Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 12 (26.6.1892)
- Date
- 1892-06-26
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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~TT v-' Nr. 12. Freies Blatt. Seit! 7. ter 'Jitffe HauS »tudlich'S. nur ist dieser ein durchaus siicisinnigcr Man», während Tr. jirommer den Namen seines OheiiuS bloS mißbraucht, um den ab geivirthsckaftelcu Bader und „Romau"schreiber Start Türk wieder in schlesische Bauernversammluiigeu einzuschmug^elii. In der letzten Wanderversammluug des Deutschen Vereins, die jam Sonmag den 12. d. Ni. in BrannSdors siattsaud,' betrat der „allverchrt^ Bürgermeister". Ivie er sich nennen läßt, die Rednertribüne, hieß die Bauern herzlichst willkommen, begann dann mit Lchmähunge» der liberalen Presse im Allgemeiiieii, speciell der Schlesien-, -log gegen dat^roßcapitäl los. zeterte gegen die Bereinigte deutsche 9i»ke, die er der Kriecherei vor oem Geldsacke beschuldigte, und. übertrug hierauf das Wort de», Bader Türk. Dieser beschimpste die liberale Partei und wetterte gegen die Juden. Mit welcheit Mitteln Türk aus seine Zuhörer zu wirken vcrsuchle, möge daraus Hervorgel,e», daß er erklärte, die Gruiidstcuer solle aufgehoben werden, und der Staat möge, die Htipothckarschulde» der Bauern übernehme». Taß die Gewerbetreibende», »m den Ausfall der Grundsteuer zu decken, tan» um fünfzig und meljx Perccule au Erwcrbsteuer mehr zahlen müsse», wird von Türk-und dessen Gesinnungsgenossen wohlweislich verschwiege». Bon anderen Rednern wurde de» Bauern der Segen de- AnerbclwtchleS und Aehulich'cs augepricscu. Ter „AUverchrtc" und die anderen antisemitischen Elaaneurs auS Troppau klatschten Beifall, die Bauer» solgic» dem Beispiele, und in Folge Änfsorterimg eines der anlisrmitischcn Hauvi agiialoren wurde „unserem wackercil Türk" rin Hoch gebracht. 29aL wird wohl Hane Audlich sage», wenn er von diesem voliiiichcn .nuuststückchc» seines „all vcrchricii" Nesscn erfährtV ,Giil ailtlscillitischkr Partcitag.> Fu T re-rcn fand in der äbgelaufenc» Woche ei» anlisemitiicher Parteitag stall, zu welchem sich die Abgeordnete» Böckel, Werner, Pickenbach und Zimmermann, der sattsam bekannte. maiidakSlüsterne Aärl Türk auS 'Tcsterteichiich Schlesien, ferner Dclegirtc auS Berlin Franlsnrt a. Pi/, Tarmstadt, 'Tffciibach, Magdeburg, tränet, Siadc, 9odz n. s. >v..' sowie Abgcoidneic von iämmllichen a»li>cmili>chen Bcreincu in Lachien cingeinntc» halte». Aus dem Parteitage sübricn die Bekenner der „aini ieuiiliichen Bolksparlei", t. i. der Böckel sichen Rtchlung, käs große Work, Es wnrdcn zunächst. Rescralc über die Fortschritte des A»ii>'kmilis»i»S in verschiedenen Thcilen des Deulsche» Reiches erstalicl. Böcke! strich seine Berdienste l:m cie, Sache de- AutisemitiSmui» Hesse» heraus und erzählte, er habe, uin dem- >l!»gen lsirößholzog die Augen tiber die Sli»i:::ung im ^olte zu onne». zwei große Bolk-dcinonstralioiieii veranlaßt: denn „auch Monarchen können noch