Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 14 (10.7.1892)
- Date
- 1892-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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. Seite 2 Freies Blatt. Nr. 14. ^i» 4;rt(t)ftdicnbfn lasse» wir die unS bisher vorliegenden Berichte iitur den Protest Bnschhofs folgen: Eleve, 4. Juli. Witte ^LUimttjtj? begann unter starkem Andrang des Publieuins in dem v.umiltdi >>hr beschränkten SchwurgerichtSiaale der hiesigen königlichen Landa.-iichtes die Verbandinug wegelT des Knabenmordes in-kanten Ten Borsitz des Sckuvntgeiichtsdo'es''üdrt LankgerichiSdirector Kluth. AlS Beifitzende fungiren die r.tndgeNchtsräibe t-lrütering und.Stickers und Landgerichsrath .Honig ai? o; ',uuii1)tfr '?ie öm-ntliche Anklagebehörde vertreten: der .'Tbersiaats anickalt >? a »t in , Xe in i und der erste Staatsanwalt am hiesigen Landgericht B.tnmgart. Sie Verthetdignng fuhren die Rechtsanwälte 'Fleischhauer iT eve . i''.iininersbach iKoiu) und Stapper tTüsteldorsi. Sowohl von Seiten der Siaal-ranwait'cha't wie seitens der Vcrtheidignng find zahlreiche ,-l'iigen geladen Ser Tbatbestand, wie tim die Anllage darstellt, ist folgender: AinTck. Znin 1 "■.aI., a.'achiiiittags gegen »>f, Uhr. entdeckte die Ttenstinagd Tora Moll in m 'aiiekiannten avuiIuMicumc des Stadtverordneten und Kan'maiuies Küpper» iit tauten mc reiche eine? kieinen Knaben. Tie reiche war zum Theil mit Svien bedeckt, die kleinen Händchen waren fest zusainmeiigeballt und preßten Iiainv'dasi Svren und 'Mobnköpschen, Tinge, die in der Scheune' in großen Mengen;et.stre»k ninberiagen, zniainineu. Tie von der Moll eiligst herbei gebalten reute stellten >owrt fest, daß der .Knabe ermordet worden sei, denn der. Hals ivar dem'Knaben bis fast ZUIN Rückenwirbel durchschnitten, und der r lämam 'chwämiti M'inlich int Blute. Es waren nur sehr Ivcnig Spribstecken in der Scheune i-oilmuM-n. Ta s ermordete .Kind,' in dem man sehr bald den;> nab.igen Zeliann Reginanu, den Sohn» des- Schreinermeisters Heginann Ui hiiiieii. e chiiiiite. batte außer einer großen Schnittwunde am -Kinn keine wetteren Berienimgen. Tie ntedieiniichen Sachveiständigen stellten «fest, daß die T iiiäi'änieidiiug des Hal'es an dein .Kinde in lebendem Zustande vorgenoinmen irrt den und die>e auch die Todesursache gewesen ist. Auch sind die erwähnte« Sächveiständigen der Meinung, daß der Mord-etwa sechs Stunden vor Ans 'iiidnug der reiche, da;,t teuer Zeit die reichenstarre bereit« eingetrelen war, ,i.'.ikde''uii:. ii haben muß ' 'siech am Vormittag soll das .Kmd, ein hübscher, inunteiet Knabe, in.der 'Rabe der Scheune spielen^ gesehen worden sein. Ein rast edel Raubmord war nach der rage der Tinge ausgeschlossen. Ter Befund ,- i k,-iche laßt daraus 'ckiließen.. daß der Mord in der Scheune pat'sirt sei; memanL.bat aber einen Hil'ern» oder sonst ein Schreien wahrgenommen. An ' t tl ch stand man wie vor etnem Räthicli Sehr bald lenkte sich jedoch der rl-ttrachl .>glN den Schächter und Borbeter der jüdischen Gemeinde, Schlächter ineister Adel» Bn'chboss, 'Mehrere Kinder und auch Erwachsene.wollten ge r eii l aben, daß das Ermordete Kind am Vormittag des 29. Juni von der Frau und sei Tochter des Biüchlio'i iii da? in iinmittelbarer Rahe der Küppers'schen Scheune e.ligene Schluchibanv gezoten worden sei. Andere reute wollten wahrgenoinmen laben, d.