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Freies Blatt · 1892-06-26 · 12 (26.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
12 (26.6.1892)
Date
1892-06-26
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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-Nr. 12. Freies L l a 11. SCItl jjmmumaiui'3 antisemitijche Zuhörer wären vielleicht etwas überrascht gewesen, wenn ftc' gehört hätten, daß die „geringe Strafe" sich zusammensetzte: aus drei Zähren Gefängniß und fünf Jahren Ehrguter Boden für Berliner Radan.) Ter Stuttgarter- Beobachter"'erzählt: Ein zur Reserveübung cinbcrufener Rescrvcöfsicier unterhielt sich letzthin im Stadtgarten mit einem israelitischen Schulkameraden. Ta machte ein Berliner Herr, der sich später selbst als Reserveofficicr^ bei einem Berliner Regiment vorstcllle, die laute Bemerkung, cs sei eine Schmach fürs Vaterland, daß ein Tfsicik». sich mit einem,Zuden an einen und denselben Tisch setze; diesem Ofsicier fotltc der Degen abgcnommcn und stückweise ins Gesicht geschleudert, die Uniform ausgezogen werden :c. Kur; darauf sing der „Berliner Rcscrveofsicier" seinen Radau im Residenzcasü an, kam dabei aber, als er trotz aller Vorstellungen nicht ruhig werden wollte, schlecht weg. Ein Jude titulirtc ihn „Lausbub", ein anderer packte ihn am Kragen, prügelte ihn ordentlich durch, und am Schluffe wurde der „Berliner Rescrveofficier" hinausgeworfen. Tb er trotzdem seinen Tegcn behält, . wist'cn wir natürlich nicht; aber das wird der Berliner Herr ciugcschen haben, daß in Stuttgart gemeine antisemitische Hetzereien auch van solchen, die keine freunde der „Semiten" sind, verabscheut werden. (Alltiscmitischc Gerechtigkeit.) Man schreibt uns aus Main;: Antisemitische Blätter bringen als Licblingsspcisc für ihr Pnblicum gerne Rachrichten etwa folgender Art: „Wegen Verbrechens gegen.... ist dcr Fabrikant 9t. in M. verhaftet worden. 9t. ist Zude. 9tatürlich ein Zudc," Vor etwa sechs Wochen wieder begegnete ich einer ähnlichen Roli; in der antisemitischen Presse: „Wegen Meineides ist dcr Wcinhändlcr ' Lorch in Jltain; verhaftet worden, Lorch ist Jude." Tiefer Zude hatte sich nun in dcr Sitzung des Schwurgerichts am 15. Zunf wegen des Verbrechens des 9ReincideS zu verantworten. Tie Gcschworncn ertanurcu aber den Lorch für nichtschuldig, und Lorch wurde sofort in Freiheit gesetzt. Bis jetzt hat die antisemitische Presse von dieser Frei, sprechung noch keine 9toti; genommen: sic pflegt von derartigen für sie naturgemäß unliebsamen Tingen überhaupt koinc Roliz zu nehmen, denn sic würde durch eine solche ehrliche Handlungsweise den Eharatler und die Gepflogenheit der Antisemiten und insbesondere ihrer Preß vrganc, für welche Ehrabschnciderei durchaus kein unhandlicher Begrün ist, in allzu auffälliger Weise altcriren. Sie lasten eben ihre Vefer in dem „guten Glauben", daß wieder ein Zude/ einen 99tcincid oder sonst ein Verbrechen begangen hat, und dcr hnmanc Zweck der Juden« Hetze ist mit einem weiteren „Beweisstück" gefördert. S Schamloses Treiben. Tic Antisemiten in Berlin -ffirtait es bei dcr Verbreitung ihrer den Anstand gröblich verletzenden Hetzschriften so schamlos, daß die dortigen Blätter wiederholt in die Lage kommen,, Bcschwcrdcbricfe zu veröffentlichen. Zn einem vom 20. d. M datirten Briefe schreibt G. Freiherr v. Saß dcr „9ia.lional-Zcitung": „Gestatten Sic mir, folgenden Vorfall Zhncn milzuthcilen: Heule Morgen pasfirtc ich in Begleitung einer Tanie die Friedrichstraße. Zn der Rähe des Pschorr-Brüu wurde von einer Anzahl Verläufer mit lauter Skimme die Broschüre .Z»dcn-B...ausgernsen. 