Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 11 (19.6.1892)
- Date
- 1892-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 11. Freies einem als Reichsrathscandidat durchgefalleuen Advocaturs Eoncipienten dafür, daß er das Wiener Kleeblatt, welches die Tauben nicht schöner batten Zusammentragen können, nach Salzburg „verschrieben" hat. Tann würdigte es in eingehender Weise diese drei toaste. Pscnner bettle uni die Gunst jener feudalen, welche landwirthschasllichen Arbeitern wahre Hungerlöhne zahlen und denkleinen Bauernstand durch ihre Gütercomplere förmlich erdrücken. Bo» liechten ü e in, dein „großnasigen clerical feudalen Prinzen",' sagte das „Salzburger Bolksblatt" : .Prinz Alois Liechtenstein, ein hervorragender Bertreter eben jenes FeudaladelS, der mit Berachlung auf das niedere Bolk lierabblickt: derselbe Viechtenslci», der mit seinem berüchtigten Schul antrage eben diesem Bolke das zu seiner Eristenznothwendige Ausmaß geistiger ^Bildung auf ein Minimum »Herabdrücken wollte: derselbe Viechlenstein, der für den Bauernstand mich nicht das Geringste geleistet hat und dennoch sich nicht eutblödet, einen Bortrag über die Rothlage des Bauernstandes halten zu ' wollen; derselbe Viechtenstein, der einem als Stainpiglienfälscher gebrandniarkten Mechaniker Schneider die Hand drückt näd in de» Heurigenschänken der ehemaligen Wiener Bororke dem'antisemitischen Janhagel hofiert — dieser Man», der im Herzen (Mentaler, aus Ileberzeugung Feudaler, aus Berechnnng .Antisemit ist, dieser Mannwill glauben niachen, daß er für die Verteil des Bauerninrt Gewerbestandes wahres Mikgefühs hat? Für wie dliinin muß er doch das Bolk Hallen!" „Zuleht befaßte sich das Salzburger Blau'mit V lieg er, „dem großmäuligen Wiener Advoeaten, der seine politische Ueberzeiigung wechselt, wie andere Vente die Strümpfe". Es eilirke u. A. das geflügelte Wort vom „Benschelherausnehjjien" und erläuterte den Begriff der Saüsfactioiisiinfähigkeit. Auch au» Montag ließ es das .Salzburger, Bolksblatt" .an Auf nierkfainkeit gegenüber den „christlich socialen" leasten nicht" fehlen, wenn es auch hauptsächlich der akademischen Fugeud Beachtung fchenlke. Anknüpfend an das vor .Kurzem in Salzburg siaktgehabrc deutsch akademische Sängerfest schrieb, es: „Kaum und die Klänge verrauscht, die /restreden verkliingen, >'o taucht schon der A'evcrs der Medaille ans ES war vielleicht manchem nnverüändlich, daß freunde des jngend lickzei^ ts'esanges, ehemalige Eorpsstnddnten. „alle Herren" nicht vollzählig bei drin ,veite erschienen sind. Tie Erklärung gibt sich do» selbst: Tie unerfahrene, leichtgläubige Jngend laßt sich oft hinreißen: in ihrer Mehrzahl isi die österreichische Skndeiiienichafl von den Anti ieinitenführern geleitet, und die .. Schwärmer für Feeilicil" sind in ihren Banden. Herr Schönerer war auch hier. Er halte sehr Wichtiges mir einigen Snidenie» zu besprechen, und seht lanckg» gar Ton V-iurole Hirt 'ein Saucho Bania auf, »in die streclametroiiimel n In Heils arm«c zu schlagen, eine hernintiehende Truppe von rhetorischen (Gauklern, welche iiniuer dieselben Borüellungen gebe», die nio.n ja vom „«Goldenen Vuchsen" zur «Genüge kennt Tie Erfolge des Anliseini k i s i» n s >' i n d - n n r a n a li r i t a r i v e: die Tn a i i t ä k d e r o sie ne n Anhänger;eigt sich am hellsten dorr, wo der Roh.eil gegenüber die'Ra men von e l c h r t e h, ho h e» Staäts .beamten, .Künstlern, Schriftstellern :c. au flau che», in lenem B erein «, meid) et s i ch d ie Aufgabe gestellt hat, d e n A n t i i e in i l i s in u s z n b e kämpfe n u n d der i h n a n ch t hat sächlich »fit Erfolg bekämpft. . Bei dem akademischen Gr-sangst-sie ivnrde auch von den. „Idealen der' Fugend" gesprochen Sie sind kebr eiiigeschrnmpfk, .diese Fdcale, denn das heutige Uüivcr sitäisleben bedarf einer -lcetorin, soll die Gesiiilinirgsrobeii, die 11 it selbstsiändigkeir und die Berachrnng der Mei>sck>e>rrechle'nicht jede höhere Bildung beeinirachrigen Tie äcenlinge werden einfach luitgerisicn und die in der Mitldlschnle, obwohl auch in - dieser der Antiseniiiisiniis häufig genuglschon spukt, gelegte Grundlage wird ihnen geraubt. Tie Gcisiesilchlnng der Sohne sei 'der Ausdruck der Bildung -der^Bärer, ebenso wie die Wahl in die öffentlichen Körperschaften VOwnns; der Bildung der.Wähler ist " . Ans der Heimkehr - nach Wnen sollen die '.christlich socialen"; äceisend.-n auch V: n z mit einer Bersauiiulung beglücken, „Zur Bor s geickiicht^ die'.r Bei saininlnng schreibt die „Tagespost"-: „Vueger! ivill sich der üfciiuile,i versichern, daß sie auch linier der ^nchtruthe 1 Hol-enwar is ihrem obervsterreichischen -Vandragsbeschlusse treu bleiben und ihm linhsch in der Balnkafrage Gefolgschaft leisten. Was Vueger j von der Balurln: age versteht, ist bekannt, nämlich nichts,, also etwa - soviel n ie Brinz Viechrenstein von kRwerbefragen. Aber schimpfenkann j er' und darauf reist : Wie wir erfahren, weilte am Samstag! ill d M einer der Wiener Anliseiiiiienhältvilinge in Vinz und verlangte : vom <s'enossenschaftsverh urte die liiiil'eiutitiiq einer Bersamnilung, in [ welch« sich Viechienstein und Vueger produciren könnten. Tor Genonen- I schaflsverband aber lehnte veriinniiigcriveiie ab. Als jedoch mehrere,! tiinieist clericalc Mitglieder des Berbandes de>lnock> eine gewisse Religio de'„ach .der antisemitischen Weisheit zeigten, ließ sich der Präsident I Blatt. des Berbandes, Herr Siegl, besti»»n<-n, aus eigene Faust die Bersamnilung einzuberufen. Unserer Ansicht nach wäre es wohl bester gewesen, die beiden Größen des Wiener Speetakel-Antisemitismus ruhig an Vinz vorbeifahren zu lasten, denn lernen wird man von ihnen gewiß nichts; zur Klärung haben diese elerieal-antiseinitischen Herren nie etwas beigetragen, höchstens zur Berwirrung." Tie Berichte über die Bersaininlnngen, in denen die Agitationsreisenden anstraten,.- bringen wir, insoweit sie uns bis Schluß des 'Blattes vorliegen, unter der Rubrik: „Ans antisemitischen Bereinen und Bersaininlnngen." (Berein zur Abwehr des AiitiscmiliSiililSF Im Berlage deö BereinrS zur Abwehr des AnliseiiiilisnniS ist soeben eine Broschüre: „Bericht d e r z w e i t e n G e n e r a l v e r s a »i m l u n g des Per eineS zur Abwehr des Antisemiliöinus. 1892" erschiene». Ge siniiniigsgeiiossen erhalte» diese empfehlenSwerlhe Druckschrift auf Berlange» durch das Bureau des,Bereines (Wien, I., Parisergasse 4) sowie durch die Adininistration unseres Blattes (Wien,. I., Seilei ställe 10) gratis und franco zngesendek. - «Tie Hilden und das Handwerk.) Tie Behauptung, daß unsere jüdischen Mitbürger dein Handwerk ferneständen, bildet einen so wichtigen Theil der vielseitigen Anklage, welck)e die Antisemiten wider die Fnden erheben, daß wir eS als eine unserer wichtigsten Aufgaben erachten, gei-ade ans den Antheil der Fnden a»> Handwerk, an seiner Pflege und Förderung immer und immer wieder znrückznkoinmen. Ter .Be re i u z u r Beförderung