Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 18 (7.8.1892)
- Date
- 1892-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 78% known words query
- IRI
…/4886575-5439132-5439215--0186-4886740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 Freies boinoift habe, waS for Schildernng fr-5 antiscmitiichen Schniilvsinken im cut strittest,',, rut'pväcfec. Wen» U'iiflid, statt der Lonfetli hie ,i»d da Slanb und Land bciiützt winde. io kan» es doch nur von Vctitfn geschehen sein, die sich auch sonst als Meister in, Llcüiewersci, erprob, bade» und aniiseiiiiiischen Littenboldei, gewiß näher stehen als der angeblich jüdischen Gesellschaft, die den Eorso bevölkert baden *oU. Alitisemiten verstehen srcilich leinen Karnttoien Scherz, sic können »nr taufen, raufen, klaffen und den Unstal, der ihr von Haß vergiftetes Herz er lullt, ans die übrigen-Mensche» ansichiilieii. In Paris würde mau den a»li seiniliichen -sachverständiger in Halbweltstiiigcn nül Lpott und Hohn zn Tode peinigen, ein Blatt aber, welches dnrch wiche Krähwinkeleien die Ausstellung Fremden gegenüber disrrcdilirl, einfach iininöglich machen Pfui! — Einer, der beim Confettiwcrfcn zngegen war " (l?lbt TreniufelS xtltbrV, Tie regierungsfrenildliche Haltung des AbteS T, reu in fei S in der Balntadebalke wurde von den Herren iflntücmitc, als eine iaiiglanle Beleidigung anfgefaßt, welche furchtbar hei,»gezahlt iverden ltfnfv Tie Rächer haben nach anwemilffchem Brauch bereits eingehende Recherchen liber das Borleben des unglückliche» Priesters angestellt, und das „Bol ksblalt" veröffentlicht biete gravireilkdn liinstände in der Fori» einer Bricfkastennoliz, iiidci» es ichreibi: „Abt Treninfels hieß als «vniniiasialichüler Treuensels und »'„ßle selbst nicht,' wer ieine Elter» seien, Er war bei einem gewissen Herrn TfutMi in Berpstegnng und Ueberwachung: als er. sich in einem der letzten Jahrgänge befand, ivnrde er, weil so sagte inan — das Kostgeld für ihn ansblieb, von de» Beiicdietinern in das mii dem Gnmnasinm verbniidene ^Seminar a„sge»oi»,nen, wo er ans Konen des Bcncdietiiierstiiles seine Lludien abiolvirte. Lo ricl stellt ken, das; der Abgeordnete Treninfels mit dem Tirolcrvolke niemals in eine nähere Berührung kam oder mit demselben in einem engeren Berkcdr stand, daß er die Bedürfnisse und An>cha»n»gen desselben nicht kennt und aus der Hand des Bolkes auch ichweilich ein Mandat erlangt hätte, Tarnm ist es mehr als abgeschmackt, wenn er sich als,einen Bertrcter der Ltinininng des Tirolervolkes ai,f't>itlt. lieber feine Abstaininung werden mir. Jtuich, sobald mjr aus Bieian Näheres ebfgbren, berichte», jedenfalls war. dc>- Eifer >'str die Balnkarcguliriiiig verdächtig.' j» der Thar sehr verdächtig! Am Ende iüMbt Treuiiffels gar — jüdischer Herkunft'? Furchtbar! i Talmud Hilsarcn.i Tie antisemitische Llcnrer „judenf ra ge"nennt jene Antisemiten, die stets auf denn Talmud berumreiten, Talmud Hiffaren und ronstatirt die jämmerliche Riederlage, welche-dieselben in Eleve erlitten haben. Wen» das „Tentiche Bolksblari" sage, daß dnrch den Proeeß Bnichhoff de», Aitti'emitisinuS Tausende und abermals Tauffiide zngcsührt worden,- jo fei das mir c^e-chäflskniff', um die eigene Niederlage zu bemänteln, um die Kund - schaffen nicht »lulhlas zu machen. Christlicher Anlisemilismus, bemertl daS Llenrer Blatt, sei ein Unding ja wohl, mintestenS ein Unding, aber auch der Raeenkampf nach dem Reeevie Dübrings ist -eine brutale Barbarei, welche keine gesilteic Gesell'chaff, keiii^Cilllurflaat dulr^n kan». Ta-:- jreal nnscrcr Rareilkämv'er ist daher jeder',eit das Reich deS Wutkr, und der Kiinre. iAblwardt'S „äußcrst günstige" Position., Ter Rector aller Tculichen, .'Hermann Ablwardi. brüstete ffch jüitgit i» einer seiner Berianiinliiiigen damtt 'ff'as; ei» gegen ihn eröffneieS Lwafveriahren eingestellt worden sei. Ahlwardl lhal io, als ob eines der Hauptveriabren gegen ihn, möglicherweise söcsär das in Angelegenheit der „judenstinlen", sinirr wäre. Wie indessen die „StaalSbürger Zeitung" millbeilt, handelt es sich bloß um die Einstellling einer Unlerinchling, die gegen Ablwardt wegen angeblicher Belcidignng des Berliner - Magistxtts in cinem Pamvhleie eingelcilcl worden war. Gleichzeitig versichert sie aber auch, daß der bisherige Beilaus der Borunlersuchnng in der „judenslinlcn" Angelegenheit für Ahlwardt äußerst günstig sei. Woher ist denn die „Ltaalsbnrger-jeiinng" in der vage, davon überhaupt etwas zu wissen > . <trine Erklärung dcs Grafen v. Lo>'. > Tie „Germania" und nach ihr die geiamiitte aii»sc,nilischk voiierpreiie bar ans einer graste, welche der Tb»,ann der Geschwornen im Bii'chboff Proccffe nach der Rcchtsbelehrung de» Präsidenten an te»seldcii gerichtet baue, die Berechtig,„ig zu der Bchanvlung hergeleilet, die Ge'chworenen in Eleve waren geneigt gewesen, Bnichhoff für schuldig der Beihilfe bei dem banienee Bicide zu befinden. Rn» veiönentlichl Gras v. vo,- ,Wissen, .in der ..Kölnischen BolkSzeil» ng" folgende Erklärung: „'Rach mehrtägiger Abwefeuheit die jeikniigsberichie über weine in der Lchlußverhairdlung . ,-antra Bnichhoff bezüglich der .Beihilfe'. gestj.'»te Frage leiend, sehe ich mich veranlaßt, lhaiiächlich seflznftcllen: l Durch mcine Anfrage bei dem Herrn Statt. Nr. 18. Präsldeittcu wurde im Anschluß an deffe» .RechtSbclehrung' und mit Rücksicht aus § 3t)b, Absatz2' der Lt. Pr. T. lediglich constatirt, daß die Geschworene,l in dem Rahmen der gegebenen Fragestellung über .Beihilfe' sich nicht zu äußerm hatte». 2. Ei» weiterer Schritt wäre der Antrag aus Abänderung oder Ergänzung der Frage gewesen <8 291). Derselbe hätte »ach S 30f> »och während der Berathung von den Geschworenen gestellt werde» könncii, ist aber, wie bekannt, nicht gestellt worden. Eine sachliche Berichligung der in der Presse über die Thätlgkeit und die Ansichlen der Geschworcue» aufgestellten Beha»ptu„gen halte ich nach der gesetzlichen Stellung der Geschworenen nicht für angemessen.' (Tcr vkrjudctc Berliner Hof.) Dieselbe „Neue Deutsche Zeitung", von der das vügenmärchetl ausging, bei der Entrcvne in Kiel wäre zwischen .Alezander lll. und Wilhelm II. ein Einvernehmen über das Bcrfahre» gegen juden znstand/ gekommen, läßt sich nun aus Eislebe» schreiben, daß die Umgebung des deutschen Kaisers „geheimen jüdischen Einflüsien untersteht". Diese neue, der vorher erwähnten diametral entgegengesetzte.Lüge scheint nicht Eigenbau deS leipziger Hetzblattes zu sei», denn auch eine marklschrcierische Reclame, mit welcher