Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 12 (26.6.1892)
- Date
- 1892-06-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 12. Freies Blatt. politische Meinung sei, kam Lueger auf fein Steckenpferd, chic Balutarcgulirung, und suchte die Arbeiter gegen die Goldwährung zu haranguiren. Zn künstlerischer Weise verflocht er damit die' Foi dcrung nach dem achtstündigen Arbeitstag und wies sonnenklar nach, diß, wen» die Goldwährung komme, dieser schöne Traum dcr.Socialdetiokratic vor über sein werde. Lueger zeigte sich im Allgemeinen als facultativer Socialdemokrat. „Aber die Klnglstit," sagte er, „darf b:i dem vorwärts nicht anSblciben. Man muß, wenn man licht steil geradeaus auf den'Berg kommt, das Wegcland, das sich hinausschl angelt, im An ge behalte» und befolgen, und dieser Weg ist'nicht der, untereinander z r streiten, sondern zusaminenzugehc»." Beifall unp Gelächm wechselten^ je nachdem Lueger mehr in den socialdcmokratischen oder antiicmitisckcu Jargon fiel, und als er sich seiner neuesten .'peraMa^iiiiqci de» Ar beitem gegenüber berühmte, erinnerte ihn ein unchrcrbieiigcr, aus anii semitische Zucht offenbar nicht traininer Zwischeuruscr an das von unS gleichfalls geschilderte Fiasco in Lin;. 'Aichtsdestow niger leistete nch der Selbstbehcrrschcr sämnulichcr Bierbünke die bescheidene Schluß Phrase, er habe die Einigkeit der christlichen Parteien zustande gebracht, er werde auch die, Einigkeit der Arbeiter mit d:n l^ewerbekreibcnden und Baüerii zustande bringen, da töiliien die Sgcialdemotrale» mache», ivaS sic wollen. Einstweilen crlai bien «ich die Socialdcinokralcn jedoch noch,- dagegen ein ebeaiio heileres als energisches Bci.o einziilegcn, und nun begann die eigentliche Abniw der groß" manligen Bollspatrone. Ter «Führer ^er Sociaidcntokralen, Herr elfenmann, ergriff iodan» das Wort und erklärte klie .Haltung- <Leß>ua»i 's bezüglich .des A'ormalarbcitSkagcS für verschwommen, weil l^cßman» für das Kleingewerbe denselbennicht wünsche. Ein „Ehristlich Soiialcr", Herr Armani,. sin selbst kür einen l lstnndigen .'Arbeitstag ei» zetreic», ob' wobl -die anderen /»'rupveu der >ia»finannsgclnlfeu ei ne geringere Arbeiisreit verlangten. rU'iife der Sooialdemokr >ien., -'Ten Mininiallohn.vertreten die „Eliristlich Socialen" nur wegc i der Kleingewerbetreibenden. Bezüglich der schlechten" Wirthschafl nil den .von Tr. <»si'ßnianii erwälinzen Brndcrlade» sei zu bemerten, da'? in manchen Bcrgdireelioueu Herren der „christlich socialen" Baneirihtung seien. Weiter sei Tr. t'sißmann tu verübeln, daß er gelegen kstl> der Beeil Arbeiter ig der Ilistirachung über '«»sinverbeinivectoren nicht warm genug für 'chup eiugelrcien lei und insbesondere niciit die Ansdelnui reite A. Dopler, wo sie erhitzt und erschöpft anlangten. AuS allen «Fenstern blickten die Inwohner im Nachtkleidc heraus und verfolgten daS kriegerische Schauspiel. TaS Gefecht war nur von kurzer Tauer. Bald wurde der AnSgang. auf die Freiung frei gemacht, undj die Temon strantcn flüchteten eiligst. Auch die angesammeltcn 'Reugierigen wurden rasch zerstreut, so daß um Mitternacht vollkommene Ruhe herrschte. Unter den Bcrwundetcn befanden sich ein Schriftleiter des hiesige»^ antisemitischen TagblatteS und mehrere ankere bekannte Eomvarsen antisemitischer - Radauversaininlungen. §o fl stoß der erste Tag der Jubelfeier, welche man zu Ehren des großen ä'insiedlcrS von, Sachsenwalde veranstaltete.. Tic