Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 13 (3.7.1892)
- Date
- 1892-07-03
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Freies Blatt. ITr. 13. man sich unwillkürlich, wann und für wcn kann noch der christliche Geschäftsmann arbeite», wenn die vermögenden bereits Alles beim Juden kaufe»! freilich befinden sich in den mit dem Hanfe Bismarck verschwägerten Kamillen Mitglieder der Judenschutzlruppe." Welches der dem «Bolksblalk" „gebührende Posten" ist, scheint Kürst Bismarck aber in der Thal rechtgut gewillt;n haben, wenn er damit auch dem „christlichen t^ichäiksmann" P>r-gani einigermaßen wehe that. Mildernd -iür diesen Ausbruch von Tollhäuslerei kann nur der Umstand iprechen, daß man in der sinken Bahngasie in jener -stunde vielleicht schon von der leiden, aber womöglich noch schärferen Vcction wußte, die Bismarck Len vaterlandslv'en dentichnationalen Antisemiten am Vinter Babnlwie erlbeille. Tr. Beurle halte sich nämlich dort au Bismarck berangedrängl und ihn als den „Begründer des deutschen Reiches" begrüßt. Bismarck erwiderte: „Lagen Sie doch lieberden Begründer des denlich österreichischen Bündnisses", worauf Tr. Beurle verlegen stainiuclie: „den auch! - den auch!" Merkwürdigerweise fügte es sich, daß diele Worte Bismarck's, die von Allen gehört u ird vollständig gleichlautend wiedergegeben wurden, einzig und allein dem Berichterstatter des „Tenlichen Bolksblaties" „leider" entgingen, „da er. dem, Abiabrissignal folgend, bereits seinen Waggon bestiegen liatie". Oitut hätte das „BolksblaN" den Wortlaut dieser „bnldvollen Anivrache" bis;et?t allerdings mit leichter Mühe seinen Veseru' nachträglich niitlbeilen tonne». Begreiflicherweise ließ es dies schön bleiben. Tags vorher battestch tieies Blatt noch ein .^ehrlicheres" .Husarenstnckche:: geleistet, indem es nämlich ans den ...Hamburger Nachrichten", dem betanyien Bismarck Blatt, ein vaar feilen hinausichnihelte, welche die Parteinahme Bismarck s iür die Tniniilluanlen in de»e Wallnerstraße und .gegen die Polizei beweisen 'öllien. Schade, daß daS-frouime Anti semiienblail nicht den gangen Wiener 'Ariitel^der ..Hamburger Viachrichten" abüruckke:. da wäre es denn auch ans die schöne 2 teile gekommen : .. T ie Borgänge, welche sich am I lg Nachts hier abspielten, und die V valionen für den Kürsten Bismarck muß mau strenge anseinanderbalien Tie''e be d a ne r 1 i eil e n E?eig » iHe haben mit d e r;’i nltinit d e S K i: r st e n Bi s m a -r ck n i.ch I s g e m ein, als daß die letztere für die k e n t'd) na ti o nal antisemitisch e Partei, d i e sich'durch Zuzüge ans den benachbarten Va i'.tst s. d t e n verstärke baue, den Borwand ii I einenst i -:, a n e n bildet e. w i e f o l di e a r.'d) f r ü h e r >' d> o » i n W i e n r oi ae fern inen i ind, in:;; w a r als h ö d> st unliebsame Begleit e r' d) e i n n n g : n der ganz lBonders -.erfahrenen, verworrenen nnt verbitterten Barleiveihatt-nisse in Wien und Viiederösterreidj" To Las v's-,stelle Bismarck Blatt. Ti. Wahrheit versd)weigen, die Wahrheit cuistellen, idiamlose Vügen ersinken kann aber nur — die „Knden- 4 * vrei'e" (yiilf nmcrifnitiidie Stimmt.