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Freies Blatt · 1892-06-19 · 11 (19.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
11 (19.6.1892)
Date
1892-06-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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11. Freies Blatt. wart», die da-! Polt anssogen, sonder» daß diese AuSjaugcr sich i» de» höchste» Spitzen der Gesellschaft befände», gerade in der Aristrgkratie. ES waren nicht Semiten,, sondern Mammoniten; sie lannten keine» anderen Gott at» das Geld. Und wen» von -Betrüger» die Rede ist, sehen wir un« doch in» in bcn Reihen der Christen. Waren cs Inden, die lhälig wärest un der Dachauer Bank, war Herr v. Qniftorp ei» Jude, der durch seine Gründlinge» so viele Menschen inSElend stürzte? Sind Jude» beihciligt beiden Sieuerhinterzichungen in Bochum, oder hier in Hainbnrg, war eS rin Ln de, der die, Gelder der Hai»mer Sparbank verspcrnlirte, oder ist es ein Lude gewesen, der jüngst i» Cilbeck das Vertrauen seiner Miiinensche» »listbrancht hat? Rein, ineine Herren, die Belheiligte» sind leider alle Christest, rvaren scheinbar sehr sromme Veutc, die arme Witwen und Waisen »in ihre» letzten'Sparpsennig brachte». Schlechte Mensche» gibt eS unter allen Böllern, in allen Schichte» n»d Clast'e» der Ge sellschast, und wir haben wahrlich Grund geling, selber »»S an die Brust zu schlage» u»d Unserer eigene» Fehler eingedenk zu sein, Ter berühmte Geschichtsschreiber Mo in in sin sagte einmal, eS könne dein deutschen Volke mit seiner phlegmatische» Art nur z»n> Portheil gereiche», ivcnn eine geringe Mischung lebhaslerc» semitische» Blutes ihm zntheil würde. Ten, gegenüber ist der blinde Fanatismus' der Anlisemite» mit einer geradezu un begreislichc» .Nurzsichligkeit geschlagen. AIS »eistich hier eine antijeiniliiche Per sainmlnng ftattsand, n>ar zugleich eine ganze Bibliothek antiseiniiischer Schrislen ansgeschichlet, den» ei» Geschäft muß alleweile dabei gemacht iverden. Unter de» Büchern^ sah ick auch eines mit der kolossal,n Ansichrist: „Der PeizwcislnngS kämpf der arischen Kölker gegen das Ludentl»»»", ..verfaßt von icneni Berliner Bollsschullehrer, der hieher aus Berlin gelonime» war, um seine Ferienzeit «für die Antiseiniterei nutzbar zu machen, Ci» heitere« Gelächter konnte ich nicht zurnchhalte». Rach den Aussprüchi» von Ernst Moril! Arndt und de» Fürsten Bismarck fürchten wir Tentsche» „nur Gott allein und sonst »Mit-! in der Welt". Tch solle» wir n»» .Angst,habe» vor der Handvoll Lndkn, das ist doch einfach lächerlich. Man bedenke nur, aus je taniend Tcnt'ch^'kommen immer nur zwölf Luden. Tabci will man von einem Perzweislungskanips der arischen Poller gegen die Luden sprechen, obgleich de» sechshundert Millionen Arier» höchsten» sieben Millionen Luden gegenn^crstehen... Wenn die Antisemiten ihre Persammlunge» schließen, io pflegen sie „Tentschland, Tenlschland über Alles" anznstiinnieii. Was -würde ivolst der Tichter dieses schöne» L'icdcs, Hofs man» v. Fallersleben, gedacht habe», wen» er hätte höre» loiinen, daß sein Lied heule so, erniedrigt werde, uui zur Aufreizung zun» Raeendasse zu diene»? Cr selbst war mit Lude» eng^xsreuudcl. Für TeuIschlandS Freiheit, Recht und Gerechligkeit war er von verdichteter Glnlh entbrannt. < Tie Antisemiten'aber wollen nicht Recht und Gerechtigkeit, sonder» Unterdrückung .ihrer Milmeniche» lind Ungerechtigkeit... Um ihre böse» Ziele;» erreichen,. scheuen die antisemitischen Führer »kld Scklriststeller -vor den verderblichsten Mitteln nicht zurück. Tie verdrehen die Wahrheit in unglaublicher Weise; sie verbreiten Bücher und Flugschriften, in denen die Wahrheit geradezu ans de» stopf gestellt wird . . . Als jüngst der aulisemitiiche Reichstags abgeordncle Herr Zi in in ermann hier anwesend war. hat auch dieier die Wahrheit vollständig