Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 15 (17.7.1892)
- Date
- 1892-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Freies Blatt. reite Nr. 15. cntgcgcnzutretcn, aber;u>» Büttel gebe er seivcn Untcrofsicicr nicht her. Wenn man bedenkt, daß das im Bormär; sich zutrug, wo ja die Prügel' strafe an nnd für sich für einen Soldaten nichts Abschreckendes hatte „nd jeder Corpora! i» seinem Wasscngehüngc einen Haslinger trag, so wird man daraus ermessen können, welchen Cindrmt das Borgchen gegen die Bauern auf den Sfsieicr gemacht haben mußle. Natürlich wurde rin Büttel von anderöwo hcrbcigcschasst, der an den Bauern die anS gicbigc körperliche Züchtigung vollzog, ro sahen die „jj l ii rt 1 i d) (11 Pcrhältnissc" der Bauern in jener Zeit ans! (Ein Mnhnrus Tr. Stlimcykal's an dir bcutfdicu Stiidciitcli.P ,ln einer Gedenkrede, welche neulich der Führer der Tciitschböhmcn, Sr. Schmehkal, im Tcntschcn Bcrcine zn Prag dem verblichenen größten Parlamentarier Scstcrrcichs, Pr. Herbst, widmete, hob er auch hervor, daß das ernste B-cse» Herbst's von einem starke» idealisti scheu Zn ge durchdrungen war, und sagte: „Ans seinen besten und größten politischen Rzdcz; spricht dieser Fdcalismns zu uns, nnd ins besondere bricht er überall durch, so oft der Politiker Herbst in Be rührungkommt mit der deutschen Stndeiilenschasl. .^wei össemlichc.Simit gebn»gen unseres verblichene» Freundes in dieser Richtung sind cs vor Allem, welche ich in Fhr (Gedächtnis; rüetrnse» und sür deren Per lesnng ich mir Fhrc Znstimninng erbitte» möchte, zumal deshalb, weil diese .(inndgcbnngc» von selbst anregcn zu vergleichenden Schlüsse» zwischen dem Cinst und Fetzt der studentischen (''esiniinng. Cs ist dies zunächst die Begrüßung Hcrbst's als Fnstizminister in Prag durch die Vese und Rcdehallc der deutschen Studenten nnd die Paranf crtheille i Antwort, dann der Trintspriich Hcrbst's bei der Feier des sünsund zwanzigjährigen Bestandes der Vese und stcedehallc der deutsche» Stn dcnle» im Jahre l<S7;5." Rachdem Tr Schmcnkal diese Ansprachen verlese», fuhr er fort: „PFic ist nun seit jener Zeit, in ipelcher solche Reden nicht nur vom Herzen kamen, sondern auch znm Herzen gingen, in unserer Stndcntenschast Alles so ganz anders getomuie»! Tantals noch ivar sic von dem idealen Zuge d er H n in ä » i't ä t, de r Freiheit nnd des T c» t s ch t h » in s d n r ch g l ü h t, und unter dieser Fahne stand sie einig znianimen, eine sriich grünende Hosinnng des deutsch böhmischen Bolkes. Heute aber hat sich der Zwiespalt a» jener Ställe anfgrthan unter dem Cinsliisie jenes wüsten (Geistes,' ivelcher unter der hohlen, sür .Minder crfnndenön Plirase: . T u r ch Kleinheit zur Cinheit znni Riste und znm l'f irbci- ■ gange nicht nur der Freiheit, sondern auch des deutsch nationalen PFesens führen muß, denn Tcntschthnm und Frei beit lassen sich nicht Iren nen' nach der ganze» (beschichte »nd den (''rund anlagen unseres deutschen Polles. Möge die .Feit bald iviederleliren, ivo die PF orte, welche Herbst gcsvrochen, ilirc PFiedereistehung feiern >m (ircise einer geeinigten deutschen Stlideiilenschast. nicücrilll '.,lllli|Clllilf)l. PFo es eine gegen de» 2!*i»t nnd dessen «''ffi'IH' gerichtete Hetze gibt, stellen sich regelmäßig auch die Antisemiten/ ein, die im Trüben fischen wollen. Ans C z c r n o w i tzivird berichtet:! ,. Fu Beginn des vorigen Monats fanden sich an zweitausend ".'and lente i» Czrrnowitz ein, die zu einer Pcrsammlnng griechisch orientali scher Vandivirthc ruthenischcr Ralionalilät geladen waren. Tie Ab lialtung dieser Persammliing wurde aber von der Vandesregiernng nicht gestaltet. Ilnscrc Bauern entschließen sich sonst nicht so'leicht, ibre Feld nnd häusliche» Arbeiten zu verlassen und die .