—'tiine? der angesehensten Mitglieder der Wiener ‘cmei11E> -uavtiatuli^ eyliielt vor einiger' Beil ans Neu- B-ort ii»e mit „Gleichheit" nnierzeichnete Postkarte, iveld>e eine i'ebr sreiMiithige, aber mit Riicksid>t ans gewisse edn anicr,tanisd>e Terbheiten nicht ganV r'evrodnciroare vitit der antisemitischen.Heye im Wiener ^'.'ineiuderatlie enthält Mit Bezug ans die bekannten Scandal seen.'ii, wie sie im' heurigen Krübjabr in der >->'emeindest»be an der Tag.'sordnnng rvaren, fährt ,">steid>h-?il" -ort: .Es ist eitle Selb» läusdtiing :n' glauben, daß tausende ron Amerikanern >ud> Wien zur Biiisitausstellnng. fahren werden, da es in den.Bereinigten Staaten rnr «''euiige bekannt ist, welchen '"efahren und Kni'ulien hochachtbare Bürg»»' indiidien tvlaubeüs dort auf jeden Sd>rilk ansgesehl sind. In New-Bork mit Brooklmi leben n. A mindestens fiOOooo Ksraelitcn mit der christlichen Bevölkerung i» größster EintradN. Ein <>'regorig und Anhang wurden liier schonungslos folgt die Bezeichnung einer echt anrerikaniidien Radicalcur itir i'oldie, die von der Seelenpkst befallen und - — — (.'Hetdibcit." Alls ','lrbcitcrfrciicu. Man schreibt uns: Wenn'eine Handvoll Eoiunus. .Haiistnediie oder <vcfcllcit als lila'aue in eine der Bcliamm imni n ..christlidi socialer" .'»'roßen dclcgirl wird, i'o gefallen tid) die Autn'en.ntenorgaue darin, ro:i „antit'emiriidicn Arbeitern" zu faseln. Wie :::::: rb.'i in Ärb-eirer-kreisen denkt, zeigt jede ruirflidjc Arbeiler- »eriam:::.'o auch neuerdings die am 20. Kuni in Okablitz abgehaltene M a n r ' r r e r i a m m l u n g, die sidi in der allerenlfchiedensten Weu'e ' die annsemiiiidh.' Berhetzuug antn'tnad). Tic eliebnen roaritten r,". den Vockru'-en der Antisemiten, deren Ziele verderbliche seien. I ie''e H!vo.,:n ::e Augen des bethörlew Bolkes ausschließlich' aus „B'.'g-eri" -riditeu. :-:i: d.stc ungestörter und sicherer ihr«.nitsaubereu Plai'-e r '.'elgen;>: ko>:::::: T as wjvde ihnen aber nicht gelingen, den» die A:l.::-.r seien : 'rot: ..'.'eisioneller und-nationaler «vehässigkeit lind b "adtteu a..: Men.'ch'i: als gleichberechtigte Brüder. Bei wirkl:1"ii A-b.ntern "...de.: >'ch Vueger nr.d Schneider jederzeit rimsonst. I:''ck'.> ä-e:: —ne (Ter Kleißzettkl.) Am 28. Juni fand im Saale „Zur goldenen Rose" in »Nußdorf eine, jener sattsam bekannten antisemitischen „Wählerversammlungen" statt, ' in welchen sich die gewiffen Herren aus Wie» die antisemitische .Heye unter die ländliche Bevölkerung zu tragen befleißen. Lueger, der bei solche». Anlasse nie fehlen darf, hielt wieder eine lange Rede und stellte sich schließlich einen Kleißzetteb aus, indem er sagte: „Kleißig sind wir,- wir gehe» überall hi», um das Volk — sage» mir — zu verhetzen." In der Bersammluirg zu Nußdorf soll dies große Heiterkeit erregt haben, Nun, die guten Weinhauer der U)»gebn»g von Nußdorf, welche allen Ernstes de» Antisemitismus als einziges .Hilfsmittel gegen die Reblaus änsehen, sind eben »och sehr naiv und hielte» Vueger's Worte für eine» der viele», guten „Gspaß", über dis der leutselige Bolksvertreter jederzeit verfügt. Hier in Wie» hat man jedoch Anlaß, anderer Meinung zu sei» »ud Vueger'S Worhe ausnahmsweise einmal ernst zu nehme». Wir habe» Beweise von dem „Kleiß" jener .Herren und hatte» erst »euerlickj wieder einen recht eclaiante» Beweisfall zu verzeichnen. Am letztverflossenen Keiertage, etwa um 10 Uhr Abends, wurde bei der Stefanie-Brücke von zwei Bootsleute» eines VocaldampferS und von einem Sicherheitswachmann cfu Ahiabc ans dem Tonaucanal gezogen, der dem Ertrinke» . nahe war und bereits das Bewußtsein verloren hatte. Ter Gerettete wurde auf die Station der Freiwilligen Rettungsgesellschaft am Stubenriug gebrad)t, wo er alsbald das Bewußtsein wieder erlangte und devonirto, er heiße Vorenz M a l o r S k i, fei der Sohn eines i» der Thurlsgane wohnhaften Sdineidermeisters, fünfzehn