Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 18 (7.8.1892)
- Date
- 1892-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Nr. 18. Freies piimiiig*wni'.tfgfu, lvcehfllb ihre Emaiicipaiio», die ei» solches vorautsetzte, ein Feöler >,»» kaber rückgängig zu mache» sei. Jiutt beweist aber die ganze Ge jäiickne tie>eS nuzplnürdigen BolkSsiammes, das; gerade er da» allergrößte An pasiiingSoerinögei, benpi, welche» sich denken läsit, niid gewiß kein geringe», wenn anch heuere» Argument biesiir in der — dentgch nationale A nli >e»iit von lüdiicher Abkuiist. Rur batte nch.der 3iibe bis P> seiner Be ueitnig, nt» >ich am Taiein zit erbatten, de» Berbältiliffe». der Ilufreihdt an tichanen: in einer treien, nienschlichen Lnltureniwicklnug werden auch jene au» der Bergangeiili.it mitgebrachte» Meikmale verichwinden, nnd der Judenhaß, der sich im ,'abrbunderte der „ i-Jtneit"» mir i» fett .beiter klingenden Antisemitismus verwandelte. aber lein We'en beibrbielt, wirb keine Nahrung tnelir finden, a ii r den ansgetlärten Menschen gibt e» nur eine Arbeit für die ^nknin't: die Borurtheile, Beschränkungen nnd Ungerechlig teilen der Bergangeiiliei t iverden und können ans gar teigem Gebiete mehr in i ed erbe lebt werden. Auch in Sch lest eit tritt die freifiiiiiigc Presse energischer al» bieder mit. xt» der antisetnilisch berseitchten Vandeobauptstadl ist e» in lesiter ^eit cher „freien schlesischen Presse" wiederholt gelnngen, antisemitische Ehrabschneider. aus frischer Thal z» ertappe» nnd ihnen dg» Reißeiitsiiehnten unmöglich zu machen. («crfliailildie vsrrcöciltiftcu. Tie österreichischen Antisemiten de» 'chvettler Ritus gefallen sich, wie männiglich bekannt, auch in der Rolle gernianischer .nredentisie», und eine» ihrer Wiener Plättchen, ha» sich „a{ ii f r b ii tt ie v“ 'nennt, brachte zur Feier der Anwesenheit de» Fürsten Pisinarck in Wien einen Artikel, welcher die Idee „Alldentschland»" vertrat. Ta» Plättchen verfiel der Eonsiseation, und da» Landesgericht erkannte ans Antrag ddr Staatsanwaltschaft,' daß der fragliche Artikel da» P e r b reche n de» -H o ch ver ra t h e» begründe. Pei der in diesen Tage» staltgehablen Einspritehsverhandlung wurde der Einspruch ver- . ivorsen' mit der Begründüng, daß im-Artikel die offene Hingabe an Teuttchland angepriesen werde.unter besonderer Anerkennung der Perdie n ste Pi»iua rck'» um die Ereignisse de» Za h re»!>">«'' Wen» e» im Artikel weiter heiße, daß da» deutsche Bölk sn T esterreich noch nicht io versiimpst sei, int Trüngeil und Treiben nach Betbätignng echt nationaler (Rsinnnng dem angepriesenen Ziele 'znzn streben, so koune darunter wohl nicht» Andere» verstanden werden, als eine A ii i in n n tern ng zu Thateu, die aats die Losreißnng der dei,tsck>en di eb ie t» t bei 1 c von T euer re ich abzielen. Lcaildal mit jcöCIl Pktis. <i» gibt Menschen, welche ihrem. Lebensberuf einzig und allein darin finden, Seandal zu machen: ii e» fei» völkischer Seandal, muß e» ein literarischer sein, und bietn er sich nicht von selbst, so wird er gesucht. Ein hiesige» Antiseiniten blatt druckte neulich mit sichtlichem Behagen einige Stellen au» einem Buche Sebastian Br nitrier'» ab, welche» „Allerhand Tugendbolde an» der A n skl üru ug »giI de" betitelt ift. Wir wissen nicht, wer mehr ans den Rainen Tugendbold Anspruch hat, der Mann, der seine nicht nngewohnlieizeti Fällig keilen ausschließlich dazu verwendet hat. um au» dem '.'eben sümintticher deutscher