gewaltthätigs Roheit und daS gesellschaftliche SanSculottenthum. konnten die Antisemiten auch bei dfeseni Anlässe ko wenig verbergen, wie Mephisto seinen Pferdefuß. , < Wenn sic sich auch am folgenden Tage, vielleicht in einer Anwandlung von Schamgefühls bemühten, den „deutschnalionalen" Antisemitismus gewissermaßen von seiner salonfähigen'Teile zn zeigen, indem zahlreiche Studenten, Teputirte, darunter auch der antisemitische Abgeordnete Hauck, mit .Kornblumcnstrüußchcn yorfnbren und im Palais Palffn mit Kornblumen deeorirte Bisitkarien abgabcn --- der vollberechtigt peinliche Eindruck, den die merkwürdige Huldigung' vom ' vorhergehenden Abend auf alle anständigen Menschen und besonders ans den Fürsten selbst hervorgcbracht batte, ließ nch dadurch nicht ans der Welt fchasf.cn. In eine,), «bespräche, das BiSinarck bei der Soir-e im Palais Palffy mit dem gleichfalls erschienenen. Bürgermeister Tr. Prir untcrbiclt, üiißernMer sowohl seine Freude über den berz lichen Empfang, der ihm in Wien bereitet wurde, wie seine leb I,iifte) Mißbilligung über die Er eene, welche sich am Abend bei seiner Ankunft, abgespielt haben. Seine Tant>agung für den berzlichen Empfang in Wien veröffentlichte der Fürst vor seiner Abrcii'e in dem hervorragendsten Trgan der deutsch-liberalen Partei Testerreichs, in der „Reuen Freie» Preise". Es ist dies eine bittere, Lection für jene Eliaue, die gerne einen Mann ii>i^. Bismarck für stell in Anspruch nelnnen möchte, um dadurch - nch jene Eristcnzbcrcchtignng zu verschaffen, die ne anS nch heraus nicht besipt. ^Kwifferniaßen, als iollie niemand darüber im Zweifel sein, daß es der Äntifeinitisnins, wenn auch diesmal unter deutsch nationaler «Flagge, ivar, der i» den Straße» Wiens rumorte, machte 'Tr. Lueger die Borgänge in der Wallnerstraße im Rcichsratbe rum Gegenstände einer Inierpellati.vn. Selbst ein der Partei Luegers »ein' nalicstebcndeS Blatt weist auf den inneren Wider'vruch und die t'sinvagiheit dieser Iuterpellaiion hin. Wir fragen hier nur das eine: Wie kommt Tr. Lueger, der bekannte '»'egner des Rationalismus, Tr. Lueger, der Prvteeior der Rumänen Tepnialiou dazu, eine Lauze für die denischnätionalen Tcinoustrauien Ai breck,e» L Tic einzig plausible Lösung des RäibsiNs läge nur in der Annahme, daß sich in Lueger das Sslidaviiätsgcfühl, das ihn mit allen Auii'euiiien der Welt, alio auch mir den Rosenauer Eoulcur verbindet, anläßlich der ' jüngsten Scandalscencä rührrb. Ter internationale Eharatier des Auliiciniiismus tomint somit selbst 'bei'nationale» Temonstrationcu zu:» Borschein ' &Kultatir>c 5ocial£emoh'atio. Tie neuest: Liebhaberei der , „christlich socialen" Aniiseuiiic» bestcbt darin, soeialdciiiotratische oder doch wenigstens von Arbeitern doininirte Bersainmlnngcik' aufzuiuchen und so gewifsermaßen eine Menstir zwischendem „christlich socialen" und dem soeialdemolratjscheu Brogramm herbeizuführen. Tb es dabei den antisemitischen siircheulichleru bloß um die Bekehrung der Arbeiter von dem dlirch .'»den a.igezetlelien ,'oeial deuiokralischen Irrwahn, z» ihun ist, oder ob sich geiviste. Führer auf , dieie Weise schon bei Zeiten eine Rothbrückc bauen wolle», bleibe l dahingestellt. Wir wissen nur das Eine, daß den allbejubelieN und viel : verhilnü'ielten „Boltsmännern" Luegcr, Schneider, Liechkensteiu u f w. in derlei Ber'animlilngen, wie wir auch noch au einem anderen Beispiel großer 'Biatiherzicheit dein Eapital-gegenüber zu rechnei