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Freies Blatt · 1892-07-24 · 16 (24.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
16 (24.7.1892)
Date
1892-07-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I AboitttemeiitSpreiS: Ga»jl»hriq mit pofltufenvuiu, . fl- LS» '^■«rtel|ät)r.fl.- .Sii.lKitficfUufdib. fl —.«j Einzelne Nummern l fr. (Drtjcin zur Abwehr des Antisemitismus. . 'jicanctrou uhd1 '.»i&nmnftr.uioii: IDini I. g.cilVvfUitto IO. Erscheint au jedem Sonntage. 4 Nummer U». Wir», 21. Juli 181)2. I. Jahrgang. 2lntisemiteu uud 2veactiouäre. Zuschrift eines FrenndeS der Alnvehrbestrebnirge». Fu de»! „Die ReceptiouSbcwcgunq in Ungarn" überschriebeucu Artikel Ihre» Blattes*, ist -Fine Sailc berührt, die in nnzähligtsi, Gemüthcrn »achvibrirc» wird. Es ist dort die Rede von der Förderung, welche der rohe Antiscinitisinus von Seite eines Theiles des Elerns und der Reactionäre erfährt. Auch der vor dem Schwurgerichte in Elrve wegen des KnabeumordcS in Kaulen abgeschlossene Proeeß zeigte, daß Prcßcaplänr und engherzige Fun^cr mit der antiseinitischen Mache, deren sic sich alö Mittel für eigene Zwecke bedienen wollen, lebhaft shinpathisircn. Woher mag das komme»? Es liegt klar zM Tage, das?, die Inden den Liberalismus, ivie er ans den Revolutionen der westeuropäische» Völker sich heransgcbildel hat, Hochhalte»; denn er hat sic nicht nur. in der Theorie, nein, wo er herrscht, auch praktisch erlöst. Selbst der SocinliSinns, wenn er bei einem Eulturvolkc zur Herrschaft käme, könnte seiner Natur »ach an der Gleichheit der Bürger aller Eonfcssivnen nicht rütteln. Die französische Revolution hat das Wort zur Thal gemacht und'alle Bürger Westnikd Mitteleuropas politisch frei- und glenygestellt. Wie inm es, das? oie zu allen Zeiten, in alle» christliche» und muhammednnischcn Landen gepredüzle Nächstenliebe durch achtzehn Jahrhunderte dieses Resultat nicht zustande bringe» konnfe? Wohl mag die Leistung der Arbeit durch Sclaven und leibeigene und das Gesetz der Eroberung am »leiste» zur ungleichen Behandlung der Elassrn und Racen beigelragen haben; doch nicht wenig trug dazu bei die Eifersucht der verschiedenen Glaubens lehren, da doch keine der andere» zugestehen mochte, daß diese auchvollständig wahr sei. Sv blieb der echt empfundene» Nächstenliebe nichts Anderes übrig, als die Härten zu mildern und den Boden für das Bessere vorzubercitcn. Die moderne Weltanschaunpg ist aber das Resultat der Schlüsse ans Erfahrungsihalsachc» und ist als eine Mil Triebfeder der srauzösischen Revolution anzusehen. Alle Enllnrnalivnen habe» durch ihre philosophischen und naturwissenschaftlichen Arbeiter zum Aufbaue der modernen Wclianschauuug beigelragen; auch Männer aus jüdischem Stamme, unter Anderen Spinoza. Dieser wurde freilich als Ketzer von der Spnagoge in de» Bann gclhan und aus der Indcnschaft svor mehr als zweihundert Jahre») ausgeschicden Seine Ansicht hülle sich wohl im Gewirre aller und »euer, einander widersprechender und sich wiederholender Ansichten verloren, wenn nicht die physikalischen Grundgesetze, die Geologie, die Hypothesen vo,n Haplacc und Darwin ihr zur mächtigen Stütze gewordeu wären, und ihr allmäligls Eindringen in das Bolksbewußlsci» vermitteln! würden. , Es ist nicht zu verkenne», daß die jüdische Religion in Folge der Einfachheit ihres einzigen Dogmas eine große .Anpassungs fähigkcit besitzt. Die spinozistische oder monistische oder cansale Weltanschauung, oder wie man sic immer benennen mag, löst auch nicht die letzte Frage und bedroht die jüdische Religion in ihrem einzigen Dogma nicht. Schon jetzt sicht maiy wie die jüdische» Gemeinden zum Theil unbequeme, veraltete Bräuche in Bergrssenhkit gcralhen lassen/ weil sic keinen inneren Halt mehr haben und jede Präcisirung