Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 12 (26.6.1892)
- Date
- 1892-06-26
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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feite 6. Freies Blatt. Nr. 12. beispielsweise als die zwei antisemitischen Lumpen bezeichnet wurde», ven denen man früher oder später in der Eriminalgeschichte wird Notiz nehmen muss«», reagirte selbstverständlich Tr. Lueger gegen diese infame Aeußerung in seiner bekannten treffenden Weise (warum hatte,nicht auch Schneider, der zweite Wackere, in 'einer bekannten treffenden Weiie reagirt'?}, was den anoimmen Verfasser die'eS Ge'chreibsels bewog, Tr. Lueger zum Zweikampf zu fordern." Ten „secnndante» des Herausforderers" wird vorgeworsen, daß' ,,e erst nachträglich „erfahren haben wollten, was längst allgemein bekannt war. nämlich dag Tr.'Lueger die Herausforderung des Herr» Etienne' nicht annabin, sowie dessen Afsaire mit dem Gemeinderache Tr. Fried sliiig :e." iWas hier als „:c." abgethan wird, figurirt in der Erklärung, betreffend die'2ai:ssaetionsniisäbigkeit Luegers, an erster Stelle; es ist dies der . Proeeß Lueger schar».> Ter Ausschuß constätirt weiters, daß Tr. Lueger sich in die'er As'aire ''o benommen habe, wie es seine Wächter von Hm irün-chren und auch voraussetzten. (sehr richtig; auch die fort »chrittlich gestnifte Wählerschaft hat nichts Anderes vorausgesetzt.> Zu guter Letzt kommt '».gender Vanns von echt Pf ist erschein Gepräge:, „schließlich erklärt ■Ter Ans'cknß, daß es allgemein wunder nimmt, daß derlei Vorgänge in einem Rechtsstaate nie Pesterreich.ungeahndet geschehen können." i.Am Jahrestage Scr schlackt von .'iöniggräll.l Am -st. Fmi Pormlttags stitdet l-ier ein ..Parteitag" der Antisemiten schönerer'scher Färbung statt und am Abende desselben Tages rin Festeommers. VaiellandNofes' Gesindel und aber r.atihlüti die — Fnten. ' ‘ 'ytjbrifilidi iocinlr" Gastiviklc in der Provinz.' Tas Gastspiel der : Wtct.er „Ebrisilick soeialen" in Lmz, zu welchem schon Liechtenstein aus 'Uitgatn kritttte. und bei dem der im salzbnrgifchen und in .Innsbruck^ müwi'.lende Pen-ner durch den Mechaniker Schneider erlebt wurde, endigte »nt etiteni Fiaseo. Ter Abend des 1>!. Fnni umrde — durch die soeialdemokraten beherrscht, :::^ nur deren 'Lroßinitih verdankten es die ■Wiener Herren,-daß ne nä' ubkiliaapt vrodueiren kannten. Herr sigl, Vorstand des «sseuoisensickasts rei bat d.S, ei v'üiete'als Einbernsi'r die Ver'ammliin.z mit der Mittheilung, daß der Gtt.-nemchastsretl and aus vrireir:, llen Gründen die schon eine, Woche vorher rot! ij:::; S .'.iieie:eye Eiüberu'ung einer Venammlniiz mit der vorliegenden Tage-d.-.-dnuiig abiel n.te. Ta tedoch die Fdee, eine freie Versammlung.ein;»berufen, iv;t mehreren Mitgliedern res Verbandes Rücksicht an» die eminent wichtigen Punkte der Tacsesotd-.tttng umerstulzt wurde,', labe er sich der Ausgabe unterzcaen, dte V-. animlung etiizuberu'e». Es wurde ''odanir von einer'''Gruvve «'s,-»,-.b,:..-ibe»der Herr sigl als Vornbender nainba'k gemacht, während sigl dere Schneider verschlugen: die rabtreich vertretene foeialtemo. Ard.-tterrartei brachte unter lautem-Vei'all Herrn Neander aus L:»z eigenen- Acker und einen Theil a» dem Gemeindewalde und der Gemeindeweide. Diese Leute arbeiten avch aus seinem Besitze, ober nicht um Lohn, sondern ne bekommen zwei Drittel der Ernte, während er ein Drittel beziehe. Herr Fra»; replicirle, es sei immerhin ein schöner Gewinn, wenn der Prinz selbst 33 Percent einstecke, und Herr Weigu-Ny betonte, daß eS nicht angehe, Verhältnisse, die iin Mittelaller gute gewesen seien, heute als wünschenswertst binzustellen. Nach der zum Theil stürmischen TiScussion, welche sich an den Bortrag des Prinzen Uber Gewerbesache» geknüpft hatte, kam der Reisende in Valutadinge», Tr. Luegek,;u Worte. Er polemisirte zunächst gegen die Linzer „Tagespost" und stellte an sie mehr Fragen, als zehn fortschrittliche Blätter beantworten können.