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Freies Blatt · 1892-07-24 · 16 (24.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
16 (24.7.1892)
Date
1892-07-24
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16. Freies Bertheldiger Rcchtsanmalt Stapper sagte: „Meine Herren Geschworenen! Tiefer Tag wird ei» Ehrentag für Sie sein, denn Sic gebe» einem anständige», schwergeprüften Manne die Freiheit, einer. Familie den Gatte» n»d Bater, einer Gemeinde.ein Mitglied wieder, da-; bisher in der nnerhörleste» Meise dem Haß »nd der Bcrfolgniig eines »rtheilSlosei, Pöbels auSgesehl war. Sofort alS die Thal euldeett wurde, da stand es bei der Menge fest: es müsse ein- Ritualmord geschehe» sei». Tas alle, iniltelalkerliche Märchen, daS man schon längst begraben glaubte, war wieder aufgetaucht. Mit Blillesschnelle verbreitete sich daS BlntinSrche» durch ganz Teulschland -und ivnrde von Herrn Tr. van Hansen sofort »ach Emmerich getragen. Sie erinnern sich, meine Herren Geschworenen, daß Herr Dr. van Hausen erst, nachdem er die £ d enetiondbefnndk hier eingesehen, die Erklärung abgegeben hat: .Run habeich mich überzeugt, ich halte auch den Fundort für de» Thatort, ich habe zur Zdit niei» Unheil aus Grund oberflächlicher Besichtigung abgegeben/ Märe der Mord-nicht sofort z»>» Cbjfctf einer Glaube,iSheye gemach» ivoiden, wer weiß' ,>b eS nicht gelungen wäre, schon »ach den ersten acht bis vierzehn Tage» den Marder z» yitdecken. Wen» man crivägt, ivie alle Bemühnnge» der Behörden, in Schuldigen zn erinilteln, durch das Blutinärchen getrübt worden sind,?a»it muß man die Ueberzengiing gewinnen, daß Shstem i» dieser Hebe lieg,. Tie Mute hatten gar kein Fntcresse, daß der wirklich Schuldige ermillell meide; die Thal an sich war ihnen aber ei» willloininenes Agilalionsmillel." Ter Berlheidiger ging ans -die Zeugenaussagen des Mäheren ein, legte dar, daß man Bnschhoss eine solche Thal nicht znlrane» lönne, und schloß mit den Mone»: „.ich theilc nicht die Hofsnuilg des Herrn Staatsanwälls, daß nach Schluß dieikr Berhandlnng die Hege beendet sein ivird, wir werden aber nach Abgabe MahrsprnäieS sagen können:,Tre Mahrhcil hat gesiegt!" Berlheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer wies aus die Bcidächlignugen >!ia, denen er aus Anlaß deg Uebernahnie der Bertheidignng aliegeiel.» war. nn? nigle dann: „Ich kanii Fhiien die Bersichernng geben, ineine Herren Ge. --Imoienen, daß ich lroll all dieser.Berungliinv'uilgen es für ineine höchste Ehre -1,allen habe, gerade den Angellagle» Buichhöss, desien Unichnld vom Anfang' - llar zu Tage lag, zn verlheidigen. Fch kann .ihnen aber auch die Beisiche - um, geben, daß ich nie und nininier eine» Man» verlheidigen ivnrde, von den, ,-sauch-nur verinnlhen köiuile, daß Blut an seinen Fillgern klebl. Märe ich n der Unschuld des B»sch!w»> nicht überzeugt, Halle ich i» dieser Beziehung ntdi »nr noch Eitlen Zlveisel, ich stände sicherlich nicht an dieser Stelle. Tie lviederverhasinng Bnichhoss s und die Erössniliig des HanvlversahrenS geschah i»-.I>l, weil man an feine Schuld glaubte, sondern weil man der Melt den Be weis liefern wollte, daß an all den Berdächtignngen lein wahres 'Mort ist. Und >e Berhandlnng, deren Teilung an Unparteilichkeit jedenfalls nichts zn wünschen > vig ließ, hat die Unschuld des Buichhöss in glänzender 'Mrise »achgewicsen Ter Herr Erste Staatsanwalt halle Recht, wenn erjagte, mit größerer Genanig teil bat noch niemals ein Angeklagler sein Alibi nachgewieien Richl eine Uli Wahrheit konnte ihm nachgeivieien iverde». Als ihm geiagl winde, er solle bei iiiirrlieblicheu Tinge,, doch lieber,zugestehen und sich nicht aufs vengnen ver ue„, da -aiuworteke er: .Ich tan» doch „ichtS zngeben. was »ickjl ivahr ist. " -r' Berlheidiger' schloß: „Ich kann die Hosfiuliig des Herrn Ersten Staats -Iwans nichtiheile», daß die