Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 13 (3.7.1892)
- Date
- 1892-07-03
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 13- Freies Blatt. eile!>. Bezugnahme auf den frühere» Erlaß die Gemeindevorftände auf, durch entsprechende Belehrung dafür Sorge zu tragen, daß die Bevölkerung sich, was den Werth des Geldes anlangt, weder von einem Inden . „och von einem Christen beirren lasten möge. (Förster und Ahlwardu) £cr antisemitische Agitator Oberlehrer Paul Förster hatte bekanntlich in einer öffentlichen Bersainmlung sich zu dem Aussprüche hinrcißen lasten, er könnte im Ernstfälle eine mit Gewehren aus dem Etablistcment l'ocivc bewaffnete Compagnie nicht in den Kampf führen und müßte deshalb um seine Bcrab« fchicdung als i'andwchrosficicr cinkommcn. Wie nun aus Berlin gc- .meldet wird, ist in Folge dessen dem Oberlehrer Förster, ohne daß tr, darum nachgesucht hätte, der Abschied aus seinem Militärvcrhültniß enlicilt worden. Gleichzeitig ist in Berlin die Wicdervcrhaftung jenes Mannes erfolgt, den: Förster den Berlnst des Ofneicrscharaktcrs;n verdanke» hat. Rector Ahlwardt befindet sich »cuerdings unter schloß und Riegel. DaS Kammcrgerichl hat nämlich den Beschluß der. Slraskannncr, wonach Ahlwardt gegen eine Cantion von 10.000 Mark neulich auf freien Fuß gesetzt wurde, aufgehoben, so daß die Wiedersestnahmc unausbleiblich war. 3» Berliner Gerichtskrcisc» verlautet, daß eine nochmalige Entlastung nur gegen eine hohe Caulion, welche aus 5,0.000 Mark geschätzt wird, erfolgen könne. ,Lchamloscs Trtllicn.) In Rr. 12 des „Freie» BlattcS" vcröstentlichlcn wir mehrere Kundgebungen gegen daS schamlose ^reiben der'Berlin er Antisemiten bei Bcrbreilnng ihrer den Anstand gröblich verletzenden Hetzschriften. Ter Bericht über die Berliner Stadtverordnetenversammlung vom 23. Juni, in welcher dieses Treiben zur Sprache täm, liegt uns nun vor, und wir entnehme» demselben folgende sehr charakteristische Momente: Bo» ecu Stadtverordnete» Tr. Friedemaun und Genosieii iit ein A» traii gestellt. bclrcneud die Perhinderung der Belästigung deS Pndlicnins durch Verbeilen schainverletzender Schrislcn aus den Straßen der Stadt, v»d Stadt vcroldvclcr Tr. Schwalbt beäMragi, diesen Gegenstand als eiste» auf die Tagesordnung zu setze» und zu verhandeln. Rachhcm die Versammlung hiezu ihre Zustiiinnung gegeben, uiinim Stadl- - reioidneler Tr. Fried cm an» da» Wort zur Begründung seines Antrages, .zunächst müsse er dem Frrlhni» begegnen, als wolle inan die Agilalionc» einer geivine» Partei lahmlegen; zu diesem Zwecke habe man noch nie die Hilfe dcr Polizei angcrusen, obgleich die wüsteste» Agitationen i» de» Slrästen statt-' »äuden. Weil» gesälschte Tinge aus den Straßen feilgcbolen würde», wie - beispielsweise der Talttindauszug. dem christliche Theologen und da« Gericht bereits das Biaiidinal dcr Fälichnng ausgcdrüctt haben, so »löge die Partei welche diese Tttlgc vertreibe, die Bclanlwortunq trage», sie charallerisire sich d,zd»rch selbst Wenn cS aber so weit gehe, daß Frauen und Slindcr die Straßen - und Plätze nicht mehr 'paisiren könne», ohne durch daS Ausschrcieii von n»siit lichen Schritten insnllirt zu werde», da»» fei c« wohl a» dcr Zeit, zur Ab wehr z» schreite» Einige Blätter hätten tie Polizei in Schutz genommcü, beiPielsweiie die „Post" und natürlich auch die „Staatsbürger Zeitung". Es ,recke behauptet, daß der Fnhalt dcr Broschüre gerichtlich geprüft »nd derselbe dann zu einer Bcschlagnalmie leine Beraulastnng gegeben habe. F» Folge dessen diirfe die Polizei den Vertrieb auch nicht verbieten. Tarum handle es sich gar nicht. Wir gönnen, sagt Redner, den pcuten ei» solches