- Man müffe gegen die Goldwährung sein. Die liberalen Blätter seien für dieselbe, und wann seien diese Blätter für etwas eingetreten, tz'aS znin Heile des Volkes gewesen wäre? Die goldene Internationale sei weit gefährlicher als die rolhe. Tr. Lueger, der heiser und überhaupt indisponirt war, wurde häufig durch Zwischenrufe unterbrochen, aus denen, wie die „Tagespost" bemerk!, hervorging, daß sich zahlreiche Anwesende aus der ganzen Versammlung „eine Hetz" machten. Auch Schneider hatte vorgehabt, zu reden, was ihm jedoch nicht gelang, da. ein Bortrag von ihm nicht auf der Tagesordnung stand. Erst gegen Schluß sprach er einige consuse Sätze, während welcher sich der Saal ziemlich leerte. N ändern noch Tr. Beurle über die Wästrungsfrage gesprochen, wurde eine Resolution gegen die Goldwährung angenommen; die Sooialdemokraten enthielte» sich der Abstimmimg. Nach diesem Verlaute des Linzer Gastspiels dursten die Wiener „Christlich 2ocialc»" lrotz des Entgegenkommens, das sie i» olerioalen streifen gefunden batten, die Landeshauptstadt Tberösterreich» sstr „verictdet" erkläre». — Auch in .'tarnten, in 2 t. B e i t an der Glan, fand am 19. d. M. ein Gastspiel der Wiener „Christlich socialen" statt. Zu demselben waren Mechaniker Schneider und a» Stelle deS angekündigten Lueger der Fiiiaiizkünstler Schlesinger erschiene». Socialdemokratische Ai beiter und deutsch liberale Bürger ans 2t. Beil, und Villach ließen sich die Milbe nicht verdrieße», unter Hinweis auf die. Beziehungen der Gäste zum Prinzen Liicklen nein die Aufmerksamkeit der Versammlung daraus zu lenken, daß die Amt »emiteu sich ■ im Schlepptau clericalcr Reaciionäre bewegen. Tr. Pret tner glokstrie >char» die Vorträge der beide» ungebetenen «Riste .'tarnten, erachte sich genug reif, um ohne Fremde nnd ohne;u'ci»'f[fiaftcn Einfluß über politische und wirihschanliche Angelegenheiten ichlüsig zu werden. Von den beide» Vortragenden scheine der Eine keine .'iciininis: von dem baden, was Angebot und Nachträge 'ei, während man dem Anderen lein Vcrzraueii iclienkcn könne, da .sei» Nus nicht der beste sei. Schneider berief sich auf die Erklärungen, welche 2c. nnd fv.ltl'il in Vd: ft:.;: r.'.. .-. tiir.. N.a, ' Tbe:.!-..b:i-e Antzändes: l-üiHerr C i i' 1 :' * E1 IN den H '.n L: e ä- Eroellen; der Herr hamc abgegeben habe. ch.a; sckme:d<r wurde r'.-.r'lebnt. Alssckri't' ne.:nb.:'t ee:r.'1:ie bei der rorgenonimene» Gegenprobe als Vor-- : .bewußt zu >ein. Fnnizmiiiifiei zu ''einer Reiiiwafchnna im Abgeordiieien- und versicherte, .sich keiner einzige» unehrenhaften Handlung Tr. Prell »er ließ sich ans eine wciicro Auseinanderfevung sä ck:,-' a:'c.".: ra:-- -. „..i, 11 ■ itave:n in».* ■*' f.ir Kr: :i t c t'>; m V». t : :i idas s: :::de vo..: Prn und n eil her/ a..' ' abrer wurde ebenfalls der von deil sccialderr Vogel mit Maiorüa: ■ gewählt. Herr .:■ -. .utb-'i: g.wo'.dcne Ebre linde rknchfe sammtiiche V ■r'amnK.:::;. üä' «einen Anordnungen mid .-en Ge'ei'eii des ü zu Es wnrd.' nwan« noä, rdn der ''coialdentctrati'chen : We: ■■.IN.» als Vclsti-ender Stellvertreter nnd Herr T rauuer stellr.'ltre:er dewabli Tas ganze Prä'idinm befand sich >obin r scoiald -nickraten. 'Nun eribeilte der Voifitzende kein Prinzen Wcrr. Ter P.inz, der sich nach ''einem Mißgeschick.beim das ">e:rerber neu verlegt bat, enkivittelle kas bekaninc werbeprdgkamin Alle noä' «o guten, »ür die ivirklich :e:na..::en '.riribscha'ilichen wie socialen Gesetze, rief er rcrrr mchr das acbenende Voll vö» lenem Alpaviigls über alle nniz e Zebu Geboie >'>ottes nnd das goldene stalb 'en Reigen und Tänce zur Verfügung. Ti.e!I sind T reunun.1 der Handels-- und Gewerbekammern, Ve'äbignngsnachiveis aabnko.ni-», Äb'chas'-.mg der Hausierer und der .Wanderlager u. >'. w., di-' ndnna' v-:'. E'.'N'crbsae'seU'cha':e:: m:: Vankcredit, geleitet von den ."e::''.-ba'':sro.