Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 16 (24.7.1892)
- Date
- 1892-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Freies Blatt. Nr. 16. gab. .Für die Reise „ach Cleve und de» Aufenthalt dort ward mir a»f Anordnung des eine» Benheidiger« eine -Summe übersendet, die als Enlschädigung fiii aiiftrctuiuiiii imd Bersäuinniß schwerlich zu hoch 'anznsehen wäre. Ta ich aber von vornherein sürchtele, es könne heißen, ich sei „von den Inden" sinnlich bejsajNI, habe ich noch vor der Reiie dem Herrn Pertheibiger «Rechts, anivall i"aiiii»ersbach > mitgeiheilt. ich würde genau da« nehmen, waS mir „ach -bei >^ebiihre»ord»n„g ziistehe, den Ren, falls darüber nicht anders verfügt weide, «nr Halste den Barmherzigen Schwestern und den (evangelischen) Tiaeonisieii vier iiberwesieii. Das ist denn auch unmittelbar »ach meiner Rück lein gentiehen: dies» beiden Anstalten, welche Tag für Tag die christliche, Rebe aegei, die »Genossen «eden Glaubens durch die Tbat-bewähren, haben von! jener Sninme nicht lindedenlend mehr erhalten al« ich. Tr. Th. Röldeke, ordentlicher Profettoi an der Ärttfcr Wllvelms-Uulveksirat «tra^darq. Debllversländlich legte sich auch das „Deutsche Bolksblatl". die Dache zurecht »nd erzählte feinen gläubigen 'Jcfciit, dag der Ber lheidiger' im Prorene Xrohling Bloch. T r. C\ofef Ü o p p, fiiv feine Berlheidigilng ltHi.OUU.fi. verlangt nn& fl. 1l»5,.lll)l) Mark thaiiächlich erhallen habe. Hierüber zur Berautwortnng gezogen, habe sich Tr. Rvpp dainir ent'chnidigt, dag er -kO.lXst) sl. — ej5.lXXi.Mark kür ein l^ittachlen an zwei deutsche Brofifforen habe zahlen müssen. B-ie eS sich 'mit diesen 'natürlich unter dem Dchein. gerichtlicher ,Wtstellnngen gemachten Behauptungen verhält, geht ans einem Schreibe» ' hervor, das Herr ReichSrathsabgeordneter Tr. Oofef Wopp, den wir lim Aufklärung des Dachverhallcs ersuchten, an Ulis gerichtet hat: Wien, am ll>. Juli ectrCTTdfeöactio»! ött erlläre, daß ich für eine Bertheidignng weder Iih)t»Ot> fl. verlangt, iieti rl. erhaltet! habe, daß ich überhaupt nie zur Berantivortung gezogen nuirde, daß ich nie behanpkete, fl. an zwei deutsche. 'Bi i'*i./;eieii tnr ei n >s<nlachten gezahlt zu haben. Ich kam niq in die.ragss den Herren Brosessoren etwas^zn geben, dieselbe» wurden von djem I. k VaiidesgeriLle Wien als Experle» bestelll, und da sie lqiue - sterreiebiubeii Staatsbeamten sind, so»iil nicht verhallen werde» konmen, idie Bestellung anznilchineisi so bedangen sie sich ein Honorar, das mit Rücksicht a»> die -eben >o liintänglictie als schwierige Arbeit lleberieviiiig und vielfache Cilanieriing von k>2t) hedrüiicheii Terten und Beaiilworinng vieler ^ra.zen)' inßerst b-stbeiden war und »nr eine» kleinen Brnchtheil der hebanpielen Slliiiine betrug. Ten geioidenen Benag mußte mein Eliemjz» «'leriätt erlegen, »itd das Honorar wurde vom Gerichte den Herren n»ch g, e I e i ii e! er A rleil eingei endet. Hochachtungsvoll Li. Io>ef -stoppe Der Fanteuer KuoIh ninerdpreces;. T u Bcrliaiidluug in (fiepe schlog mit der 2-vrurtheiluug der Anliiemilerei, und die Haltung der aiitiiemilischen Brrne, welche vor dem Picnesic eine einheitliche Drganisatio» verndlh, iir eine solche, wie sie eine ■ geschlagene Truppe ans einem regellosen Ruckzilge beok. achtel. Tie (fine» benehmen sich kleinlaut, verweisen daraus, dgg ja S lockei selbn vor der Ännahme eines Ritualmol des ösfentlich gewarnt habe, oder versichern, dag von ernster katholischer Teile niemals dib Möglichkeit eines rituellen BerbrechenS der Juden in (frörlerung gef gezogen und nur die vereinzellen Blntthaken aus .Fanatismus und Aberglauben betont worden seien. Do wäre denn der stets eidesivillige Dvecialist