Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1892-07-24 · 16 (24.7.1892) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
16 (24.7.1892)
Date
1892-07-24
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
80% known words query
IRI
…/4886575-5439132-5439211--0164-4886720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 16. Seit« 4. Freies Blatt. Herrma 11 n ReichStagSabgeordneter Tr. Horwitz. Ehefredactenr A. Levqfohn ReüySiaqSabqcordneter Tr. Alerauder Meyer. Justizrath Meyer. .Pro feffor Mo nun seit. Rudolf Masse Tr. L. Rentli ann. ReichstagSadgeordiietcr ^ätrader. Eliefredaetcnr Fr. Llephain». Tr. Stryck. Leopold Ullstein. Rei>1,'-taysak>>)eordiietcr Rudolf Pirchow. ReichsiagSabgeordiieter Boltralh. Fr AoLiniau». Stadtverordneter Weist Atademiedireclor v. Werne«. Bürgermeister Zelle. Auch dir Reduktion des „freien BlatteS" erklärt fidi bereit, Spenden für die Ftimilie Bnschbofi und für die übrigen durch den ttiitifcinin*iiui* geschädigten jüdischen Bewohner von Fanten entgegenzilnebinen. Heber die eiugelaufenen Beträge, welche man an die Adresse der Redaktion «Wien, I., Seilerstätte 10) senden wolle, werden wir regelmäßige Ausweise bringen. Bon Herrn Baron Friedrich Leitenderger find uns zn diesem Zwecke bereits l«X» fl. zngekonimen. Ans dem Abgeordnetenbanse. Tic antifcniitifdjcn 2ocia(rcfovmcv ■ habe» in der Balutadebätie eine recht klägliche Rolle gespult. Herr Lit-eger verwechselte in einer feiner viele» Reden buchstäblich Rüden und «l arlossel»: allerdings halte inan ihn, wie er später eingestand, „angeplauicht". T er selbstgefällige Stieger, welcher »ach Art koketter. Mädchen, die ihre Dchötiherk—nur deshalb selbst auzweifeln, uni Wider 'prucki hervorzurttsc», vor seinen Margarcthncr „Bereinigten «Christen" mit dein AnSwruche taii^lt: „Mag fein, daß ich fein bedeutender Menich bin" Lueger mußte das «''cstäitdniß ablcgcn, daß man ihn ..auplaitichen kann, selbstverständlich zog Lueger nicht nur gegen - Zuteil, sondern auch gegen Ungarn los, und ein Bcrglcich unseres Berhgltnisfes zum Reiche der Stephrtnstronc mit .einer Ehe entlockte ibm über die Rvtlnvendigkeit einer Scheidung die tiefsinnigen Worte': ..Wir Hesterreichcr -waren bisher so gute Lämmer, Lämmer ist noch tu wenig, wir waren Schafe " Ter nicht minder redklustige Pfarrer von Milatiee. Herr ,vmir, W c b c r, sprach von allem Möglichen und ve>sicherte als Priester an Eidesstatt, Freiherr v. Ehlnmceky hätte ihm im ' pmiiincin für diese 2iint>cn gegen die Geschäftsordnung die Al»'olution ertheilt^Letzterer erklärte jedoch höflich, daß der hochwürdigc Herr sich ..irre" Tiebedeutendste Leistung der ankisemitilchc» Eoeial resormei baue aber ohne Zweifel jener steierische Freiherr attfznweiscn, welcher im Wiener Bolksmitiidc wegen der Flcischiiahrnng, die er den Resikentbewohucr» empfahl, der ..Bciitdkvich-Baron" genannt wird Er wies ickii die der Lonau LaiiipfschinsahrlSgesellschast gewahrte Sud veiitio» lau und. mcin-ke, der Handclsministcr hätte vorher einige Leute an den sckwncn Fäulen deS Parlamentes häiigeu lassen sollen. Lueger gerie:l> darüber in Entzücken und thcilte dem Printen Liechtenstein leelenvetgiingt mit: „Pom Hängen spricht er jetzt." Aber der „christlich soeialc" Robesvierrewurde vom Berichterstatter 2 z-e; er> a » owski griiudlicki abgefertigt, welcher ihm cntgegiicie: „Wenn man einmal mit dem sozialen Standrecht beginnt, so kann man vielleicht tvisicn, bei ment