Agilalionsnii.tel. twn dein zcker anständige Mem'ch sich mit Ekel abivendct. Hier handle cs sich um die Innnte», um das Brüllen der Ansrnser, daS in der Rähc von drei Gymnasien geschieht, und zwar unter' den Augen der Polizei. Ti.se Art und Weise der' Verbreitung sei grober Unsng. Tie Polizei sei bernsen und verpflichtet, iolchem Unsug enlgegcnzulrele».. Tiesc Pflicht habe die Polizei nicht ersüllt, obivohl sie ihr oblag. Wenn ein Schutzmann einen armen Mann gewahrt, dcr einen Asse:: lanzcii läßt, so iveiie er ihn fort mit der Begründliüg, daß es giober Uiifug sei Tie Tnlduiig der Polizei gegen die Ausrufer dcr Truckschriften fei um so eigenihümlicher, da gerade i» jetziger Zeit die Regierungsorgane bestrebt seien, sich der Silllichleit und Frömmigkeit des Volkes ganz besonders anzunchnien. . Man solle nur an die »besetze dcr ZonntagSheitigung, an die Maßnahme» gegen die Zuhälter denke», wolle -inan -doch die Uebersetznuge» Paul de Stocks ver-.- bieicu! lind nun wolle inan diese» Schmutz dulden? Es lasse sich-nur dahi» ei klaren, daß der Polizeipräsident keine Aenntniß davon habe, i'Jia! Ralf Test» , meist habe die Siadtvarwallung die Pflicht, ainzuschreiien, denn ihr liege nicht nur ob, das pccuniüre Interesse der Stadt zu ivahren, sondern auch deren Silllichleit. Er erwarte deshalb, daß der Magistrat Schrille ihn» werde, diesem llnsng cittgegcnzulreien, eventuell müsse man sich an die allerhöchste Instanz ncuden, die cs von jeher als. ihre schönste Ausgabe aiigesehen hat. Sille und . Anstand im Volke zu wahren. Bürgermeister Zelle erklärt, daß der Magistrat vollkommett mit den An sichle» des Vorredners cinverstande» sei.. Es sei bereits ei» Beschluß »ach dieser Richtung oii, gefaßt, es soll^ nicht nur dem von den Antragsteller» gerügten Unsug, sondern gleichzeitig einem andere» Unfug gesteuert werden, nämlich demü'ügen, der sich durch geivinePlacate an den Anschlagsäulen kennzeichne. (Bravo!> Stadtverordneter Singer spricht gegen den Aimag. Materiell.sin auch >r mit den Antragstellern cinverstanhen. Ec iürchle nur, dag tie in Aus» st: genommenen Maßregeln, nichts srnchle» würden. Er werde über dze An, in der dem Piiblicum die Schrislen angeboten werdcii, lein Won vertiere.» .l eer an ständige Mensch müsse sich >nit Ekel von diest-m Treiben ab.venden. W :>» er ' trotzdein dem Anträge nicht znstinimen könne, ko geschehe es, weit liier io hohe Interessen in Frage kämen, daß man nicht so nebenher' die Polizei in Ampen,k, nehmen solle. Wenn in Berlin oder in Temichland ein M-n'ch e»,wagen würde, von den Schändlichkeitcn und Genicinheiien, die dein Iudenlhnin dlirch die Anschlagsäule» vorgcivorsen würden, ailch nur den tausendsten Theil ccm E nistenlhiiin zu impnliren, es würde nicht Staatsanivattc genug geben, um solche Verbrecher beim Schopfe zu fassen. Ties sei der Siernpnnli. und 'er.glniöe »ich., daß es angczeigt sei, gegen die armseligen Peine, welche von der Verbreitung der Schriften leben, die Polizei anzuriiseu. Es seien kies dieselben pe.ne,'welche srülier die „Tribüne" verbreitete» und ein anderesinal die „F- -eisinnig-- Zenang". Man solle doch nicht dar hohe R 'chl der Preß'reilieit ge'ähede»,. inrein inan gleich »ach dcr Polizei rufe. Wenn das Voll es sich gefallen laue, io -charangluri - zu iverden, so könne leine Macht der Eide etwas daran ändern, ans wenigste» die Polizei. W:c unaugenehin lind üa/zlich es auch ick. Tamen »nd 'linder mit solche» Ilnslätigkeiten in Berührung—;n bringen, cs sci-nnn einmal eine Bliithc der Sinnpk ,„,d Mistpstaiize,;n der dcr AnlistiniliSinns angeivach'en iei. Hiev stelle nur rin Mittel: jeder müsstin.'einen: .'tceste die Uustllu.chl it und Schändlichkeit