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Freies Blatt · 1892-06-26 · 12 (26.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
12 (26.6.1892)
Date
1892-06-26
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Stite 4 Nr. 12. Freies Blatt. (herein zur Abwehr des Antisemitismus.' In, Verlage des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus ist soeben eine Broschüre: „Bericht dex zweiten Generalversammlung des Ver-' eines zur Abwehr des Antisemitismus. 1892" erschienen. Gesinnungsgenossen erhallen diese empfehlenswerthe Druckschrift auf Verlangen durch das Bureau des Vereines (Wien, I.. Parisergasse 4 sowie durch die Administration unseres Blattes (Wien, I., Seilerskätte. lüi gratis und franco zugesendet. ^Ter Prinz wäscht feine Hände in Unschuld.) In einem Artikel des „'Jicinzek" über die anti-ungarischen Umtriebe der österreichischen Antisemiten war kürzlich als freund Schneiders der ungarische Magnat Prinz Alois Viechlcnstei.n erwähnt. Tiefer richtete an die.Redaction des „Nennet" das nachiolgcnde schreiben : „In einem Artikel Ihres geschälten Blattes über die Rumü nen - D ep i> ta tion in Wien wurde auch meiner Person gedacht. Diesbezüglich erlaube ich nur,, zu constatiren, daß ich keine st cnntniß von dem Eintreffen del Rumänen D ev nlalion in Wien besaß und von Niemandem aufgcsorderr wurde, an dein Empfange dieser Deputation theilzunchmcil. daher auch iiickn in di< Vage tominen konnte, jenen Standpnukt der Reserve tu verlassen, den ich mir gegenüber den politischen Ereignissen der andere» Hülste der Monarchie zur Regel gemacht habe. Mit der Bille um die LZcröüenilichung dieser meiner Erklärung an einer an gemcssciien 3teile Il,re.s geschälten Blattes verbleibe ich mit besonderer 'Hochachtung Print Alois V ieckiteilst ein, österreichischer Rcichsrathsabgeoidnerer " Grlaß eines Btzirksdaunnnanncs. Aus 3avbnsch, 17. d. M. wird dem ..'.'(encli Wiener Dagdlatt" geschrieben: Der Bezirks tsauvkinauu in Sanbusch erließ an alle tum Betirt 3anbu'ch gehörigen Ddrsgcmeinden eine Knndiiiachniig. welche in wortgetreuer llcbcrsetzung des volni'chcn De::es wie folgt lautet: ,l .':'5.">. .'.n een tAemeinkererstank in. .tu cinijoi: ('v^enDer. r .• vt: i t e it e i e o . :: e:. t'la.vei.vi unter-den Veui-'N. ki-'- in ,"Zeige der Paiutareauliruiig der Werk!' kee- Äui-ens üw bis tu verrinaern wirk T:e Veichrg'.aadigtei: der Bauern benülrenk, i.inü'n üe k:e Pavieezulden an' nnt zat.en >. .-ircu:er inr einen (ihUDen: ans k::-:n c*ri:;:;c tmv'eble ich. in ter r^enrein:.? tu oeriaulbaren. daß Pch die r.u.ie nick: b-trugen lauen mögen. daß 'owohl di? Pavie» wie auch die ^itl'erg.nken. :v7c fi* un IlnUan' sink, 'auch weiter ibren bislierigen W>'rld t.k.uun n: k in e:e-em Werrb an allen .Auuseassen angeuoiiiineii 'welken Da: '. .! I-.-a-. Der t t. B.-tirtsbauvlmrirn: ' ' B! e r n a. t l u,. [ * 3o'o;: nach den- Betanntwerdeu dieses Erlanes begab sich der Enllusvornand del israelitischen «Gemeinde in Zablrvie. als Vertreter der mit obigem Erlasst so schwer gravirren jüdischen Levölterung, zum Bezirtshauptmann Biernaeki, um bei ihm Beschwerde über die Form und den Inhalt des Erlasses tu tübren und insbesondere um Austlärung zu ersuchen, welche Vorgänge und Vorfälle die Bdzirtshauptmannschast veranlaßt haben, die bisber unbescholtenen jüdischen Einwohner des 3a»baicher Betirtes eines >'o schweren Verbrechens önentlich und