da>> Hangen aiksängt, aber nicht, bei wem cs aufhörk." schließlich sei -uwähui, daß auch Schneider wieder einmäi das Wort Ergriff und seine magyarische» „ti'rcuelthaten gegen die arknen Rnmäuen" auftischtc. Er wagh eS, der österreichischen Bolksvertrctung dieselbe» Märchen vortuseuen. mit ketten er zuerst.die Bauern in Zirl Tirol) rintcrhaltcii liatte. Taß seine Erzählungen inzwischen von compctenkcr Seite als Lügen qetenttzcichncj wurden, genirt ihn nicht. Für die antisemitische Ramvswelie gilt die stregel: Es wird weiter gelogen! .. putsch österreichischer Ledrertag. Bei der diesjährigen Ber 'atymlntuz des L euii'ch österreichischen .Lehrerbundes in Linz gab der ^nndesyräsidettt, L bersehrcr statschiuka, der Ucbcrzcugntig Ausdruck, käß die Lehrer' jederzeit dem Fortschritte und denen Errungenschaften nuciilwegt ibrc T ietitke widmen werden, unbekümmert um die Lockungen und Werbttiigeu jener Ventc, welche unter der trügerischen Maske von Polkssreundcn nur der Reaetion dienstbar find. Auch Bürgcrschttllchrcr F o r d a n > forderte seine Eollcgen aus, jederzeit an den Prineiptcn' walii-u Meit'chenliebe festzuhalten und jenen den Rücken zu kehren, die den . Lehrer als Werkzeug ihrer dem Raren und Elanenhassc dtenriide» zerfetzenden Thätigkeit mißbrauchen wollen. Politische Bübr S. > Aus P i l' e n wird uns geschrieben: „Bezug iiklmtend o»f die Rotiz „Politische B--b--js" in Rnmmer 14 Ihres geschätzten Blattes - bin ich i» der Vage, Ihnen gleichfalls einige Mittl>eilnngen zu machen als Beweis, wie weit der antiscmitischc Berbetzungsproeeß lecker auch schon unter den Mittelschülern gediehen ist. Tas k. k. L bcrgynutasium in Pilsen genießt in ganz Böhmen hen wohlverdienten Ruf eines guten Institutes, und dies natürlich in Folge der Tüchtigkeit der Lehrkräfte. Doch trotz der Güte dieser Anstalt hat sich an derselben leider gleichfalls der AntiseinitismuS -in erschreckender Weise verbreitet. Sonst war es Sitte, daß beim Ab. schlusie des Schuljahres aste Abiturienten ein Kränzchen veranstalteten. Diese schöne Sitte fand mit dem vorigen Jahre ihren Abschluß; in demselben fand kein Kränzchen statt. Heuer war aber die Trennung eine so vollkommene, und die Ucberzahl der Antisemiten eine, so große, daß sie auf eigene Fanst ein Kränzchcei zu Gunsten eines antisemitischen Bercincs veranstalten werden. Daß sich das Zusammenlehen der Israeliten mit diesen ,wahren Ehristcn' keineswegs erfreulich ge staltctc, ist klar. Kpitlietu onmntin wie ,Sauj»d, Jndciihund' u. dgl. waren keine Seltenheiten, und ein kleiner improvisirter Ucberfall jüdischer Stndentcn von Seite betrunkener »ntiscmischer Mitschüler zur Rachtzcit, cingeleilct mit dem Barditns: ,Mir sau ja net von Dar »opol, l)oi, 1)0), hoj' war ja nur eine Abwechslung in dem Einerlei des «^chmnasialletens. Solche <s)eschichten könnte man noch mchrcrc er- .zähle», und Jeder, der sich aus unseren Mittelschulen etwas umgcthau, wird mir dies bestätigen. Es wird diese Erscheinung niemand Wunder nehmcn, wenn er erfährt, daß cö Herr Schönerer durchaus nicht unter sciner in Coftcncid) ticfbelcidigtcn Würde hält, mit Mittelschülern zu eorrespondiren und sic aus jede uiöglichc Weise für die .gerechte' Sache der Antiscmitcn aitznfeucrn. Es mag der löblichen Unterrichtöverwaltung freigestellt bleiben, ob und wie sic einem solchen sträflichen Unwesen zti steuern gedenkt. Iedcnsalls abcr'wärc. eS zunächst Sache der Lehrer und Bäter, soweit