ß der krmordete Knabe am Vormittage des 29. Juni in dessen S l '..:chtbans mißhandelt worden sin. weil er dem Bnschbosi gehörige Grabsteine . .t al at'habe, 'siech eine Rctbe anderer Verdachtsinoinente ivnrde rege, und - ' : rten machst dazu, daß die Menge dem Bnichhosi sein Besivthnm i'i. uiie. in das Biiichbon">che Hans „Mördcrbans" anschrieb und auch die . eit e.i derer Tanteuei Süden durch Eimversen der Schaufenster n. s. iv. be ,l Mite., zumai das Gerücht an'taiichte: Ter Mord lönne nur mit einem mit dein ludi'che Schächter zu baniiten pstege», ansgefithrl sein, denn i ugiiickiiche Hegnianu sei nach Art des' „Koichers.chachtens" geschlachtet ii e.den i.iid die Tbat könne nnr deshalb begangen worden sein, weil die Ziiden i., b.em chastalneste Ebiistenblnk nöthig haben. ' Tie Erregung der Menge ..'.ick.'-raitig. daß die Lantener jüdische Gemeinde sich -veranlaßt sab, den Mw:ste.- .: Zn»,w»;u bitten, auf ibre Kosten einen tüchtigen Eriminal -a.ti'e.: b! i-'s Eutd-ckiing des Tbateis nach Tanten zn senden Ter Minister . r. .ack' v.'iM.t dieser Bitte und euf'endele den Eriminalconiinissär Leolss iii: d i i u-ach Ttuten. Rachdem l.-tztervr einige Tage in Tanten geweilt, b,".i am It £ottber lV.'l den Bn'chhoss sowie denen Frau und;.V.- n ,I> Bedachte?' der Tbäterschatt Tie nun gegen die drei Personen . Nute, '.ichiiiig führte rer och dazu, daß am 21 Tecember alle drei verhafteten d i H ist wi-.d-".- lntlancn und das Verfahre» gegen sie eingestellt .wurde. .'.' I.' ich -che:::,'N 'doch neue Berdgchtsmomente ansgeiauch! zu sein, denn S'i'.ua! d Z >'i''olgtc die Berhasinng der diei Personen von neuem. '. , v: il i, iii' Frau nnd Tochter de? Buschhon wieder entlasten nnd das : . . i!! . . n, : ii diese-'ingesteUl. Buichhois selbst blieb jedoch in Haft, und . . :' . - u ibii die Anklage wegen Mordes erhoben. Ta die Beschluß . dem <!„ ahnten Anträge de? Staatsanwaltes bei trat, .so erscheint Busch :.utit.'i d.. Anschuldigung: „am 29. Z«nt 1X1H zu Tanten den '■■■• ii .'»k'.iiiir H.-amatur oonätzlich getödtet zu haben, und zivar indem er die s mit U.'b.'i., liing auinibne ", vor den Geschwornen. T . Ai.' l a e kiatt sich 'ur uichtkchnldigs Er ist etwa 50 Zähre all i ii ,'.i>i'i>ii :m .balwe 4"2 wegen Betruges angeklagt Bon dieser Anklage i er damals 't-ige-viochsn: ,m Nrbrige» ist er unbestraft. '.iii M-5 BerbeiS tbeilt der Präsident den Geichwornen mit, daß Ai! Uz,-, t't ssidkii t,? Mortes lediglich den llmstaijld gellend gemacht habe. daß Buschhoss^sich wegen Beschädigung der Grabsteine an dem Knaben habe rächen wollen. Der Staatsanwalt bringt zur Kenntniß, daß die Angaben de» Angeklagten über seinen Aufenthalt am Tage des Morde« mit den Zeugenaussagen übereinsttinmen. , In der Nachmittagssitzung wird u. A. der ehemalige Metzgermeister und jetzige Handelsmann Zunk,rmann vernommen, der im ^Tanlener Boten" ein Gutachten abgegeben, daß ein „Ritualmord" vortiege. Derselbe verwickelt 'sich heute derart in Widerspruche, daß ans Antrag der Benheidigung beschloffen wird, den Redacteur de« „Taniener Boten", Caplan Bresse'r, als Zeugen vorznladen. — 5. Juli. Bei Einvernahme der. medicinischen Sachverständigen in der Vormittagssitzung erllärt der Tanlener Arzt Tr. Steiner, daß die bei der Leiche in der Scheune Vorgefundene Blntmenge ausfallend gering gewesen sei und nur von einer Nachblutung hergerühi t habe. Säinmtliche übrigen Sachverständigen, sowohl der Kreisphysieus Tr. Bauer, welcher die Tbduclion vornahm, als auch die vernommenen Mitglieder de» rheinischen Medicinal Collegiums und.die Bonner Prosestoren, erklären, die vorgesnndene Blnlmenge sei durchaus diejenige gewesen, ivelche da» erniordete Kind überhaupt verloren haben könnte. Tie -That könne nicht an einem anderen Trte verübt worden sein. Tr. Bauer meint, daß die Diirch'chneidnng des Halses deS Knaben 'mit einem bei Bnschhost vorgesunbenen Schächtermester ansgeflihrt worden sein sann, venieint jedoch die Frage, ob die Berwunditng ein Schächterschnitt war, entschieden. Kreiswnndarzt Tr. N it int i n g Hofs hält das Mester nicht für geeignet, die Verletzungen