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Freies Blatt · 1892-08-07 · 18 (7.8.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
18 (7.8.1892)
Date
1892-08-07
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2. Freies Blatt. Nr. 18. nur groß gewordrii, indem er nicht bloß den Kleiügewcrbetreibenden, sondern auch Grafe» und Fürsten so lange zu Gefallen geredet hat, und daß eine derartige Verwechslung des jeweiligen Auditoriums von den verhängnißvollsten Folge» für die undurchbrcchbarc Phalanx der antisemitische» Ttrciter sein kan». nicht nur Eurer Majestät jüdische Untcrthancn, sondern alle Juden der ganzen Welt zu »nauSlöschlichcni Danke.gegen Eure Majestät und da» königliche HauS verpflichten. Mir bitte» den Allmächtige», er möge Eure Majestät segnen mit Gcslindheit und langem Vebcn, um eine loyale, dankbare und cmporblühcnde A'atio» einer großen Zukunft cntgcgcnzuführcn." Die ^uden in 2vlnnänien. Tas londoner Eoniil>- der jüdischen Teputirtcn Englands (:>ce vräienkanz - der jüdische» Eullnsgeineinden Großbritännieus) und die r A*-", iati"ii“ habe» dem völlig Earol von esruinäuiktl wälzend denen jüngsten Aufenthaltds in Vondoii fotgendc Adresse überreicht .„'Mir, das londoner Eomit'- der' jüdische» Teputirtcn Englands und die ..Vnuli'-i'-rr i>I, Ass«i<:iuti<>fi' entbieten IN nnscrcin eigenen wie im A'anlcn aller Inden Englands, die wir vertreten,, in tiefster Ehr furcht Eurer Majestät den freudigsten MiUtommensgriiß aus Anlaß des BEuches Eurer Majestät in unserer Hauptstadt Gleichzeitig bringen' wir. Eurer Majestät -fri« ausrichtigstcir und herzlichstcu Glückwünsche zur Verlobung 5t. königliche» Hoheit des Prinzen Ferdinand von Rumänien mit Jlirer täniglichen Hobcil der Prinzessin Maria Alerandrina Victorj« von Edinbnrgb und lioucn aus daes bcstinnntcstc, daß diese Verbindung ein nncrschövslichcr T.uell nie getrübter Glückseligkeit sein werde für Ihre königlichen Hoheiten sowolit wie auch für Eure Majestät. Tie Inden dieses Mildes sind dem throne treu ergeben und voll— Anbanglichteii a» die Verso» der -Königin. Eie bringen die innigste e lieiliialiint entgegen Allem, was-mir dem Glücke der-Touveränin und /dem l^ede/lien der Moiiarchie zusaninieubängt. Eie sind stolz daraus, durch ilirc Venrntmiigen auch zu den Fortschritte» des Mndcs an' de»' Erbieten der Vneraknr, der siüiistc und Veissen'chasten, des Handels und Ket «bewerbe/ di/ ilnien mir dem Rechte volltoninicnster listeich t^.echtignng mit den übrigen Vürgern. anderer Religionsbekenntnisse ausnabnislos zugänglich find, beitrage» zu können. Mir sind überzeugt, daß .nnierc inmänischcn Elaubcnsgenossen, ".'.ule derselben sttare, Vctenncr desselben <"'la»bcns ivic wir, dieselbe sti.de zu -stönig und Vaterland cmvsindcn und in de» verschiedciicii stagen des stcbeus znm Gedeihen des -stönigreichcs - Eurer Majestät eden'o lräitig beitragen moclnen, wenn das ("'csctz cS ihnen gestalten irürde. llnglü>klichenvei''e selilen ibnen biczn die Mittel, 'A'idjt nur daß ibnen zabl,reichc Veichä'iignngeli und Stellungen ans roninisrzicllem wie industriellem Gebiete uiizngäiiglich siird, io wird auch ibr VakriotiSinns niiieudrückr, ibrcr Energie