Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 15 (17.7.1892)
- Date
- 1892-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Freies Blatt. Nr. 15: lij^t meiner Ansicht nach in der .Minna von Barnhelm' odcr bem ,3olbatciTfllitrf*, von da an klingt sic, verniuthlich durch den vorwiegend ariichen Umgang in Hanilmrg und Wolfcnbüttel, wieder ab. Zuweilen in es gerade;», als ob inan -Virfdi Hnaeinth hörte!“ ,'N iv nicht, wenn man aniisciiiiliichr '.'itcratcir Hort, ziiweilen gerade;», als ab man'sich i,i-Hogarlh's berühmtem „Z>l'arrc»HanS“ besände? — . Tod) ger.ua ven Vc'sing'! <''eben wir;n Goethe über, der anS dem ver.'udeien .vrantinri a. M. slaiiiinl, dort mit 'Vorliebe das (Ghetto s-eegnentirie und;en:ebei7v>. viel mit (luden verkehrte, „Tic wollen doch inein lagen. daN and, ‘'Verne " tragen erstaunt die Naiveren »leiner ge'cha: :en Ve'ei : atlerdings tiid leider will ich sagen, dag auch t^octhe ,•>•> 'i::?i:eilaiinl und in aolge dessen als dichter abgcthan ivuid/ ,-irea; lind in dieiei» Punkt die 'antisemitischen <''clchrten nicht einig, denn nur ein?heil hält das AnatHeinaufrecht, während ein ante'. ', ''v.the;iim Aiiiiiemire» üeinpel» mochte. Eines wie das andere in eine 'lieichiinv'nng der Manen Minieresgrößten Lichters, den Borzng der V.::ff.i’diti.nfett haben aber wenigstens die Ersteren für sich/ Sie 've nien mit breitem 'behagen von <'’o'cthe> „'.'itmpeicien", hallen üeii lleberiehnng der' unsterblichen Sf:in.Iar-1 \vik< mit Vorliebe b-.i einigen harmlosen ‘jfoten und in nbeniiiilhiger Vanne cnkstandencii äieimen l''vThe's ans und'dedneiren aus leinen l»ri>cheii Meisterwerke» die a e.ide.ii. der „orientalischen", siniienschivclgcriichcli Melkanschaiinug rum Liege iiber die „christliche“ Welian'chaunng;n verhelfen. Wer neli über di >'es Halbasichenlhum >ä'oekhe's näher iiiikcrrichleii will, L>er r.a:!ere in Brunner s mich des >1c>»iken BaiimgaNiier's Schriften nach r üch auch chon der'Betwerilickikeik Ntukert s und Plaleiis ichen «''rnude iiberzengcn. gen die NeiHe ictrtteßen, ohne ans die Bollsländigteil der;n tonnen.s Allein die iredcr sträubt sich, eine foldix liste auch njjr a b ruschretben Wildem uinßie inan, um die - g : .'stloligleit der ant -diesem 'Ivege entstandenen T;il>iila rmm;n dem gl achtel i ivnon lueiieü. in Eonnva nt Mendels''./gl -'{ininieit ga i;ndit.;i: buch».» >•1*’ I'iid iidlich ‘I'.m aur und das uei Ficke gewaltige ivir iieli/ lriimiilerk, bat in stetige ihreiii.Ti.st't nichrnua^l! leg die in ii'eluich Achti.iig 'd . si-ai:;ai'i>ct nicht »Nt de ■'{.umr i „,'u Aivl^chi ge-el auch ch >' - i/e,i! Piiiilt esii. M n i „ . , - i - i - - ed iiltii. ievteii Uiid!a »! i e?. Nu: -i ge:i snclil ii: im '; X min •'{ \i. :.v -?u'!nei icht'iide nur iv iUliTI cht i.T d.r Lchi iilsiellerwelt stehen bleiben. Ein groß'-' n den vom Parnaß t!>erdticl>enen stellen die Mnsiler: ein Meverl'ee) . S-ste'nbacli. eliubinskeiii i >vie tonuleu sie da ue dach .luden waren? 'Bon den jüdischen Mime» ivreclien. W.Nn iin» alle diese Namen ans den t'Tdent eiitiche» >t»i!N/gesirichen lind, die .Inden und Gerindeten auch Prosenreitschke's äuden.buben, wer ' wird noch e bleiben. i-«e>k!n anliseiiiiliicher Avollo die Harte schlägt islimmige „Hepv Hepv" der Musen dirigirl? türme sind in.dem aahrlansend, an denan 'N'eiqe bei .die Menschheit dahingegangen Neichc wurden;er hrane genü'.;k und '{ronen gebrochen:. die «^esellichasi!