Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 16 (24.7.1892)
- Date
- 1892-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 16. reite S. Freie- Aussagen gemacht hatte, vor deren Niederschrift unterzeichnet, habe. Ahlwardt habe in Abwesenheit KrShhahn's den Text vor dessen Name» gesetzt. Ferner habe Ahlwardt zu KrShhahn's Aussagen Zusätze hinzugefügt, welche der Wahrheit widersprechen. Ahlwardt habe ihm 2300 Mark zur Gründung' eines Geschäftes versprochen, die von Herrn v. Wackerbarth, Freiherr» v. '.'an.gen, Rcgicrnngsasscssor Baron Hülsen und Schriftsteller Paasch hergcgcbcn würden. Auch dem Zeugen Brctschncidcr sollen diese Herren eine Bcrgütung aller Mühen und Kosten zugcsagt haben. Zugleich wird Ahlwardt vor geworfen, Bcstcchungsversnchc gemacht zn habcir, um Gcwchrthcilc aus der Z'oewe'schen Fabrik zn erhalte». Bei dem Architekten Borrmann in der Krünaucrstraße liege auch ein Gewehr, das apS der l'oewc'schcn Fabrik stamme. Krähhahn erklärte weiter, das; er von Anbeginn Ahlwarbt gesagt habe, daß i'ocwc niimögllch von den Borkoinmnisscn in der Fabrik habe wissen können, ebensowenig K ü h n c, »nr die. Meister hätten ein Interesse an den Manipulationen gehabt. Und was bei '.'oewc vorgckomme» fei, komme ebenso in den StaatSanstalten vor. — Tic „Freisinnige Zeitung" schreibt hiezu: Tic Broschüre ist von einem früheren Antisemiten versaßt, der früher selbst an den antiscmitischcn Treibereien thcilgcnommcn hat. Ahlwardt, dem das Erscheinen der Broschüre schon in der jüngsten Antiscinitcnvcrsaunnlnng, i» welcher er sprach, bekannt war. hatte die dqrin ausgestellte» Behauptungen »pii vornherein als erlogen zn kennzeichnen gesucht. Ta indes schon ' von Anbeginn an fcstgestcllt worden', daß die Angaben Ahlwardt's „i alten ihren wesentliche» Theilen erfunden wären, dürsten diese jetzigen dsussagcn seiner früheren Zeuge» doch einen ziemlich erhebliche» Anspruch ans Wahrscheinlichkeit machen. Ticsclbe» beschäftigen bereits das Okericht das schon Ilntcrsnchnngcn nach der Richtung angestellt hat, daß Ahlwardt einen Soldaten durch Angebot von 30.000 Mart »er leitet habe, in Frankfurt a. d. S. einen t'Iewchrdicbstahl zu begehen. Racff der-„S schatzcr Zeitung" äußerte sich König A schert von Sachsen mißbilligend über Ahlwardt's.Treiben, tvelcher de» >tö»ig als besonderen Hort des Antssemitismns pries. Bekanntlich hat auch Schönerer's Blättchen, als cs kürzlich einem auswandepungs .lustige» lkRsinnnngsgrnosscn empfahl, nach Trcste» zn ziehen, die dortigen „höchsten Kreise" als „entschieden national gesinnt" gepriesen. .Ans dem Schöncrcr'schen Fargo» ins Teutsche übersetzt, deckt sich dieses'.'ob mit jenem Ahlwardt's, welches nach der' „Tschatzer .Leitung" König Albcrts Mißfallen erregt hgt. I'.'llltistlllilischt C'hrabschlltidrr.) Ter Redaetcur der „West vhä tischen Reform", Bell mann, wurde wegen Beleidigung des Tiseiplinarscnats beim SbcrlandcSgerichic in Frankfurt a. M. zn icchs Monaten t'kcfängniß vcrnrtheilt. - Ter frühere Besitzer "S '.'cipzigcr Antisemitcnblallcs, Wan er, erhielt wegen Beleidigung ' » preußischen FnstizministerS v. Schclting und A>cS- Elfefs des huserlichc» EivileabinctS v. '.'u ran ns eine zweimonatliche "kefä » g n i ßfftr a fe. '?kt Pflege des Fanatismus. Tie „Kölnische Zeitung" inacht ans ein Buch, ausuicrksam, welches den Titel führt: „Katholischer Kindergarten oder '»'egende für Kiirder." Tassekbe ist in dem ultra montanen Her der'scheu Berlage zn Freibnrg i. B. erschienen, von