iw. Amrswcge zu beschuldigen Der Bezirtshanvtmann erklärte-nun der Deputation, daß bisher noch gar kein Fall v o r ge rommen in, in welchem die 3icherlieiisbel,örden wegen des in dem Ertaste angeführten Belrugsfaelüms Härten cinschreiren iniissen, und verpslichkcke sich, den bercgten Erlaß zurückzunchnien, reiveelive noch einen aiisklärendcn ZmaizeNaß zu vcrösscnilichen, in welchem, der vorgcbrachlcn Beschwerde gemäß, der eine Erlaß bärre modisieirt werden sollen. Da troiz dieser Versicherung bis heute nicht nur keine neue Kundmachung verlaulbart wurde,' vielmehr mit der ortsüblichen Veröffentlichung durch Maueranschlag und AnSiroinmeln des besprochenen Erlasses) , in den einzelnen Gemcindcii se^tgefahren wird, wandten sich die Eulrusvorslände sämmtlicher zum Danbuscher Bezirke gehöriger iuciiicinden telegraphisch an 'den 3lattbaltcr <^rastn Ba dcni. um schleunigste Abhilfe. Wer die gälizischen Verhältnisse kennt, weiß, wie der polnische Bauer Alles, was der Bcfrcundlichcs Gedenken. Angesichts der Versuche, der Verirrung des Auttzemilismus auch bei uns. Eingang zu verschasten,. können die Israeliten Meiningens auf mich zählen. Georg." (Tr. Baumbach gegen konfessionelle Gehässigkeit.) Der Vicepräsident des deutschen Reichstages, Oberbürgermeister Dkl Baumbach in Danzig sagte in einer Ansprache an die dort tagende „Evangelische Vereinigung": „Es ist für die Bürgerschaft und die Verwaltung unserer Stadt eine erfreuliche Dhatsache, daß unser Danzig oft und gern zum Versammlungsort von Vereinigungen der verschiedensten Art gewählt wird. Wenn nun aber auch religiöse Vereinigungen der verschiedensten Richtung sich bei uns in Danzig zusammenfindcn, so ist dies zugleich ein. erfreuliches Zeichen dafür, daß hier für die verschiedenen ' Eonsessionen und religiösen Bestrebungen Raum ist, dank der Eintracht und dem Frieden, dessen wir uns in Danzig in religiöser Hinsicht erfreuen. Meine geehrten Herren! Seitdem im vorigen Jahre die Versammlung deutscher Katholiken hier staklgefunden, haben sich im deutschen Vatcrlande die Gegensätze zwischen Katholiken und ProtcstantPl leider wiederum verschärft. Aber auch in unserer evangelischen Kirche fehlt es nicht an Gegensätzen und an Bekämpfungen, indem namentlich diejenigen, welche einer freieren religiösen Richtung angchörcn, manchem ' Angriff von der cnlgegengesetzieil Seite ausgesetzt sind.. Mit wahrer Betrübniß aber muß es uns erfüllen, wenn heute in manchen liegenden unseres Vaterlandes die niedrigsten Üridenk.f.chaflcn entfesselt werden gegen deutsche Bürger, welche dem mosaischen Glaubensbetennrniß angchörcn. So will es denit fast scheinen, als ob wir in Deutschland, wenn wir demnächst die Bilanz des scheidenden Jahrhunderts ziehe» werden, neben gewaltigen nalionalen 'Errungenschaften und großen Eulkursortschritten — aus einem Gebiete Rückschritte zu verzeichnen haben sollten, aus dem Gebiete religiöser Doleranz! Meine geehrten Herren! D-lcranz ist nicht Gleich gilrigtcir: Doleranz ist -nicht Verzicht auf die Selbstständigkeit religiöser' Üederzeugung. Aber Achtung vor der religiösen Üeberzcugung Anderer, das ist Toleran;."