neiden die engsten «"'renzen gezogen und ihr leerst durch die strengsten Maßregeln von der Thcilnabme am öiseutlicheu stebeu ansgeschloncn. Mit lie'ster Ebiturchl wagen ivir cs,' Eurer Majestät Folgendes in Eiinnciiiilg zubringön: I Ter oberste Gerichisliof in Rumänien hat beschlossen, daß selbst in Runiäiiieu geborene» Juden, deren Ellern sich keines fremden Tchutzes er'rculrn. als Fremde zu bebandcln feien. -. Tie Jndcu find der Militärpflicht unterworfen, doch ist es ibillu durch ein von beidenvarlailnnlari'chcn .störperichaitcn gcnebmigles l "st'en verwebrt, zu avaneire» - Die'ekben und von allen ostieiellgn Ekellnngeil sowie von einer ganzen 'stst-ibe von Erwerbszweigen ausgeschlossen. l Tic Juden können in keine technische Tchulc einlrcten, wiewohl die'e Anstatkc» ans solchen -Fonds erhalten werden, zu welchen auch die Inden beizniragcn verpstietitct sind. - . - .'> Von über :><üü> Gesuche« zur Erlangung der Tlaatsangc börigkcir, welche der rmnänischcn Teputirtenkamnicr von Inden unter broziet wurden, ballen nur deren zehn einen Erfolg. . •> Eine VierteKniUi'on rumänischer Inden steht rechtlos vor dem. Der j?apst über den Antisemitismus. Ter Pariser „Figaro" veröffentlicht einen Bericht über ein' Interview, welches die bekannte soeialistischc Publieistin Madame Töverinc letzter Tage mit dem Papste hatte. Jetzt, schreibt Madame T-verinp, da der Antiscinitisinus thnt, als ob er' zur Trthodoric ge höre, und sich, ivcnn auch nicht für eine Inspiration der Xtirche, so doch als eine Emanation derselben ausgibt, schien cs mir von großem Interesse, z» erfahren, nicht, was das oberste Haupt der Äirchc in dieser Hinsicht mißbilligt, sondern was eS nicht billigt. Als ich von Jesus sprach, der seinen Henkern verzieh, und fragte, ob cs nicht Ehristciipslichl sei, sein Beispiel nachznahmcn, sagte der Papst, EhristnS bat sein Blut für alle Menschen ausnahmslos vergossen und mit besonderer stieb^ für jene, die nicht an ihn glaubte» und die Erlösung um so nöthiger hätten. Für diese hinterlicß er der Viirchc die Mission, sic zur VJabrhcil zurüekznfiihreli. „ Tnrch Uebcrrcdung oder Verfolgung, Heiliger Vater?" fragte Madame T>-vcri»c. „Durch llcbcrrcdung," antwortete der Papst lebhaft. „Tic Aufgabe der Miidjc ist nur, Milde und Brüderlid)teit zu übe». Tic will den Jrrthnn, treffen und nieder schlagen, liegen Personen mit Gewalt vorzugche», widcrspridst aber dem VJilten t^otlcS, seiner ".'ehre, der Mürde, mit der id) bekleidet bin, nnd der Via dg, über die id) verfüge." „Und die Religionskriege?" fragte T>-vcrinc. „Tiefe beiden Morte vertragen sid) nid>t miteinander," sagte Mo XIII, indem er die Hand, welche de» Bisd>ofSri»g trägt, gcbictcrisd) erhob. „Tann bliebe nur nod> der rlcaeenkrieg, Heiliger Vater," warf Madame Tbveuiic ein. „Mcld>e Raren?" cntgcgnctc der Papst. „Alle staininen von Adam ab, den t^otl gcsd>asfe» hat, welche Farbe und welches Aussehen die Mcnsdicn and) haben mögen. Mas liegt daran? Ihre Tcclen sind von demselben Tioss. Mir sd)ickc» unsere Missionürc zu den nnglänbigen lictzcrn und -z» den Milden, weil sic <"'esd>öpfe (Zolles sind. Tie sind alle fllcid) vor dem Herrn, da ihre Eristenz das Merk