Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 14 (10.7.1892)
- Date
- 1892-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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feite 8 Freies $>rrmi#<te&er bei „Oieujn freien Presse" berühren sie nicht mit Einer Silbe, ja sogar i’ou der iu-deitt"genaiii»en Blatte veröfseittlichteu Tanksog,mg BiSmarckS nedmen-sic keine RMsz^datür aber Ihn» sie so, als ob die gesamiule deutschiiberale- Prefie den Fürsten daduich. daß sie das von ihn,'selbst gerügte Berhaltea aimlcniitiüüer Ercedenten gebührend'beleuchiete, verungliinpsl hätte. Clericale »nd Slave», die antisemitisch angehaucht sind, machen wilder den sammt und iondeeS als „Juden" bezeichneteü Teutschliberalen den Borwurf, .dem giößie» Feinde Sesterreichs Weihrauch gestreut zu haben". Tie antisemitischen Hetzer wädle» >e nacki dem Publicum, für welches sie arbeiten, ihre Lüge» gegen Juden und „Iudengenofien". Unddas erdreistet sich, den Wächter .christlicher fine'' zu spielen! Selbstverständlich erfülle» die '.Unverfälschten" auch in ihrer leiste 21,1*1,1,be ihre» Hauptzweck: die Berkniidigung deS Ruhmes ihres Eigen idniners. der rinn die „Jude,Glätter" zu diese», Heroldsdirnft^ heranziehe» wollte, aber bei ihnen nicht das richtige Perständuiß für seine Größe als Siaaleinan» »nd .tianinchenzüchter fand Auch eine würdelose, Scsterreichs ruhmvolle Bergangenheit »nd seine Zukunst verkennende .Rede" des Bader» lii f, des Eindeckers des ConveriationslericonS von Sitiigge, beim Anti ienntenconveiitikel in TreSde» wird zum Perderben einer betbönen Jugend in dieser Siukeniezi und Zecherzeiiuug weiter verbreitet. Temonstraiiv werden ferner kaiserliche Auszeichliunge» von Juden und Begnadigungen wegen Preß /vergehen Perurtbeilier -regiftrirt. Interessant ist noch eine Respectsbezeugung der .Unverfälschten" vor den Juden Tiere werde» „Volk" genannt, die Lzechen aber nur .Bölkchen". Wie hätte sich der selige Pohrlitzer^der Ahnherr eines leütschtn Rittergeichlechtee. ge'reui, wenn er das erlebt hatte!.... Endlich kommt auch Pergani an die Reihe. Ein Landarzt erzählt, daß er auf die weitere Zuiei.dnng de§ „Polleblatt" verzichtet habe: ein Währinger Blättchen versicheit, tost der Solecer Gentleman, wen» es was;u holen gibt, keinen Unterntncd zwischen Iut »nd Ehrist inacht :e :c. — Zni Anschlüsse an daS rpvenimhenfc Ereerpt, thcilen wir folgende Zuschrift mit, die wir von be- 'reundeter Seite aus Krems eibatten: „Tie beschichte scheint ernst werde» zu wellen. Ein Herr Ist. will wegen de* antisemiiiichen Fiast'or in der Bismarck Woche den bekanntlich lehr ungesunden Staub des Wiener PstasterS von seinen Schuhe» schütteln- und -tragt daher bei dem infallible» Aniii'emiieupapste in Rosenau an. wo den» eigentlich ein unve,fälscht deutscher Man» in Friede» Hatten bauen könne. Tarauf erhalt er in dem Frage und Antwort Aiilomate» des Ro>'ena»er „Reichsanzeigers" solgenden Bescheid: .Sie wollen deshalb ausivandern, weil die Wiener Polizei die Hoch Bismarck-Rufer mit dem Säbel anseiiiaiiderliieb? Wir raiken Ihnen Tresden zu,» Aufenthaltsort; dort ist inan änch in den,höchsten .greifen eniichisdcn national gesinnt. II. d. Gr." Wir f z würd.n fein Herrn <?. natürlich ganz 'in,- Iio i-t -uu-Ii" — außerdem er- . ebnen, daß in Sachsen auch das Schächten verboten ist; allein Fieund Iro weiß das Aulisenntenvaradies Sachsen in einersür deutichnationale Seelen 1 noch viel verlockenderen Weste zu schildern