bekleistert. Es ivar eine bodenlose Frechheit/den Hamburgern den hoarstränbenden Blödsinn»ansbinde» zn wolle», die Luden hätten das römische Reich vernietet. Lch ipar starr vor Staune», als ich diele verwegene Aenßeriing körte, 'Wie, sagte Mi mir, das wagt der Herr den Hanl bürgetn zu , bieten? Traut er den Hailwurgern >'o wenig.Nenniniß der Gescinchle zu, daß er sich nicht eniblödet, de» Hainburgern solchen Uiisin» aukzinischen? Weiß denn nicht ein jedes Rind der Volksschule, daß wir, Teiwchen das römische Reich über den Haufen geworsen haben, und sind,wir nicht Noch heute stolz daralls, daß wir es gelhan? Taß die jungz» Hamburger'.nausleule, welche hier zahlreich anwesend waren, sich solche Tumniheiten bieten lasse», das hat iiiMi in der Thal sehr gewundert. Einige llalichten sogar Beiiall, das ivar mir mehr als erstaunlich!' , ' Vergebens rufen die Anliseniilen ij<Mi einem ,neuen Äusnähmegeseh - es wzrd ihnen niemals gelingen, ein solches, zustande zn bringen. Es wäre auch nicht möglich, die Juden durch Ausnahmegesetze'zu dcgradiren; sie sind eine vi>l zn intelligenle Menschenart, ne würden sich, dann erst -recht' enger zuiaminen zeliließe», ivir ja 'das jüngste AnSnahmegesetz cs gelehrt hat. welches gerade auch das Gegenlhcil. von dem bewirkte, was, beabsichtigt war. Tie'Antisemiten haben Angst, weil sie iuissen, daß sie mit der Intelligenz vieler Luden nicht eonenrrire» lönncn, »ud wollen sich, wie schwächliche »linder, hinter dem Ausnahmegesetz ver bergen. Tic stärksten Triebfedern de» Anlijemitisinns sind eben der Eoneurrenz neid und der Ehrgeiz. Sie könne» nicht vertragen, daß der Lude ihnen auch eine Stellung streitig macht. Darum wollen sie da» Lildenthnin Niederdrücke», Aber iver weiß denn nicht, daß tapfere und einsichtige Geister, die inair nieder zudrücke» versucht, nun erst recht ihre siräsle anstrengen »»d alle Maßnahmen der Unterdrücker dergestalt zunichte mache», daß, sic schließlich den Unterdrückern z»in eigene» Schaden ansschlage»?! Tie än'liscinitische Bewegung ist aber nicht nur verderblich und unheilvoll sür die friedliche »nd innere Enuvickliing Tenlschlalids, sonder» bereitet ins auch neue Gefahren in unseren Bcziehnngc» zum Auslände. Ln -den Vereinst len L iaaieu von Rordamerika, in Brasilien, Argentinien, Chile und anderen päniern Sccke!i. weiche mit gibt eS schon langst mächtige Parteien» die sogenannten , L at i veyr' scheelen Augen auf die eimvandernde» Deutschen sehen, alls deren Geiverbsleiß denlschcn veil wr und Betriebsamkeit. Am liebsten möchten sie Ausnahmegesetze gegen die Eiinvanderer. I» England ist eine ganz ähnliche Stimmung jetzt breitet; , wenn also die Antiseinilcn jetzt mit Ausnahmegesetzen vorgehe it wollen gegen die deutschen Juden, so kann die, Rachwirkung in jenen Vänk ern nicht lange ansblciben. Schon reibe» sich die fanatischen „XntirtLs" die Anliscniiten gebe» ihnen die beste Handhabe nnd Grund genug zu A maßregeln. Sie werden sagen: die Deutschen .unterdrücke» ihre eigene» i'andslente, die »Mer ihnen geboren und erzogen sind: was habe» wii seemde» Tentsche» zu schassen, die hieherkoinnie», unsere besten Stell schlag zn nehnikiiSo werden >ene Amerikaner nnd Briten, sagen werden wir zugeben müssen: mit einer Berechtigung die wir ihnen seil haben. Wen» also, meine Hebrenz unsere Söhne und Brüder in fremd in ihren Stellniigen geschädigt und bedrängt werden, dann würd äiide, die isnakine jüdische» mit.den n in Be > »d leider st gegeben » t'anden sie es die »iil »»'s be rielle nnd riamisteltnde ihren ii > e niemand Anderci» z» verdanke» haben als diesen Herren Aniiiemiter, ihren, Patriotismus', prahle», aber Alle« daransetzen in ihrem blindea, schränkten Eifer, um da« Vaterland helabzuwürdigen und feine mal geistige.Wohlfahrt z» schädigen. Tie tnngen Aauslente, welche hier sind und für den Antisemitismus