dem Priester der Gesellschaft Zesn, Franz Hartl er. heranSgegebeu und mit t'kcnchmignng des EapitclvieariatcS Freibnrg gedankt worden. Zu diesem für Kinder bcstinunten Buche sind drei Schauergeschichten voit Mordthaten, ivclchc Znden an Ehristen verübt haben sollten, aus tnhrlich dargcstcllt. Abgesehen davon, das; diese, Geschichten der histori scheu Kritik keineswegs Stand Ihaltcn, wird hier der Fugend eine '.'eetüre geboten, die in hohem tnradc geeignet ist, de» Fanatisnins z» schüren und ein für Märchen von jüdischen „Ritualmordcn" enipsang lichcs tfkcschlccht zn erziehe». sAlItiscmitischcHtldcnthattir.') Ten, „Renen Wiener Tagblatt" ivit'd aus Köln vom 10. ö. gcincldct: Auf denr jüdischen Friedhöfe zu Okrevcnbroich ^Rheinland) wurden in den letzten Tilgen verschiedene neue Grabsteine zertrümmert und die einzelnen Stücke ninliergeschlcudcrt. In der 'Nacht von Samstag auf Sonntag wurden im Hanse eines jüdischen Kaufmannes mit einem großen Pflasterstein die Spiegelscheiben eingcworfcn; in der Shnagogc wurde» zwei Fenster zer lrüinniert Zn dem eine halbe Stunde von dort entfernten-Site G i n dors wurden in der verflossenen Nacht um 2 Uhr. am Hause der lüdischcn Witwe Bchr eiserne, mit Sprengstoff gefüllte Röhren entzündet, wodurch das Eingangsthor zertrümmert wurde. Tic Thätcr 'ollen erkannt worden sein. Tic jüdische Bevölkerung sicht sorgenvoll den lommcnde» Tagen entgegen, »msomchr, als Sonntag eine antisemitische Bersammkung stattfindcn soll. (Gkgrn die «kclcnptst.) Tic airliscinitischen Schandblättcr suchten die wiederholten Aussprüche gekrönter Personen gegen den Antisemitismus dadurch zu annullircn, daß sic dieselben einfach als — jüdische Er sin Blatt. dnngen hinstclltcn. So triebe» sie es kürzlich mit der auch in Nr. 12 des „Freien Blattes" uiitgelheilte», -Tcpesche des Herzogs (>' e o v vj1 von Meiningen an den Handrabluner Tr. Tcssaner in Mei' »ingcn. Ten antisemitischen t'ügon gegenüber liegt nun der antheulzjche Wortlaut' der Tcpeschcu sowohl des Herzogs als des '.'andrabbincrs Tr. Tcssaner vor. Letzterer depeschirtc: „An Sc. Wl»'it den Herzog von Meiningen in Billa Earlotta bei Eadcuabbia. '.«andrabbiner und Enltnögcmcindc Baucrbach danken für höchstdcsscn Wohlwollen, ge denken bei der Synagögemveihe Eurer Hoheit und höchstdesse» l'ff-mahlin in tiefster Berchrnng." Tarauf. erhiAt Tr. Tcssaner folgende Rint antwo.rt: '.'andrabbincr Äcciningcn. Eadcuabbia, den, I S, Znni Herz liehe» Tank für Zhr und der israelitischen Gemeinde Banerbach freund liches Gedenken. Angesichts der Bcrsnch.', der Bcrirrnng des Anti-' scmitismnS auch bei uns Eingang zu verschaffen, können die Zsracliten Meiningens auf,mich zälstcn." — Zn einer längeren- Unterredung, ' die eine Tepntation des Borstandes der Berliner jüdischen Gemeinde mit dem preußischen ÄlUMster des Znncrn, Herrfurth, hatte, äußerte, wie der „R o r d d c u t sch c n A l l g e in eine n Zeit » n g" initgelheill wird, der Minister: Tic,-Mitglieder der jüdischen Gemeinde lönnten mit Sicherheit darauf rcd>nen, das;' ihnen gegen etwaige Ansschreitnngcn, ivclchc in Folge antisemitischer.Hitzcreien versucht werden sollten, der allen Staatsbürgern znstchcnde Schutz seitens der «Berichte und Beiwaltnngsbchördcn in vollem Umfange werde zutheil werden. Ein Berbot der Abhaltniig antisemitischer Bersämmlnngen sei .nach dem Bercins gciclZ vom I I. März I^ffO nicht zulässig: die Frage, ob eine solche Bcrsammlnng nicht ansznlösc» sei, hänge von der Bcnrtltzilnng des