9»eben mir wurde die Schritt ui aufdringlickier Weise zweien Tarnen — einer jüngeren und einer älteren, beide offenbar den besseren Gcsellschafls elasten angchörig — vors Gesicht gehalten. Tic junge Tarne wollte unwillkürlich nach dem Buche greifen, wurde aber von ihrer Begleiterin daran verhindert. Tiefe zum Mindesten höchst sonderbare Art, ein Buch mit obscönem Titel anzuprcisen, Macht cs unnzöglich. mit Tamcn durch die Friedrichstraße zu gehen. Vielleicht wirdnun endlich die Aufmerksamkeit der Polizei auf diesen schon früher gerügten groben Unfug gelenkt. Tamil wäre der Zweck dieser Zeilen erreicht." Gleichzeitig ging dem-..Berliner Tageblatt" von einem dortigen Verlagsbuchhändler folgendes Schreiben zu: ./Meine Frau ging heute (20. Zuni, mit einem sechszehnjährigen Bkädchen durch die Friedrich. straße. Unter dem Wuthgeheul der Verkäufer: Zuden-B.. Zudcn-B.mußte das aufgeweckte Mädchen meine Krau fragen. was denn das sei .ein Zuden-B..'. Alles Weitere mögen Sie und Zhre iLcscr, denen ich diesen Fall milzuthcilen bitte, von selbst folgern. Sapienti sat!“ Tabci spielt sich diese schamlose Sippe immer auf die Wächter deutscher Zucht und Sitte hinaus! Tein Unfug, der da getrieben wird, dürfte übrigens bald ein Ende gemacht werden. 52 Berliner Stadtverordnete traten am 22. d. 99L in_ einer gemeinsamen Kundgebung dafür ein, sich mit der Polizeibehörde ins Ein vernehmen zu seyen, um dem groben Unfug zu 'steuern, (Tic „arbeitsscheuen" Juden.) Bekanntlich setzt sich der ^größte Theil der in England einwandernden mittellosen Personen im Tstcnde von London fest und ernährt sich dort kümmerlich als Schneider, Schuster, Tischler und Eigarrenmacher. Wie Lord Tnnravcn in einem Artikel der Zeitschrift „R i n e tec n th E c n t u r>>" auScinandersetzt, leben in jenem Stadilheile Londons 25.000 Personen (l0ü>00 M inner und 15.OOO Frauen von der Schneiderei. Trei Viertel dcr Minner und ein Viertel der Frauen sind jüdischer Abstammung. („Tsiervatorc Romano" und „Moniteur de Rome". Aüs Anlaß verschiedener wunderlicher Aellßcningen der vielfach für vatic« nisch ofsieiös geltende» Blätter ..Tstervatore Romano" und „Moniüur de. Rome" schrieb dieser Tage die „Germania": „Wir möchten diese Gelegenheit benützen, um unsere 9knsicht 'dahin zu äußern, bai; ans manchen höchst gleichgiltigen und wcrthlosen Auslastungen, sowo st des »Tstervatore Romano', wie dcS .Moniteur de Rome-, auch seitens einzelner EcntrumSblättcr viel zu viel Wesens gemacht und dadurch solchen Artikeln oder einzelnen AeußcrunZcn eine Bedeutung beigelcgt w rd, die ihnen nicht.im entferntesten gebührt. Was insbesondere Heu .99» miteur de Rome' betrifft, sohat dieser im« letzten Zahrc reichlich bewies»», daß sein politisches Verständniß etwa aus derselben Höhe steht wi: seine publieistische Bedeutung, nämlich so ziemlich aus 9iuli: 99» an luiiö weit bester thun, die mehr oder minder .ticssinnigen' Monologe dcr genannten Blätter in keiner Weise zu stören. Von uns wenigstens erwarie man nicht, daß wir auf jede ihrer mehr Phantasie als politische,! Ver ständniß vcrrathcndeü Auslastungen regelmäßig cingchcn: wir haben Besseres und Wichtigeres zu thuiu" Wir nehmen van diesen- Aeuße rungen der „Germania" Roliz, weil Unsere Aniiscmilenblät er sich häufig auf die genannten römischen Blätter beziehen, um au,! deren Auslastungen zu folgern, daß die