Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 18 (7.8.1892)
- Date
- 1892-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18. freies Blatt.?eitc 3. mittag« ein Buch. Sic sucht sich nickt nur wirlhschafllich, sondern auch geistig vorwärtszubringen. Al« sie gestern wieder zu uns kam, war f,c merklich betrübt. Theilnchmcnd fragten wir sic nach der. Ursache ihrer schlechten Stimmung. Ach, meinte sic, da wäre eine traurige «beschichte zu erzähle». Ihre beste Äuh hätte plöglich den Dienst vcr sagt und wolle keine- Milch mehr gebe». Wir rielhcn ihr, den Thierarzi;» rufe». „Ach," sogtc sic traurig, „da kann der Thicrarzt nicht lielse». Tie st uh - ist verhext." Wir gaben un« alle Muhe, der guten ,vrau ihre» Klaube» ansznrcdcn, aber unsere Uebcrrcdnngskunst prallte a» ihrer felsenfesten Ucberzcugnng ab. Sic huldige durchaus nicht dem Aberglauben, sagte sic, denn sic sei eine'gebildete sfran, aber die Chi l'icir, der Htrc» dürfe man nicht leugnen. Sic hätte erst neulich in' einem schönen Buche gelesen, daß in früherer Zeit viele tausend mannt wcflfH Herereic» verbrannt worden seien, nachdem ihnen voll gelehrten Richtern ihre Schuld nachgcwicscnworden wäre. „Tao müssen Sic doch rinscheu," so schloß die Krau Schnnrpfeil ihre Beweisführung, „daß ni.cmals eine Here hülle verbrannt werden tönncn, wen» keine dagcwcscn wäre, n»d c« sind doch — das hat auch mci» Sohn, dcr «*'»mnasiast, zugegeben — viele Tausende verbrannt worden." Ei, das ivare» ja „historische Zeugnisse",- die Krau Schnurpfeil da vorbrachlc historische Zeugnisse, die ebenso vollwerthig -waren wie die des üochgclahrtcn Herrn Professor stiohling für den rliilnalniord. Es sei gar nicht nöthig, meint Herr Rohling, den Inden den Kcbranch von Ehriuenblnt, zn rituellen -Zwecke» ans dem Talmud nachzmveisen, da mir historische Zeugnisse dafür haben, daß Inden Ritnalinorde verübt' haben. In der That, man hat zahlreiche Inden wegen solcher (*'rcuelihaicn verbrannt, ebenso wie man zahlreiche Ehristcnsrauen verbrannt lau. weil sie, nach der. Bulle des Papstes Innoeenz l'III.. mit Hilfe d.s Teufels „die (Geburten der Wciberj die xlnizf>en der Thicte, die Kriichte der Erde, die Trauben der Weinberge, das Vbst der Baume, ia Menschen, Hansnnd andere Thicre, Weinberge, Banmgärtcii, Au eie», Weide»; Lt örner, (*letrcidc und andere Erzeugnisse der Ei de durch zauberische Mittel vernichtet hüllen". Wenn nnserc Milchfrau -lrechl hat mit der Behauptung, daß cS wohl Heren geben müsse, weil mark ja sollst keine vcrbrännl hatte, so hat auch der Proseli'ö?T>kohling ui.chr. >ven!> er die in früheren Seiten erfolgte Hinrichtung von Juden 'als vollwichtige „historische Bengnisse" für den Ritualmord ansührt, und cs ist auch wahr, daß sie Hostien geschändet haben - eine Schand >[i.it irbrigenS, die man von katholischer Seile ja auch den Vnthcrancrn und anderen .tieperu nachsagle), denn wie wäre sonst zuni Beispiel der brave Iwachim von Brandenburg dazu gctommen, im Jahre l.stltl in Berlin .",«> Inden rv.cgc» sothancr Schandthatcn zur herzinnigen Er baunug einer frommen Ehristenheit verbrennen zn lassen? Was unserer Milchfrau-recht ist, ist dem Herrn Rohling billig. * Sehen wir uns einmal ein solches historisches Zeugnis, näher an, und blättern wir gu diesem Zwecke in dem Buche der «Geschichte zurück! Wir betreten einen düstere», unlstimlichen Rani», in dem sich allerlei sittsame «^eräthschastc» befinden. An einem großen, mit schwarzem Tuch dangenc» Tische sipcn mehrere Männer in langen Tälarcn. Ei» liliigcs Weib >ist .angetlagl, mit dem tcibhaftigeuTeufel fleischlichen Umgang gehabt-und mit Hilfe ihres höllischen Bühlen die di uh eines Ralhshcrrn derart verzaubert zu haben, daß sie ein di alb tiiit zivei *! opfcn zur Welt brackite. Man hat bereits die Herenprobe bei ihr noigenommen und sie trenzweisc gcbnndc» ,»nd ins Walser geworfen ' Tie Probe ergab ihre Schuld; da sie trohdem nicht gestand, tvnrdc der erste Krad der Koller gegen sic angewendet. Auch jcpt wollte sie noch nicht gestehen. Ter ihr bestellte Anwalt — denn man treibt die Humanität so weit, selbst einer Here einen/Anwalt zn geben - hat darauf hingcwicsc», daß die Beschuldigte nach seiucin Dafürhalten'das 'Böse, dessen man sic bezichtigte, nicht gcthan habe, da er genau wisse, daß sic zu allen/Seiten gottcöfnrchtig, züchtig, chrvar und fromm, tein Bösen aber jederzeit abhold »nd feint* gewesen sei. Estin; sicherlich habe sic niemals 'mit dem Bösen ein Bündnis; gehabt. Die warme Perlheidigung erregt, das' Entschc» der rliichtcr. (stanz sicher steht auch der Anwalt ttnit dem Teufel im Bunde, wie tönnle er sich sonst-dieser Here annchmcn? Al« hochvcrdächtig wird „.auch er in den Thurm ge worfen, und an der Bcschnldigteil wendet der Heuler den zweiten >*stad der Tortur an. Sic gesteht schreiend, daß sic in Wahrheit die di uh des Rathöhcrrn derart verhext habe, daß diese ein dialb'mit zwei diöpfcn znr Welt bringen mußte. Icpt wird Vuea« Isaak vorgcführt, ein Jude, der unter der Be schuldigüng steht, einem Ehristcnknaben Blut abgczapft zu haben. „Sprich, Jude, hast du c« gcthan?" wendet sich der Richter an den Inenlpatcn. '„Bei dem Kolt meiner Bätcr, ich hat>e cs nicht gcthan." „Henker, legt dein Beschuldigtet; das Eapistrum in de» Mund," bc stehlt der Richter. Isaak erbebt. Er kennt das Eapistrum, er weiß, daß eS eine Vorrichtung ist, welche die der Kolter Unterworfene» am Schreie» verhindern soll. „Habt Ihr dem Ineulpaten die Haare ab geschoren?" Der Henker bejaht die Krage. „S-o verfahrt nach Eurer Instruetiou." Der Henker kennt sein Amt. Er gießt dem Beschuldigten Branntwein auf den diopf und zündet ihn in«. Er wird alsdann au den Händen gebunden, aufwärts nach der Decke gezogen, so daß er frei in Viift schwebt, und dann hält der Henker ihm brennenden Schwefelsadcn unter, die Arme und unter den Hals. Isaak wird, nach dem man ihm -das Eapistrum ans dem Munde genommen, gefragt, ,ol> er nunmehr feine Schuld gestehen wolle. „Bei dem gerechten Kott, ich habe nichts Böses gcthan." „Henker, so waltet weiter Eures Amtes." Ijaat wird auf ein Bett mit eisernen Stacheln gelegt und wieder mit den Händen bis an die Teile gezogen. Tic beiden großen Knßzehen und die beiden Tanmen werden ihn« znsammengcschranbt, und da er trog derfürchterlichen S.n.alc» »och tein Schnldbrtenntniß'ablcgt, werde» seine Vcndcn mit einer ledernen Peitsche bis aufs Blut gehauen. Auch das war fruchtlos. Es wurden nun dem Beschuldigte» spanische Stiefel angelegt, aber .obwohl sein Elcsicht sich.vor Schmerz bis znr llnlennllichkcit verzerrte, blieb er dabei, daß er unschuldig sei. Rach einigen Tage» wurde die To-tnr bei-Isaak wieder ausgenommen. Er wurde rückwärts ansgezogen,, beide Schnltcrknochen au« ihrer Berbindung gedreht und nlsdatin wurde er abermals fiiit der ledernen Peitsche gehauen Der Beschuldigte ntnig alle D-na len und blieb dabei, daß er u» schuldig sei. Ein scharfsinniger Bcisivcr des «Gerichtshofes läm ans die - Berninlhniig, daß, wenn der Inenlvat die ihm znr Vast gelegte Thal nicht verübt habe, dieselbe wohl von dessen T ochter Sarah ansgesilhrt worden sein könne. Sarah wurde gefänglich eingezogen und vor de» Angen des Paters gefoltert. Auch sie bestritt ihre Schuld Man wendete einen höheren «*'rad der Tortur bei ihr an,, und tvieder mußte der Pater selige sein ihrer fürchterlichen. S-nalen. Sic blieb standhast, als aber dcr Richter bpfghl, deist-Mädchen .kochendes Pech ans de» geschorenen >iops zji, gießen,/schrie der Pater nerzzerreißcnd ans'und sagte: „Vaßk das Mägdlein Igehen — i^i beten»e mich schuldig, ich lege jedes .