beansficlitigenden Polizeidcamten ab, inwieweit die erörterten Borschläge und Anträge eine Aufforderung oder Anreizung zn slrasbaren Hand lnngcn, namentlich zuOffwallthäliglciten, - enthielten. Für die Zulässig teil, Flugschriften Zn verbreite», seien allein die Bestimmungen des Preßgcsetzes, beziehungsweise die Beschlüsse der Gerichte maßgebend. Tagcgcn sei die Regierung stets bestrebt gewesen, grobem Unfug, namentlich durch Ausrufe undRusdrängen widerwärtiger Prrßcrzengnisse, zu steuern ohne Ansehung der Eonfcssio» oder der Personen, gegen welche dieselben gerichtet seien — und werde auch in Zukunft . mit allen geglichen Mitteln derartigen Ausschreitungen enkgegcntrete». Eine dieser Tage in Posen erschienenei Broschüre „Tet »In de", welche einen k a l h o l i s ch e ir Oi c i st l i d) c »j zum Bcrsassrr hat, spricht fid; in 'nachstehender Weise gegen den AnlisemikismnS aus: „Wir bezeichnen,, diese Hetze, denn änderS tönncn wir's »>d)k nenne», als nnchristlich,, unpolitisch und unklug. Ter Antisemitismus ist vor Allem »»christlich: er verstößt gegen das erste, fundanlcntale <''el>ot, das Gebot der christliche» '.hebe.- Es ist n»S> geradezu unbegreiflich, wie sid> ein d>riftlid>er tNistlicher an die Spitzt oder in die Reihe dpi Antisemiten stellen tan». .Bebet einander,' so töüt es von der Kanzel herab, .verfolget die Znden' von der Rcdncrbühnc — und das ans einem und demselben Munde. Ter Antisehiilismus ist Unpolitisch. Es . ist eine geschichtliche Thalsache, das; die Bildung ei»cr Viga gegen die 'Mitbürger in einem Staate stets für beide Parteien verderblich ge wesen. Ter Bürgerkrieg, mag er blutig oder unblutig verlausen, ist stets eine Ealamität für das Vaud. Meint ihr Antisemiten, von de» Znden in Schalle» gestellt zn sein, so besieget 'sic durch de» Glanz eurer Tugenden. Ter Antiicsnilismns ff; nntlng. Wenn die Zudeu wirklich foldjc gewaltige Macht besäßen^ über so gewaltige Mittel vcr' fügte», so wäre es klüger, mit ihnen Hand in Hand zu gehe», da sie »n» einmal mit uns Zusammenleben, als in nnnützcm Kampsc die Kräfte zn vergeuden. Was hat Spapicn, Portugal, Rußland gewonnen, .- als es die Zudcn verbannte? Anstatt zu jammern, daß die höheren Lehranstalten rwu Znden überfüllt seien, freuet euch darüber, daß die jüdische Fügend in edlem Wettstreit mit unseren' Zünglingen zur Be rcichcrnng der vaterländischen Wissenschaft beizukragcn fiel) bemüht." - And) drei kakholisd)c Kirdjcnfürstcn äußerten sid) in der jüngste,il Zeit . ans das allcrentjchiedenstc gegen den Antfsemitisinns. Bei Empfang einer Tcpntation der Stodk Wreichen ^sagte der Erzbischoff von - Posen Off,esc», Tr. v. S tablcwsti, daß er ein Wahrer, der Viel'* und (ff c r ed> l > g k c i I sein wolle, o h n c bezüglid) der '.>c a t j o n a l i t a i und Eonscssion irgend eine» ttn.kersd>ied zn- »iad>en. — Ter Erz bischof von Bamberg, Tr. v. Sd)ort, hielt in Fürth, als er dort kürzlid) zur Bornahme der Firmung weiltch eine Anipradic, in wrld>er ct| als Sbcrhirtc mahnte, sid> nid>t an'dem Hasse und der Hetze gegen die Andersgläubigen zu bet heiligen. Man müsse deyi Frrthnm widerstreben, es gehe aber nid)t an, die Angehörigen eines anderen OstanbenS zu Haffen, da Ehristns in den Worten: „'.hebe deinen Nächsten wie did, sellfft" alle Mc»sd)cn ohne Aus nähme »litinbcgriffen habe. Erzbiid)of Tr. v. Scchork saßt eben die Nüd)stcnliebe anders auf als Eooperator Sd>nabl. — Fn Pa ris erließ der dortige Erzbischof ein. Sd)rci bcn an die Gdiftl id)tci l,