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Freies Blatt · 1892-07-10 · 14 (10.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
14 (10.7.1892)
Date
1892-07-10
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seit* •>. Freies Blatt. wie man uns mitthcilt, sehr auffällig mit dein Antisemitismus lieb -äugelt!a;it gehört aber auch, um mit der „kölnischen Bvlkszeitung" zu sprechen, „ein geradezu unbegreifliches Mag von Berblenduivg". iHofsNIINgSvoile Lugend. Bor dein Berliner Schöffengerichte kaut dieser Tage wieder cm Fall zur- Berhandlung, welcher die Berrohuvg der antisciuitischeu »Tugend zeigt. Es handelte sich 'um einen Straßencreeß zweier kaum dein Knabenalter cntwachfener Jünger Merenrs, s>ie auf die Rantcn ttarl Zühlke und Paul Seile hören. Im April lausenden Jahres wurde eines Tages zur Mittagsstunde die Ansmerksamkeit der' Bastanten der dkrosenthalerstraßc dadurch erregt, dass die Angeklagten einen jüdische» Altersgenossen mit häßlictzen Schintvtworten belegten und allerhand Allotria mit ihm trieben. Einem .t>mi, tvelcher diesem Treiben durch seine Intervention ein Ende machen, wollte, entgegitete.it sie: „Was sagen Sic, Sie alter Juden lümntelAls die A»geklagten fortsuhren, Unsng zu treiben, die jüdisch anstehenden Passanten anrcinpelten und u. A. einen etwas verwachsenen Handelsmann mit den Worten „Berflnchtcr Jude, krttinlicher Jude, wir wollen dir deinen Hut abkaufen-" den Hut vom ttopse schlugen, wurde ein SchuHtnattn herbcigeholt Wie dies die Angeklagten bemerkten, stiegen sie in eine Tzöschke erster Elaste und tvollten in dtei'er das Weile suchen. Tic Passanten hinderten die Ereedenre» aut Fonsahrett, und inztvischcn kam der Schuizinaun hinzu, ' der sie zur Brache brachte. Aks Entschnldiguitgsgrund führten die An geklagten an. dast der vorr ihnen gehänselte Indcnjunge ein Bekannter von ihnen sei, demgegenüber ne sich.derartiges wohl erlauben dursten. Ter Amtsantvalt beantragte sechs, der Gerich>süot verurtlieilte die Angeklagten;n je vier Wochen Hart. T-eie Strafe schien auf'die Per »rtheitten keinen Eindrntt zu tnaäten, denn tanz, lachend verließen sic den t^erichtsiaal - Bttldrkzwisl. -Abltvardt wurde, nachdem-seine. Spießgeselle» die -von dem Berliner >iamtnergerichte verlangte Eaution erlegt hatten, - wieder, aus der Hat: entlassen Während er int Utttetsnchttngsgcfängniste laß, war teil, ehemaliger l^enunungsgenotte, der tkrechtsanwalt Stein, 'ein Lellcnnachbar Bekanntlich hat Stein gegen Ahltvardt eine Privat klage erhoben, weil dcr'.lbe von ihm behauptet hat. er habe sich seinen -trennt,ungswechtel mit .".iltnitt Mark bezahlen lasten. Ahlwardt da gegen hat wegen der in der Stein'schen Broschüre wider ihn erhobenen Betchuldigungen Widerklage erhoben. ')>»» ließ der bctrestrnde Richter die Parteien sich ans dem t^efängnistc vorftihren, tun Einignngs , versnäte anztistellen., Ttetelbcn scheitetteti aber an dem Widerstande des Betlietligteg. ' . , ' ChMf Illtttl Allliscillil wird. lieber die schon in nnserer Ickten - A'ntnmer in äiürzc niitgcthcitte Botget'chichle des T rntnont <"t i tt j scheu Iudenhan'es . berichtet nun die „B o-s s i t di e ’^cTt tt 11 g" aus | Patis des i'vtiaiinnt: „Tut ment, der glückliche Erfitkber Le.s fran- - zöstschen Antitemittsntns,» dem seine t^eistcsthat binncit fcä)S Jahren gegen .‘»4M>.i h M| Francs eingebracht hat, liebt cs, stch als einen tut kigetuittpigen Borkätnpter des Ideals antztispiclen. .. M;it tu ‘ zeigt! den Ehrenmann in feiner richtigen Belcuchtnug, indem er die (beschichte 'seines Blattes .1.» Ii><r'- >a,r<-I>-' enthüllt. Es handelt sich da um ein t eines <*c)d]äft, um eine (ärnndtittg, wie nur irgend der ge riebenste Botscnsemite ste ersinnen nnd dnrchsührcn könnte.' Ein ge k totster <ii.'