d. h. so lange erhalte» werde, wie jede Wache dauert. Natürlich-dient in nin'erer großen Garniion immer auch eine Anzabl jüdischer Soldaten, - und es ist lein Zweitel, daß das Porltandensein des antisemitischen Hetzblattes in den 17 Wachloealen der Festung zn ihrer besonderen Erbauung dient und außerordentlich geeignet ist, den kameradschastlichen t^eist zn fördern Rimmt man dazu, daß Württemberg ddch anch iübiid;c Unieroisieiere in seinem Armeeeorps hat allerdings keine jüdischen lReserve und Vandwehrossieiere, und daß die „Ulmer SchneUvost" '.schon Anilel gebracht bat, die, wie ihr sogar von der Strafkammer btscheinigk wurde, wohl imstande sind, christliche Soldaten yir Ge lioriainsverweigernng gegen ihre jüdischen Porgesetzten ans',»reifen, so wird der obenangesührie Tlieil-der Wachinstruetion völlig unbegreiflich. Tie Wacknnstrneiiokt gilt anch. wie gesagt, für die Festung rechten Users, d. h. für die bäurische «Garnison in Ren Ulm. Tort dient ein aeuver jüdischer Hanvtmann, was mögen sich ivohl die Soldaten seiner Gonivagnie denken, tvenn sie ans Wache sind? UebrigenS wäre rs möglich, daß man bei Erlaß dieser Wachvorichrisken von der Tenden; der' „Ulmer Schnellpost" noch nichts wußte, oder daß eS det» Perleger der iairbeien Zeitung, einem Rittmeister der l'andwebreavallerie, sonstwo g-lnngen >st.'die Ansnahmssiellniig für sein Platt zn erringe». Tann u-.fi e es - aber höchste Zeit, wenn den' maßgebenden Behörden die Augen g oisnei und die P.^achvonchritten ent'vrechend geändert würden. Wer ki.- i7 '.'lboiuiemenks für die Wache bezahlt, ist unbekannt. Wie niitiiciiiiiifdic „Wilseiilchafl" geiiiacht wird. >4» Mai I ,ni f r,i sandte neulicheme Verlagsbuchhandlung von „Mär >i a n t.o f o w-i.eEirenlare, durch welche sie zur Snbseriplion ans eine ..freie" Ueberietznug des „Ehoiechen Mischpat" anssorderte, ivelche unter - .'.USilwirlnng hervorragender Fachgelehrter" von „Professor Tr. 3 eck). A."'F. E. V '■!- de Pavl»" veramialket werden solle. Wer 'sind nun die „hervor:ageirden. Fachgelehrten" und wer jener Professor Tr. de Pa?ln? Es ist de:>elbe Hintermann PrimannS, der vor längerer Zeit ran der Sehwei', ans Snbseljz'lionsgelter für' eine angebliche lieber setziiiig des Schnlchan Arnch saniinelle, also jedenfalls eine in Sachen 'der jndi'che» ' Vitenitur durchaus zuverlässige Person. T iesmgs geht man nt an de: er Wene ans de» Fudensang ans, indem man' eine Perkagssiinia >iiit jiidiichem Ramenstlange unterzeichnen läßt. Doch schon ein stiichtigei Pliek belehrt jeden -kundigen, daß daS Schriftstiiet nicht ans de: F-der eines iialieniichen 3nde», sondern eines iiiter ' nationalen Antiiein:ien geflossen ist. Für die echt antisemitische Unver srorenlieil der Unternehmer-iv: ichr es, daß sie sich aus jenes erste Werk, welelns tliatsächlick nie über das Probehe'k hinansgekoiniuen ist, als- . Beweis sin .die lleber'etzung-'lnnst des Autors berufen. Als weitere Begründung der lutffcnfdiafitidu'ix- Gelehrtheit des Pavlh wird an gesuhlt, das;. der Pavst ihm seinen Segen ertheilt und der Ezar ihm einen Anelkennnngsbrief geschrieben habe, '.'licht lange wird es dauern, so ivird das besagte Buch von antisemitischer Seite als wisienschaftliches C.iiellemueif ersten Ranges anSpoi'aunt werden.' Um Ausweisung der Zuden ans Boktnschani. - Tw sosialdeniokraliiche „Munea" berichtet: „3n Botinschani benützten etnige 'stauslenie. insbesondere Buchhändlei, welche ans den guten Geschätts gang des dortigen Bnchhandlei'd und Bnchdrnetereibssitzers Gold Nr. 18. sch lag er neidisch waren, 'eine gute Clelegenheit, um den gefährlichen Eoneurreiiten loszuwerden, indem sie' die Agenten des Präfeden Tturdza für ders Project gewannen, Goldschläger in die socialistische Bewegung zu verwickeln und ihn so inS Verderben zu stürze». Die Agenten' zeigten thatsächlich dem Präfecten an, daß Goldschläger und seine Setzer an der Spitze der Soeialisten stehen, wie schon daraus ersehe» werden könne, daß das Arbeitermanifest für den 1. Mai in der Typographie des Genannten gedruckt wurde. Shne die Sache näher z» untersuchen, erstattete der Präfeet seinerseits einen Bericht an das Ministerittin, worin er die Ausweisung der Jude» als das