> Wandel völlig ihr 'Bild geändert und die Menschen, in an.sgcrcgt, haben nntereinander lange und blutige Per aetichit. '.'In Atiei» hat die menschliche .'iühnheit oder Annkligniig i.iiTiiiti-li, nur an dem einen nicht — an m der .'{mm. Selbn in dein trostlosesten Angeirliide n N'evolntion deeretine man;>var die üieligion himveg, .'{linst Lie war ein aenivel, vor welchem der wilde iim.Ti Hing, in welchem.auch der erbiiiertsle ,reind"nach ra lg, uiid io war sie es und toll sie es sein, die eine;ernssene-, tu sich;ersallenc t^'esellichasr wenigstens in ereinigre nnd wieder.;nsa»inienlsihrle. seit i-s.'ile aber, die mir aus der cherrohnng des choltes kann, inchi jei?t den in der .'{nim liegeiidcn, wichtigen /j! gNicherweise;n cliininiren: sie "will nns auch diesen er:'vor dein wiigcn Värin der Tagesheve verschließen ind/rwärts die migliietielige Lcheidnng;wiichen anden /nrchsnhren. Er-oliin wir. ani dieiein L-ege mit unserer in niclu abrinelicn. L'ie Äntissniiten tonnen aber leicht "igen Enlnirarbeit mnivriiigen,;n der i'ic irichls bei 2ie liu iuli sich il:.en eigenen indenrcindji Parnaß ans id >l sie inchi karnni beneiden, denn ans ihm wird, wie iviig und leer" sein An der dentichen ie sicti ai; nicht v - igiie „ a E>-- i Im-. F. M. Vtllö Örml VlüncoiDlictcnlmiifc. L er Abgoordnete LchIesiIIger hat in ::: I i Ute iiN. die Palntavorlagen den lliaeenhcliern arg mite T lr und av/g: evb : te lie in >er »rorm .einer Poleniit gegen die Ma.iei'ta: soia> iide'.maße,, i e-tg, .ltie. a. ee:pi ' Nid t-nair tf ..... n •» ist i;!.4i'= 'in/ 2if a„s aiideeeni Leig gcbaete»? / t.'ive.iiäien reiten beinigeinän e Liiiilcn etwa .i'aiiien „»^ von Lr-nrnier» zersiessen werten. weniger als die von anderen Mensche»? Sie tragen im Parlament Ihre Nasen io hoch, als wären Sie wer weiß was für Götter, die uns Abgeordnete der Minorität über die Achsel ansehen dürfen, niid Sie blähen sich >vie die Frösche ans. . . Aber Sie sind vor der Macht der Natur um so elendere Würmer, je stolzer Sic sind! Tie Schneider nnd Vneger »icrllen nicht, daß sic Schlesinger znln Besten halte, nnd klatschten sogar;» dieser scharfen Bernrthcilnng der Narenhcvc Beifall. In, Ucbrigen hat Schlesinger ein kleines Plagiat an Shhloit verübt. Tiefer Jude hatte schon längst vorher gesagt: Mat nicht ei» >de Augen? Hat nicht ei» slnde Hände, Glicdinasic», Werl;enge,? iune, Nclgniige», L'eideiiichasleii? Mit derselbe» Speise genährt, mit deiisetbc» Wagen verletzt, deniclben .'iraiikhcitcii unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, geivärml nnd gelältet von-eben dem Winter nnd Sommer wie ein Ülsritt? Wenn ihr uns stecht, bluten ivir nicht? L'öemi ihr »nS kitzelt, lache» wir nicht? Wenn ihr n»s vergiftet, sterben wir nicht? Sehr originell war dagegen Schneider. Ein Polhhistor dieser Mechanirns. Er scheint sich im Talinnd anSzilkennen wie in der Eorrerlnr von Siimmzetteln, er spricht Rnniänisch so gewandt, wie er den aargon der Brodycr Juden beherrscht. Er ist aber auch in der griechischen Mnthologie zu Hause nnd bereicherte durch einen Zwischen ruf die gcslngelten antisemitischen Worte. Als Schlesinger, dessen Aussrihrnngcn in der-Baliltitdebattc überhaupt sclneni 'Jcamen und seiner ninthmaßlichen Abstaininnng Ehre machten, auch versicherte, er sei „nicht so ncidig", Tun den :)i olhschild, .H i r s ch und B l c i ch r ö d e r die orcnde am ^'oldbesive;n mißgonucii, unterbrach ihn Schneider mit dein „cluistlich soeialcii“ Wunsche: „?a sollcn's dra» erstieken wie der 4>,'idas!" Ter am t''old'ernickendc Midas reiht sich nun würdig an: dem Eonvewationslerikon von .'inigge, dein ,^>ncsenspicl;eng" von elnidert, dein „Brüderlein sein" von llicstroy ic. Tie Herausgabe rincs speeifisch antisemitischen Bnchmann wäre wohl angezcigt, und es j ivlirde sich empfehlen, in denselben auch Vneger's geistvollen Bcrgleich;wis<iien einem .'