-t i n, der hier als' Herausgeber eines Finanztvochcnblattcs j .l-n S.-iiiai».- Iitt:,»>-i.-r>-' wohlbehtnnt in, war der Macher, ait'dcn T rntnont fidi wendete, als er daran dachte, sein Untcrnchmeu auf die Beine zu bringen Bete von den zahlreichen. Strafsachen gegen de- . trügerische Bangniers, richtiger l^impelsängcr, her genngsam bekannt ist. ' stehen alle derartigen .Finanzivochenblätter' mit einer Bank in Bet bindnng. deren Ausgabe cs in. die Bögel zu ruvtsn, weklie der Vcrchcn ' fpiegel der Leitung ungezogen hatnV-rir,.mit, wendete sich -in seiner Eigenschaft als Veiler eines Bankgeschäftes mittelst vertraulichen Rund schreibcns an ans rlesene Bezieher seiner Leitung nnd scvtc ihnen ans einander, das; et ein Antisetttttenb.latt gründe, dessen Ertolg dadurch . begründet sei, daß der berühmte Truniont an die Spitze dieses Unter; nehmens tictc T rntnont bringe einige hnndett .Angesegeitheste»' |d h Berlcunidungs und Erprestungsiachen inet, die er der- Reihe! nach in dem /Blatte auNiichen werde-, und die nicht verfehlen würden, das nützlichste Änsiehe» zu et regen. Ten <>'rtindsto>t des Blattes be! l'chaste man durch Ausgabe von '<) Anth^licheinen zu l'ixm Francs . izu cineut >>'eia„,urtbetrage von - I.tiiüt tübl FtMcs , und t^v-rin forderte die Pet fönen, an die er iidt wendete, dringend auf, einen oder mehrere derat-ltge Antheilichcine zu übernehmen, da eine starke Pretsstctgetting und großer 'stetvinn -sicher seien Tiefe Ansschrvtung des Anttsenuitstnus ist schon sehr schon. Roch schöner aber wird sic durch den Rachti.tg', den l’iri~' beute zur Geschichte des .Mutin' . liefert Derselbe tv-rin, der als Vciterder :S.-ui:tiij►- tiiium-it-n-' und j der hinter diesem Blatte lauernden Bank die l.istr-- jmiolr' ge | Nr. 14. gründet und feinctf- Abnehmern großen Gewinn versprochen hat, war ' vor zwei Jahren Besißkr des .Ntitioual*. Damals sandte er unter Beifügung eines Empfehlungsschreibens des Qberrabbiners Zadoc Kahn ein Rundschreiben an Juden aus, deren Rainen er int Adreßbuch fand, und forderte sieauf, den .National zu beziehen und auch mit Anzeigen zu nntcrstühcti, da dieses Blatt sich die Aufgabe gestellt habe, .die Inden gegen die böswilligen Angriffe, Berleumdungen und fügen zu verthcidigcn, welche die Antiseniiten gegen sie richtet»'. -Bor einigen Tagen erklärte nun Truniont, daß er den Ehefredackeur des .Mali»', Herrn M i I n e - E d w a r d S, nie gesehen und gesprochen habe. Milne Edwards erzählt fodann in seinem Blatte, daß er längere Zeit T rnmont'S College in der Rrdaction des unter der feitung des Juden Vl 1,1)111' M ayer stehenden ,G;utlois‘ gewesen ist nnd Herr Mayer den FeniUctoitredaetcur Truniont wegen seiner langweiligen Artikel entlasscii^habe. Hinc illae Inari nt»o. Damals hatte cb n Druutont ubch nicht den Antisemitisntns erfunden. — TaS Jnteresiantefte an der ganzen Sache ist, dtvß da wieder einmal gezeigt wird, wie ver logen man fein muß, um von einem Collegen, neben dem, man jahrelang gesessen hat, öffentlich zu behaupten, daß man ihn nie gesehen habe!" Soweit die „Bos fische Zeitung". Spätere Pariser Meldungen erzählen, kmß'der „Matin“ sich ein Exemplar eines Flug blattes verschafft hat, in welchem Drumont Jsaac Per ei re in der überschwänglichsten und lächerlichsten Beeise feierte. Da heißt eS, die Veistnngcn der Brüder' Pereirc stellte» selbst