kur äriiualmord lfnldeckiingen, (fanonirns Rohling, aitdj. »ach dem lH'Nändnme bisheriger Rad)bekcr keine ernste tatholischh Seite. A»dere Alliisemilenorgane vrrnben selbst nach der schmählichen Riedcitage noch Bübereien und verdächtigen die preußischen (Berichte und . die gesainmte delliiche Insrizverwallnng. In dieser Beziehung. - leistet uePTider sauberen Iirma T r n m o n i. Bi o r <■ s sc (f ompa^niei das „I ent1 die BobksbIat l" (frklecklidzes, namentlid) an. Tagen,! >vo ein gnädiger l^önner ihm zur Iorktristung seiner (fristenz einen «Geldbetrag ran - sl kr oder gar 10 kl spendirl. Ans der Bei haiidliing in (fleve haben wir »od> in Bezug aus die Blaidoners. diel :>ied>lsbeleht.nng des Boriivenden- und die llriheilsverkstndignng einige beaditensiverlhe Momente nachzulragen, weldie wir den uns nnn vorliegenden ausführlichen Berichten enlnehmen: Tee Tieistaalsriiivalt Hamm >agie;>I Beginn seines Plaidouers: „Ter gegenwärtige Proc.st hat sthon lange vor dieser Berhaiibluiig Sie große'Teneiit l liääeil bestliuillgi Er hat zni» Gegeilslande einer häßlich,» Hepe 'ocialer und politi'cher Parleieii tienen münen. Tie beliörelichen Trgane, die ron anilsivege» : zur Iühriiiig der llmermchung vcrpslichrci ivare», wurde» in-der geineiiisten Weile angegiine,,. Parleimäiinei mit Baneibläkler habe» sich nicht cntbtbPet,! dem richterlichen Krtheile porziigreifen und den Bersnch z» machen, durch allerlei' HehaBtikel da-Z sachliche Unheil zu trübe». Allein die große Ansinerksamlest, mit der die Herren Gesch,vorne» der Berhandliing gefolgt sind, gibt mir die Äewähr, daß dieselbe» sich alle» Stile»,e» von außen unzugänglich erweisen »üd niic ans Grund des ErgebnisieS der Berhandliing »ach bester eigener Ueberzeugung ihre» Wahripnich abgebe» werden." Der Tberstaatsanwalt beleuchtet hieraus de» Verlaus der Berhandliing, spricht das Bedauern an«, daß nicht sofort ein Arzt zur Stelle war,' der forensische .stenntiiiß besaß, »nd unterzieht die einzelnen Zeiigen.- auSsage» einer nähere» Prüfung, älachdei» er nod> constatirt, daß der Angeklagte sein Alibi i» übeezengendster Weise nach gewiesen Halle, schloß er: „Id, koinine nach "den Ergebnissen der BeweiSausnahme zu der Ueberzeugung, daß dein Buschhosi die That nicht »nr nicht nad,gewiesen ist, sondern daß die Berhandlung . seine volle Unichuld ergebe» hat. Run wird man sagen: .Es ist doch ein Mord gelcheben, wer in der Thäter-" In dieser Beziehung hat leider die Berhandlung keinerlei Aiihalrspnntle ergeben, aber sie Halle doch wenigstens da« Resnltal, daß die Unid>uld des Buschhosi nachgewiesen lbnrde. Id> beantrage daher ans voller Uebeizengniig das Richtschuldig und gebe n»d> der Hofsnung hi»: daß die Ber Handlung ganz besonders beigeiragen haben wird zur Besestigung des Glaubens a» die llupattcilid)loit und Geredzligkeil der preußisd)en Richter." Ter Erste Slaalsanwall Tr. Banmgard erklärte, es iei ihm i» seiner langjährigen rriminalistiiche» Praxis uod> lei» Iall paisirl, wo der Alibibeweis in jo über zeugender Weise gelungen wäre, und fuhr dann fort: „ES ist auch genau fesigestell.1 worden, un> sich der kleine Signiund Bnschhofs den Tag über ansgehalten bar. Es fällt dainit and, der Berdadit,-daß Signiund Bltschhoss der Thäter sein könnte. Es muß anßetdem bernclsidnigt werden, daß, wenn in der Wohnung des Buschhosi der Mord ausgejührl worden wäre, angesid)!