anliseinilische Hebe mit diesem Proeesse ein -nee haben wird. Ich.fürchte: es ivird weiter gelogen werden. Allein die große S orgsalt und Ansmei Isamteil, mit der -Sie,. meine Herren Geschivorencn, d^n "'-rbandliingen gefolgt sind, gibt mir die Gewähr, ,daß, weizn auch die Tilgen!Nchl verstlimnien werden, so doch in diciem Saale Reäit^ ilnd Gerechligkcil unbt werde» wird. Fch gebe mich ferner der Hofjnnng hi», daß mit diesem broeesse das alle Bluimärche» ans der Mell verschwinden wild." ' Als letzter Berlheidiger sprach Rechtsanwalt «ssoinmerSbach Er be handelte namentlich die Frage des Ritnalmordes, »ud iaglct „Es ist an die sachverständige» die Frage gerichtet worden, ob Anzeichen für einen Runal inord vorliege». Tie Beiveisansnahme hat ergeben, daß dies nicht der Fall ge »lesen ist. Tie Behauptung, die Juden, branchen Ehristenblnt, ist in der Thal eine so thörichle, daß man »nr mit >be»ig§» 'Morten darüber sortgehen lanu. Aber ans zwei Pniikte will ich Hinweisen Men» man »ns Ehristen sage» ivollte: .Ihr braucht Blut!', würde man das wirklich widerlegen wollen^ lind - och sind in, Anfänge »nserer Zeilrechnnng derartige B.eschnldignngen gegen die Christen ausgestoßen ivgi'den. Die christliche Religion Halle damals noch nicht die Macht, sonder» stand erst im Anfänge ihrer Siegeslanjbahn nm die Melt. Tie christlichen Kirchenväter belämpste» daSBornrtheil mit dem größten Ernste. Menn wir selbst nnter diesem Borivnrs gelitten haben und Manche'unter nns j lloch leiden i» China und Indien, so sollten wir doch nicht Andere damit ver ächtigen." Ter Benheidiger ging noch näher aus. diese Frage ein. n»d fuhr anl, fort: „Criininalconunissär Molss nahm bekanntlich an. das siii-d iei von Bllichhoff gezüchtigr und dadurch willen-, sprach- und bewußtlos geworden. Ta« Uliglanbliche dieser Teduction des Herrn Molts ist schon dnich de» Gcheinien A'alK Pellmann widerlegt ivorden. Gesellt, der .llnabc wäre von 'Buichhöss ge zuilliigt ivorte», so hülle er doch geschrien. Das Shstem Molss'S hat sich nicht stichhältig erwiesen." Hieraus belenchtete der Berlheidiger einige Zengenans lagen, gab eine Eharallerschildernng Bnschhosj's und schloß-mit den Morleii: „Fassen Sie alle Eindrülle dieser zehntägigen schweren Arbeit zusammen, dann, \ ■ : Blatt. '- Seite daS bin ich überzeugt, muß auch Ihr Mahriprnch lauten: „Ans Ehre n»? Ge lvissen, vvr lüolt und de» Menschen: der Angeklagte ist ntt'chnldig." In der Rechtsbelehrung, welche sodann der Präsident-den Gc>chwoi»e,i erlheilte, sagte er: „Tic Bertreter-der löniglichen Slaalsanwallschojt haben ihre Anträge aus Freisprechnng gestellt Es ivürde nicht richtig iei», wenn Sie etwa glaubten, . daß Sie »nn, weil die StaatSanivälilchaft selber die-Frefinrechnilg beantragte, sich loSmache» könnten «von einer, sorgfältigen Prnsnng der Sache. Sie dürfen sich nicht daraus verlassen, daß die. Siäatsanwalllchasl dazu da ist, die Schuldigen zur Bestrafnng zu bringen. 'Sie dürfen nicht deuten, weiin^sie die Anklagen falle» läßt, was lvllell wir daraus, eingehen d Meder die Staats anwaltschast, noch die Bertheidignng, no>k> da« Gericht hat ein Urtheil über die Schuld zn sällen. Tas Urtheil liegt allein in Ihren Händen. E« ist Ihr aus« ichließlichste« und eigenstes Recht. Sie werden alle 'Monienie, da« ganze T'eben des Angellagten, wie e«- Ihnen geschildert worden ist, sein ganzes Auftreten vor .ehren Angen vorübcrgehen lasse»:" Ter Präsident schloß folgendermaßen? ,,'Aoch' eine» Gedanken halte ich mich verpslichtet anszuipreche»: Sie Alle wissen, das, in der gegenwärtigen »Zeit es» scharfer Riß durch unsere «Gesellschaft geht in Betreff der sogenannten Jndenfrage, und daß'zwei Parteien sich schroff und nn veriniitelt gegenübersteben, die Partei des? Semite» »nd Aniiseiniien, der Fnden sreiinde und Zndeiigegner. Ich sage Gegner, nicht Feinde; denn ich kenne in inneren politischen Frage» keine Feinde. Teider.ist auch die gegenwärtige Sache in den?sank der Parteien gezogen ivorden. Mir und .Ihnen Allen sind zahl reiche .