Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 14 (10.7.1892)
- Date
- 1892-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Freies Blatt. Nr. 14. in, uu'ldif mit (iVivalt alle ankere» Naiioitaltläie» befctligeu wolle». Um nun diele» '1'tairer;u vernichte», umibe ein übet beleumundete«, schon mit schtverem terter bestraftes Individuum veranlaßt,;u erklären, von einem Einwohner nameii« Georg Babici zu einem Tunamitattentate gegen den Notar tsoll richtig heißen: Notar, von Ternezel verleitet worden zu sein. Ter arme Babici wurde sofort verhaltet und nach Nagvbänua gebracht, wo er von den Gen karinen in her grausamsten Werse gemartert wurde. Dem Armen wurden die Fuße gebundcn, er a» denselben aufgehängt, dann abscheulich geprügelt; hierauf wurde ihm die Zunge aus dem Munde gezogen und mit Nägeln durchstochen und er niedrere Minute» in dieser entsetzlichen Lage gelassen. 2o mißhandelt, winke der Aermste von den Gendarmen in die Wohnung deS Notars gebracht, io daß derselbe Gelege, heit hatte, dem armen Babici unter vier Lugen zu er llaren, daß er sieb,bereit dalten müsse, unter de» sürchterlichsten schmerzen zu sterben. Als Babici in seiner Angst den Notar befragte, was er denn thun müsse. um sich;>, retten, wurde ihm erklärt, er möge den Pfarrer als den Urdeber de« Attentats bezeichnen. Z«t «einer entsetzlichen Lage gab Babici die verlangte EiklSrieng ab, worauf er sreigelässen und der Borladungsbefehl für den P'arrer ausgestellt wurde AlS es;»»i Berhöre des Piarrers kam, erschien ledoch mit diesem auch die ganze Bevölkerung des Crte« vor dem Gerichtsbause, und der Richter wagte es nicht, den Pfarrer zu verhaften. Ter P'arrer gab aus'dtc ,ringe, wen er für,den Urheber d/s Attentates halte, zu Protokoll, daß das Ganze nur angezeuelt ivurdc, utn ibn. den Pfarrer zu verhindern, an der Teviuattoiz der Rumänen nch zu deideiltgen 2o getcheken in der Mitte Mai lvi-J in Alngattt!!! s . Wir ivarcn bereits, qls wir das erstemal diese Assaire berührten i 'Ji’v. 11 -cs 'irreteil Blaues" vom l'.ß Juni '«, irr der Lage, nach ans anlhetttlichcr Luelle in Pest geschöpften Jtisoriiialionen, diese Moidgeichichte zu dcmenkireii. Heute erhalten wir von durchaus verläßlicher Lette aus Ragnbunna folgende Zuschrift: | ' Gebet er Herr Neda et cur! i .s.b bitte guttgst zu eitlHlm,'igeii, daß ich ertt keilte an« d:e im „Teuticheit Belkeblat!" berichteten Beschnidtguiigen des österreichischen Abgeo«dnetew<chnetoer > zttriietkomtne Ich rtieile JKnen nun diesbezügltch mit, daß der Gerichtshof von Szatmwr betreüend des Ttmatnitattentats, welches am «>. Mai Nachts gegeit 1 Parv Zstgtitovd, Notar von Alt-. Ternezetn, begangen trorden, kraft Beschlusses vent II ,'>nnt den T tvös Iüvan wegen Mordversuches und wegeu Beschädigttng «teindeu Gute«, den Babies Guörgn aber wegen Aufwieglung zu diesem Betbrechen in Anklage gestellt hat Auch wurde counatiri. daß die Begehung b:>'es Betbrechens tu feiner Berbiitduug mit nationalen Agi tätiere i: ’rebe. > gutem a u s! dl l i e ß l ich ans Prt^vatrache hervor a eg äugen ist. "Babies «rlpörgti bat nätnlich ans Zorn gegen den Notar Pavv :nt Cnee?>ür -u znt Böllbrnigung des Betbrechens atttgednitgen Ttele Taten *■ l'er; te C.tiaiität des Berbrechens sink ämilick« «engestellt, und «olglich muß der r tandritttkt des Hertn Lchnerder «al''ch sei». Tie.in fein Berichte des „Tettlschett Bo:te!'latt" e;:iälmtett wetteren Borgänge sind in sge-'a IN mt pure u II w a Kr lte t te n ttud häßliche Berleumdungeu, gegen deren Verbreiter gerichttiche echt Ute ergrisien werden tonnten. Bla» muß nch nur famler wttndern, daß sich in der eioitifirten Welt M.i'ckieu nnden. mögen ne nun Tchttetder oder wie immer heißen, Abgeordnete 'oder bloße Prtvat.eute sein, dies ohne den Lachverbalt zu kennen, eitlem j-’teii i .nitre .