eine Broschüre von MavBewcr: „BiSinarck im Reichstag" angeprieicn wird, enthält den Satz: „Wie da» Berliner Hoflcbc» unter Wilhelm II., so ist der Reichstag nntcr Engen Richter vollständig verjudet." Tie antisemitischen Schrcibknechte folgen da vielleicht dem Coininando irgend eines Tberantiscmilcn oder sitzen einen, geriebenen Ränkeschmied auf; in^jedcm Falle aber bitten sie wieder eine schöne Probe ihrer Kaisertreue. ~ (ii)it sie wollen.) Einen äußerst werthvollen Beitrag zn dem lehrreichen Capilel, wie sich die fron,inen Herren Aiilisemiten ihre» Zuknnstsstaal denken, lieferte der bekannte Preßbajazzo Driiinont neulich in seiner „I, i I. r e Parole“,. „Tic Antisemiten," schreibt er, „tadeln die jngnisiiioii nicht, sie tragen vollkommen den Umstände» Rechnung, unter welchen jene eingerichtet wurde; sic sind überzeugt, daß die Inquisition die . Größe nnd- Unabhängigkeit TpanienS geschaffen hat, und wenn die Antisemiten einmal;»r Macht loininen, wird'ihr erstes Geschäft sein, rin Tribunal zuerrichten, welches zwar durchaus weltlich sein, sonst aber voll ständig an die spanische jnquisilion crinner» wird." Ta wir S vernehmen, daß Trninont sedaclionsmüde sein soll, ist es nicht unwahr 'cheinlicli, daß er bei diesem Tribunal die Stelle eines Großinquisitors aspirirt, vorausgesetzt »ärmlich, daß ihn bis dcrlhin nicht irgend ein 'Narrciihans liebe- -voll i» seinen Schoß aiisgeiiominen Hai. , Briofkasten. Abon,teilt von der Landstraße. Sic machen uns ans die Anlivorl aus incrksam, welche das im Solcrcr Deutsch geschriebciic Antisemilenblalt einem Herrn F. K. erthcilt, dein es aüzeigt: „Ihre Mittheilnng von Gotteslästerungen dnrch judciisocialdciiiokralen haben wir zur gelegentliche» Benützung ausgehoben." Antisemit nnd Naderer sind eben unzertrennliche Begriffe, nnd mehr oder weniger „p f i st c r n" sie Alle. Hcrrn G. ini XVIII. Brzirk: Mag der Mörder des Zigeuners immer hin ein Bcrchrer dieies Sorialresormers geiveseu sein, ivir wolle» doch von jhrer Einfendnng keine stcoti; nehmen. Nur antiscniitische Bcrleuinder besolgcn die Taktik, Berbrccher mit Veuteu in Zilfaininenhang zn bringe», denen'sie nicht-; "Anderes vorwcrfcn können, als daß sie nberzeugungslreu handeln. Derlei Waffe» verschmähen wir. Hcrru P. F. in Proßuitz. Sic dürfen sich nicht cinschüchtcrn laffen. 2!>ir leben ja in einem Rcchtsstaate. Zur rtPtäüiiunt ^earijtitng! Zrut Hrrrt» Abonnenten, bereu Aüonnemciit mit letztem piili endet, weiche dasselbe aber zu erneiier» wililschen, ersuchen wir, und hievon rechlieitig i» .^esiiitnitz;n setze», da wir sirnnbsänlich oluie Bestelliniq keine ujcitcrcu Exemplare lieistellen. * v Die Administration. Beitrittserkläniilljeit;nnt „Perein zur Abwehr des Antisemitismus" werden entgegengenommen im Leeretariale des Vereines: Wien, I./Parisergaffe 4. Abouneutrnlsaninrldungen auf das „Frtik Blatt" nimmt dic Administration, Wicn, I., 3filerfrntte Ist, jrdkrzeit cntgcgkli. Ebktidasclbft werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probenummern zur weiteren Bcrbreitnng des „Freien Blattes" werden GesiunnngSgenonen auf Berlaugen dyreitwilligst zur Berfügung gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Ernst Bikkor Zenker. — Druck von Eh. Reißer & M. Wcrthner, Wien.