Tichter schmnyige Punkte heranszusitchen und sie der ieandalsüchtigen Welt zur Erbauung vorznsühren, oder jene Männer selb», welche nie den Anspruch erhoben, reine Geister zn sein. Tut dem vorliegenden ajüc, handelt e» sich um E a Ü e I l i, der al» der angebliche Porlänser de» flachen jüdischen Vite vatentlmiii» den Zorn de» sittenstrengen Herrn -Sebastian Brunner lieransbeschworen hat. Wa» ist für tut» heute Eaüelli'? Aber wenn man schon in seiiie'n Schriften heute noch absichtlich — wie es Brunner ielbtl gesteh'. — itadiTitdn und die Einzelheiten seine» läiigstvergesienen Leben» ansstöbert, dann gäbe e» wohl auch manche». Wort über Eai'telli'» hiimanitäre Wirksamkeit zu verlie'ren. Sebasliarl Brunner sinde't bezeichnenderweise anch hier nur den Seandal. Run fürwahr, nicht» wäre leichter al» in dem Vebe» iämmtlicher großen Männer, die antisemitisch eleriralen nicht au»genonmien, -irgend einen recht schniupigeii Punkt zu finden Ten Antiseiniten, al» deren ältesten Bor kämpser sich Brunner siolz bezeichnet, bleibe diese» (i'eschäst Vorbehalten: wir halten un» an das Wort Ehriüi: „Wer sich rein fühlt/liehe den erüen Stein aus." ° — st. Steinigt sie! Man berichtet NN»: „Wie weisidie Bolköverrohung durch die A^ep und Wühlprppaganda der antisemitischen .Bolkssührer' bereits gediehen, davon konnte man sich Freitag" den 2'J. Znli bei einem Borsalle in der Bechardgatse im dritten Bezirke überzeugen. Ter Spenglerlehrling Balentin Sprit dal, bei. Herrn Ludwig Woslrn bkickfästigk, hatte nämlich im -Hause 'Jei’. dieser krasse, und zwar bei dem Brivalier Ferdinand Sprit uz eine Reparatur auszusühren, gerieth jedoch mit der Partei in Streit, und da» Faeit war eine Keilerei, bei welcher der arme Jutitge eine kleine Wunde davontrug, sei es durch einen Fall oder einen Schlag, wä» nicht eonstakirt ist, kurzum er blutete am Kopse- und kam i'o ans die diasie gestürzt. Sofort Blatt. fand sich eine Schaar Mitleidiger, die mit dem Zungen ein förmliches Berhör aufnahm und das Ergebniß desselben in etwa folgender Weise colportirke: .Tö Zudenbagage hat den Buam derschlagen woll'n, mit'n .Hammer ham's ihn am Kopf g'haut! Leid' ma so was nöt!‘ Mittlerweile war die Menge -beträchtlich angewachsen, der versuchte ,Todtschlag' wurde in immer lebhafteren Farben ausgemalt, da erscholl aus der Mitte der Schaar der Ruf: .Steinigen sollt' mit's, dös Judengsindel!' .Steinigt sie!' antwortete ein Ehorns sehr zweifelhafter Frauenzimmer, welche in einer Gruppe standen. Schon im nächsten Moment schien dies Ernst werden zu wollen. Mehrere halbwüchsige Bursche schrieen fort: .Steinigt sie!' Andere hatten inzwischen bereits Schottersteine in der Hand, und es war ei» wahres 'OMfuf, daß sich einige besonnene Vcittc fanden, welche abmahnten, bis ein Wachmann kam, worauf die feige Menge Angriffe ohnehin nicht mehr wagte." w. -Warnung vor „Cliristlich-Socialrn".) Letzten Sonntag fand in K r e m» eine von Wiener Arbeitern einbernfene Banernversaini» lnng statt, in welcher das Landvolk vor der „christlich soeialen" Bauern sängerei aus da» nachdrücklichste gewarnt wurde. Ein Arbeiter setzte die Ziele der „Ehristlich-Socialeu" auseinander und bemerkte: „Eö ist eine Luge, wen» diese Herren sagen, daß es den Bauern früher besser gegangen sei. Eriniier» Sie sich an die Zeit der Leibeigenschaft. Tirse .Herren kouiiten eben früher mit dem Bolke machen, was sie wollten. Tantal» konnten sie den Bauer nach .Herzenslust ausbeuten. .Heule