deS-Äiili'cniiljsuinS.nachweie-i. Er wolle gleiches R tu für Alle und wünsche nicht, .daß die Preßstelheit noch niehr unter die Tzecaiur der Polizei gerathe. . Stadtverordneter.Ba rl h ialwi anS, daß er cb-»'o irie dec Borrecner gleiches Recht jür Alle wolle.. Tie ganze Sache stabe aber mil ker Preß-reiheil gar ilichls zu lb»n, spndern es handle sich ta-nn,, einen elelba'len, Annoß ecregendc». klnfng zu bestutige» Wenn >ei»:ud sich in »mnisrändlger .stleidnug aus der Straße zeige, io werde cr nnl Fng und Recht arrctirl Ebenw sei es zpcrbolen, Nuralk ans die Straße zu ichünen. 'hier handle cs sich nui geistigen Unrath, um die üü-chciiabsätle ans der an li >ci» i ii' che n st üche. Er . hone, daß der Stadtverordnete,Singer sich.bei nochmaliger Prinnng den Antrag.' stcltern anichließ»» werde, n>n den sich nielich.» Ilnrath anzc den Straßen Berlins z» beicillge». ' . Sladtverordnrler Bortinai.n wiederholt die von den Voricdiiecn gerügten Mlßstände und bedauert nur. daß der Magistrat nicht i.chon langst Veranlassung., genominen char, deni'Volizeiprästdiinn o'steiell von. döm ivüste» Treibe» 'lenntniß zu gehe» . ' - Stadlverordneier Preisel >v>U aus dcü Worten S.»g r's Verniiglinipstinge» drs Ehrisleiilhnins l,era»Sgesii»den haben,'ivo.zegen^er sich verwahren in.iss-. Er habe irdoch leine Veranlassung! für den „'peeisi'cheu A.ilise^nilismnS in der Fried!ichnraße" eiiiziilreien. Sladwerordnclcr Tr. Friedrmann erwidert, laß dcr Stadlvero dnrle Pretzel eine alld Regel der Antiiemilen befolge. 'Werke man denselben Nitre in lichte,t vor, >o heiße es: „Fa, das sind andere Ailii'einiie» als wir!" ,Heiie»ke».» Bei der Abstiiiimung wird der Antrag, mit alten Sttininen gegen die der iorialdemokralistchei, Partei angd»o:n:nen. . . „Talnmd-Allsznls.") Seil einigen Wochen verbrelien die Antifemiten ein Ftugblan „Talmud Auszug < Schnlchan Arnchdas in' den schwerüen Anichnidigniigen gegen das .luiviitlnn». und seine Bekenncr gipfelst. Ter Fnchall ist io niigehenerlich, der Ton. so brnta. daß nnch minder Unlerrichtcte über die Unziiverlä'sigkeil der angeblichen Ciläle ans dem jüdisch.'» Religionsgeietz.' leinen Zweitel hegen tonnen Wie nnzuverliifsig dieselben sind, beweist ein t^egenslngbkail, das'Tr. H Hildesheimer, Herausgeber d,er „Füdi'chen Presse" in Berlin,- soeben unlcr dem Titel „Ter echte Talinnd'Auszug Schnlchan. Arnch " verötscilllichl. *) Wie derselbe betont,' iü der sogenannte anlisemitiiche'„Talmud "Auszug" eine „nied^lrächtig schamlose Fälschung", und zwgr nichts Anderes als eitz Rachdruck des „Fndenipiegels" des , „Tr. Fnsliis", der von chrinliche» f^eleha'len wie Professor Tr. Fr Tclitzsch, Profeüor Tr. Tv. Röld.eke -Slraßburg' im Elsaß).: Professor Tr. A. Wünsche , Tresden, als ein „eiendes Machwerk von niederträchtigen Fälichnngen und "Berdrehnngen" getennzeichnel worden in. Und >ver ist dieser „Tr Fnstus"? Terselbe heißt eigciillich Aron Brims», isl, nachdsm e-d seine Fra» und zwei'Kinder in der Heimat im größten Elend verlasse» halle, zniu. Proleslanlismus, zw.: Monale l'väler znm Kalhokicismus nbcrgelreren und ivnrde nili t>. April!>>!.'> vom Wiener Vandesgerichl wegen Urlundenialschniig rit zwei Mönaten Kerkers' und Vandesvcrweisnng vernrtheili ' Zu allein Ucberfluß hat dieser C'hrcnmann in einem mil Approvalion des Fürst Crzbischots Tr. Cd er von Salzburg hcraiisgegehenen Buche „Tic Kabbala" erklärt, daß die gesamuiie äittiieinilische Talinnd Ofelehrsaiu -i Tat Flugblatt «vier Folioserren. ist durch die Erpediiion der „Zücischcn Prest'e" i'Berlin znm Prei>e vöst- .'> Pia.. >nr I Stück, "f't Psg. zü: .R> Stück, 3 Marl für l«tt Stück. M.;rt 'ur 1""' Sriül' z:> bezicden. I