einzige und radicale Mittel zur Unterdrückung des SoeialiSmuS in Bottnschani .verlangte, und der Ministerrath entsprach diesem Wunsche." lC'iuc WohIUtiitigKitSvorsttlliiilg.) Man schreibt UNS: „3» Pete r s bürg arrangirte der erntisemitische Redacteur deS ,Graschda»i»', Fürst MeschtscherSkij, eine Wohlthätigkeitsvorstellung zu Gnnsten eines Waisenvereines. Die Persönlichkeit des Arrangeurs brachte eS mit sich, daß die Vorstellung schwach besucht war und nur ei» geringes Ertrügniß lieferte. Der russische Liechtenstein bot seinem Publicum sehr zweifelhafte Genüsse, und die geschmacklose Verspottung von 3ndeü, welche die Hauptnuniiner seines Festprogrammes - bildete, widerte die anständigen Besucher an. R'nr sehr niedriger Gesinnung, behagt es, wenn man sich über' Bedrängte lustig macht." Mein Glllllhtlishaß.) Einer der vielen Ukase, welche die russische 'Regierung zur Bedrückung ihrer jüdischen Unterthanen erläßt, lautet: „3n Hintnnft wird die Verrichtung gottesdienstlicher Handlungen von Seite der 3nden sowohl in Privatwohnungen alö auch in eigens hiezn bestimmten Voralen, wenn hiezu keine behördliche Erlaubuiß vor liegt, mit ÜOO steubeln bestraft." Wahrscheinlich ist auch dies eins jener weise» Maßregeln, die bloß znm Schutze des ivirthschafklich Schwächeren gegen seine Bedrücker dienen. (Tic Zudcil sollen mir zahlen!) Ein am 22. Juli .promulgirtes russisches Gesetz ermächtigt die Polizei, die Juden a»S russischen T örsern auSzuweisen und sie znm Uebersiedeln in jene S rtschaften zu nölhigen, welche ihnen für ihren Anfentl;alt bestimmt wurden. 3» russischen Polizeikreisen wird diese „Ermächtigung" freudig begrüßt worden sein, denn sie bedeutet, wie jeder weiß, der nur (^ogol'S „üeevisor" kennt, eine Erhöhung ihr-er Bezüge. «Ans dem wirklichen China. Der „S st asiatische i'loyd" bringt aus Shanghai nnterui lO. 3u»i eine Mittheilnng, welche gerade in unseren Tagen zu lehrreichen Belrachjungen und Vergleichen anregt. Tas'Blatt schreibt: 3n Wusieh, einer Stadt, die etwa 2>> deutsch^ stteeilen von Shanghai liegt und der Mittelpunkt der Seidencnltur ätiangsns ist, sind unter dem Volke während der letzten Wochen wieder zahlreiche Gerüchte über vorznnehmende Ausschreitungen gegen die christlichen Missionen laut geworden. Bekanntlich wurden in Wnjieh im Sommer v. 3. die katholischen Missionsgebäude sowie älirche» niedergebrannt. Zu der unruhigen Stimmung haben die Gerüchte Anlaß gegeben, daß die Missionäre eine», großen Balken in der im Ban begriffenen -Kirche anbringen werde», der zuerst mit dem Blut von iiOO minder» bemalt sein muß Hört man irgendwo von einem >li»derdirt'stahl, so heißt es sofort, daß die Binder'an die Missionäre zu . lvsagtei» Zweite verkauft worden sind. An. de» Straßenecken WusiehS fand man Plaente angeschlagen, welche besagten, daß so und so viele .Minder für Missionszwecke Leskohlen ivorden seien. Ems dieser Plaeyte war folgende» Fnhalls: „Es ist wahr, daß die Katholiken dieses Platzes ihre Häscher aussenden, nm anderer Vcutc Siiibee zu stehlen »>'d aus ihnen die Esienz ihrer. 1'ebenSkraft zu ziehen. Falls Eltern nicht achk'ani sind, wird es ihnen schlecht gehen, lautes Polt verviel fäliigt diese Plaeate und schlagt sie überall an. Eine Unzahl von -Bindern ist bereits auf diese Art ningekommen. S Himmel, nimm diese Höllenhunde, rotte diese Bestien aus. Die verfluchten Beamten dürfen es nicht wagen, die Fremden zu bestrafen." Tie Beamte» haben von ihren Vorgesetzten strenge» Befehl bekommen, die Christen zu be schützen: Proelamationen gegen die Verbreitung dieser Plaeate sind erlassen, und verschiedene Schuldige bereits eingefangen worden, die zur Strafe in >tetten die Straße» durchziehen müsien und nm den Hals de» Holztragen tragen, auf dem geschrieben steht: „F ü r das Erfind e,n von grundlosen (Gerüchten, nm das Volk anfzn hetzen.,, 2lu5 antisemitischen Vereinen und 1\tt saninilungen. ■ t(Sine Reise nach (sializien.) 3» einer Meidlinger Persainnilnng lünvigi' der Mechaniker Schneider an, daß er »ach Galizien reisen werde, „>» da-? dortige christliche Potk über seine „nur jüdische Interessen fördernden" Abgeordneten aus;»kläre». Ei» vielseitig verivendbarer Mensch, dieser Schneider!