schwärme», richten also dadurch am eigene» Bruder, Verivandle nnd Frdufltc im Auslände zugrunde Es sind fetzt achtzig Lahre ,verflossen, seitdem in Preußen , die. Luden iju Einländer und preußische Staatsbürger erklärt wurden Bald dar« >f laut die Zeit heran, in welcher die Luden durch die Thal den RachiveiS ihrer Vaterlands liebe lieferte». Zu de» Freiheitskriegen von ISI.'l bis l*K> stellten die Lude» Al i i Freiwillige, und eines der ersten eisernen Nreuze wurde einem Luden ver liehen Ter Staatskanzler Fürst Hardenberg gab den indistben Freiivitligeu das Zengniß, daß sie ebenso tapfer wie die Christen wäre» L» einei > Schreiben ertlärie ex, daß die. Luden sich durch, Treue, Anhäiiglichkeit hervou »in. „Tie junge» Männer indische» Glaubens nnd die WanengesäKrten ihre, christlichen! Miibüiger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des wahr» Helden thuinS und der rühinlichsten Verachtung der .Nrlegsgefahxc» auizuiv iien, sowie die übrigen jüdischen Einwohner, - namentlich »üch die Frauen, in leber Art de» Christen sich anichloneii." ' Auch I»7l» 7l haben di Pflicht vollalif geleistet Ln 1,'i'ck S rtichaiten, ans welchen »»•? d, liegen, hat die südliche Bevölkerung drei bis zehn von 1«»*, i» einem zwanzig von I>»> ins Heer eingestellt.' >'i Luden erhielten das e lititer ihnen .'!»! Aerzte. Dcp Redner charakterisirll' hierm'if noclz an einzeliie» B Vorgehen der anlisemischeil Publieitteti., Z i m >» e v m a n, ans ein katholischer Schlesier, habe in .Hainbnrg, um dasell^'t gläubige ithers bei einer von tnsop'eruug Luden, ihre l'iften vor. Falle sogar erzie grenz. spielen da! non Hani: Prolcflanlcii zn eaptiviren, eine angeblickjc Acnszernng einem Tischgespräche zu antisemilischen Zwecken vcrwerlhct, ihm herausgcgebcneu Wochenschrift aber wolle dieser Herr vo n E'hristeii. lhnin überhaupt irichts wissen. Böckel gebe im Bunde mit ei u’»t stallio likcn ein evangelisches Sonntagsblatt Hereins, und wieder :in anderer anliscniilischcr Publieift sei oneiibar,sell>sl^jitdi!cher Abttami inng .ingen vor dem Tr. Waltenialh warnte dann »amenilich di antiicinitischc» lisjflc nnd schloß wie folgt: Als .Nailee Friedrich seine Regierung auirast, da verlü will, dast der seit Lahrhnnderle» :n Meinem Hause heilig gehalle religiö'er Tnldung auch ferner: allen Meine» llnierlliaueii. ive'.cki. geineim'chasl »ud welchem Belenntnine sie auch augeh'öeeu, zum Ei» Leglicher unlee ilmeu sirln Meinem Heezeii gleich' ual e, halle gleichmäßig in ip'n Tage» der Ge'ahe ihre volle Hingebung bew.ihri kiindele .der vortrenlicktz' Herrscher, der zu srj'ih für »nier Volt d >b„, 'icheiie» ninßte. Tie ainiieiniiische Beivegniig nannte er eine^Schm',b i, r das Labe .hundert, tsaiiz derselben Ansicht huldige» all - heivorragenden Mann r land, alle Venielcr der Winenschakt, deren stianien einen guten .gian,, der eivilisirtön Menschheit. So »ft es denn auch »nsire Psti.ht,, dainr daß der gule^'Ranic von Haiuburg beivahrt bleibe, »niepe Pfli, gäbe ist es, an »nidren» Tbeile, i'oiveil ivir tönnen.- da'ki» z» peuch immer mehr der Wahrheit näher gerückt werde: „Friede hleib' im P,Heilande, Friede ziuler ledei» S laude, llmer jedem Himmelszelt, F-licü'-iin Herzen, Frird' im z'aude, ' Friede iu der ganzen Welt!" edle „Üjrijtlfcfy=fcctalo" 2laitatton=>i P j c n ii e r,' V iecht e»it e i ii-:: und V it e g c r find als Vcvlgenannle anlündigte, ans streiscii gegangen. Ln Salzb ihnen zunächst das „S a l z b n r g e r B o l t s b l-a t r" eine r Änfinertsamkcik, Ln seiner Soiliilagsiiitinmer bcdaiitle cs sich r V Machtenstein ließ iu letzter Stunde absagen er: „,>1> isennds»? ilieligi-ms ntze g'erei.lie n doch Aue Al>'s ver in Temich habest 4Utte: mzniielen, n»d An' eir, daß der. oiK'it. wie der g witnieie oh'lverdieuie Allem bei i

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