Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 13 (3.7.1892)
- Date
- 1892-07-03
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 76% known words query
- IRI
…/4886575-5439132-5439205--0140-4886691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
r Nr. l:l. Freies 1? ( a 11. rrtlc i. Aus antisemitischen Oereinen und Oer- , sannnlunaen. i (3am Turchsall beim „goldkncn f'iidjfcn". i Nufere ,.fqciiimiiptn Social* | cemckrateii" vom „goldene» wuchsen" »lüssen bei'den Arbeitern einen recht j . üble» Eintrutt hiiiierlassen baden, und dir von fncger angcdroble „Vereinigung! wider Willen" sieht wohl noch im weiten Felde. Tie „Arbeiterzeitung" ipricht dieS sehr unverhohlen auS, indem sie die Herren Anlisciniten fragt, ob ne Vuft hätten mit den Socialdeniokraten anziibiiiden? »Wir haben unsererseits die Heire» bisher ziemlich links liegen lassen," fahrt daS genannte Blatt fort, „weil wir in Geduld warten wollen, bis dein Kleinbürger von der ökonomischen limn'iitimig etwas Bernunsr eingevaukt worden ist. Wen» aber Herr fneger durchaus auch den .Arbeilerstand' zu seiner Fahne bekehren will, so miüze er in öffentlichen A rb ei «er versank inlunge u seine fehlrn vertreten, die i Redefreiheit in unsere» Bersaniinlniigen garamire» ivir ihm und eben>o eine - gründliche Antivort. Radau gib'.'s bei »ns nichti aber ehrlichen .'lanuif. .Will der Herr Gras ein Täuzlein wagen. So mag er» nur sagen — - l Wir svieie» ihm ans!"' Vül'fn wir s den Herren nicht gleich geiagt, die Forderungen der internationalen! Seeialtemokralie seien lei». anliscmiliicheS -Svielzeug i Was nnn, ivenn das Schießgewehr losgehl > Tic „christlich sorialc" Agitatiou iu der Provinz.) Borigen Sonniag baden die ,,l5hristlich Socialen" in Mir; man»-; bei Fnaiin sich versainnieli Ten Vo'.sil? ltihrte ei» drvrobler TurchfallScaiidibal, der Fnainier Bnchdruiler Ravraiil. Sei Schittialsgenones Adam Traberl aus Wie», »nach im Freien über die Goldwährung, und .eS übl einen nnwiderstehlich komiichcu Eindnul. wein: da» „Bolksblalt" allen Ernstes lchreibl: „In glanzender und überzeugender :>icti >evle Herr Traben die schweren Folgen der Goldwährung insbeiondere 'Nr den Baneinstand »nSeinanter, und zahlreiche Zurnfe wahrend und ein ' -nui'chendcr Bei'all am Schlüsse seiner AuSsnhrnngeu bewiesinr mit tvelch nn geiheiltem Fiilerrn'c die Znhörcr der Rede gelauicht und wie iehr es dem Redner gelungen war, diese so schwierige Frage-dem Berstandnisse derselben l:abe zu bringen." Rachheif kam Herr Gestmann zu Worte. Aber es baue ';i! tegne» begonnen, und er musste in einer Scheune sprechen, wo er sich daraus verlegte, die iroisiniiigen Abgeordneten überhaupt, und namentlich den Vertreter des BeziikeS im ReichSrathe, Hübner, bei den Bauern anzuschwärzeu. Wie ans Brünn berichtet wird, sollen die anliseuiilischen Umtriebe teinnachst duich eine' energpche tKcgenagilalion bekämpft welden. 1 ijfiorObtutfdjcr Vlntifcmitcntag.i Ter vom deutsche» Antisemilenbunde für Soniztag de» Sii. Fnni nach Berlin einbernsenc »orddeutiche Anliseinilentag nahm ans Vorschlag des ans Rußland iinportiricii Soldkchreibers Bachler eine Reihe von „feilsävei," a», nnd zwar: 1. Tie antisemitische Beweg»ng ist die iolgerichiige Ergänzung des deutschen EinheilsgedankenS. 'Rachdcm! dieser zum wesenilichsten Theilc in der Wiederaufrichiung des Teulichen Reiches s seine Vetwirllichtlng gesunden, nnd nachdem durch den Zusammenschluß der deni'chen Slainme die Sicherstellung deS Vaterlandes gegen äußere Feinde px inoglichr worden ist, nnißle als die zweile Aufgabe die Reinigung unseres Vcllslhpms iinFnneril auslrelen. 