herbeizusühren. Ta» Mitglied des Mediciitalcollegium» Medicinalralh Tr. K irchgä sser hält ebenfalls da« Bnschhon sche Schächterniesser nicht für geeignet, die vorgesnndene Verletzung zu bewirken. Tie Tiirchschiieidnng.des Halses könne mit einem gewöhnlichen Brot mester ausgeführt worden sein. Ter Thäter sei auch anscheinend in der Fnhrnng de» MefferS nichl geübl gewesen. Ein sogenannter „Ri tualmord" sei nach der Lage der Tinge absolutausgeschlossen Dieser Ansichl treten auch Tr. Bauer nnd Tr. Niinninghoff, sowie die Mitglieder des rheiniichen Medicinal-EdlkegiitmS, Tr. Kirchgäiser, ein be kannler lind angesehener Ehirnrge, nnd Professor Trendelenbürg in Bonn, mit voller Bestsmnttheit bei. Zn der Nachmittagssitznng constalirt der Professor der semitischen Sprachen an der Straßburger Universität, Tr.'Röldele, daß sich weder-im Talntu d »och in i rgend^einein anderen jüdischen GeseNbnche eine Stelle sinke, die ans den „Ritualmord" hindcule. Es sei frivol, iinmer wieder zu bebanplen, daß die ZndenEhristenblul brauchen, zumal die jüdische Religion selbst den Blulgennß von Thieren ansS strengste verbiete. — ES wild alsdann noch eine Reihe von Zeugen vernominen, die znin Theil gesehen haben wollen, daß der ermordete Knabe in die Buschhoifsche Wohnung .gezogen worden sei. . . . . — ti. Znli Tie wichtigste Aussage in der hentigeu Vormittagssitzung ivar jene des Bürgermeisters Schieß zu Tanten. Tieier bekundeteans Besragen des Präsidenten, Bm'chbost erfreute sich eines sehr guten Lenmunds; er sei weder jäbzornig noch rachsüchtig, sondern im t^egentheil ein gntnintkiger-Manii. — P> ä s i d e n t Gestern haben uns mehrere Zeugen gesagt, Bnschhofs sei auch ein sehr reeller Mann, er habe sie beim Fleischhandel niemals nbervorlhci»; können Sie da» bestätigen? —^ Zeuge: Soweit mir bekannt, kann ich dies Zeugniß durchaus bestätigen'. — Präsident. Bnschhofs hat sich einigo-Tage hindurch bei JKnen mit dem Elluchen gemeldet, daß Sie ihn verhaften sollten. — Z fuge' Za wohl. Bnschhofs kam einige Tage nach dem Morde zn mir und sagte: „Herr Bürget meiner, ich kann es nicht mehr aushalten, ich werde von allen Seiten de« Morde-s beschuldigt, bitte, verkästen Sie mich." Zeh antwortete dein Bm'chbofi, ich könne das nicht thun, er müsse sich eventuell an die Staats anwaltschast wenden. — Präsident: Machte Bnschhofs den Eindruck eines Schuldbewußten? — Zeuge: Das kann ich nicht lagen; er machte jedenfalls den Eindruck eines Verfolgten. — Vertheidiger Fleischbauer: Ich richte an den Herrn Bürgermeister die Frage, ob Z u nke r in a tut am Tage nach dem Morde zu ihm gekoinmen ist und ihm gesagt hat: „Zch kenne den Biörder, das ist nieinand Anderer als der Jude Bnschhon: die Zndcii brauchen Ehristenblnl. das weist ich voit ineinem Sohne, dem Toclor." — Zeuge: Das ist richtig.' Zunkermann kam am Tage nach dem Morde zn mir und sagte7^„Jch kenne den Möider: das ist der Znde Bnschhofs: die Juden hrau'chen lThristen blut, das loci n ich ganz genau von meinem Sohne,, der Arzt ist." — Präsident: Jnnkermann, was jagen Sie dazu? Zst das richtig, was der .Herr Bürgermeister sagt? — Junkermann: Ter Herr Bürgernieister wird sich erinnern, daß ich am Tage des Mordes zuihm gekommen bin und gesagt habe: „Ich habe ans zwei Leute Verdacht, zunächst auf K nippenberg." Ta antwortete mir der Herr Bürge,ineister: ,,^as glaube ich nicht, Knippenberg ist ein viel zn gnlmüthiger Mensch." Daraus sagte ich: „Zch habe noch eine» zweiten Verdacht, aus Bnschhofs." Da versetzte der Herr Bürgermeister: „Za, daran haben tvir auch schon gedacht." Etwas Andere» habe ich dem Herrn Bürgeimeister nicht gesagt, von einem Ritnalmorde habe ich nicht gesprochen. — Präsident: Herr Bürgermeister,, ich bitte sich hierüber zn außer«. —