Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1892-07-31 · 17 (31.7.1892) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
17 (31.7.1892)
Date
1892-07-31
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/4886575-5439132-5439213--0173-4886728
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4. - Freies Blatt. omilen, plündern und morden und so vor aller Welt die wirklich nlmbnte» Vclueit des Ehristenlhnnrs verleugnen und mit Koth bewerfen, ein energi'ches Eingreifen der hohen einsichtsvollen Kirchenfürsten würde^ der eliristlichen Religio» mehr begeisterte Anhänger als alle Beteln nngsanstalten nnd Missionäre znsühren." Aua Pnrkersdors endlich erhalten wir folgende Zuschrift: ..'Anläßlich des Proerffes Bufchhofs suchte» sich einzelne Antisemiten dadurch vor Ser Riederlage zu retten, daß sie leugneten, als wären die .luden in ihrer O'efiimmtbcit zum l^enuß des EhristenbkuteS verpflichtet, und nur annahnien, daß das jüdische Blutrituale eine Hebung einiger besonders orlhodorer »luden fei. -Aber auch diese reducirte Beschnldignng muß jeder, welcher eiiiige persönliche Erfahrungen über das orthodoxe Indenthum hak, enlschieden zurüctweisen. Ich hatte wohl Gelegenheit genug, mit frommen, orthodoxen und auch fanatischen Juden .;» rer feinen, und. wenn ich mich auch mit deren Ansichten bezüglich . der^Ansübnng der religiösen Gebräuche weder befreunde» noch identisieiren kann, so kann ich es doch mit beruhigtem Gewissen bezeugen, -daß auch bei 'dem eralkirlesien Fanatiker der Gedanke an Mord nnd Ehristenblnt gar nicht anfkommen kan». Wer überhaupt. die An.- schauungen und den I^edankei^ng dieses frommen, orthodoxen Juden, die doch am meisten unter diesem ebenso lächerlichen als lügenhaften Blntinärchen;n leiden haben, ans eigener Erfahrung kennt, der wird es wohl wißen, daß sich ihre Intolerenz und ihr ganzer Fanatismus ausschließlich nur gegen diejenigen ihrer Glaubensgenossen richtet, welche ihrer Meinung nach durch Richlbeachtung mancher religiösen Gebräuche dem Glauben ihrer Eltern untreu werden könnten. Bon Fanatismus und Inkoleianz Andersglldubige» gegenüber ist gerade in diesen Kreise» auch nicht die geringste Spur zu sinSen. In vielen Beziehungen könnten die Eleriealen reinsten Wassers in diesen sroinuien, fanatischen »luden «''elinnniigsgenossen und treue Berbündete finden.— Sie würden mit' iliiien, wenn es sich >vu die eonfessionelle Schule, um Heminung des »Fornänstis, den Herzenswunsch der mit den Eleriealen so eng und 'innig v.!lnii>denen Antisemiten, bandeln sollte, gern durch Tick nnd -T111!ii geben Einen wirklichen, wahrbasten rituellen Mord können und weiden diele n-emmen Inden jedoch uie und nimmer lreg>hen, schon daiiii» iitchr. iveil sie, die am Buchstaben der religiösen Gesetze starr und len l>alten, sich über die strengen Berbote' des Mordens und des Bllikiieniines, 'worauf in der beiligen Schrift nnzähligeinale die Todes Ilra'e geletzt i*r, unmöglich binivegsetzen können nnd hinwegsetze» 'vollen. Man mag den Bonvnrs des Blukriiuals formuliren, wie inan will, er irffrd sich immer nnd in jeder Gestalt als ein Product entweder der Bost,eit oder der Unwilsenheil Herausstellen." T« lebliaste T iseusnon nnd nreisteniheils auch scharte Berurtheilnug der antisemitischen Mache in Unten und Eleve bildet ein linliebsames Rach'viel, anr das die Antisemiten in ihrem ewigen Siegestauinel wohl »läii gedackrr haben. Aber airctj au einem gerichtlichen 'Rachspiel wird es nicht ieblen. Tie SkaatsanwallschMt in Eleve bereitet nämlich Sliaianliäge wegen Meineids wider mebrere Zeugen ii» Pröcesie gegen d i, 2d)iiduei Buschhosf vor, und bei dieser Gelegenheitdürfte» noch >o manche inieressauke Eonlusengeschlchten der internationalen Anti s> Iiii!