müssen sie freilich etwa» hergeben, wenn es auch nur dreißig Kreuzer Taglohn sind. Wir aber kämpfen für das Wohl des ganzen Bolke» nnd nicht bloß de» christlichen oder jüdischen. Arische und nicht arisch«—Ausbeuter werden von nn» bekämpft." Ter Redner führte weiter au», d^ß er auch den nationalen Standpunkt bekäinpfe, nnd schloß: „Mitj den Herren Tr. Lueger, Geßmann und Schneider -Rufe: Pfui!) soll man uns und ich glaube auch Zhne» vom Leibe bleiben." Tieie- Ausführungen fanden Beifall, mir als der Redner gegen nationale Engherzigkeit sprach, erhoben einige anwesende An Hänger Schönerer'» Widerspruch. Tie letzteren, die »nn selbst nach Art der „Ehristlich Soeialen" e» versuchen wollen,, die Arbeiter zu eaptiviren, verhielten sich relativ auständig. l E'ill Wort ftniier Wilhelm» l.l Friedrich E nrti II» verössent licht soeben eine interessante Schrift „lieber -Heinrich <Alelzer", den Freimd Aiail'er Wilhelm'» I. und de» (Älroßherzogs Friedrich von "Btlhen, den Erzieher des Fürste» zu Wied. „Als die geistigen Mächte, welche der Friedensniission entgegengestanden, bezeichnet (Ketzer drei Formen de» -Hasies: den Raeenhaß, den Elasienhaß und de» Secten haß. Tiefe drei Feinde waren zn bekämpfen, daher heiße» .die drei Losnttgsworte Aller, um die sich alle Patrioten vereinigen n'tüsien: Religionsfrieden, Elassenfricden und Bölkerfrieden!" Tie interessante Schrift enthält auch einen Brief, den Gelzer am 22. März lfST'J an -Kaiser Wilhelm l. zu dessen (Geburtstag gerichtet, nnd in welchem e» n A. heißt: „Erst'wenn es gelingt, die Täinonen de» Elasten-, Bölker- und S ee t e n ha s seS i n n erl ich zn überwind e n, wird ein dauernder Friede in Tentfchland u n d E n r o p a begründet w e r d e»." Kaiser Willtelm I. antwortete am 4. April l*7't folgendermaßen: „Mit aufrichtigem Tank für Zhren Geburtstagsbries und seine Wünsche verbinde ich die Bersichernng, daß 'jede» Wort Zhre» Briefe» mir an» der Seele genoinmen ist." Molcfchott nbtr dt» Antiscinitisinns.) Ter berühmte Phüsio löge Senator Professor Zakob Moleschott in Rom hat zu dem vom Schriftsteller Schratte,»Holz verfaßten „Aiitisemiten-AHammer", über welche» wir in der letzten diiimmer des „Freien Blatte»" berichtet hgben, einen (*eleit»brief geschrieben, dem wir folgende Stellen entnehmen : „Es ist als eine Rachwirkung der Zngnisition zu verstehen, wa» wir an der Scheide des »ennzehnlen Zahrhnnderts seit viele» Zähren, erleben nnd immer wieder nett erleben. Alba ließ in Belgien die .sietzer zn .Hnnderken an ihren eigenen Thüren aufhängen und de drückte da» ’ edelste Bolk der Erde, indem er ihm sein echtes Blut nnd sein Geld, da» zweite Blut, höhnisch und marternd abzapfte. Tie Antiseinite» des neiinzehnten Zahrhünderts kümmern sich nicht um die Gewisien, nicht um fremde, nicht um das eigene, sie fallen über die .Häuser her, sie brennen und sengen, verjagen die Menschen, als wären » .Heerde» lästiger Thiere, sie beneiden und verfolgen ihren Mitmenschen, wenn er sie an Geist oder Glück überstrahlt. Tie Schmach ist um so größer, weil Staatsmänner »ich Machthaber niitmache», Priester, welche .die Botschaft der Liebe bringni sollten, vergessen, daß Jesus ein Jude war, Lehrer des Rechte» nnd der Bildung verleugnen, daß wir beii' Juden wie den (Älrieche» die reichsten T-uellen unserer Menschlichkeit, den eigentlichen Menschenadel verdanken. Sie ist geradezu erschrecklich, weil sie mit ihrer neidischen Wnth sogar einen Theil der sonst so edel