An einer ipäleren Stelle de» Brief kästen' beißt er nämlich: „A. L Tie Polizei in Tresden trägt keine Wasien, iouder» nur Stöcke, und benahm sich anläßlich der Anwesenheit Bismarcks ^-Überall taktvoll undxcklö'lich, was sicher auch beitrug, Unfälle zu veihülcn, ' ll d Gr " In Rdienau schemt man sich, ,'eit man sich mit Äuswanderuligsgelüsten liägt. iehv.wo! lüber die Bewaffnung der Polizei an den verschiedenen; Crten Teulichlauds in'c muk;» haben " <Cvine neue Viigc. Ter „4-plf euub" kommt erst jetzt mit der von ante,en aniiiemili'chen Cignnen schon 'rüber gebracht » „Enthüllung", daß die .stiele, Begri.nui g eine Emigili g Czar Alerandei's III imd - siaiser Wilhelms II. i,e.inubcr den Juten zur Folge g-l,abk hätte. Für die>'e Berspätung, d,e>es Rachhmkeiii „entschädigt" er aber durch eine ganz neue, von unglaublicher Fi chbeit zeugende Teudenziüge. Er schreibt: „Ein bekaiiulcc Pariser Milliaidein K ckte dca re-bt nette» Plaii aus, uicmand Alidere» als — . Se Heiligkeit fen P.rvn duich eine große tsieldiumme, die in der Farm einer - Spende zum Peterspteunig gegeben werden ,'ollie, -ur eine den Anti'einjttsmtis veriiitheilenfe. 'eieiliche Aeußerung in Fotin einer Bulle z» gewinne». Fünf Millionen Francs waren nie ficien Ziveck beieiis zur Persügung: und ein ungarstch.-r stlrche»su-.sl sollte ausersehen icin, dieses beleidigende Geschäft dem - He, »gen Bale, in panentcl Form vorzutragen. Ratürlich kam es gar tiicht zur , eigenilichen Aus'ühiliiig. ,vcil die 'rechen Anreger dieser Idee beim Sondiren ' des Bodzns in Rom 'o'orl erkaiinlen, daß sie cs Nicht wagen durften, an die! Perion des Heiligen Paters selbst mit dieier gemeinen Impertinenz heran I zutieten Tenn 'chcn die ersten Mitibeilnngeii »i der Angelegenheit an einen! Blatt. ^___; Nr. 14. hohen Functionär der Curie riesen eine tiefe und berechtigte Entrüstung im, Batican hervor. Es kain sofort eine äußerst kräftige und au Deutlichkeit nicht« zu wünschen übrig lastende Antwort." Der „Volksfreund" beruft sich nun auf die anlifemitische» AuSlaffungeu des „Mon teur de Korne", de» „Oeeervatore Roihudo“ :c, die aber, wie kürzlich die katholische „Germania" erklärte, nicht» Andere« als ihre eigene Bedeutungslosigkeit repräsentireu. So lange der „Volksfreund" nicht den Pariser „Milliardeur", den ungarischen „Kirchensürsten", die .Soliderer" und den hohe» Functionär der Curie nennt, so lange er keine Ramen ansührt, ist die ganze Geschichte als eine sehamlofe Erfindung zu erklären. Nach Berichten aus Rom ist zwar die Venvaltuiig de« Peterspfennigfonds i» Folge verfehlter Speculationen .verkracht", aber von einem jüdischen Sanirungsvorschlage, welcher als, Preis sür eine Stellungnahme gegen de» AiitiseinitismnS anSgegebe» werden könnle, hat bisher nichts verkautet. (Aus der „Iuüenfeage.") Das „Iltdeusrage" betitelte Steyrer Anltsemiienblatt leistet in seiner Nr. 13 ei» Prahlerstücklein, da» sondergleichen dasteht. ES behauptet, der AnlisomitiSmuS hätte die Socialdemokratie geschädigt, während einsichtsvolle Leute gerade umgekehrt der Meinung sind, daß die Anlisemite» unbewußt de» Socialdemokrateil die Wege ebne». Die .Jude»frage" < nicht vom I. April, sondern vom 1. Zuli) erzählt ihren Lesern: „An dem Porhandensein des Antisemitismus allein schon hat sich die Macht der Socialdemokratie gebrochen TaS seinerzeit mächtigste Reich, Deutschland, war mit seinem Polizei- und Militärapparat nicht imstande, die Macht der Social demolraiie zu