(tu teil Gebär 'dienten. die in einem eonstttuttouellen .Königreiche die ge>et.-l:chen Bel'o.den tttngekeu und llnruhetii'tern. welche mit dem dem armen Bolle a»!s>.,vt>fit.it nielde.rerlen. sogar gegen die eotiftiltttionellen <Ze«'etze HiG l< ti't. it?r:.1>e Auftviealer eines fremden Bollee wurde man in uttierem Bater l.tnd, tu den Reib » der Abgeotdiieten nicht dulden. Laafbästva, am Jnüi 1-tVL «Unterschrift« Tte'e Zttichtitt gibt wohl auch einen Maßslab zur Beurthciluiig der Wahrheit, welche de» Schiieider'schen Taltnndgcschichteit zugrunde liegt Wer dte Eourage hat, solche „Magyareiigreucl". aufzulischeu, wo er doch s^e'ahr laust, sofort Lugen gestraft zu werden, der nimmt tidieilid, feinen Anstand, wohlherechnete Aälfdjuiigeit als. „Auszüge" aus einer Bucheriamitilung niitzrtll,eilen, weld,e »ur einer geringen An' zahl «z-lehrtet Orientalisten zugäitglidf ist (7>ur 2lntnemitenhm£e. " j t i i «vl :-cher Bei11ag :»r E»t n>>dln»g?gefchichte unterer : A » t>' e«N i ten.; A'i-rin Lek et:lang hindurch war ich kein S paßverdct her, aber nttd,! f > in L paß wachr. itmd rt, bloß ein redlid>er Arbeiter, der feinen geraden . Weg. tu schwer et »nitluter and) war, ging und fid, eine gewisse, ' attgeseh.lt: 2tcUung e.worben Es mar ein weiter Weg. ans dein td> ■ gtle«zcntltch nnd »»absichtlich manchen zeitweiligen.Ansdstnß bekam. Ich nstene, nttd, ctiies guten is'eLäditinsses, und es bereitet^niir gewöhnlich l einiges Btrguitgeu, den einen'o6ei anderen ineiner ehcinaligen Reise j geführten in seiner Laufbahn zu verfolgen. Ta schloß sich mir z. B. im Jahre 1881 ein achtzehnjähriger „Junge" für kurze Zeit an, der .mich bald ganz unverdientermaßen mit seinem Vertrauen beglückte. Er ) war Ladendiener in einem Confeetionsgeschäfte in der Mariahilferstraße. Eine« Tages bemerkte sein Chef den Abgang verschiedener Waaren, ohrfeigte den Jüngling ab und warf ihn eigenhändig am _ helllichten Tage auf die belebte Straße hinaus. Er mochte ihn nicht dem Gerichte anzeigm, um dem jungen Manne die „Carriöre" nicht zu verderben. Ans Dankbarkeit entsagte der Jüngling für immer der Elle und Scheere und beschloß, sich der deutschen Literatur zu weihen Eines schönen Morgens war ich bei L. in der Redaction seiner Zeitschrift „Die Rene Welt" auf dem Marimilianplatze. Von der Redaetion genoß man eine freie Aussicht bis zur Herrengasse. / Wir waren im geinüthlichen Gespräche begriffen, als mich L., schelmisch lächelnd, unterbrach:. ,Schau'» S' mal hin, dort kommt die persouificirte Unfähigkeit 'und Frechheit dahergesttegen. Seh'n S', so ein Kerl wird einmal noch das beste Leben haben!" Damals machte ich die Bekanntschaft des . „edlen Jünglings". Nicht lange darauf entnahm ich ans den Gerichtssaalberichten der Tagblütter, daß der Staat unserem Jüngling in Würdigung seiner besonderen Verdienste um Hebung des Personeuverkehres ans der Strecke Wien—Paizerbach eine Versorgung mit Kost und Wohnung für die Dauer von sechs Monaten - in Stein unweit Wien gewährt habe. Von der ganz richtigen Erkenntniß geleitet, daß mit Rücksicht ans die hohen Fahrpreise die minderbemittelte Bevölkerung nur unter schweren Spfern eine zur Erhaltung der Gesundheit jedenfalls empfehlenswerthe