> nt'.ii'.de ans Tageslicht koniinen 'Für Die Cvrtr des Alltisemitismiis in lauten.) An Spenden >ar die Familie Buschhosf und die übrigen durch die anliseinilische. Bewegung geschädigten Juden von lauten sind uns im Lnnsc' dieser Bloche zugekommeu: Bo» Herrn Hofx-ath Professor Tr. H. Rolhuagel iu Wien .'»» fl.; von Herrn Dr V. v. H—sch lg, Weidling 1 fl; von Herrn Baron Johann Liebig in Reichcn-- berg I" Rkark: von Herrn Gustav Herrmann in Reichenberg I" Mart: von einem „Leser des Preten Blattes" in Grottau ö fl; vlui Hiir» Alois Pollak in St. Wolfgang >.tt fl.; zusammen ,'>> fl. o. W. und ->> ÜJiarf. Hiezu die in 'lir. l>> des „Freien Blattes" ausgeivieseizxn fl., deinnach im Ganzen 1U7 Gulden ö. W. und Ul) Mark. Vicchlrusleill icht Geucralgewiiker. > A» demselben Tage, a» loelcheiii das verunglückte. t^anipiel deS Socio lrefornierS von Hernals in B.-ar nsdorf Itattsand, kamen dorthin auch willkommene Gäste, nauilnti zahlreiche Berlreier der landwirthschastlicheu Vereine von T ch o a! i n d e. Grund nnd >treibitz Sie wurden vom Warns " eo'-'er l.iiidwiiihichafkllchnt Bereiue feftlidi empfangen, irnd der greise doiio», Io>ef Michel aus Schönlinde hielt bei dieser Gelegenheit euie »ein bemerkeiiswerthe Ansprache, in welcher er sagte: „Ter deutsche - Bane» bangt mit Veib und 3eele an seinem Kaiser, anseiirem angeilammien Herrscherltause, aber auch mit Veib und Seele an den Ideal/ü Kaiser Iosessl .ich alter, im achtzigste» Lebensjahre stehender landwirihschatllicher Beteran zähle diesen heutigen Tag zu den gtücf Nr. 17. lichsten meines Lebens, weil es mir bei meinem hohen Alter noch einmal gegönnt ist, ein Berbrüderungsfest deutscher Bürger und Bauern in ' unserer lieben hochintelligenten Nachbarstadt WaruSdorf initfeiern zu können. Verbrüder» wollen wir uns zu gemeinschaftlicher Thätigkeit auf dem Felde landwirthschastlicheu Fortschrittes, aber auch einander die Hände reichen, wenn es gelten wird, für deutsches Recht und Sitte, für Freiheit des Geistes zu kämpfen! Zwei verschiedene Volksparteien haben heute in Warnsdorf Einzug gthalten. Ein wunderbares Zusammentreffen! Tie eine Partei, man nennt sie Bauernpartei, huldigt den hohen Idealen Kaiser Josefs, der Förderung des Menschenwohls durch -die Landwirthschaft, der Hochhaltung deutschen Rechtes und deutscher Sitte, der Freiheit des Geistes im Denken u»d Handeln; die ' andere Partei, inan nennt sie die schwarze Partei, diese gedenkt nun heute Warnsdorf im Sturm zu erobern. Ein Gewitter, mit den schwärzesten Wolken bedeckt, soll sich vom .Liechtenstein" herüber über das sündige Warnsdorf entladen, ui» dann den freien Geist der aufgeklärten Wärnsdorfer in die schwärzeste Nacht zu hüllen. Aber, meine Herren, das Licht d e r W a h r h e i t, Aufklärung und Volksbildung wird uns und "unsere intelligenten Wärnsdorfer, selbst wenn »och mehrere Liechteixstein'sche Generalgewitter, folgen sollten, in de» Stand setzen, auch fernerhin für das Volkswohl, für die Rechte der Teutschen und für Aufklärung zu wirken und zu schassen." In Böhme», namentlich im deutschen Theile desselben, wird voraussichtlich die „christlich sociale" Proselytenmacherei wirkungslos sein,' und die betreffenden Auslagen erscheinen als die reinste Verschwendung. (Antisemitische Hetzereien.) Unter diesen, Titel schreiben die „Neuen Tiroler Stimmen": Ter bekannte Schniillanch aus allen Suppen, Giiitlernieister