Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 14 (10.7.1892)
- Date
- 1892-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Freies N l a t t.?f!tf I. ebenso klug und weise erscheint ein anderer Beschluß des Parteitages: die Ab lehnung der Gründung eines Tagblattes. Sind doch selbst wöchentlich oder halbmonatlich erscheinende Organe der national antisemitische» Orthodbrie in finanziellen Nöthen, die sie zu lautem Wehklagen Über die „klarghcil" der „Nergler" bestimmen. Das „deutsche Volk in der Ostmark" zieht e« vor, bei „ungezählten Constanzen bayrischen Nasses" sich gütlich zu thun und den „frei gewählten Führer" durch die Ruse „Heil Schönerer!" zu ehren, als eines der Parteiblältchen durch PräiiuineralionKgelder zu »»tevstützen. — Was endlich den für Biele wichtigsten Thcil des „Parteitages", .das «Belage, belrisst, so bildeten Burschenschaften und mit.ktornblume» geschiiiuelie „Partkigenossinnkii" den Festausputz Telegramme von siniggc Türk, sowie von Antiseinite» ans Berlin und Dresden wurde» verlese», worauf die Trinkspriiche begannen. 15» ist in co»= slitutionelle» Ländern Sitte, daß staalslreur Parteien bei Bantcllen den Neigen er Toaste mit eincin solche» aus das Staatsoberhaupt erössnen. Schönerer dbcr ließ diese» Brauch »nbeaclstet und loaslirle am FahrcSlNgc der Schlacht on stöniggrätz ans Bismarli ^Unsere Partei," sagte er in diesem Toaste, wird so bleibe», wie sie >var. . . Wenn sic aber der Teusel holen sollte, io s/äill sie der teutonische Teusel holen, lein anderer." Der Schristleiier Wo-li, der ehedem Prade und dann Bergani Tienstc leistete, anßerle sich wegwerfend über die Batcrstadt des „Wurstkessel Antisemitismus",' lobte die Provinz und widmete seinen Trinkiprnch dem denti'chen Bolle. Abgeordneter Haust toastirte aus Schönerer und der satliam belannic Fugenddildner Polzer aus die akademische Engend. Sowohl die Be-prechnng als auch das Gelage schloffen mit der Absinguiig der „Wacht am Rhein". l Antisemiten und Soeialdeinokraten.» Bei», „goldenen Luchsen" fand am ll d. M. eine geschloffene Anliseiniletiversaininlung statt, zu welcher sich »-doch eine'Anzahl Socialdcmokraten Antritt z» verschassen wußte. Lueger »nd Geß wann, welche ihre arbeiletsrenudlich verbräinieir „christlich socialen" Sprüchlein benagten, wurde»'durch ironische Zwischenriisc, wie „Protcetoren der Lehrlings ichinderei!", durch schallendes Gelächter und enlschietene» Wideripruch unter broche». Bo» socialdcinokralischen Redner» bekamen sie dann;» höre», daß die „Ehiistlich Socialen", deren fürstlicher Fijhrer sich rühme, nur von einem Drittel der Arbeit Anderer zu lebe», vergebens ui» die G,„-,ft der von ihnen so oft dcnuiieirten Arbeit evlchaft buhlen,, welche in ihnen Reaelionärc e> blicke, die da» Bolk verdiimmc» wollcii. Als Lueger zu entgegnen sich auichicklc, eulsland ein »ngchenrer Länn, »>td cs lai»;» einem Handgenienqe, in welchem die Gegner auch mit Stöcke» ans einander loSschlugen. Ans Beifügung des Regicr»ngsvc'trcters schrill Wachmannschast ein, die das Pcriamnilnngstoeal und die Straße, i» wclchcr-edic .Seilerei forlgesctzt wurde, rofdi sänbelte. Prinz Liechtenstein glänzte in der Bcrsainnilting durch seine Abwesenheit. zDaS Rikskusviklzeug.