Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 11 (19.6.1892)
- Date
- 1892-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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* Nr. 11.' freies Statt. 5* :te im Sinne der ShUiieimteii (ein tarnen Y" Die Antwort, welche mir der gebildete Mann gab, war echt antisemitisch; er schleuderte nämlich einfach sei» Bierglas »ach mir, und nur einer raschen, ausweichenden Bewegung.habc ich öb zu danken, daß die Antwort de« Herrn k. k. PostosficiolS nicht an meinem -stopfe zerschellte. Ein Lommentar hiezu ist wohl überflüssig. E-s gibt mancherlei Grunde, die mich abhalten, gegen den antisemitischen Urwaldnienschcn kläglich vorzugehen; wen» Sie jedoch, geehrter Herr Rcdacteur, diese Zeilen in Ihrem geschabten Blatte veröffentliche» wollen, so bitte ich die« zur allgemeine» Ehargkteristik ' ^der Sitlenvenvilderuug in unserer Stadt zu rhun Mit vorzüglicher Hochachtung - I!. «^ksillt.) Der am 5. Zuni in Prag verstorbene Psychiater Professor Tr. Jakob A ischl hinterließ ein nicht unbeträchtliches Berinogen, welche« »estainentorisch meist wohlthätigen Zwecken zugcdacht ist: ». A. sind lllOlü» fl. zur Heranbildung jüdischer iinaben für da« Handwerk bestiiiinit. (Wieder C-iucr.) Der Begründer und Borsitzende' de« «i öd n er -.'lntiscinitcnvcrcinc«, ein gewisser Karl Julius Grüner, ist, wie sich hcrauSstcllt, ein Hochsi'aplcr gefährlichster Art, dein gegenüber der Diebshehlcr Dostalek, der BertrauenSinann unserer Antisemiten, rein wie ein Engel erscheint. Bor einigen Tage» erzählte das rheinische Weltblatt: „Eine Anzahl von Männer» in unscrcr Mitte ist bctanutlich der Ansicht, daß nia» in unserer von socialen Wirren nervös durch zitterten j^cit nichts Besseres thnn könne, als die Bürger durch eine gehässige. Hetze zn entzweien, zn spalten und zu verfeinden. Die M>än»«r, welche in dieser ernsten Heit sich diese Ausgabe fielUit, haben l ciuc^.-., Deutsch socialen santiscinitischcn Bcrcin" ins Hebe» gcrnfcn. ° »irDSr^Begrnndcr n»d Borsitzcndc dieses BcreilieS, ein Herr t8r»ner, . bei» verwechselt zu werden ein angesehener Herr dieses Raniens 5 »icht^wünscht, hat kürzlich in einer Bcrsauiintnng den anwesenden h Polizeicoininissär anfgcford'ert, seine Erklärung zn Protokoll zn nehmen, von jüdischer Leite seien ihm 10 000 Mark geboten worden, wenn er von der Bewegung znrttcttrcte. Herr Grüner hat nicht vcrrathrn; welcher Zude auf diesen weisen Einsall verfallen sein soll; seine Be Häuptling schlvcbt also in der Vuft. Um so größeres Aufsehern erregte es, daß in der letzten Bcrcinssitznng iniigclheilt wurde, Herr (''nmet habe sich aus Gründen, die man nicht bekanntgeben tönnc, gcnöthigt gesehen, ans dein Bercin anszntrete». Es heißt, daß eine Umschau i» der Bcrgangcnhcit der Tamilie Grnner Dinge ergeben habe, in deren BcNrthcilung die ehrenhaften Zude» n»d Richtjnden einig sind Wer die Geschichte der Hetzbewegung in 'Deutschland verfolgt hat, wird nicht «iudcn, das; dieser Borgang zufällig ist. Bei dein gesunde» Sinne unserer. Bürgerschaft können wir »nr glaube», daß die Bewegung in «iöln de» Todeskeim in der Brust trägt." inzwischen hatte Grnner Reißaus genommen, und die Heitlingen brachten die weitere. Meldung, daß er pon der Staatsanwaltschaftin. Magdeburg wegen Betruges steckbrieflich verfolgt und ans einem RheinDampfer -bei Bonn verhaftet worden ist. An» erfährt man auch RähercS über das Borleben dieses j ‘ ..Social stcesormchs". <«'rnner saß schon früher einmal wegen Betruges : mt t^cfüngniß. Lein ganzes Heben ist ans