« der kleine» Ränmlichkeiie» und der leidsten Bauart^ des Bnschhosi'idien Hauses dod> jemand ein Schreien, Wimmern oder Weheklage» hälle höre» müsse». Run könnte man iagen: der Mord kann in, .steller slgligesnnden haben. Sie haben gehört, daß uns eine Wa'chsrali bekundete, sie habe den .stelle»' kur; vor dem jüdisd>en Tster feste gereinigt, und sie wisse ganz genau, daß nach dieser Zeit eine Reinigung des .stellers nicht siaitgesnnde» hat. Aber abgesehen, darw». so hat der Angenidioiu ergeben, daß der steller sehr wenig zur Ausführnng einer solche» Thal geeignet war. Sie habe» fidi überzeugt, daß man vom.Rachbarhanse an-s Alles was ii» stelle» gesprochen wurde, sehr -genau höre» und znui Theile audi i», den .stelle» hineiiiieheii lomite. Allein »iemand hat irgend etwas Berdädilige« gebürt oder gesehen. Und daß der ermordete.stnabe geichrien und geweint habe» muß, das ist doch selbstverständlid,. Taß eine vorherige Betänbimg stattgesnnden, baden die mc&icinifd)cn Sachve,ständigen adiolm in Abrede gestellt. Ta »»» die Aerzie übereinstimmend bekiindet haben, dast dex Mord am Inndorle stattgefnudeii Hai, io ist auch nid)! einzusehen, weshalb der kleine Hegmänu in das Busch hosi'iche Häus hiiieingezoge» worden sein soll. Id) komine somit zu dem Reinllale, daß der kleine Hkgma»» iveder in das Bnschhosi'>d)e Haus gezogen, »öd, dort versteckt gekatlen, und daß der Mord in der .stüppers'schen Scheune begangen ivorde» ist. Ties steht bombensest." Iin weitere» Berlaufe seiner Ansssthriingen bexnerlte der Staatsanwalt: „Tie eingehendsten Ei'niiltlniigeii haben ergeben; daß auch nid)! ei» sieiiiker Jude de» Mord begangen habe! Ich will dabei noch beiiierkeii, daß der Berdacht emstaiid, die sreinden Juden haben einen ('nstmord begangen. Ter vielgeiiannle Mali« Tegen, der im Ilebrigen lein Jude, sonder» ein .stälbolil ist, seines. jüdiidieii Aiisiehens wegen aber für einen iüdiid>en Schnorrer geballe» wurde, ivar nmwniehr des vustmordes verdächlig, weil be Kanplel ivilide, er iei a» den vor einigen Jahren in Esten vorgekonnnenen vnst morden beiheiligl geweie». Ich komme daher zu den, Schlnsie, dast Buichhosi and) nichl de. Mmvisse»id)ast des Moldes verdäd)lig ist. Bedanellidi ist.e«, daß -durch dieie Berhandlung die Mordlhal keine Ansllärniig ersahee» hat. Ansgelhnl ist aber die lliisdni^d des Bn'chhosi. Tieier ist weder der Mörder,, noch de> Mordgehilie, noch der Milwisier. Taß das Berbred)eii nicht ansgelläit ist, bedauere ixll ganz ansterordemlich, und zwar umsoiiiehr, da ich mir gleid) nad) Enldedmig der Tbal alle Mühe gab, Alarheii in die Sache z» bringen, de» Tbäler zu er iniileln. Ich habe io'orl in Bei» in Saute» enchci»e»den Bolen für Stadt n»d ('and' einen Ansriik an die Bevölkernng eilasse», die Thäligkeil der Behörde »ichl dnrd, religiöse Erlegungen zu stören, beider Halle dieie meine Bille keinen Eliolg. Ich hone, dast. wenn die eeligiöie Erregung sid> wieder gelesit »nd die Behörde in der Vage ist, klar zu sehe», es doch noch gelingen wird, den ivirllich Sd)»ldige» zu ermitleln " Ter Slaalsainvalt >d)lost ivie folgt: „Es ist geiwzi ivorde», die 2ad)c‘ bleibt nnausgeklärl, lueil cs sich uni einen Juten häntell Rein, meine Herren <sieich>r>oriie,i! mid>l weil cs sich »>» einen Jude» handelt, isi die Sache »iianigeliärl, >oiiLeln >v>il die Sad>e nnllar ist, deshalb hat man z» einem Juden gegrisse». Man bebanplele, es ist von einem Juden ein Riinal niord begangen >r>orde». Taz» bedarf es keiner lveilere» Moiive, eü bedarf blosi allgemeiiier Berdü>chtig„ngei:. Allein Sie, meine Herren Gesdiivorne», haben die Pslichl, Alles, was ansterhalb dieses Saales vorgehl, ii ab-achtet zu lassen, sondern lediglich ans Grnnd der Thaiiad)en, die Sie ielbsi mit eigenen Auge» „nd Shren gebörl »nd gesehen. Ihr Nrlbeil abzngebe». Auf Gr»»d der Beweisausnahine kann id) nichl" aliders, als ans Piliechl und Geivisse» den Amrag ans älichl schuldig stellen. Ich bine Sie, meine Herren Gesäiwornen, spreche» Sie den - Angxklagie». frei."