-stä!.::n Nachdem er -etren. ibeils von Vei'all, tbeiis von -. regle::»:-'!, Vo,»:.-.endig: batfe. -'evien. ibm einige.Arbeiter bari zu. .dran: rrni-'.l:;. bnnz babe gegen das iiiodile Eavitat getvenket.' e bei. es :::::> IN Händen der Liberalen oder Etericalen. seine - -k - ».-inen U'-.'w'chi.H, rb bi-'.-'rder da, ne käinp'e dagegen. Redner «.-. den Achtstundenug nnd das allgemeine Wahlrecht ein undmeinte ' vd.:- t>>i>:ae:v?r reire,benden unter der heutigen Pr«S>tctionsweiie r .' n': itigen' Verbältni'sell gar nicht mehr zu helfen ist. Tieienige» g.-.d-u ' :-.'.!tige Ejtpital auttreten, >äe fallen mit gutem Lei'vielc und Nicht i-d.bst :n ibrem .'drei'e L.'bnd zabten, die erbärmlich find. : -.-: - ch.te n st d i n ... itr.te: Er könne nicht für alle Großgrnudbestlrer rede», e.o-t ha:e er>: rer;w:i Fabren in Ungarn einen Großgrundbesitz rr- A.l» 'dlndin Venne herrschen Verbälmiff«, wie ne'im Mittelalter gell l-.ben nr.d die er ans sceialcn «gründen bcibehalren werde. Tie Arbeiter c.::-n- V,la' n «igdr.--» Bene, der ihnen gehört,' ein eigen»- Haus. V.; nd'. evi :u Fvrni des inobllen E lOv s ael legt va:.. bevor nickt di, v. in : :;e llnng getragen werde» :;-.nrv« ’ 1 vfi t -3 lfse Lenle ibre .ingraziö'' i: ii.: ""en Pall: tativ .'der Nadrcalntittel üiinii;CV v 'andel S-- und «>>ewerbekamii>eri! ' mit-Schneider über deffen Leuninnd nicht ein, sonder» sagte kurz und trocken:! Ru» bleibt Rn». Tie 2t. Veitcr Versammlnng. welche mit der Sieinwender-' Hebe zusainnienbängt, schloß mit einem noch giößcren F-iaseo als die vorbergcgaiigene Linzer. . «Gö juckt ihn schon wicücr.l.Ter H reut ser .'Intt'euiitenroretn hielt dieser Tage eine 'Waiiderver''ammlu»g in Pali ab. Georg 2chönerer sprach u. A. ron. der endgiltigen Vernichtung des „zweibeinigen PaiastieinhiimS", welche iiöihig »fi, um die Bildung iefc-5 Proleiarials;» verbiiitcru, und fuhr dann ton: „Was soll ans unseren .'lindern werden, wenn cs ''o fortgeht'? Ans der Ilnivernlät st» Wien sind »ast die Hälfte der 2iudierenden Iiiken. Wie cs mit unseren Fnristen steht, wissen wir. Wir aber wolicir vo» deutschen Rechtsanwälten vertbsidigt nnd, wen» e-s sein müß, alich von den licken Richtern «;. B. von Herrn v. Holzingsr?» verurtbeilt werden. Fn de» 2tädten fehen wir von Fahr zu Jahr die 2»nagogen sich vermebren. Tie vielverlänertcn Landgeiircinden halte» im Gegen'atze zu den .intelligenten- Städten heute irock äUgemei» strenge an ihrem Rechte, leincni- Juden die Heiiilatsberechtignng zu gewähren. Tic Runen weite» ihre Fnden aus Was der gewiß gesunde russische Magen nicht verdaut, da-Z tan» man einem österreichischen Mckge» wolst auch nicht znmnihen." schönerer kam selbstverständlich auch ail' den von ihm betriebenen Bismarck Eultus zu sprechen und meinte „Wenn nia» von Bismarck sagt, er habe Pefterrcich geschädigt, >'o scheinen die Herren zu vergesse», daß Bismarck nicht als österreichischer, sonder» als preußischer Minister »nd deutscher Reichskanzler den Eid der Treue geschworen bar." Ein Bürger Kat vor Allem die moralische Pflicht, des staatsverbandcS eingedenk zu fein, welchem er ''elbst. angebört, wenn wir auch davon absehcn wollen, daß eins .;» weit getriebene Vergeßlichkeit einem Pesterreicher das „Mannrium des nüchternen Gaumens" eintragen kann. (HanS istudlich'S Ncitc.) Ter den Leier» des „Freien Blattes" nicht meh» unbekannte Tr. .'trommer, Vicebürgermeister von Troppan, setzt aller Agitatorenknnsisertigkeit die .strpne dadurch aus, daß er sich in Bersainininngeii. deren Zweck die Bearbeitung der Bauern im antisemitischen Sinne ist, als Neffe des populären Bauernbefreiers Hans siudlich vorsühren läßt. Ans diese Weise sticht der antisemitische Tetztsckpc Verein in Trovvau, dessen Tbinann .'trommer ist, in seinen Wa»derveriai»i»1u»ge» aus die schlesischen Bauern zu wirken, fiir die der Name Hans siudlich'-s, trotz allerantisemitischen Propaganda, noch iminer eine» guten .'tlang!^. Allerdings, oder leider, ist Tr. Rrommer