Vügc, Betrug und. Schwindel basirt. Er pflegte sich als Einjähriger, Assistenzarzt ,-c. ans znspielrn nüd die Veute zn brandschaven Trüher Halle er eine stelle > als Kranlcnwärtcr, später als Kellner inne. in Hannover will er | I«> >><<l» Mark für die antiscmilische Partei gesammelt haben: ob er sie/ gesammelt hat, steht dahin, jedenfalls hat er sie nicht abgelieselt. «Ailtisriilitische Wnhrhcitslitht.) Man schreibt uns ans Süd! deutschland: „ich habe ihnen eins der Maste der antisemillschcn l He(pcnthatcn einen interessanten .Tall' vorznsührcn. Er hat insofern! vielleicht ein speeiellcS intcresse für Deslcrrcich Ungarn, als der Held! der Geschichte ein Ungar ist und Herr Reichstagsabgeordneter Zimmer \ m a n n die günstige Gelegenheit wahrgcnomincn hat, die .Eultnr! znständcsin ihrem Reiche in dem Hellen Vielste der internationalen > Wahrheitsliebe der Antisemiten z» schildern. Aach einem Referate der antisemitischen 'Wochcnzeitnng .Rheinische Wacht', ist Elberfeld erscheinend iRunliner 2D vom -1. in>ri>, hat Herr Hiininermann in -einer Bcrsainmlung des .deutsch'sociale» Bereistes in Elberfeld u. A. gesagt: .i» Frankfurt a. M. rd)njcbfe ein Proceß, der auch im .Reichstage zur Lpr.che gekommen ist. Der Jude Schallinai er heißt übrigens Halmei und beltieb sein l^cschäst unter der Tirnia ^challineimr, dem Rainen seiner Ehesran - hatte pieke Heute betrogen und war dafür zn einer geringen Strafe vcrnrtheilt. Da« Gericht billigte ihm mildernde Umstünde zu, und zwar ans der Erwägung: I Der Angeklagte sei zwar ein begabter Mensch,, habe sich aber von Aiitang rin in einer VebcnSstcllnng bewegt, die ihm ei» Bergehen gegen das Eigenthnin nicht als etwas Lclslimmes erscheinen lasse. ~} Name und Adresse der Absenders sind in der Redaclio» bztaiiilt. 2. Die Jude» hätte» überhaupt moralische Defectc. Wohin sill.-daS führe», wenn solche^ inildcrnde Uu>stä»d5 überall playgreifer? Ein österreichischer Jude würde zu seinem Lohne sagen: Hevi, fa> ge nur. zeitig an zu betrüge». Wenn du darin erfahren bist, gehst lm nach dein Teulschrn Reiche, da kannst du betrüge», nnd koinnist du vor. Gericht, werden dir mildernde Umstünde zugebilligt.' — ES erschien mir unzweifelhaft sicher, daß ei» Richter nie und »immer De> artige«, wie ml 1 und 2 angeführt, 'gesagt hgbcn konnte. Aber daS genügte mir nicht, nnd ich darf vielleicht^ ohne die Vefer Zhres gechaplc»' Blatte« zn ermüden, auf die Acten des Proccn'cS Halnrei, w lche ich, eingcschcn habe, kurz eingehen. Der weiter unten mitgcthcilte AnSzng wird drastisch beweisen, daß cS dem Abgeordneten Zim» ermann und der .Rheinischen Wacht^ lediglich um die! Aufhetzung zn tlum ist, und daß eS fid) auch hier wieder um Entstellungen und Ersrndungen, um einevollkommene Unwahrheit handelt. Wir lassen i u» gen AnSzng ans de» Ploceßactcn folgen: Zn der Strafsache gegen de» .Kaufmann Sigmund Hat in ei, zür Zen .hier i» ll»ters»ch>i»gsl>aft, geboren am I I. Deceniber 1 H'i 1 z». Budapest, o-rheieate seit l. Juli lsx!» mit Aiarie, geb. Schallmeiner, wegen Betruges. Seite 2l: . . .wen» die Eoniniittenten dabei den von ihnen an >estrebien Ruhen erzielen sollten, innßtc der Angeklagte nothivendig Schaden erleiden: wen» der Eomniitlent bei niedrigem Eonrle taufte, erzielte er als tzeckäufer e^ncn fchleriile» .stanspreis, weiin ieber bei gestiegenein Eonri'e wieder verlaiitte, mußte, er als .stänser die Tiffere»; gegen de» Einkanssconrs ans iein-r Ta>el,c bezahlen. Ter Angeklagte wollte aber, wie ja. selbstverständlich, Geld l erdienen Er hat das Porhandensein nnd die