Erholungsreise nach Payerbach u. s. w. machen könne, faßte unser Jüngling als echter Freund des Volkes den Entschluß, jedermann, der sich vertrauensvoll an ihn wenden würde, gegen eine bescheidene Schrcibgebithr cin^ Eisenbahn-Freikarte für Fahrten auf der Sudbahn anszustellcn. Er ließ ans eigene Kosten sich Forinnlaricn für «Freikarten drucken, füllte sic jeweilig ans undunter fertigte sic mit dem Ra men des Dircctors der Sudbahn. Wie gesagt, seine Bemühungen blieben nicht ohne gebührende Anerkennung In dem cnggcschlosicnen streife gcsinnungsvcrwandler Seelen, zu denen nur besonders begabte Jntvvidpcn Zutritt erlangen, bildete sich unser Jüngling weiter aus und gewann, jenen Schliff, der ihm erst recht das Fortkommen erleichtern sollte. Rachdcnker ohne Unterbrechung in der genannten Aiisialt seine sechs Monate den Studien gewidmet, wurde er wieder frei, promovirtc sich . selber zum „Tr " und legte sich einen schwedisch' klingenden Rainen bei. .Er that nock, einen Schritt vorwärts und entdeckte eines Tages, daß er ein „Arier" und ei'g«> ein Antisemit sei. Gegen Juden hegte .'.er einen eigenen Groll; denn wie er mir versicherte, habe man ihm in allen jüdischen oder vcrjndetcn Rcdactioncn ebenso taltlos begegnet, wie in dem bewußte» Ciesdsitftslocale in der Mariahilferftraße. Er schloß sich vorläufig dem (Gefolge Schönerer s an, trat einem Richard Wagner-Verein bei, in dem er. cs sogar zu einer hervorragenden Stelle brachte, und.betrieb nebenbei den Cuttus der Schönen. Mißgünstige Leute benamsektii cs Heiratsschwindelcien, während doch die Betrüge, so ihm die jcivciligen „Bräute" zur Verfügung stellten, nicht einmal zum Ankauf eines wen» auch »och so bcsdfcidcncii Ringstraßciihauscs genügt haben wurden. Endlich gab er sich einer jungen Witwe gefangen und ivard ihr Gatte, doch leider konnte sie ihr Glück nicht ertragen : denn schon itack, scchswöchcntlichcm Ehestande that sic ihm den gleichen Tortan wie jener Geschäftsmann in der Mariahilfer-. straßc. Tas glciäze Los ward ihm aber auch in einem Amlspalastc znthcil, wo er als Tinrnist bald darauf Beschäftigung gefunden. Seine Blnihczcit begann mit der Gründung eines neuen Srgans für Racenheyc, zu dessen aUcreifrigstcn und befähigtsten Attikclschreibcrn er ztvci Jahre, hindurch gehörte. Seine Augrifse wider die jüdischen Flauen, die jüdischen Männer von der Feder, wider die verjndeten Ehrzsten erweckten öfters nachhaltige Sensation. Zlim Sdzreiben bc diente er fick, statt Feder und Tinte eines Ruthenbesens, den er in eine Senkgrube tnudjte, so daß selbst seine engsten GesinnnngSgenossen helljnbelnd in den Ausruf nnsbrache»: „Es stinkt in unserer Gasse fürchterlich!" Ratürlich erregten solche Erfolge de» hämischen Reid deS nrtentai ichen„ Herausgebers". Stall seiner Stütze die bedungenen 8 ft. ö. W. per Artikel pünktlich zu leiste», meinte er, der Arier dürfe sich an dem Ruhme,genug sein lasse». Voll Verachtung wandte ihm hieraus unser holder Jüngling den Rücken als ständiger Mitarbeiter. Er mochte dies um so leichter Ihn», als er in der Zwischenzeit dnrd> Vermittlung eines unserer wackeren auliseiuilischen Volksmänner eine ansehnliche Stellliiig bekam! Es ist eine wichtige Position, die man in der vor aiitisemitischen Zopfzeit, als sickf das Voll noch durch liberale Grundsätze ködern ließ, nur ganz makellosen Lenlen anvertraute. Solche Vellcitäten haben wir nun glücklich überwunden. Aus dem Port einer gesicherlen Ejistc»; schleudert nun unser Arier und Antisemit seine t