- ,„Zn den in überaus glänzendeL Weise ver lanscne» Bersainuilniige», die während der Psiiigsl'eicrlage in Fnnsbrnst, Salzburg und Linz statlfandeii, reihte sich die am leinen Fcierlage von, „Christlich -socialeh Be re ine" in Laa an der. Thana einbcrnfcne Bersaninilnng an." So beginnt das „Deutsche Bolksblatl" den Bericht über die ebengeuannle Beriammlung, vielleicht ganz »ichl.chiiend, wie viel es damit in der von dem Jude» Heine anempsohlene» Selbstironisirnng leistet. Toch lassen wir de» Herren ihre Trininphe in Fnnsbrnst, Salzburg und Linz, über ivclche tinsere Leser besser unterrichtet sind, und solgen >vir ihnen ein wcstiig nach Laa an der Thana. Gcmcindkraih Steiner hält to.rt zivar eine lehr langweilige und schon oft gehörte Rede über die Weinlcanerinis'ae, aber getrost, ili anti semiti'che» Bcrsommlnngen sehlt cs auch »>e an drollige» Schwänke» und lustigen Fnternierzi. Da kommt z. B. der lustige Raih I'. Scheicher und macht, zwar auch in nicht ganz »euer, aber doch «invjderstelllich luftiger Weise den guten Weinhancr» de».Mund wässerig durch seine Schilderungen, wie gut e» den Bauern gegangen zu Zeiten, wo »och die geistlichen Herren das weltliche Reginicnt führten. „Fm Mittelalter - so erzählt der geistliche Herr — wurden eigene .llleiderverordnunge» erlassen- »in den Anjivaud, den d.ic Bane»-,, mit prnnlhaste» .^lcidiingssliicien lriebe», einzndämmen. Cs winde festgesetzt, wie viele Schüssel» ans de» Tisch z» komme,r habe», daß sie nicht allzuviel Gold aus ihre» Aleider» trage» ». i. w. Welch ei» glücklicher Zustand „»iß dies damals gewesen sein! Heute wä,-r der Bauer froh, wen» er tinr eine gut znbcrcitcle' Schüssel ans de», Tikche halle, henip hat er keine Seidenanzügc mehr, er ist gezwungen, sich .stleider der Billigkeit halber vom Fnden zu kanscn, und vom Golde ist auch keine.Rede mehr. 15« klingt wie ei» Märchen, ivenn Wimpheling es erzählt, daß der Bauer nicht nur a» de» Finger», sondern auch an den Zehe» Goldringe trug, »nd daß'die Schuhmacher sich die .'topfe;er brache», wie der Baner da» Gold zur Scha» trage» könne u. s. w." Fst das nicht überaus lustig'? Und daß der fromme Herr de» Bauer»;» erzähle» vergißt, wie sie ihre», Herr» mit Lesb und Seele augehörte», wie sie ihm da» schöne j„s primae noctis gewähren mußte», wie sie nicht freiziigig ivaren und Zehent u»d Robot, Frohnden »nd Gicbigkeitc», Laudemini» »nd Mor tuarilim u. s. w. „ s. w. zu leisten hatte», daß er alle» dieses nicht auch den guten Bauer» von Laa an der Thaya erzählt, ist das nicht „och lustiger'? Aber die Heiterkeit hat noch lange kein Ende. Nu» kommt erst Herr Lueger und sucht den Leutchen auch de» literarischen Nachweis zu erbringen, daß er und seine Partei allein es-mit de,» .Bane,» gut »nd auNlchng meinen, denn „der Baner ist kein Spielzeug, wie dies schon ,» eimm's. s,,y>e R » ste r i s in so schöner Weile gesagt wird". O, diele, Luezer stellt sich da ,u Laa an, der!hana den guter, BaneUei»» zl,liebe ionnirnnend als wie ei» Schüler der . drille» Cleinenlarclasse: denn i» der vierten lernt man koch iäio» das „Ricken spielzeug" von'C ha mi-f jo'auswendig. - Tost, da in lcegl eben das Lustige und wieder'dje seine.Selbst,rome:' denn wer suhlt es den» nicht heraus,'daß de.» Herren Antiseinite» in der Thal der Bauer nur rin Spiclzeug »nd die ganze künstlich angrzellelte Bewegung überhaupt nur ein Riesenspiclzeng ist. ganz wie cs „Rückcrl" i» so schöner Weise sagt. ' (tinniloli. I A», i’il. V'„«i biclt der .'i rem lc, „R al i o» alvere i n" in Elsdorf eine Be>sann»Inng, - in der, wie Neulich in. Palt, säst ausschließlich Schönerer nkr die ilntclbalinng sorgte Bevor er z» sprechen begann, ver langie er, daß die etwa vorbändenen Brrichierslaitcr der liberalen „Riederöstrlreichrlche» Prelle" und der clcrisalen „.stremser Zeining" sich rulfcrlien mögen.. Wenn einer nicht zur Ülique.nnd Claanc Sä'öuerec'S gehöit, so ist er snr ihn als Zeuge „nbegnein. Wovon l'piach Schönerer? Natürlich von leinei» lieben Fch, zunächst van dein Marlyrinm de» ni>chie>-ncn «»anniens. Es seien nun, sagte er, vier Fahre her, daß seine Bernuheilung -zu vier Mo mit c» .geckerS durch den Obe,steil c-eerichtshos ihre Bestätigung gesunden Hab» Tam, sprach Schönerer von den Anträgen, die er al». Abgeordneter von nu’.i bis ISms ei» gebiachl Halle. Anläßlich der Belprechung seines