(tosten einer Reise in die Vanbeshanptstadt.;n trage». Man war daher erstaunt, sic in so großer Zahl in Czcrnoioitz versammelt zn sehen. Cs zeigte sich. aber auch bald, daß cS sich v»i eine von anßcn g er orderte Agitation handelte. Tic taiscrircucn Ruthcncn der Bntowina sollten in zwei sciiidliche Pager gespalten werden: cs war beabsichtigt, neben der griechisch unirten eine griechisch/orientalische Rntheiieiiparlei zu organisircn, um ans diese Preise leichter die panslavistischc HeilS botschast verkünden zu tönnen Bezeichnend in cs, daß auch an dieser panslavistischen Agitation gewisse Führer'der PF jener Anti s ei» i len sich bclheiligicn. Sie sollten ans dieser Bänernpersammliing erscheinen, wurden aber im lebten Augenblicke tele g r a p l> i s et) ‘ a b gcwi n kt." «Zlldrilsrtjt MiirkktF Tic Crrichlnng „jndensreicr" Märkte in Berti» ist das Rcncstc ans dem (''ebicte des „(''eschäftSantisemiliSinns". Tie dortigen „deutsch socialen" Pereinc beabsichtigen, midt einer Bcit 1 Ilieilnng des „Ahlwardt MonrtcnrS", diesen Plan diirchzilsühre», nnd wollen znnüchst je eine Veder, Mehl- und Cierbörsc errichten, ans denen sich der Handel „unter Ausschluß der Juden" vollziehen soll. Cinigc „arische" Veder-, Mehl- und Cicrhändler,. die sich anderweitig nicht das Bertranen einesgrößeren .(iiindcnkreiscs zu erwerben wissen', wollen offenbar, meint die „Boltszcitn ng", ans diesem.Ät-ege ihren ("cichüftSumsatz zn vergrößern versuchen. (Vllihuarbt »nd die 2otialDcmofrntcii.) Ahlwardt Hane vor - .(turzcm in einer Bersammliing behauptet, auch 'Berliner Social | demokraten seien so anständig gewesen, wesentliche Summen ilir seine» CautionSfondS bcizntragcn^. Taz» bcmerlt niin das Hanpiorgan der - deutschen Soeialdemokraten, der „P o r ibä ri s"; „ Ta es a:il:«e>nni>cliei Piigenbranch ist, sich enger Bcziehnngen zur Socialdemnliol^- zu rnbnien, so halten wir es für angebracht, von dieser Aenßei.nng Fcvliz zn nehmen,' nnd wir erklären dieselbe hiemil für eine V'n g e Tamu «oll - indes nicht gesagt sein, daß wir' ei» derartiges Cinlieien kür einen politischen t'lcgncr principiell vrrnrtlieilen woltien. PFir tonnen uns sehr gilt Fälle dcnle», wo der Anstand uns.zwingen iv.iirde, iiir einen anständigen politiichen (''egner in derartiger Beeise einznlrelen." Tic Sveialdkiiiolralcn iw Berlin wollen von Ahlivaidis stceiinngs Plänen ebensowenig wirsen, als die PFiener Arbeilcr von den „christlich socialen" itkesormvorschlägeli. Tcr jüdische Bismurlt. An» endlich ist es doch lierans, dai; der Altreichslanzler ein -- Fnd ist. Fn einem aiuisemitischen 'Berlage in Vcipzig ist jungst ein Büchlein „Tie PFalirlieii übei'^'Bis marct" erschiene», das Len soniienllaie» stcacl>wcis liefert. Laß der Mann, ivelcher selbst einst i» so zarter.Beziehung zni» Antp'enliiisninstand' nnd hicrznlaiid'c als der- „'Begründer des piatlischen A»li scmilismlis" gefeiert'.'wurde, eigentlich „nur eine A11 Tchaclierjude fei. „ Tie Bismarcke," licißl »s in d'eür inertwnzdigen Büchlein, ..liaben ebensowenig ihren Traditionen noch ihrer Art'nach Znm Hei eiche» eine Befäipgnug jemals nachzriiveii'en vermocht, sondern sind.von Hans ans ein 'iräiiiergeichlecht." '.