lerne», niib cs wäre gut, wenn Monarchen wieder einmal unter das Bolk ginge» und sich nicht tchnil'bcgniigkcn, bei ihren Rei'e» sich nur von .Beamten in t'ioi-ie und von weißgekieideieu bliimeiisirtneiideu Fungfrauen eniv'aiigen zu lasten". Tann beschwerte er sich über die hessische Regierung, welche die Faden nicht nur beschütze, sondern sogar großziehe. Gr beklagte aber auch die geringe Unterstützung, welche er' bei seiner ..Arbeit" aus dem „übrigen Eeili'chiand" gesunde», wo man kür andere Tinge, B. Laulione», Geld im llcbersluß babe Herr Böckel ärgert sich onenbar über die Paar tau'end 'Mark, die man bekn'- Freilassung des „ReeiorS aller Teutichen" zusamiiiengebrachl hat. Tic>e A»:i ieinileiisichrcr sind, wie unzählige Beiwicle zeigen, Einer au» den Anderen neidisch und basten einander noch mehr alS die Filde». Tie Aelißeruiigen der übrigen Referenten bote» »ichlS, was irgendwie erwäbiieuSwerlh wäre. Böckel, der Beherrscher der Beiiaitziiiluiig, stellte 'olgende süick Theie» auf: I. Eine Rettung der Handwerkkann nur geschehen durch 'Tiganiialion de» Handwerkin großen Bereinc». die auch praktisch dem Handwerk »ützeii 2. TaS Handwcil und der Bauernsiaiid müssen gemeinsai» mit den Übrigen Schichten de- Mittel standcs Hand i» Hand gehen lind sich gege»>citig bei Wahle» unterstützen, 3. Tic aninemilischc' Liolkrparlci »inß eine deutsche MiltelstaudSvartei. werden. Ter deutsche Millelstaiid, augenblicklich ohne jede Bertretung im Parlannilt, - . muß' seine speeiclle Bertretung i» der aiilisemitische» Bolkrpariei sindeii. Mit dem wirthichastliche» Tiber aliSmnS muß entschieden, gebrochen werde». Nicht wirlhschasiliche Freiheit, sondern wirihschasilichc 'T rdniing »inß die Parole, sei». An ■ Stelle der Gewcrbesreiheit, Freizügigkeit, Coalilion-sreiheit muß ein geordnete- Gewcrbelebe», an Stelle des römischen Rechtes ein deutsches Gewerbcrechl treten.!». Tüchtige Araste auS dem Handwerkerstände »inste» zur Thäiigkeii für ihren Stand gewonnen, geistig und politisch gründlich geschult werden Ein einiger, gesetzlich geschützte- Handwerk, seiner Bedciitung im Bolk-lebe» vollbeivußt, ist die beste Stütze des Staates und muß unter allen Umstände» gcschast'en werke». — Diese Lbescn wurden mit unwesentlichcu Zwätzen augenomme». Ander Tieussio» über dieselben ist die folgende Aeußerung eines Herrn Richter a»S Magdeburg bcachtenSwerih: Die Handwerker. ständen hinter den Antisemiten, seien aber noch nicht leicht sür eine active antisemitische Politik;» gon'innen, sie wollte» erst etwas sehen. Ter Handwerker und die antisemitische Partei wollten nicht bloß den Inden bekämpfe», sondern auch die sehr zahlreichen christlichen Juden, B. die ganze freisinnige Partei. Auch die Art, wie Böckel die These 3 motivirte, verdient hervorgehoben zu werde». Er sagte: BomAdel, Großgrundbesitz, Handel und Judristrie babe der Mittelstand nichts zu erwarte». iZustl Racenbaß gesellt sich also nun ganz'offen der brutalste Classenhag.s Bon den sonstigen