Bcreäitigiing dieses Brstrcbent in der Haiiptverhandliing selbst drastisch mit der Benie>kii»g beionl: „Er > i,ia kein Menscheiibegliiiker." T>r Angeklagte, ein geiviegler .Nenner der Börse, hat dann auch Ihgtsächlich planmäßig und consegnent bei der Auswahl der Paniere »»d de« ZeiipnnticS des A» lind BeikansS derielbe» nnd leine» sonstig'» Boris inaiiipillalionen.. den Zweck verfolgt »nd »leisten» auch erreicht, süS' len Com mittrmeit einen Eonrsverlitst nnd sür sich einen Eonrsgcwiu» hetbeizuführe». Seite 1J1: Es kamen erschiverrnd in Betracht die dnrct, reiäie B-rstandeo' gaben lind eine »ich! geivöhnliche reichiigleit in der Handhabung der Sprache crinögticlile rafnnirle t^'iöaiiklhcit, mit welcher der Angellagte operirtc... Seite JS>: Slranniltenid kam andererseits in^Betracht, daß das Treibe» des Angeklagte» — allerdings ohne dessen Btriäyllden, sondern danl der BSach samteil der hiesigeil' Handelslanimcr nnd dein raiche» Einschreiten d'r Sirai' behörkeu — nicht all;» lange .gedauert hat. »nd dast die Beträge. > in weliüe die oben ausgesühricn Geschädigten gekommen sind, bei den -ineisten iiän sehr bedeutend ivaren, »nd schliesiliäi auch, daß es sich »in Veiile bandet», n eiche mit den verlorenen Werthe» an der Boris specnliren wollten und d.'shclb, ielhsi wenn ne sich an einrn ehrlichen Eoininissionär wendeten, den^Berlnst derielden riskirten »nd rislire» ivottleir Ansgenomnien ist hievon allerdings Bech man», welcher auf. feine Paniere rin reelles »nd <jim; sicheres Tarlehonsgeieliait machen ivollte lind hiebei von deiil Angetlagken nm einen recht elhebl wen Be nag betrogen worden ist, Tiefer Zail ist deshalb bei der Strasalisineftung be sonders schiver ins l^ewicht.gefallen." 'Der vcrflldtlt Bisilitirlk. Ans Berli» wird Nils ge Sehr geehrter Herr! Lic.schreiben i» .ihrer Zel-leii '.Vnrnsit würde uns hier nicht wunder nehmen, ivenn das .Bolk' . Bisni znni- Zndcn oder Z»deriivroßling machte " Das ist übr/gen zwar nicht vom „Bolt",sonder» vo»-'Baaich in seinem. Biicl»-. Ek sag» es zwar »icl>i direct, hegt aber- 'Bermnthiing einem Bilde >i.op'pa»'s stellt Bisinarst Hand - in Hand mi Sohne Herbert Z» den verschliingenen Händen sieht Paasch>dg der .Zngeliörigteit' zur Alliance Z>sr>iälile7' Daß Pndor in in eltichard Wagt,er einen Semite» wiildrt. ist Zlmen belai drillen Leinilen »enne id> Pio Rono Zn seiner Schritt chrieben: ..Es' tick selbst eichehe», disitleibigen u. Ans seinem Zeichen T resden »I Als' *» Ni Zesuitisinns" iprichl C ttoniar Bata von dem Papst Pio R'ono ans dem jüdische» Hanse Zrrretti. Lie ieben, daß jede Persttlage von de», antiieinitiidjen Behanplnnge» noch übcitrnniv.tt wird Mil bc'ler Ein psehlnng Boi» Pnriscr AhlwütcU. Während der Reetor Herinc NU Abt ivardt in Berlin vom lücrichte gegen eine Eanlion von Ill.lic >>» Mail an« der Haft enllast'en wurde, ereilte den Pariser Ahlwardt, Eduaid' Drninont, ein große« Malheur.' Ans lürnüd eines l^esciivornen verdicteS wurde er als B c r l e-n in d c r-g e b r a n d in a r l l. drei Monaten El ef üng »iß nnd einer Geldstrafe'von H>00 Tranes, aber auch dazu vcrnrtheilt, das gerichtliche Urtheil d ircli licht Tage hinter ernaizder an erster Stelle seiner Zeiinng sowie ins seine «koste» in,achtzig Blätte.rn von Paris nnd Tranlrei'ch zn piibliccren. Drninont halte de» Biceprälidenten der fra «kaminer Bnrdean beschuldigt, 4ffr seinen Bericht über d^s -privileginui Geld von Baron AlphonS :>c o t h s ch i l d erhalte^ war aber nicht ii» Stande, 'a»ci> »nr einen Schimmer von izösischen Bant n haben. Beweis