sie sich zur Gesellschaft der anständigen Menschen betenneit, die jugendliche» (istmüthcr vor einer derartigen Ansteckiiygsgefahr zu bewahren." —i. I Biel Lärm mit 'Jitdlt-f. Ans Trantcnan wird uns geschrieben : War das ein Dpeekakcl in der Antiscmitcnprcssc, als vor einiger Zeit das Bezirksgericht Arttau den Landcsadvoeatcn in Trautcuan, Tr. Leo Ra pp ap art, in Folge einer Ehrcnbclcidignngsklagc des Bezirks gcrichtsadjuneten Mori; Wojaßck verurkheiltc. „Jüdische Arroganz", „ Tiscreditirung des Advoeatenstandeö durch Juden" :e. —- all dies wurde ans diesem Ehrcnbclcidigungsproecsic dcdneirt. Run hat aber auf Berufung, des Dr. sttappqport die zweite »Fnstanz ihn frei gesprochen, und der Kläger hat.sümmtsichc Kqstc» zu kragen. Tolerantes ans Bötimen. Der Beruf des Tagesschriftstellers, wetchcr bemüssigt ist, beständig gegen die zügellose antisemitische Ber hetzung auznkämpfcn, ist fürwahr kein leichter und besonders trostreicher. Uni so angcnchmcr muß cs ihn berühren, wenn er in einer Zeit der trostlosesten Unduldsamkeit hie und da eine Spur brüderliche» Zusamenlcbcns zwischen Inden und Ehristcn constalircn kann. So .erfahren wir ans Raudnitz in Böhmen, daß zu dem'am 10. Juli stattgchabtcn feierlichen Arte .der Einwcihuitg eines Altars in der dortigen Dceanatkirchc - auch die Bertrctcr der israelitischen EnltnS gciiteinde geladen waren, und ihnen in der christlichen Kirche ei» Ehren platz zngewiescn war. Dieser Zug religiöser Toleranz ehrt die christliche «Geistlichkeit von Randnitz, und beweist nciierlich, daß Böhmen kein Boden für aiitisenzilischc Berhetzung ist. (5il> anliseinilischer (Lbrenmann. Man schreibt uns aus Frank furt a. M..: Es geschehen Zeichen und Wunder: Auch Arier, ja sogar /Antisemiten werde» von den — in diesem Falle selbstredend „verjudeten" — «Berichten tvegcn Unredlichkeiten und ltittcrschlagitngcn >-n irr<<s verurthcilt. Der Fäll Jäger in Frankfurt ist hinlänglich in all seinen Einzelheiten l>pkatutt. Der Fall deS Herrn Bürgermcister a. T.-Iägcr'in Münze nbcrg dürfte es weniger sein, zumal die anlisemilischc Presse sich seiner — naturgemäß — nicht angenommen hat. Ja, »atnrgcmäß, denn Jäger war einer der eifrigsten Förderer des Indcnhasscs: er wußte gewiß beredt darzulegen, wie weit.zahl reicher hie Bekrügercicn unter den Juden Vorkommen als unter „echten Germanen", und zu letzteren zählen ja auch die Antisemiten. Bürger mcistcr a. T. Jäger hatte sich kürzlich vor der Straskamtuer in Gieße» lBorsitzender Landgerichtsralh Hofmannt wegen sieben Füllen von Unterschlagung zu verantworten. Tas Urtheik lautete nach 24«) ut’.b :if»0 des Strafgesetzes auf zehn Monate «i4c fäng n iß und Tragung der Kosten. Es sind zu registrircn: eine Unterschlagung, welche mit vier Monaten, und sechs, welche mit je drei Monaten angesehen werden, aber nach 8 auf zehn Monate rediteirt wurden. -(Ahlwardt.) Eine bei Groningen &. Eomp in Berlin erschienene Broschüre „Ahlwardt's Ende" bringt sehr bctiicrkcnSwcrthc Auf llärungen über daS Gcbahren Ahlwardt's. Seine Huiiptzengen, die ans der Lonvc'schcn Fabrik cntlastcncn Arbeiter K r ä h h ahn und Bretschncidcr,' erklären darin, daß Ahlwardt's Enthttllu-ngcn fasst durchivegs dessen eigene Ersindungen oder stark entstellte Zusätze zu ' ihren Aussagen sind. Krähhahn erzählt, Ahlwardt habe ihm einen nnbcschriebcncn Briefbogen gegeben, den Krähhahn, liachdcm er seine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.