brechen, im Gegentheil wurde diese Macht immer größer. WaS de,'ganze staatliche Apparat nicht konnte, das konnte der Antisemitisinu« — und was war das erst »och für ein erbärmlicher Antisemitismus und ivie blamirte» sich, erst diese Führer, aber er war doch eine Art Bannerträger, weil er gegen Pas Tieibrn der Jude» und ihre Pläne Front'' mackite, es wurde» durch ihn die uralieu, natürlichen und gesunden Triebe ge weckt." Racenhaß, Bestialität wird hier alS ein „gesunder Tiieb" gepriesen Sb denn das Individuum, daS io etwas schreibt, des BerständniffeS entbehrt, daß es sich erbärmlich blamirt V Es scheint dem jo zu sein, de^un auch die Wendung: „das seinerzeit mächtigste Reich. Teulschlaud" (wer ist eS de»» jetzt?) läßt auf eine verminderte ZltrechnnngSfähigkeit schließe». Ganz lichte Moinente bekundet aber die „Iudensrage" häufig, wenn sie aus die Wiener Aniiseiniten zn sprechen kommt. Dem jüngsten Rittnäiienrunvnel widmet sie eine Betrachtung, i» der es beißt: Tie Wiener Anlisemite» seien nur die vorgeschobenen Posten der Ultramontäne» Tie Rumäuen haben es schwer büße» müssen/ daß sic nicht mehr Einsicht hatten und von Lueger und Schneider sich als'Spielzeug gebrauche» ließen. „Will mgu diese rumänische Demoustratio» richtig ersassenj so bildet dieselbe »ur einen Punkt des Planes der Hintermänner der Herren Lueger und Schneider. Ter Plan läuft ja doch darauf hinaus, alle unzufriedene» Elemente in Sesterreich Ungarn als Mittel zur Durchführung dieses Plaues z» vereinigen. .Tarui» finden wir besonders Herr» Schneider dort thätig, wo unzufriedene 'Elemente sind. Und solche Elemente gibt es jetzt in Sesterreich- Ungarn viele.... Tiessn Leuten liegt da gar nichts daran, wenn sie jetzt ganz -Sesterreich-Ungarn in Brand setze», wen» sie »ur ihr Ziel erreiche»,... Wie schon oft, habe» sich diese (Lueger und Schneider) mit der -rumänischen Temonftration aber>nals>chloßgestellt, sie haben gezeigt, was sie wollen, für wen sie arbeiten, daß sie. die nationale Beivegung und ihre Kämpfe geradeso ausbellte», wie die sociale." . Tlk ldboltra in Rublazid.I I» einem Theile Rußlands glassirt die Ebolera. Ten Anliiemiien geht dies besonders zu Herze», und sie erklären alle Cholerameldungen aus Rußland, auch die ans officielle» S.uelle» geschöpfte», für semitische Wünsche. „Es gibt Leute/ bemerkt daS „Neuigkeit» Weltbla ti", „die über Rußland, weil es die Wucherer verlreibt, alle Plagen hetanfbeschwören'inöchle»." Tie Tausende jüdischer Handiverker und Landwirlhe, welche russischer Barbarei zum Spfer falle», sind dem „Wellblatt", zu. dessen Herstellung Scheere und .»leister mehr als Tinte und Feder erforderlich sind, „Wucheier", und es will Rußland als gefeit vor der Cholera hinstekketi,-weil dort''Juden .»erfolgt werden.; ' ~ - ~ ' - ■ ■ ■»---~—, - - —■.-,-.r Briefkasten. Tr. L. in Prag: Besteil Tank. Erscheint nächstens. -Bcikrittserklärllilsiril;um „Brrcin;ur Abwehr des Antiskmitismus" werden tiltsikgengeliomincil im «ecrctanate t es Bercines: Wien, l.( Parisersiasic 4. . . Lbonneme«t»anmeldungen auf das „Freie Platt" nimmt die Adminiflralion, Wien, I., «eilerftälte l», jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch cinzeliir Nummern abgegeben. 1 robcnummern zur weilrreu Verbreitung des „Freien Blattes" werden lsiesninungSgenossen auf Verlangen bereitwilligst zur Äersügung gestellt. Herausgeber ünd veranlivorllicher Redacteur: Ernst Piktor Zenker.— Druck von Ch. Reißer & Pt. Werthner, Wie».