antiscmilische- Bewegung ich der vollstcn Zustimmung des Batieans erfreue. - lTic Zlldtll in Salonich.) Der verdiente Afritaforscher Tr» E. Glaser veröffentlicht in einem Prager Blatte „Briefe eines Trient fahrers", denen wir folgende geschichtliche Reflerion entnehmen! ..Bo» jetzt genau vierhundert Zähren, als nach den Arabern auch die Zude» ans Spanien vertrieben wurde», ließ sich eine große Anzahl der letzteren in Salonich nieder, tun seither unter dem toleranten Regime des ZslamS hier sich ihres Lebens zu freuen. Tas heurige Tier- oder Pastahfest benützten ne und ihre übrige» Schicksalsgenossen in dcr Türkci, um gleichzeitig den biblischen^ Erodus aus Egnvien ' ind den historischen Auszug aus Spanien zu feiern. Aber welcher ll> terichied zwischen diesen beiden Ereignissen! Arm, elend und gedrückt in Egypten; verließen sie heimlich das Land»-besten Machthaber die Flucht Z'raels keineswegs wollten: reich und vornehm waren die Zude» in Spanien und dachten nicht daran, den Bergen Andalusiens den Ricke»: zu kehren, bis sie dem religiösen Fanatismus des Mittelallors weichen mußten. Flucht und Vertreibung, jedes ein erschütterndes Trama, er schütte» nder das spanische, weil da ein ganzes Volk aus dcr Ilcpvigteit. hinaus niußke in die starrste-Hoffnungslosigkeit, in die 9>ackn des Bangcns, des Verderbens und ddr verzehrenden.Ungewißheit, nicht nie vor Zahrtauiendcn, wo man wohlvorbcrcitet und organiihrt a.is Roth, Elend und Trangsal hinauöstoh aus Egnvten, allerdings iydi ins Ungewisse, aber doch, in ein Ungewisses, das nicht schliinmer stiitzkonnke als der Zustand, den mau freiwillig zu verlassen sich anichicki . Gerade jetzt, wo ln der Türkei dieser doppelte Erödus der Zudenschast gefeiert wird, schickt sich ein nordischer Pharao der Gegenwart ai, den in seinem Reiche seit vicldn, Zahrhunderten, vicllcichk Zahriauscuden, an .säsngen Kindern ZsraelS den Aufenthaltim Lande unn öglich zu machen, und mii ihn» gibt cs in fast allen europäischen-Starren Lerne, welche durch ihr Verhalten dazu bestimmt zu sein scheinen, zu beweisen, daß die Menschheit heute genau so lief steht wie'je zuvor. Toch wo hin gerathen wir! Tie bloße Erwähnung des Ramens Sclonich Hai uns beinahe veranlaßt, der Well Lehren crlhcile» zu wollen, wozu wir weder ein Recht noch auch den Beruf haben. Ter Auszug kcr-Kindcr ZsraelS aus Egnplen hat übrigens genau so wie die -Vertreibung der Zudcn aus Spanien schließlich keine schädlichen Folgen gehabt, in sonderheil nicht für die Zuben, so daß wir uns mit dies n T.rngen weiter nicht zu befassen haben. Znlcrcstaut aber bleibt es daß gerade die für so fanatisch verschrienen Mohammedaner Veranlastung nahmen, spceiell die Zuden für alle Nebel verantwortlich zu machen. Tie können also getrost sagen: sind doch bcsscz-e Menschen." — 2ius antisemitischen Vereinen und sannnlungen. «Auch eine lshrenerklärung.) Ter Aus-äniß des Wäklervere einigten Ebrisle» im fünfte» Bezirk verönentlichr in Auge jüngsten Tuellastaire r'neger'S eine Art Ehrenerklärung, die ivir meresse gelc'en baden..ES heißt daselbn: „AIS im ,'tzester Llo»,d Begrüßung der Rumäneudepuialion in Wien durch die Abgeordneter und Schneider ein Artikel erschien, in welchem diese zwei wack vertretet in der schändlichüeli Weise verunglimptl nuirden. il inimerhin, oisber keine - dieser Well , Wir Wilde l\r neS der ve» egenbeii der chil lebhastem anläßlich der Tr Lue ge» r e n B o l t S ein dieselben!

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