der Ha n dwer ke nn te r de n inländische» Fsraeliten" versendet soeben den 40. Jahres bericht seiner Thätigkeit, welche er im Fahre 1840 allfgenommeli lzat. Fn einer Zeil, wo die »luden nochganz ans sich gestellt waren, über nahiu der Berein seinen schweren Berns, n»d zwar nicht etwa ge zwungen dip>-ch planmäßige Bokwürfe gegen das »Indenlhui», sonder'n aus eigenster Initiative und anfrichligeni Bestreben, die Vage der Inden zu fördern und zu bessern. Welches die Erfolge dieser Thätigkeit waren, zeigen am beste» einige nackte Wahlen. Rach Ablauf des ersten Berein's jahres betrug die 4ahl der Bereiuszöglinge :> Fin Jahre I S;»(> war der Präfeiizstand bereits < > 4, im Fahre 18l',0 I V,7, I X7> >'2 l 2, 1:8.40 ,<>, was einem Ziiwachsverhältniß von 2>> Percent gleidfloinnit Fn den folgenden Fahren war der -Andrang von Seite der Aspiranten so groß, daß die Mittel des Bereines selbst nach Fiiangriffnahme des Reservefonds nid)t mehr ausreichten, und so mußte denn, nachdem die Aöglingszahl 1884 ans die Höhe von 5G>! gestiegen war, eine unfreiwillige' Stagnation eintreten Bedeutenden «^eldilntersiiivnngen bekannter jüdischer Wohl thäter gelang es jedock), dem Bereine die Möglichkeit zur weiteren Er . füllung feines sdjöne» Berufes zu bieten. Ter Erfolg war günstig.: 1**7 betrug die .Zahl der Zöglinge 020, 1888 700, 1880 1020, 1*00 1440 und ls01 l’>7f>, Tie O'esamintzahl der bis 1800 durck) den Berein dem Haizdwerl zugciiihrlen jüdischen .9naben betrug '».'<02, voii denen-' 2228 als befähigte <0ehilse» entlassen wurden. Eine schlagendere Berid>tigung der antiikinirische» lfrsindungen gibt es nid)t als den Umstand, daß von diesen 2228 jijdisdien Handwerkern nicht weniger als H>2>, d. i. Percent der mühevollsten Brand>e, den versd>iede»en Zweigen der Metallarbeit; angehörten. Weiters waren besonders stark vertreten die Tischler (24."> oder 11 Percent), Tape zierer . 1<*I oder 4 '» Pcrcenti, Sdi»h,nad>er (240 oder I0'8. Percent), Buckibindec und Vederai beiter 1 <*4 oder 7 4 Percent, und Trechsler und Holzbildhauer e2.",'> oder U>.'< Perceni» Vetztere Ziffern beweisen, daß die Fiide» and, „»' dem <ssi-l'iete der vom guten, l^eschinack be- -stilnmteik Handwerte sich mir Borliede bewegen. Ein nid)t zu unterschätzendes Blittel zur Beiirtheilnng der BereinSthätigkeit liegt in den; anfgeweiideten <sst-ldsiiinmen: dieselbe» betrugen 1887 I2»4.H >888 17 802, .1**0 2;’> löl , 1*00 1.018 Hirt 1801 ,">1.828 ft. Wir ridften an - die hiesige aiilisemiliid>e Heupresse die offene Anfrage, wie sie diele staliftifdien Taten mit ihrer beständigen Behauptung von der Arbeiksidieu und 8cf Abneigung der Fiiden gegen das Handwert .vereinbart. ’ llriUillDiiltCll. Wir erhalten folgende ^uidirift: «beehrter Herr Reba-crenr! «senauc» Tie mir, Fhncii einen tlcincii Fall zu erzählen, der für die gesellichasl liche -Bildung der Äntiseinite», auch wenn sie,sich aus der „Fntelligeiiz" recrutire», »»gemein bezeichnend ist Schon teil langer Zeit -verkehre ich in einer Resla» ralio» des V.. Bezirkes tiov meiner indi'chen ckonkeifio» unbehindert. Vorige Woche fügte es der Ziifall, daß sich zu.unserem Gastkreiie der Posioffteial Sch gesellte, welcher mir längst als glühender Anliseinit bekannt iff. Wie nicht anderSin erwarten, kam das wetpräch gar bald auf das unleidige-Thema vom Aiitijeinitisnins, wobei mir -Sch. gegenüber das iriivorsichtige Wort entschlüpfte: „Fch begreife nicht, wie Sie, als k. k. österreichischer Beamter, deiitschuatioiial