! xHiis Dem Deutschen Partei leben. > Ein in der abgelaufenen Woche in- Leipzig abgehalrencr n a l iona l -1i bc raler sächsischer Parteitag beschloß im Gegensätze zum Parteitage der sächsische» Eon'ervalivcn ciiistimmig die entschiede ne S te l l u n g n a h in c gegen den A n lis ein it i Sinus, dessen verwirrende, die Veidenschaftcn ’ . aufreizende Agitation ein'- sä, werc Gefahr für das öffentliche Veben zu werden drohe. Die Versammlung erklärte jede Äusnahms gesevgcbung gegen das Iudenthum als solches für unzulässig. Im klebrigen ist cs noch sehr zweifelhaft, ob selbst die conservative Fraktion den Vocknngen der Sköcteriäner folgen und ihr Programm durch eine Bestimmung, welche sich für die Pflege des Antisemitismus ausspricht, ergänzen werde. Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge erklärte sich der conservative Verein für 3 stpreußen iiiit überwlcgcnder Mehrheit gegen die Abänderung des conservative» Programms. Da Dstprenßcn die meisten eonscrvativen Vertreter in den sicui'chcu Reichstag und das preußische Abgeordnetenhaus entsendet, sei dieser Beschluß nicht unwichtig.' Antisemitische Wahrheitsliebe. Aus Hartha in Sachsen wird dem „Vorwärts" geschrieben: Kürzlich hielt der conservative Reichslagsabgcordncle Dr. Mebnert aus Dresden in unserem Nachbarorte Geringswalde einen Vortrag, bei welchem er besonders die sociale und die Iudcnfrage behandelte. Bei letzterer bemerkte der Redner, wie unser hiesiges Amisblall mikthcilie: die Gemeinde Wildbad habe des großen Juden Rothschild roegpt während seines Badcaufenthaltes daselbst das christliche Glockcngeläule eingestellt, um denselben nicht im Schlafe zu stören. Auf meine an.dcn Kirchenvorstand zu Wildb.qd diesbezüglich | gerichtete Anfrage erhielt ich nun vom dortigen evangelischen Stadt psarramt folgende Antwort: „Aus Vorstehendes beehre ich mich ergebenst zu erwidern, daß mir der von Ihnen berührten Angelegenheit die kirchliche Drtsbehördc von hier nichts zu lhun Halle, daß aber während Rothschild's Badeaufcnthalk dahier das christliche Glöckengeläutc nicht eingestellt worden ist." Diese Glockenlüge wurde auch schon unzähligemal in österreichischen Antiscinitenblüttern und Versammlungen auf zirkshauvtniann i'agt, für - heilig hält, und wird die Aufregung der lüdi'chen Bevölkerung de« Sapbufcher Bezirks für sehr berechtigt finden. Die Dtaribalrerei, wie die anderen dazu berufenen Factoren werden ' gewiß nichr zögern, d-r berechtigten Klage ein willig Dhr zu leihen und es wird wohl Mittel und Wege geben, um die Wiederholung solcher Vorgänge zu verhindern. Ter Hcrzog von Meiningen gegen Den Anlisemirismus.) Aus Mcinliiigen -wird berichtet: Dir. israelitische Gemeinde Bauerbach richtete anläßlich der Einweihung einer Svnagoge ein Huldigüngskelcgramm an den »Herzog von Meiningen, worauf folgende Antwortdepciche cinlangte: ..E a d e n a b bi a, I» Juni. Herzlichen Dank für getischt, und die Erklärung des evangelischen Stadtpfarramtes Wildbad dürste schwerlich verhindern, daß hüben und drüben weiter gelogen werde. — Aus Frankfurl am Main wird uns geschrieben: Es ist nicht uninkeressant, mir Bezug auf die in 'Nr. 1l des „Freien Blattes" unter obiger Spitzinarkc mitgethcilten Dhatsachen noch auf Folgendes hinzuwciscn: Es heißt in der Elbcrfeldcr Rede des Ab-. geordneten Zinimermann: „Der Jude Schallmai. (reete Halmci - halte viele Veute betrogen und war dafür zu einer geringen Strafe vcrurtheilt." Der wahrheitsliebende Zinimermann verschweigt aber soviel aus dem Referat der „strheinischen Wacht" ersichtlich ist) offenbar aus guten Gründen die Höhe der geringen Strafe.. Selbst

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