{nödgl und Papiergeld, die beide in. richtiger Tosis genossen, sehr gesund seien, ansznnehnlen. Anckh'Vueger'S Wahlspriich: „Benschl herausneliinen“ gehört in ctnen antisemitischen Bnchmann. Ttimit bedrohte er auch in der Balnta Tebatte den ,vina»;i»inister, als er ihm zurief, die l^roßbankietü werden ihn so schinden, das; es gar niclitS (''eichnndeneres geben iverde. {Psasstllklirchlr ovcr ^sllDcufllcriltC. „Wrnn die Soeialdemolrateu uns Pfasfenlnechle äiennen., so müssen sie sich gefallen laue», das; wir sie ondenlnechte nennen." Liese von einer seltenen '.'ogit zeugenden Worte rief V neger in "der letzten denlwürdigen Bersaninilnng beim „goldenen Vnchscn" den Arbeitern zu. /.>ratürlich findet sich sofort ein stractlbeler, welelier gleicliialtS nichts Eiligeres;n thn» hat, a>S der „A r l>o.'i t e r - e i tzi n g" einen Schreibcbrief;n s.liicte», in welchen! der elassiiche Ausspruch Vneger's wiederholt wird?ie Ncdaelion des genannten Blaues fertigt aber den „christlich soeialen Arbeiter", einen sichere» S. -'{ ovüesel, etwas derb mit den Worten ab: „Sie schreiben, daß Sie lieber Psassentnecht als audenknechl sein wollen. Taß Sic überhaupt .'{»ecl>t sein wollen, ist sehr beschämend für Sie, gleickigiltig in, wessen .stneckit Sie;u sein gedenken. Wozu Sic aber im Namen mehrerer Arbeiter sich dieses Prädieak beilegen, ist nnS uncrsindlich. aut Ucbrigcn erstelle sthrc .staptc eine» großen .He'itcrkcitscrsolg." I?>tS stUrskuspiclZtllg." „^n dcr .nntcr dieser'Ansschris?.in N'r. 14 unseres Bla.ttes initgekheilten Schildcrnng des glücklichen Anstandes der ländliclicn Bevölkerung in früheren...!feilen, ivelchc I'. Scheichcr seinen ■\ -bänerlicklen ^nhörern znm Besten gab, sendet uns ein Abonnent folgenden i Beitrag: ach lebte in den BicrstgerjaHren in einer tlciiicn Stadt des : westlichen Böhmen im Hanse eines Sabakverlegers. Zwei bis dreimal monatlich fuhr ein -Bauer aus einem benachbarten ezcchiichen Sorfe, mit seinem Vastwageji in die Labaktralik, nm neue Borräthc herbei;nholen und das ('^eld sin die früher gelieferte» abziiführcii. Taß »ui» ihm die immerhin bedeutenden Beträge ohne B^'orgniß anverlranen ' touijte, beweist, das; er in guten, geordneten Berhältnissen lebte. Eines i Tages blieb^der Bauer ans, und an seiner Stelle laut sei» Sohn, der sonaii den Transport besorgte. Nach einiger ^eil zeigte sich der Bauer ivohl wü'dcr einmal, aber iu welchem Zustande! - ('Gealtert, gebrochen, in seiner Beweglichkeit gchemint, ein Bild des aammcrs! Tic Ursache hiesür war folgende: ^ic (Insassen dcS Torfes, in dem er wohnte, 1 hatten verschiedene, das berechtigte Maß ühcrschrcitendc stcoboileistungeu, 'I die der sürstliche Tberamtmann gefordert hatte, abgclchnt und diese . Weigerung trotz der Haltung des >{reisaintes, welches sich ans die Seite des t'hltshcrrii gestellt hatte, annechtgchalken. Ta erschien eines Tages " ein Bcaintcr des .'ireisaintes mit istilitärischcr Assistenz. Tic rcnitcnlcil! Bauern wurden herbeigeholk, von den Soldaten in einem Bicrect cingeschloiscn, und' der Beamte forderte nun den Eorporal aus, die Ereeution an den '.'cutcn zu vollziehen. Ta trat der H s st ei er vor und erklärte, er sei.liichcr eonlinandirt, um etwaiger Widersetzlichkeit gegen die Sbrigteit