'S. Tie Ansicheitung der Semiten ans allen einflußreichen Stellen und Plätzen unsere^ staal lichen, wirihschaftlichen und geistigen Gebens zu crziviilgen, ist somit die Pflicht > eines jeden Angehörige» des denlfchen Volke», gleichviel ivelchem Stamme, welcher Partei und welcher kirchlichen Gemeinscha'l er angehöri. -'s Ter antisemitische Gedanke kanii deniuach nicht ausschließliches Eigenlhnm einer einzelne» politische» Partei sein, sondern, er ist berufe», das gemeinsame Band zu bilden, welches jainnitliche vaterländisch gesinnten Kreise und Parteien unseres Volkes, zu uinschlicßc» vermag. E» sind deinnach alle Einzelveretnigungen, irclche de».stampf gegen das zerievdndc und valerlandslose Fudenthnin i» onener Weste. an!»eh»ie» — mögen sic der eoniervalive», der christlich Halen oder denstch-'veialen, der anlisemilischen oder kalholischeii Volkspartei angehören — als gleichberechtigte Glieder der antisemitischen Bewegung auzuerkennen: -- Aus Be'ü^uß der Versammlung wurde ferner an Kaiser Wizhelm II. nach jiie, ein .Begrnßungs und ErgebenheitStelegranim abgefendet, welches unterzeichnet war: „Fm Aufträge des ersten norddeutschen Antisemitenlage» der: Vorstand." Fn der HuldigltugSdepesche heißt eS: „Ew. Majestät sind, wenn wir den Geist der Weltgeschichte richtig zu begreifen vermögen, berufen,t das große Werk der Einigung der denlschen Stämme und der Wiederherstellung eines reinen nnd christliche» deutschen Volkslebens, welches Werk unler der rnhnwollcn Führung unserer beiden Heimgegangenen .Heldenkaiser (Kaiser Friedlich wurde seinerzeit von dieser Seite als Lohn I. verhöhnt!» so herrlich begonnen wnrde, »:i: starker und gerechter Hand zu vollenden. Daher bitte» Eiv. Majestät wir, r-n uns das heilige Gelöbniß enigcgenzunehmen, daß in jeder Sliinde der Ge-alir. in lebem Kampfe für Ew Majestät Thron, für die Größe und Ehre mme-J Vaterlandes, für die Reinhaltung unseres Volkslhums und für den - .bub ehrlicher deutscher Arbeit wir Ew. Majestät folgen werden ohne Weichen und Wanken mit deutscher Treue und mit deulscher Kraß." Tie Frechheit, ivelche i» der Absendling dieses TclegranimkS lag, kam n»i w greller ziiili Vorschein, als unmittelbar darauf ei» Protest, gegen die Verba -tüng A(i::v r dl s "be schlossen nnd diesem „kür 'ein inannhalles Verhalte»" Tanl'ui.d Ar.e:Ir»,»l»g anSgedrüctt ivurde. Tie Versammlung geiiehniigie auch eine voii.Kail Paasch verfaßte Eingabe an. den Bundcsralh, „niwciznglich" eine Ueber'el>u,:g. des Schulcha» Aruch zu veranlassen. Schließlich ivurde ein Antrag eines geivifsen '' Kretzer ans Eharlollenbiirg angenoinmen, der seinem Fuhalle »all, den erittcu der Bachler'schen Veitfäl«e weienilich modincirt. Tieier Antrag besagt: Ter nord deutsche Antiieinitenlag erwartet von den gegenwärtigen.Führern 'der beiden antsteinitische» Ei»;elvg»l,sirn lBöitelundfiebermauii,. daß, die-elben rer erns ' diesem Anliiemilenlagc zu Tage getretene,i Eiuiglen Rechnung trage» und das Fhrige dazu beitragen werden, daß endlich einmal dastKeschledeuse,,, dieser beiden Richlungeu a»«höre. Wir stehen ei,um eiiimnlhigen Feinde gegenüber: dem Fudeiilhlli»; eS ist daher nnetläßlich. daß auch wir nur eine Partei bilden. Alle anderen Parteien verfolgen, auch wen» ne sich in legier Feil veranlaßt' geiehen haben, diebrennende ,.Fndei»'rage" in ihr -Vrogra»»» airszniiehin.n. uns gegenüber Sonderiineressen, und ihre antisemitischen Bestrebungen iim nicht ernsi zu nehmen. Wir konimen daher zu deiii Beschluß^ daß nur die antsteiniiiiche Partei berufen ist, unser Vaterland frei;:> inach,» vvni Banne d.s F.identlnuiis, nnd daß unsere Rührer bernsen sind, alle Legenieitigen "Angüsse in der Preise zn vermeiden nnd sich die Hände zu reichen unter der Tevste: „Mi't tSott iür Kaiser und Reich gegen Filde»!" Ans die aizisteuiilischen Atheisten ist. wie die Devise zeigt, in der.Krener'kchen T elgnanon gar leine Rallsichc genoinmen worden. Armer Dübeiiig! g <tviu nntiicinitiiliier- 'Stäanöcr 1 dircr. ■ Ein wegen nowri'che: TiNiiteiiheit .enNasiener Pastor, ein sicherer