Borgänge» auf dem Parteitage ist auch ei» kleiner ExodnS zu erwähnen. Man verübelte eS ein „deutschen Antisemitenbnnde", daß für Sonntag den 2-J. ein norddeutscher Parteitag »ach Berlin cinberufen wurde. ^Ter Boisitzende.Zimmeringinii fragte, ob der „deutsche Aiitisemiicnbnnd" die „antisemitische Bolleparle " und die Parteileitung anerkenne oder nicht. Herr Zimmerma»» verlangte' darauf wiederholt ein bestimmtes Fa oder Nein. Die Teputirte» de- „deutsche, Anti semilenbundes" gaben diese bestimmte Antwort nicht, da sie alS einzelne Mit glicd'cr über die Aövfe keS BercincS hinweg^ eine bindende Erklärnilg nicht ab gebe» tonnen. Ein HerrFJ i«Tb’eler fiiflto hinzu, daß die Tepntirtm deS „deutschen AiltisciiiitcnbundcS", da sie nnu aw'cheiiicnd nicht gerne mehr geiehcuivürde», es vorzögc», den Parteitag zu verlassen.' Ter Parteitag nah,» iodan» einstimmig eine Reiolulion an, die „jede unbc'ugre Bernsiing sogenannter Partei tage" verurlheilt. Ter Borsitzeiidc erklärte cs nach den »liigelheilicii 'Bv! gängeu für selbsiv'criiäntlich,'daß der „deutsche A»tiiei»ite»bil»d" nuiiniehr nickt mehr alS zur „antisemitische» Bolksvartci" gebörig-zu betrachte» sei. T ie.Beri'ai imetteu gaben dazu, ohne abzuniinincu, ihre Zunnnmimg kund. Als Tel des Parteitagenahm man eine Stadt ii» lsiroßher;ogiln»n Hessen, womöglick stadt, in Aussicht. Hierauf wurde d.cr Parteitag >ür geschlossen erklärt Anschlüsse a» de»-Parteitag fand ciiic-Bolk-veriaininluiig stau. Böckel vom Pariciiage a»ge»oi»>nc»c„ THeien bekannt lind peleuiinrie gehen die Regierung. Der Peisimi-muS, so. sagte er n. A , der in letzter Zeit um griiien, sei k iiieswegS iniberechligt, ivie Gra' E avrivi Igeineinl habe seinen tieferen Grund in denr permaiiente» Beriall des '.nsitlelsigud/s loiiime da- Schwanken MtL-Erp.'rinieniiren der Regierung. Gra> Eahjk! von eiuei» Beunrnhigungsbaeillus qervrsche»,' eS berrickic aber >ck>oit »»rnbiguiig-lnstueiiza. Tie Svaiione» 'ur den Fiiisien 'Bismarck i ieu der Llerebruug 'ür de» großen StaalSinaiiu eniiviun.ze», äber auch von de: Sorge »i» daschwindende Fahrhündert durchzillcrl gewesen Borgaiige wie!ic Ber Iluer .nrawalle und die TKaien der'Anarchisten ieie» da- Wfnerleu bien des «'soue-gcrichie-.^ Ter lüeisi des Geldvrotzeuihunis . müßte »ainemllch Handwerk bebMipft werde». Tie Gesetze mache man in der.- Slufierstubc Fn der Böricncnauöle . vernehuie man die-'Borse»»ia»»er se^'st. „w inan Ticbe über r>» Gesetz gegen Tiebsiahl al- Erverlei: hören wolle". iächsten Darm — Fm gab die sich ge- Tr habe Ta zu vi bade ine Be wenn sentiches ^Gefühl wünsche die „aniisciuilische BtllkSbchrtei" dem' deutsche» Bol:e, nicht da- Gefühl, daS bloß in Hlirrahru'cn sich äußere i diese Bemerlnng ist ickion an eine höhere Adresse a'.