die Rapolcon I. in den Säsatten, sie seien niä)t nur bewnitdernngswürdig und genial, sondern geradezu göttlich. Tic großen srinanzleute seien überhaupt schöpferisch. Zutn Schlüsse citirt Herr Truinont den heiligen Ephraim, der naä) seiner Meinung die Pcreires und die ganze moderne tviitait; Inn st bereits vorherifcschcn habe. -Tir (sirwisseiisfreihcit i» drr Türkei. BTie der Constantinopelcr Eorrespondent der ,,.4t ö I n ischen-Zc i t n » g" erfährt, habe der bis herige «Gesandte der Bereinigten Staaten von Amerika, Herr Hirsch, dem Sultan Abdul Hamid während einer fast einstündigen Adschieds-- andicnz für den seinen ti'lanbcnsgcnossett gewährten Schny und die milde Behandlung der ans Rußland ausgewiesenen Juden wärtnstens. gedankt Ter Sultan antwortete, cs freue ihn, diese Worte zu vcrnchuten: Hirsch möge seinen VandSIcntcn erzählen, daß der Snttan sich bemühe, allen Bewohner» seines Vandes ein -gcrcä>tcr jvürst zu . sein, nnd daß seines (fsiaubens wegen in der Türkei, niemals jemand einer Bcrsolgnng ansgesept sein werde. Gegen die Ricdcrlassnng jüdisä>er Einwanderer habe er, wenn sich diesclbx» zerstreiten, nichts cinznwendcn antisemitischen Vereinen und 1?er sanunlunaen. lAiilli kill Parteitag.) Al» .'!. Juli kanten die Antisetttiteti.des Ztveitler Ritus, die Srihodorcn, zu einet Bespreüinitg und zu eiiietn (Nelage — ohne lcktercs geht es einmal nicht — in Wien zusammen. 'Tie Iaht dee Recht gläubigen ist im z'au'c der Iahte durch eine Reihe von Schismen aus ein - kleines Häuflein zusammengeichntolzen, aber Schönerer wollte ostenbar Bocket tt id Bastler nicht naästtekcn nnd auch teilten Parteitag haben So versammelten ,-ftd> denn der Philanthrop von Favoriten, -einige Bauet»ansührer, Schriftleiter :c zu einer Besprechung Sä)önerer thal kund und zu wiffen, daß ein Ausruf den Periaminette» zur Bcichlußt'assung unterbreitet werden soll. Tiefer Ausrus würde, nachdein Schönerer erklärt Halle, daß er eine Abschtvöchung desselben nicht dulde, einhellig unverändert angenommen; e« wurde eben stramm parirt Wuthschnaubende Ausfälle gegen die Ikiberalen, aber auch Anslassungen gegen die Eleriealen, Säjmähuttgen gegen das „metterttichisäverseuchte" Wien mit feinem sIÄestnmtngspöbel", sowie hämische Bemerkungen über „lärmende Kaiser Josefs Ieste", bei denen „die- Juden die Vacher waren" — bilden tym Inhalt des fatttüii'tt Ausrufes, der -mit einem „Hereinspaziert, meine Herrschaften!" schließt, nä-inlich das „deutsche Bolk in der Tstmatk" zur ausschließlichett Wahl von Schönerer X»eä)ten aufsordert. Tie deiitsä)en Wähler in Testerreiä) werden mit vereinzelte» Ausnahmen die Zutnuthnng, Pente;n ihren Vertretern zu beinfeu, denen ein Schönerer sagen dar), er „dulde keine Abschwächnng", mit denen er herumeoinntandiren laim wie mit seinen Tomestiken im Schreib oder landivirthsäpsttlicheii Ia.he unabhängige Bütger und Bauern werden diese ^untuthuiig gebtthrend .znrücktveisen Auch tvird er Sätönerer nicht gelingen, -beim deutsch österreichischen Vaudvolte da« Gefühl der Tanlbarkeit für den tut vergeßlichen Xaver Joses zu erschüttern, mag er auch mit Hilfe stngirter „lüdisäier Pacher" einen Berüich nach dieser Ri>chtnng anstellen. Weder jüdische noäl andere patriotische Bewohner Testerreichs haben je bei einem Feste zu Ehren des Kaisers Joses als ..Vaäjer" mitgewirkt. Sich über solche Feste zu grämetil hatte» allerdiiigs nur Gegner der Austlarung und in noch höherem Grade Baterlandsseinde allen Grund. So albern dieser würdelose Aufruf ist.

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