lige». Allein zeigen,- iii'.mer tüchtig hcimgcleuchtct wird, und daß'eS wenigstens für Ilnbelheiligtc deu 'Anschcin gewinn;, alS erlanbten die verstockte» Social demokratcn sich ' mit Ihro Wohlgeborcn Und Hochwohlgeborcn eine» recht guten Tag zn bereiten. So schieii es wenigstens uns anläßlich der am Juni beim wohlbekannte» „Golde neu Luchsen" staugehabten Arbeiter Versammlung, welcher Tr. GcßNiann und-der unvermeidliche Lueger beiwohnten. Beide breiteten zum fonndsovieltenmale ihr bekanntes Waarenlagcr aus, wobei sie sich wohl hüteten, mit den christlichen. Stücken allzu vordringlich zn sein, und lieber die sociale» in möglichst grelle Beleuchtung.ruckten. Und es ging wirklich Alles leidlich, iMange nämlich Geßmann und Lüeger alleist sprachen nnd jeder Ein Avu.rf dev Socialdemvkratcn von den Antisemiten uiedergchenlt wurde. Li ach einer langathniigcn Tarlcgnng dessen, was monicnkan feine - tunou aut d:e Landwirlhfchafl^ die «Frachienniiternehmuugeu und-Berg - werke angestrcbt. habe Tie laudwirtb.schastlichc» Arbeiter werden per - nachläingi. ,>>. B.: Prinz Licchtcustein zahle a»f feinen E'ülern einen . sehr geringen Taglöhn. Tie Soc'ialdemokratc», sagte der :>cedi er, seien bei Anriseniilen gegenüber auf dem vorgeschritteneren Siandvnuti:, weil sie das inkcrnaiionale, intereonfcssiouelkc Eapital bekämpfen. Es sei ferner nicht richtig, daß die Socialdciuokraten gegen Ber'chiedencs nchi Stellung nahmen, iondetn ne iejeu bei den Wahlen gegen diö indirieten Steuer» nnd für die vrogreisipe Einkoininenstcuer aufgetreien. Tr leinen Einfluß auf die Getepgebung. Als Lueger nun k .„Haben Sie gegen den Bierkreuzer demonstrirtL", erhielt fertige Annvörk, Herrn'Tr. Lueger liege der Bierkren;er es sti begreiflich, wenn er jenen, -welche mehr B.ier verln am Herze» liegt. Heiterkeit der Socialdemokraieir. . Tie traten unterscheiden ück, von den Aniiseinilen dadurch, das: einen gewissen Theil der 'Ausbeutung beicil-kzen . Socialdemot'räie.n - gegen jede Ausbeutung seien. So lai st'inip:»' ihre bisherigen . Wege wandeln, iverde die Einigkeit Tr.! Lueger gesprochen, nicht zustande kommen' und dürfte hiebei, wenn er auch ein, 'ehr vermöglicher Mann ist aufgeschtiilien haben. | 'Aach dieier derben Abferiignug lvrsuchte Geßiuaun noch einmal :u . Worte zu gelangen, vielleicht iim den Anliseiuiiisinus vor > em B erd nein e in dem aUgeineliien Luinulie, der sich erhoben hatte, nnd ror dem „Lied der Arbeit", das die Soeigldeniokralen austiuimicn, verhallt ungchörl. Ti^ Arbeiter-'hoben hieraus üieuniaun auf und trugen ihn hinaus, welches Beispiel die Auliseinitsi' Tr. Lueger und Tr. «äcßiiiann gestisseullich uachahmien. Tie schvucn Tage beim „goldenen Luchsen", in welch u -semiten die uilbestriltenen' Herreit der Sikuälion waren,, sch zu sein, »'eit Tr. Lueger sich vorgenpinnien kgu, die „Ehristlich Socialen" mit den Arbeitern auch gegen ^.-reb Stande zu briugcn. Lueger, der. sich nach .seinem eigenen auf das Arrangcincnk von Bersainmluiigen trefflich verstelu, scheint kiefern Falle nur das Ejnc.vergessen zn haben, daß selbst eine grötze wie die seine inrnier nur mit Poltet bestehen kann. - / und nie gegen den hätten aber izwjschcnrief: r die. ickilag-' am Herzen: auchen, mehr Soeialdemo . leptere nur währenddie ge die 'An-ti van. welcher sr .Lueger- -»:>' bißchenleine stimme qie' Schultern mit iluem die A.utck. inen vorüber Belciiiiqunq der Willen zu Anssprücki in r einagogcn Willen des-