Tr. Tanneil a»^ Biele'eid, zieln in den theiilländischen Trlschasien als Wanderlehrer des Aiilisciniiisinns Linhee niid ivill ri,e deutsche» Fnden »ach Kameriin verbannt winei:-. Fn Kol», ivo er ebenialls einen mr den tsejchmaik des Pöbels zizbereiielen Vortrag lif-Ii, argerle er ii.h iiamentltch'darüber, daß Fnden auch Arineitpsleger seien. Mehr noch a(s ander ' wärl», bdnicrlen rheinische BiailerE war in Köln diesir zur Schau getragene Aerger über jüdisch" Arineilvsteges übel angebiachl Tasilbst verdanken das Kinderhospital unk andere Psohltliaiiglensa»stallen ihr Entstehen der Feeigebigkeil wohlhabender indischer Bürger. „Eriolge" erzielte Tan,teil »aiNentlich in Dörfer» Als eine Frucht der jetzt int-Rheinlande betriebenen Fndenhcve ist auch folgender Vorfall anzuleheii: Fn der Rächt vom ll. au* de» 7 Fnni iviirden au', deni Fwüchen den Dörfern Beelbiirdiiek und Heminerde» gelegenen jüdische«' Friedhose sämintliche n>rabslcine an» der Erde gerinen' nnd znin Theil in Slüite zerschlagen. Ten.Er Pastor, geniren Eerlei Vorhalle nnt>: 1 4 Aus antiffmitiidvn blättern. tHerbst und — Haiiiburgcr. > Wa» wird nicht Alles dem „dnmnie» Kerl von Wien" geboten! .in dem Voltsblalle" des zngercislen SvleeerS wurde am T'-t. Fn»i Eduard Herbst / der ehemalige. .instsziüiiiistcr, hcrvorragende Strasrechtslehrer und berühmt,:' Pnrlainenlarier, mit dem vor einiger Feit ver storbenen ätilisemitischen Agitator und Gemeiudcralhe, dem Elavicrsabrilantei« .H.rrn Karl Hauibnrger vergliche^. Das t'eichenbegängniß Hambnrger'S sei inivosanier gc,ves<» alS das Her bst's: E>ic»ei habe ja lüß eine „rolriitche Eligne^ jener für da» .'.Volk" gewirkt. Es ist ofsenbar ans Ver-kiiiniizung des z>. t! Pilblicnins abgesehen, ivenn man -derlei V.ütgleiche znün nnd eine,: Maitn von europäischem Ruse geringer larirt als eine/Fignr „vom Goind", deren Eristeuz außerhalb eines kleinen .Kreiies nieiiials/b,tannt war Fn den Angen Ver »üniliger macht man denienigen. welchen inan auf solche Weise - vielleicht auch aus Rüilsicht für erkenniliche Hinterbliebene -Hdochschäbe» ivill, nur tächerlich: allein daS genirt die Fiitividlien nicht, welcheans dieser Art „Ans klärnng" Votiheil ziehen. ' . iFn siiianzieller Bedrätigniß. An. alle i'Eiiossen ive.üdel sich die „Tst deutsche Rundschan" »in Hille. Sie llagt daniber, daß alles Mögliche unre^ stnchi zverde lind inan nur ihrer veiKzesie. „Fliianzielle Bedrängniß," schreibt das Blättchen, „zwingt uns, Feil und Kraft stall nuierrfi eigenllicheir Ausgabe« stets de» Bemnhuugeii zu widinen, diirch Hereiiibrii/gnng ausstaiitiger ' BezugSgetder von Woche zu Woche das Erscheinet! des Blalies zu rrmögliche». Wir scheue» uns nicht,, es ga»; oste» lierauszu'agen, daß lms dies mehr und mehr zuin Ekel wird n»d aus die Tauer uuerirügliäi dünkt. Wir sind bereit, gau; und voll jiiit alles» imirren Krüsteu Uii'ere nationale Pilicht zu trflitten, gelbst tveuli dies de» Verzicht aus iitaucherlei' bedingt, was'das febril aligeuehiu machen könnte, t-lber dann dms man uns auch nicht im Stiche lassen, nicht ruhig zusehen, ivie alles selbstlose Mühen an . der fanheil nnd Kargheii gerade derer scheiierl, die isiil dem Rergeln lind Krilisireir am allerrg'chesten bei der Hand find. Wir glaube,, — iliid nicht sur Anmaßung n,>d Ueherhebnug Hillen wir es zu halten, wenn ivir's 'rank nnd frei erklären — wir glauben, daß eskannl ein Eriolg unserer denlichnaliviiale» Sache, ivoltl aber eine srrndige Ueberrasihmig für die Fnden wäre, ivenn die ,,'T stden!ak,e R.indichan" zu bestehen anshörle, nicht aus Maugel. an feiern-oder Ahnehinerii, deren Fahl j wenn Alle pünktlich Zahlung trifteten, den Bestand vollständig sichern 'würde, louterii weil ein zn großer Theil der Abuehiner oft durch geraume Zsil mn dem Bezngseelde im Riiekstande hleibt." Taß >o ein Antisemüenorga» sich häufig