-Znichriste» in diesem oder, dein anderen Sinne zugegangen. Ich muß' Ihnen ans Herz legen, daß Sie'Alles da« nicht zn^beachten habe», wa» hier nicht in der Bsrhandlung a» Ihnen vorübergezogen »st. Alles, wa» Sie in den Zeitnngen gelesen »nd in PrivatunlKrhallungen gehört liäberi, »inssen Sie ab streike». 'Rnr das, >vas hier vorgegavgen ist, ivas sich hier ereignet ha», was Sie aus dem Munde der Zeugen gehört habe», darf Sie beeinflussen." - Tie Geichworne» zogen sich zur Berathung zurück: dieselbe währte kaum eine halbe Stunde. Ter Tbniann der Geschivor»>H, Gras v Voö, gab 'sohin solgenden 'Aaln'iprnch bekannt: „Ans Pflicht n»d Genüssen verlnnhige ich als de» Mahrspruch der Geichwornen: der Adols Buschhöfs ist der vorsählichen und übeilegten Tödlnng des Knaben Heginann nicht ichaldig." Hieraus verkündigte der Präsident nachstehendes Unheil: „Ans Grund de« Mahriprnches der de ichworncn ist der Angeklagte sreiznkprechen, leine Entlassung zn verfüge» nnd die .uosten der Slaalseane ansznel legen." - Ein Nachspiel znin .-liantciier .ftiiabetiniordproccssk, dessen volle Be dentnng erst i» Zukunft aUgeinein klar sein dürste, wird der „Mariner Zeitung" an« tiirchberg ilii Ai reife Siinmern berichtet Ter seit einigen Fahren dort pratiieirende Arzt Tr,'Z » » l crni an » sei plövlich abgereisl und habe seinen Freunden erklärt, daß er nicht zuriickkehrcn werde. Tie Abreise de« Tr. Ziinterman», welcher der Sohn de« .naiiptzciige» ini Promse Bnschhoss ist und bekanntlich von seine»! Baker als l^eivahrsuiaii» für das Blutniärcheii bezeichnet ivnrde, errege in Äirchbcrg große« Aussehen. ' Berliner Blätter verössentlichc» solgenden Aufruf: ' Tie unserem.Baierlande zlir Schande.gereichende ainiieinilische Beivegnng hat anläßlich des .UiiabeninordeS in .kante,i dazu-geführt, daß die völligunschuldige Familie Buschhoss ein Fahr lang unter den» Be,-dacht de« Mordes ge stände» hat, daß sie an Freiheit »nd Eigeinhiiin geschädigt nnirde, nn'd daß sie troll völliger Miederherslellniig ihrer .-bnrgersichetl Ehre ihre bisherige närth schastliche Eristen; vernichtet steht. TaS Milgesnht niil dieser Vage der hedauernSiverlhe» Tpfer des FaiialisinuS -und der anliseinitische» Rohheit hat herens i» verkchiedeiien Stadien Sain'l» lnngeii hervorgernsen, >»» der Familie ivenignenS inr den erlittenen inateriellen Schade» Eriall zu leiste» - Rebe» der Familie Bnschhoii sind i» .l'anlen aber anch noch andere d e >» erb e I rei bo n d e ifvaelittf ä> f r E. onfession in F o I q e der a »l, iein itis chen Helle i» ivirtl>j_ck>aslli che Bedrängni ß gerathen. E'- isl ailgeregt worden, diesen Geschädigten glei,1,salls Tnrä: freiwillige Benrage eine Unlerstüvillig zn gewähre». ' . U»i allen diesen-Bestrebniigen einen "rsiiheill.lchen Mittelpunlt '.n gehen, sind die Unlerzeichneten z» einem Eoinitv znsalnmengelrelen Mir lvenden »ns in - erster vinie an die bewährte £ pse riv i> > igl e, l »nserer Berliner Rsitbürger nnd Hilten in» Geldbeiträge, die im Em vernehmen mit den an aiz-eren £rte»' gebildeten Eomilös pinächst zur'Unter stüllung für die meistgeschadigte Familie Bnschhoss nnd in ziveiier Reihe zn> Unterstnllnng-anderer geschädigter ikraeliliicher Bewohner l'aniens zur Berivendnng loininen sollen.« Tas Bankhaus Tclbrück, \'<o E o., ^Manerstraße «>l.-il2, hm sich bereit erklärt, -ie ciiilaufcnden «üeldbeilräge entgegen zn liehlnen nnd-Lirilbei' öffentlich zu qniltiren, . Berlin, den l!». Juti 16!>2 .?>!cichstagsabgeordneler Tr Th. Bart.h St.idtrald Borchard.l. »iteorg >> Bunse». Chesredarlenr Tavidsohn. Reiälstagsabgeordlleter Ebe> l>>. Stadl verordneter Ger icke. Professor Rudolf v. Gneist. Stadtverordneter .ml ins

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