Unierberger, verbreitet ei» Flugblatt, welche« ein Separatabdrnck ans dem aniiieiniiiichen „Bolkssrrund" ist. Dasselbe enihält zuerst einen Artikel an« Innsbruck, worin über Tr. Nathrei» und Tr. Jehl» in der desligste»' Weise geschiinpst wild; dann tomint ein Ariikel aus Bozen, worin in der nngezogensten Weise gegen Tr. Jehl» und Tr Ziaihrein geschmäbt wird Wir erwidern aus die persönlichen Angrisie nur: Gott sei Tank, daß nnS diese Heule nicht loben! .Ter Bozener Eorrespondeiu klagt über den Papst, welcher dein Tr. tiathrein eine» bohen Srden verliehen hat, und über den Bozener Mittwoch Elub, weicher dem selbe» dazu gralulirt Hai. Tas klägliche FiaSco, welches Tr. Psenner und sein Leibdiener in Bozen geinachi haben, wird verschwiegen. Tann folgt die Rede de« Herr» Psenner in Innsbruck ui.d der Schwesel de« Tr. Vneger in der Per saniinlung beim Bierwastl, worüber in Innsbruck viel gelacht worden ist. In lebt folgt eine AbonnementSeinladnng für de» „Poilssreund" und tüudigt Psenner seine iäiniiiltiche» Werte an, die für I bis '2 kr. per Stück zu habe» sind, zum Beispiel die „Baluiareguliruiigssrage" »in '2 Ir, 1<*J0 Stück fl 10. Was kann es Billigeres geben? Wir würden diese Sache lächerlich finden, wenn nicht durch' solche demagogische Hetzereien unsere Bevölternng in Ausregnng versitzt und denn Liberalismus »inlbivillig in die Arme getrieben würde.. I» dieser Erivägung werden wir genolhigt sein, gegen den Hauplhetzer im Lande, daS poliwche Ehainäleon Stephan llnlerberger,' in anderer Weise vorzugehen. Wir werden, wen» dieser Mensch, der alle llrjache hat, sich ruhig zu verhakten, seine Hetzereien sorlnven sollte, aeienmäßig darlhnn, wie — sagen ivir vorläufig — unreelk er sich in Geldsachen gegen seine eigenen Gesinnnngs genosie» benommen Hai. Wir branchrn bloß den dramen Wiesinger zu nennen und zusage», daß die Briese ans jener Zeit, wo Unierberger für die Reichspartei nnd die „(Gemeinde Ieilung" sammeln reiste, in unsere» Händen sind. Auch lönme eS uns.beisallen, Geschichlen über die sittliche Führung desselben Mannes zu erzählen, welche seinen ZtatholiciSinus in eigeuarligein richte erscheinen lassen. Eine davon spielt in einem Theile von Uniet-Innlhal. , Wir deute» solche Sachen migern an Aber bei gewissen Individuen chilst sollst »ichls. Bei den letzten Wahlen' ninßte sich dieser Mann seine pebensgeschichie, konieit sie mit dein ösientliche» Leben zusaminenhängt, i»S Gesicht sagen tassen, und die Wähler Hallen genng von diesem Schnililanch ans allen Suppe». Man Halle meinen möge», er werde nun ruhig sein. Aber dieser politische Glücksriller ver sticht' »och immer, eine Rolle zu spielen ans Ztoste» der eonservatchen Partei ' Tirols. Er zwingt nnS damit i» innthwilliger Weise, ihn öffentlich zu zeichnen als das, was er ist. Tan» werden auch gewisse Politiker sehe», welchem Zwischen» tiäger sie vertraut, und gewisie Blätter, welchen Eorrespondenten sie gehabt. Man . zwinge uns nicht, deutlicher zu werden iAkademische Cilltiirpiolinierc im £|tcu.) „Tie deutsche Euliur und) dein Cfte» trogen!" Tssenbar glaube» unsere unverfälschten aka> deniischen Bürger - diese alte Eulturniissio» des österreichischen Vater landes zu erfüllen, wenn sie auch im äußersten Cften des Reiches, in der Bukowinaer Landeshauptstadt Ezernowitz, Filialen. des Racen und tfilaubenshasies in Form akademischer Verbindungen Schönerer'scher Eouleur gründen. Nun, die Musensöhne von Ezernowitz scheinen gelehrige -Köpfe zu sei»; im Monate Februar d. I. veranstalteten sie.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.