ihres einzigen Dogmas »ach einer bestimi.ulen Richtung.hin vermeiden. Es wäre auch, meine» wir, eine Blasphemie, die Eigenschaften des höchsten Wesens wie die eines KrystalleS bc *) Siehe Nr. 13 des „Freien BlaUeS". , stimme» z» wylle». Dies Alles sehen die Berehrer des Berfließende l und sie haben eine Abneigung gegen das Fndcnth»»! auch at? »diesem Grunde.! So verquickt sich der Antiscinitisinus aus den rohen Eleinenten , des Neides mit der Abneigung gegen das Fremdartige unter der; stillen Führung reaelionärer Elemente. Es ist nöihig, diese Zn sanimensetzung sich vor Auge» z» halte». Die rohen Elemente; ivnrde» in ihr Nichts, in ihre» Schlamm znrücklrelcn, ans dem . sie! sich in gute Gesellschaft hervordrängen, sobald sie der Führung der - , Anderen entbehren würden; und umgekehrt, das? die Führer aus . . gesilletereu Regionen den Antisemitismus als Werkzeug brauchen, ist Kinwiederunt ein Zeichen der Zeit. Das-Fremdartige aber immer mrhr und mehr abznleg.n, ist, glaube» wir, Sache der Faden selbst.; Niemals darf jedoch aus der Eigenart einer Minderheit, so wenig sie auch dem Geschmacke der Mehrheit Zllsagl, für letztere ein An sprach zur. Verfolgung der erstercn abgeleitet werden, wie -es die - „Kreuzzeilung" mit ihrer Forderung nach einer Revision i>eö Pro - grammts der Evnscevaliven thnt, welche ans eine Aufhebung der Gleichberechtigung der Eoufessione» und Wiederbelebung der Bor ' rechte ans der „guten, alle» Zeit" hinauslänft.. Das prcns?ijche Fnnkitthni» erklärt sich - mit der Anliseuütere:, e'.".red . :.si: »arischen Existenzen, welche durch dieselbe an die Oberfläche gelangt sind, verabscheut, dennoch solidarisch und wird auch in den m» nusbleibliche'n Bankerott bcs-Unlcrnehmens zur Enllivirung der EonfessiouS und Raeenhepe milgerisseil werden. Prag, 22. Juist. ' - ' I'i I, Zurückweisung von Ten^enzlügeu. iSvriät IIliflou der Herren Proseleör T r. Aöidcte „uv Reich.-rathS abgeordne ler Tr. _.Hopi>. Wirder Schelm ist, io denkt er von Anderen. Weil die Ami scuiilen ihre „heiligste Ileberzcngung" stets in eotira.nle 'Münze »in znrechncn pflegen, Kl'cit sie die gleiche Feilheit auch lvi allen jenen voraus, welche gegen sie mit den Waiien der Wahrheit?>, Felde ziehe». Anläßlich des Proeencs in Eleve Halle die „oArniania" sie Frechheit, auch die als Sachverständige-geladene» Herren?it»i liegen stände nmunrdiger Angriffe zu u'iache». Tas' genannte aulifeniiliich. Eentrnnisblatt hatte 'die Frage ansgeworfen,"wieviel wohl. Herr Professor Tr A'öldcle, denen seinerzeit in dein bekannten Proeeß'?>t o h li»g Bloch abgcfaßtcs t^ulachte» nach den Eiithiillnugcii, , dieein 'Wiener Proeeß geboten Halle, mit!lst> 000 Mart bezahlt worden sei, für sein .stantener-Gutachten „von, den Anden" betoniine» habe. Tic Neugier-der „(Germania" wurde bald gestillt durch eine ge ■ harnischte Erklärung Dr. Nötdcke'S, worin der - berühmte' Seiuilist schreibt : . , . Slrastburg im Eliaß, l l. sinn 1 ö„ einem Artikel vom 13. sinli behanplen Sir, ich haue ftiv dao >Aa - achten, dar ich seinerzeit sin t^eineinichaft mit Arofeisor Wünsche in TreSveuin der Rohling Bloch'schen Sache. abgesbßl bade, :>;>.< **> Akart erhallen: nt Wahrheit dieser Angabe gehe daraus hervor, tag ich a»k die Enthüllungen v>F Wiener Processcs geschwiegen, haue. Hieraus erkläre ich: l' vast ich von oieiein Wiener Proeefsc absolut nichts gehört habe: - daß Vas Honorar, weiches ich/ für die überaus niühsanre »nd »insängliche Arbeit erhalten habe, nur einen' kleinen BrnchtKeil der oben genannten Stiniine ausniachi. sich Vars vielleicht noch hinjnsügen, daß das nach bestem Wissen »nd Äewisien abgeiaßie tstiuachteii' siä> zwar gegen Rohling anStprach, in tLinigein aber ihm gegen Bloch Recht

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