>catnrlich, war doch Bismant's Alinherr' ein >iansinan» und seine Blnricr, eine, geborene v. Menten, nach den Forschungen dcS Bersaners '—' jüdischer Abkunft. T ieiee nalnrliche Tefeet King Bismarck's ganzer Politik an und erklärt, ivcnigstens »ach der Anichannttg des PerfänerS. besonders die Tiellung des (ianzlei's zum. P.'elfe»fonds: „PFir sind überzeugt,'" lagt er, „Herr v. Bismarct, der ja ein io vortreffliel>er stcechntr nnd Haushaller in eigenen An gclcgenheilcn ist, daß derselbe, der, einst sein politisches ("eschäft ohne Bermögen ansing, jept ein Permögc» von gegen -tO-Millionen Pc'ail besivt».'wobl in der Vage ist, über diese lnngeschwuiideiicn 'Biillionen aus Heller »nd Pfennig Rechnung zu lege» " Bismarst sei „nur dnrcl, jiidiichc Rcclamc Zn einem große» Pcann.e ausgebauichi worden".- > ,F»r Sillcngcschichlt dcc> Aiitiscmilismiis. > Ter' Büigermeistc,. Franz Foses Müller ans R lpd i n w e i l e r wurde vom (''eschwoi neu gerichl zn Frei bürg i» Baden nach dreiiägiger Perliandlnng, die. isiiter »ngeheurcin Andrang des'Pnbliciinis stallfand, des inekriachtii Belniges, der Fälichnng von llrlnnden, der PFechiel-fälichiingen, des 'BieineidS nnd der Brandstiilnng für fa>nldig ertaniii und zn einer -F n cl> t l> a » s st r a r e v o >i e l f F a l> r e» sowie zeb» Falwen Cln veistun veinrilicilt Müller war ein eifriger PFortsnhrer deP^attlisemiiische» Parteider mit Borliebe gegen jüdische Handelsleute iveacn angeblicli »»reeller Handlnngen dciselbc» vorging.! zEiuc iutcrcüniitr sticiiiiniscriiz. Tie Berhandlnng gegen Busch Hofs wegen des F'alitencr Sinabcnniordes vor dem Tchionigerichlshofe in Cleve gibt dem „Miiliier Tageblatt" Pera^lafsnng, einen Prveeß in die Critinernng zn bringen, ivelcher sich im Fahre l'i** vor dem .(triminalgerichtc zu Aachen abgespielt hat, »nd dem'eine blutige Thai zilgrnndc gelegt woidcn war, Peren Schauplatz >i öl» gewesen seinAollte Auch damals war der nnglibtliäre 'Angetlagte ein jüdischer Mepger!. Tas „.(iölner Tageblatt" schreibt: „Cs war an ciiicm düsteren Fco veuibcrtagc des Fohres' 1 >(i)x, als ein klntersiichnngsrichler' in. 'Beglci lung von (''endarnien in das Hans eines' jüdischen Metzgers" namens Philipps in der Salzgasse 'rindrang und eine Haussuchung vor nchmen ließ. Philipps ivar aus die Aussage des sra»zöfiici>c» Poll beamte» (''ucrct, denen Chcfran nnd Tocl>tcp soivic der Mäberin .(i nrth, die bei dem Metzczer Philipps zur Pciethe wohnten, angellagt, im Meller seines.HailseS. eine» jungen Mann crmofdet und die Veictie dort verscharrt zu habe». PFie groß war das Crstannen der Menge Fceugicriger, die sich in der schmalen Salzgasie augeiaiumell.ballen,' als die C'endarmei'i plötzlich Platz niachlen und Philivvs bleich undj gescsielt abgefnhrt wurde! B'ie ein Vanffencr »lief der enldectie Moid. in der Salzgane durch die ganze Stadl. Fn ier Thal war bei dei Uutersuchuug des .(icllers ein' Büschel Haare.mil Blntipnreu a»>' gefilndeil worden. Vangc währte, die Nnlersiichung, und lrotzdeni, daß 1 im ganze» Hanse eine '.'eiche nicht war ansgcfnnden woiden,' auch eine gcnauerc Ilnlcrsiichnng ergeben hatte, Paß die ansgefnndenen Haare von dem angeblich gemordeten junge» Manne nicht. herrühre» konnten, iveil cs Frauenhaare waren, blieb Philivps in Unlerfnchuilgshafl und des Bcordes angetlagt. Temziifolge ipiude der Mordproeeß. vor den 'T bei gerichtshof in Aachen znr.Perhandlnng verwiesen. Cs wurde festgestelli, daß der Zollbeamte «"»eret Miethgclder und verschiedene Tgrlelien schuldig war, auf deren Abzahlung Philipps gedrängt halte Ancli j machte die HauptbclastnngSzcngin, die Fcälierin -'ciinh, in ihrem >''e | wissen gequält,' das (''eständniß, sie habe sich von der Familie (''nerei c.