Jahre alt und als „Brotbub" in verschiedeneli WirthSloealen im Prater beschäftigt. Er sei Abends von dem Restaurateur, bei dem er Brot verkauft hatte, »ad, Uhr nad> .Hause geschickt worden, damit er nad) vor 10 Uhr heimkomnie. Näckst't der Kerdinaiidsbrücke sei ih»l ein Kellner begegnet, den er a»S dem Prater kenne, auf dessen Namen er sich aber nid)t besinnen könne. T«selbe sei ein Mann mit sd>warzem Schnurrbart und habe ein dunkles Jaquel und sdzwarzen runden, steifen Hut getragen. Ser.siellner habe ihn'überredet, ihn zu begleiten, und sie seien längs des Toiiancanals gegangen. Schließlid> habe der Mann ihn unter die Sie'aniebrücke geführt, ihn dort plötzlick> am Arm gefaßt und gesagt: „Tas (''clb oder das Veben!" Er fei vor Schrecken ganz .gelähmt -gewesen, der ötellner.-habe ihm hieraus die Sd,uhe von den Küßen gezogen, die Geldbörse aus der 2a|'d)c genommen, habe sich den ’ in derselben befindliche» Geldbetrag von I fl. 20 tr. angeeigiiet und ihm hieraus mit den Worten: „So, da hast dein Geld wieder!" die leere Börse in die Tasd>e, gesteckt' »ab schließlich ihn mit eine», Stoß ins Wasier gefdileudert. Näher über die Person des.Attentäters ch»d über dessen Änfenkhalt befragt, sagte Ma-Iorski in - bestimintem, feindieiigei» Tone: „No, .wo wird er wohnen, 's is a I n d, in der Veopoldstadt und Keigl oder -Keiglstock^ haßt er." Tie Aussage» des Vnaben »iad,ten aus die Kunctionäre der Kreiwillige» diettuiigsgesellschast den Eindruck der Unglaubwurdigkeit, und derselbe wurde einem eingehende» BeAiöre unterzogen, in welchem er sd>ließlid>» eingestailS, daß er die ganze Erzählung von dem Jndenf der ihn ermorden wollte, »nr erfliudeu habe. Er habe seinen Taglohn verausgabt und sid) aus Berzweiflung in das Wasser gestürzt. Seine Sd>uhe stände» »och unter der Stefaniebrucke. Trr hossiiungsvolle Burfdie wurde der Polizei zu weiterer Auikshandlnug übergeben. Wird Vueger vielleid,! audj diese» Kall »äd)ste»s in einer Bersammlung verwerlhe», als Beweis, wie fleißig die Antisemiten sind, und wie die Krüd)te ihrer Aussaat sid> sd>on au fünfzehnjährigen. „Krüd>telu" bemerkbar taad>e»? ($in zwtitcr Crlaß dcs SlUchiischtr Btzitkohaupkiiiaiilits.) In der vorigen Nninn>e-r veröffenllidsten wir nad> dem „Neuen Wiener Tagblatt" einen Erlaß des Sahbnsdier BezirtShanpkmannes, welcher die Borstände der Torfgemeiuden darauf anrmciffam mad)tc, daß in eiuigen Gegenden die Juden die 'Nadzridit verbreiten, daß in Kolge der Balntaregulirung sid> der Werth des t^uldenS bis zu ad>l;ig äirenzeru verringern werde, und sie aufforderle, das Vandvolk vor dieser betrügerisdien Mad>inatiou zu warnen. Als der Eultusvorstaiid von Zablocie sich über die Korm und den Inhalt des Erlasses beschwerte und ins-, besondere um Aufklärung über die Borfälle eifnd)tc, welche die Bezirkshanpt»ianiisd>aft veranlaßt haben, die bisher uubcfcfjoltrncii jübifrfjeit Einwohner des Saybuscher Bezirkes eines so sd>wereu Berbred>ens öffentlidi nnd im Amtswege zu beschuldige», räumte her Bezirkshauptmann ein, daß bisher nod) gar kein Kall vorgekommen ist, in weldicm die Sicherheilsbehörden wegen des in dem Erlasse angeführten Betrugsfactums. hätieit einschreiten müssen, und verpflidstete sid>, den beregten Erlaß zurückznnehmen, respective noch einen aufklärenden Zusatzerlaß zu veröffentlichen, in weldiem, der vorgebrad>ten Besdstverde gemäß, der erste-Erlaß hätte modifieirt werden sollen. Ter versprock)eue Zusaverlaß ist nun ersdsienen. Er ist vom I o. xiuni' datirt und fordert unter /