seines Millens ist. Als noch das Ghetto bestand, durchzogen unsere Priester dasselbe, sprachen mit den Israeliten und bemühten .sid>, ihre"Bedürfnisse zu erfahren. Tic pflegte» ihre äiranle», t>esprächcil die Bibcltcrle mit ihnen, um sie zu bekehren. Und als der Pöbel^dic Inden niasiaerire» wollte, stellten sid) hie Inden unter den Tchntz des Papstes, und der Papst breitete seine sd)ntze»de Hand über sie ans. Mcnn die äiirdic eine nad)sid>tige Mutler für jene ist, die zu ihr konilncn: wenn die .Miidtc die Mission hat, die Td>wachcn zu vertheidigen — so hat sic and) die Mission, sid> selbst zu vertheidigen gegen jeden Versud) der Unterdrückung, und da ist nun nad) so vielen anderen Plagen die Herrschaft ldes Geldes gckaiiimcn." Ter A'adjfolgcr Ehristi rid>tctc sid) dann!»od> höbcrempor, und mit plövlid) hart gewordenem Blicke sagte er : „Mau ivill die .Eirdie besiegen und das Volk mit dem tsicldc beherrschen. Meder die >iird,e nod> das Volk werden sid> da unterwerfe!!." „Also die großen Inden, Heiliger Vater?" fragte Frau Tßverinc. Ter ("Um; des Blutes verschwand unter dem Td>lcier seiner^Angcnwimpcr», und mit ruhiger Ttimmc ainwoncte der Papst: „Id) halle zu den Äleinen, A'icdrigen lind Enterbten, wcld>c unser Herr liebte," und plötzlid), ohne llebcrgang, fragte der Heilige Vater mit satirisdicm Zug um seine Mundwinkel: „Und was denkt man bei Ihnen über den Papst? Ist man mit ibni zusricdcn?" Es entspann sid) hierauf ein l^espräch über französische Zustände. «M'etze .Unter diei'cn'Umständcii bitten wir Eure Majestät.in liefncc El>r-. sind», dce Vage der 'Eurele-Mascstät untergebenen Inden in günstige Erwägung zielten zu wolle», und wagen dies i» der festen. Ueberzcugnng, daß ivir kein :>cccht oder .-kein Privilegium von Eurer Majestät i:'ldKi]^_u>cfdici< den Veninimungeli des Berliner Vertrages zuividcr AiiiHas -inständigste bitten wir Eure Majestät im Jnt-creffc der Humanilät i und des Rednes, -durch Jbrcu Einfluß und Ihre hohe Autorität jüdischen Unlerihancn von der Unthüligkcil zu befreie», zu welcher sic unter den hentigen Umständen vcrurthcilt find. Mir glauben, daß dies ein Tribut ist, den man der hödisten Barnili.'rzigkcit scliuldet, 'und sind sid>cr, daß dieser Mcg ebenso zur gcdeiblichen Entwicklung des Vandes wie zum iinstcrblichc» stcuhnie Eurer Majestät beitragen würde. Ticke erhabene HatidlungSweisc.würde und die ^Uilcbfrau. , I Tic jüngste Vcislnng -Ehren-Rohling's, der A'ad)wcis jndisd>er stcilnaluiorde dnrd) „historische Zcngnissc", wird in einem geistvollen Aussätze der vom, Td>riftstcllcr äiarl Td)iicidt in Berlin hcranügcgcbkiicn Zeitschrift „Tic Td>mad> dcS Jahrhunderts" gebührend gewürdigt. Ein trauriges Eapitel inciisd)lid)cr Verirrnng und Vciedcrtracht wird daselbst in anziehender Form wie folgt geschildert: Tic Tchiinrpfcilen, die uns seit Jahren ans ihrem Torfe die Butter und Milch in? Hans bringt, ist eine rcchtschaffenc und ad)t bare Frau. Tic hält and) sehr viel auf Bildung: denn ihr Tohn besudit. das Gymnasium in der Ttadt, und ihrc Tod)tcr erhält Elavicru»tcrrid)t. Tcs Abends liest sic ihre Zcilung und Tonntag Nad>-

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