Antrages veziiglich der Nord bahn zeigte er, »>» wie BicleS >r klüger »nd besser verfahren sei als der ver stoibeiie Tr. Herbst. Svndeibarc.'iänze, diele Antiseinite»! Ein aniiseinitilcher Soldichrciber vergleicht H>>l-Vi—mit Halilbnigc^ und die-er Bergleich fällt zu Gunsten des let.neren ans. Da toiiiini Schönerer -niid. stellt sich selbst über Hcrbsi /Während dieics Eigenlobes S chönem-'S soll, wie'dje , Oesterrcichische Laydzeilting" nicldek, „volle Ansmeil'ainkeit ans sden bliyendrn Augen der Zn Hörer geleuchtet" haben. Den Gegnern rusr dickes anliiinüli'cher Falschninnzerc und Brnnnkiivcrglftnng dieiistbarc Blalicheir zu: „Sic mögen machen, .was sie wollcii, iinserc. Berkainniliiiigen inachrn sie uns doch nicht »ach, und den ei» thronten Heirgoll von Zwettl, eilten Schönerer, schon gar nicht" Ter Mann,, der diese WvrteFzejchrieb,» hat, scheint, als er dies lhai, nicht an einem Mar lnrinin des, »nchlernen tstaninens gelinen zu habe». i„CIirist>ichkS Bolkdsci>"> Während Schönerer lind sei» Anhang, deren Gebühren genngsain bekannt ist, in Wien an,'.!». Fnli eine» Festcominer» ab . hielte», sänd auch/ans dein „»>aisberg" bei Bcyer»ani»bnrg ein „christlichi's Bollslest" stau, ans ivelchei» S Ucker ein vlaiviiiches Fenerivcrl abbeaiinle, ivelchc» daS Entzücke» der .,'ire»z;eil»»g" erregte. Besäße der Hosprcdigc w T mehr Tallgesübi, so hätte er kür dieics Fest einen andere» Tag gewählt, und nicht gerade den-Fahreslag der Schlacht von .'löniggrätz. Fürst Bismarck leibst sagte dieser Tage in Aiisingcn: „stöniggrätz muß ans dem Gerächt "nisic der dcnlschen Ratio» verschwinden." i Zui» Dresdener Allljscmilclllag.» 'Rachrräczlich verlautet in eincin Berichte über den am 1!>. Fnni in Tresden.alhzebaltcneii Paucilag der Antiieinilen, daß cin Schlokie,meiner Haaie^als Abgeordneter der Berliner Banbankwcrker,-de» Aitliikiiiiien eine ll n lerst ütziing vdn zwei Millionen Mark zugesichcrl habe, wenn die Partei, die Saä>e der Handiverker zu der ilneit mache Die „Berliner Börsen Zeilnng" nieini, daß der geuaniilk Schloisertneister ans de», Tlesdened Parteitage den Mi,»d' zu voll genomine» habe, wie das ja den anli-ciniiiichen t'iepilogenheiteii vollkoniinen entiprichi daß er aber die Ban bandiveiker Berlins nickst hinter sich hat und die'zwei Millionen Mark noch viel iveniger j — :tuf anti|cmiti|d\'U ^31ättoru. , Zur Giilkaffillig '.Mhliuorin e aus der ltiiLcriiidmii.q-sliaft., Ter Alnwardt * Monilenr in Berlin inbell^ der „Reelvr alle,' Tenlichen" Hai,wieder Moabit verlasse» und lau» nun bis zur Schlußverhandlung in >'e>»ein Sirakproeesse das Bcrlenindergeiverbe weiter betreiben. Tie' vom Beiliner .staniinergelichle ge forderte Eanlion ist mit Ach und .'iimli znsaininengebrachl worden, und dabe.i haben, wie ivir der Beiliner „Bolkszeitung" onlneliinens nainentlich zw«' Breslauer Gönner des Anlisestiiiisinns, ein vm Lothar v. ,äill>oic n und ein Herr v. Dicst, große Rulirigkeu enikallel, c-s jedoch veviilieden, in.die. .Oeifentlichleit zu tcelc», so daß. sic nicht einmal in den O-niltiingslisten des Ahlwar.dl.Mouiteurs alS Eaulio»s>'a»»nler angeillbrl sind. Das „Tenischc BolkSblatl", iininer. auf seine Znkunkt bcd'acht, knnpki an dik Zii'ainnicn bringnng. der Eanlion snr Ahlivardt die heilsame Lehre, daß dir» auch »n>'ere» Wiener anliiemitischen .stieiien als ein Boibild dienen niogs. Fa, la! Flic den I Fall, als der Seher Fro Recht behalte» und es ans der Linken Bahngaffe „iiirchtcrlich znm Hiinmel stinken" sollte, iväien koläie Gönner, wie sie Ahl ward! gesunden hat, sehr von Rnvcn. (AllS den „Uiivcrsälschktn". l ' Was ' sie--vcr'chweigcn, das zeigt sic als. Meister, der Bertuschnng. Die „Nnversälichten" besingen deg größten Man» ' „AlldculschlandS" in ihrer läppischen Wciie, aber ieine U»lerrcdnng mit dem