(Geständnis; ab, dass ihr haben wollet." Tamit war inan nicht cinvcr standen;- er sollö nur gestehen, daß er dem christlichen .Vnaben Blut abgczapft habe. Und er gestand cs Er wurde zum Kclierlodc vcr urlhei», und sein "Pcrmögen wurde eingezog'cg p»d die Habe seiner ganzen Sippschaft zn «Mnste» des Berichtes und der Richter. . . Und inan halte ein „historisches Bengniß", ein gerichtliches Tornmenl, däs auf die Rachwclt nbertommcn ist nnd lang. nnd vernehmlich spricht für die'- Blutschuld der Inden. Wer nach solche» Beweisen nocks nicht darän glaubt, daß die aclst Millionen Inden, welche Über die ganze Erde zerstreu . I^nd, EliMtenblul gebrauchen und deshalb alljährlich zu ihrem Passah -> leite biete Tausende von Eliristenlindern hiuschlachtc», dem ssi nicht zu ' Helsen Und ivcnn dtr Buschhoss von .tauten nicht vcrnrtheilt, sondern sreigcsprochcn ivordcn ist, io lag es -nur daran, daß der-hcntigcn Justiz das sü> trefflichste Mittel, die Wahrheit zu erfahren, die Kolter, . nicht mehr znr Berfiignng stellt. Tie mciischenfrenndlichen Herren, die ilin so gern aut das Schassest gebracht hätten, werden da« sicherlich sehr bedauern. _ (Ivr-frcillidic Alizeilltttl. > Wir haben, als wir nacki der leisten Vandtagsscst'ion die Reigung schwackpnüihiger Periöulichleilen z» „eon, ' proniiltircnde» Eomprpmissen" wahrnahmcn, nicht ermangelt, dies zn ver zeichncn. Heute sind wir.dagegen in der angenehmen Vage, ans eine'Reihe erfreulicher Anzcichcu--chinznwcisen. Die Anliiemilen A>cgegnen saßüberall einem träsligcn Widerstande. Abgesehen von ihren .verunglückte» <*'ast spielen in S bcrösterreich, stärnten, Böhme» Und Mälsten' sowie von der' schmählich mißlnngencn Mission zur Bctohrnng der-Wiencr Arbeiter istder in einer Persainmlnng hervorragender Koriichrittsmänner ')l i e d er öfter reich s in Hicping gefaßte Beschluß, dem verderblichen Ein slni'se gewissenloser Demagoge» mit aller,Eutschiede»hcii cnlgegenznivirten nnd die der Ansklärnng, «Gleichberechtigung nnd Hnmanität förderlichen Elemente in einer' strammen» Srgauisation zniammcnzusast'en,. eine Thatsache, welche einen llinichivnng - zum Bester» gewärtigen läßt. Auch im Wiener <*« ein e i» d er a t he finde» die aniiicmitssthen Srandalmacher nicht mehr Ewi-? günstige Terraiit für Eiiitchüchternngs« versuche; so oft sie in d«n ihnen - cigenthümlichen Wirthshansione ihre Perdächtigungcn Vorbringen, werden sie gebührend znreckrtgriviesen Sehr »üplich wirten iil S b c r ö st e r»c i d) die „M ilthHl n n g c'n" des Vnrzer „ Deutschen Pcrci ncs. In der'lept)'» Ausgabe dieser von Professor K S. Holzinger vortresslich rcdigirten Monatsschrift finden wir . eine» Anssap über den Antliemisinus, welchem wir folgenden Banns. entnehmen: ~ ' | Es ist »»geschickt, de»' EapitaliSmnS als ein jüdisches «pecineiiin PI erlläre», wenn man weiß, daß die Juden auch in der Socialdemokratie„ die >o ziemlich da« «äcgenstiicl von jenem ist. hervorragend verlrete» sind. PjclfaÜl^vird auch von de» Antisemile» beliänptel, die Juten belaßen überhaupt lei» An