-i die de- Kanzlers gerichieli, sondern ein deulscheS Gefühl, dade» Man» von innen umgestalte. siiäch Böckel sprachen sehr langweilig 'Werner und Picke» bach,' und schließlich kanzelte Zimmer)!'an >: die Eoniervativen ab. Da- 'Berbalteii der sächsisiben Eoniervalive» ^genuber de» Fudcii könne man begrüßen alS die Wrrknng der Druckes, den der Ainiie nilisinnbereitS ausübe. Was die Eoniervalive» geboren, kei allerdings »och hcrzl ch wenig. Hois»»ng gebe wöhl die Forderung gesetzgeberischer Maßregelie. F-doch sei cs eine eigenihümliche Erscheinung, daß Freiherr v. Friesen a le gesetz gebcriichen Maßregel», die Helsen lönuien, verworfen habe. 'Bertvall.ii igSbeamtc koniiien wechseln, die Gesetzgebung idi die Hanvliache. Freiherr v. Frteik» habe auch in anderer-Beziehung die logische Eonieanens nichl gezogen. liege ein ernster Berinch der co»servalivcii Pariei vor, vorivärlS zu koinmen. Sie kommr aber »ur vorwärts wie die lripvelnde Alle', die langst von dem mit cinem Dvrnngc vorstchendeu Nlaiine, der „äiilisemitischen 'Boltsvariel". üverholt fei 'WaS, die 2luti>f miten von den Eoniorvaliven volltomnien trenne, iei die Absicht, 'eine Frage, die die ganze 'Well bewege, nur 'ür eonservaziven Siimincnsaiig zil beilützen. Es scheine, daß die Eonierpaiiven nicht die „Fndeu'i'age", ondcrn die Äiitiscinileiifragc bebandeln wollte», aliS Angst, ei» Mandat zu verlie c».'Tahcr die pcrioiilichen 'Bcrnnglinip'nngen der "au11’etniti■'ebeit Führer Wen > die Ami ieinitc» einmal hei den Ander» im r'ebenslaii' nack»'echcn wolllcn. so Tinge euldecken. die wenigstens den Reiz de> 'Nenbeil ba:te». Mil iiesem Tier suche zur Einschüchtcriing jener Eonservaiiven. denen zwar die Fude löiiiilcn sie ihetze, aber nicht die GcicU'chafi -gewisser Hetzer-wdüiill.'r 'Bergaiigeiibeil zniagl' schloß daS Nachwiel zum Pal'loiiage.! -! antise;nitisclvn ^latk'ru. I iGil! militiirischcS Ghetto l Ter Germane ans Solee mit d: in inai;.irn j- Name» machlc den jüngsten Aiisstiig des SängervereineS'der Eisimlahiibeamiev..! nach Bosnien mit, und in seinerMbweievheit bcmiihie sich iein Personale,;»in I Rlihiiic^ deS Meisters dessen „Tiollsblall" womöglich »och lä>pischer und ' j würdeloser alS sonst herzilstcUcn Die treue» Ticner ihre- Herr» mochten eben, daß Federmaii» sich denke: „Solche Tumiiibellcn komme», wenn der Solceer hier ist/ doch »ichl vor '. Ilnlcr Andercl» machlen sie den Boisch ag aus Er vtdmtup eines »lililärifche» Ghetto-, lind schrieben: „Wir würden dem Ariegminister Vorschlägen, den ganzen jüdischen Eombalianloii SlaluS am der Armee anSznscheiden und in ein eigenes, ipeeiell jüdisches'EorvS zu coneeizlrire». Mail,, ziehe die Reiervebataillone aus Bosnien und der' Herzegowina berun-, um sie;» ihre Ergäiizuiig-be^lke zu stabilisircn, link' »wbilisirc ebenso viele jildische Erfaybalailloiie, welche al» selbstständiges gelrenmes Armeecorps die Besapuiiz von 9ien Desterrcich zu bilden hätten. Tic sdosten dieser Neorganisation werden vollenddurch die eveittnellen Nachlheile, beziehungsweise 'Bortheile anfgewogeii, und die Juden löiiiilen in dieser Art, ihre Mililäipilichl zu erfülle», »nr eine neue Errnngenjchast ihrer SlrebenS erblicken. Israel konnte mit S:ol; auf