Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 11 (19.6.1892)
- Date
- 1892-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. ■trr freies Blatt. _ J* Nr. 11. hefftidicn Bauern der verlogenen und heyenden Äntiscmitcrci entgegen tritt. $1111 liegt uns der Wortlaut einer interessanten Rede vor, welche der in seinem Wirken für Aufklärung, Humanität und Fortschritt nnermüdlichc Mann in Hamburg gehalten hat, wo crPorttycnder des Vorstandes des freisinnigen Pereines ist. £i\ Waltemath kcnnzcichnstc Bio '.’liitifemiteici als einen verwerflichen Persuch, die abgestorbene Barbarei des Mittelalters in deutschen fanden tvieder lebendig;» machen, und s»hr daun fort: ■ _ ö» das meitieMidK Geschlecht hat der Schöpfer gelegt den Wandertrieb; die'er Wandertrieb in cs, der die Böller von Kulturstufe zu Eulturstufe geführt l-ai. und wenn wir Kekitigen Tage« sehen, wie das Band der lLwilisation sich von Beikern zu Böllern schlingi, io sehen wir hierin zugleich die segensreichen - ,Z-.aaen lene» Triebes, der die Böller antreibt, ihre Heimstätte» zu verlassene neun >te ihnen nicht inehr aiiSreichen, und andere (hegenden für die Eivilisaiioi, an*'za*ä>:i>*ß,*i: -Time den Wandertrieb säßen wir^ vielleicht noch ferne hinten au' den vwt il'eiH'ii von Ästen und wären vielleicht erstickt und niedergedrückt. van den .vorhen der Mongolen: i'o aber sind liniere Bäter vor vielleicht drei /..ivliail'eiiden vier in dien-:. Vaud eingewandert. Als sie eiinvanderten. ivohnte luer "u'nenidanigeo Bois, die T'chnken oder Finnen, llnierd Bäter haben sie Hinein\-\'<n, i!".*e Wohnnye ihnen' weggenoininen. den Bodeit urbar gemacht, ifh? >V i*i NN t'Jii’V-fei* Al beit von Jahrknnderlkn u»ier schönes deutsches Batetl.l»d au'.-.ebant woiden. Ein gleicher Wandertrieb beseelte andere aristbe^ B.:.'7i, an.ti ne verließen tbülPdeimst,Ilten und nberichwenlntteil aUmälig ganz Euteva. .>ii iväterew^rtrrn Ivurden auch die seiniiiichen Böller, die ja ebenfalls mi'e.ei neißeu »Iiueliändl'äen .der >oge»annl,*n lantasisäien Raee angehören, len dem .»eiete» 'Waiidetdraiige ergriiien: die Araber lielen in Spalncn ein und he.n-teit e. *.ti>m i?n*e eigenanige Enliiie, tvelche lahihundertelaiig dedeuieadd*. i.ai a,-ä dieienige der ariicheu Miilelaliers: von den' ieinitinben *.V. ü teniteii n*ir Teniiäie ivichtige Lehren der Heilwi>'enstt>a>t, von-ihnen hinten wir Elieinie, Icitmif. önenftrie. Astroiiomie. vin (lemereit Ziigen jjerl :e:tete:; ut* .*:*.* -e*nitti’dien Inden allinatig über Europa, milchte» sich »üblich a.s B*. innttei in Handel und Geweihe und zum Tbeil uneiitbebrlich* Mau muß sich u.ii darüber klar weiden, wie ganz anders die Betkebrsverbültniffe daina.s tagen ins heutzutage. Wenn wir alio, meine Herren, uns jevt mit, tftel; *:e Teiuicheu nennen, io iilüisen wir tms doch iageu, daß wir au dein, nstiind und Boden, den wir bewohne»,' an und itir sich und vor dein Richter ihtl'U der o'e,t,*„*lne* durchaus nicht größere Anrechte bade», als irgend ein an-ei-s Bo,7, und chtt dies naiünich nicht allein von uns Tent-cheii, sondern aiiiti allen Oiiceicn Rationen in Bezug auf die,von diesen bemolinii'), Vjrte: \£i ist 'noch sehr die I rage, ob Nicht I» a nche . I ü d i iche I a iwi *. e n itnger ul Teut-chland leben als jene mancher Wort f;tt**e>. der Anliniilcn, die vielleicht aus Bolen, Rußland oder Ungarn iiev .nivu.K' .: sind eriiieu u best reub a re TKal'aehe ist es, daß in £ nt vit ft Mit-' die. finden ietion vor vielen I ahrb» »de > ten sich' n i e d e t g* l,'. * > e >: . bade», als noch kein Men'lli an eiste tu'siiche R eaieluua '.'*.*.";**. weich, ict?t in greuetvoller Weiio die Jude-» ans een '.and*. I inaustreibt. obwohl die'r sin alleres Anrecht an * .' ,1:1t d-d't!>»u als die ru-'i.'che Regierung. welchF erst vor i :,t :!>:: n dort alle teile Gebtete dem polniicheu-Botke sni- 1* : :. rg*.>valtigt bat. Und angesichts aller jener <y’icnet, die!.!!'. i.e. ’etueifft, bat ein* kcut'chcr Reichstagsabgeordneier sich nicht ein ,.e. :.n:e *,t*.n!d!ich>'» Bei'olguiigei! noch zu rechtfertigen, »ud eine urth'eilsloie Men,',.* i**.! -ein Scktlevvtrüger der Barbarei und Graniamlei! iogar Bejiall J ■ .!! in T . :'ch!and 'üblen sich durchautb als Mitglieder des - *1*1.1* B : * 57*. iv.ien *d lange unter »ns gelebt, inil uns genossen liniere ,\.e,*.."::, ::**: :111s geliiien liniere Velden, daß sie sich gar Nicht anders beirachiku :*.:. ,1- Touiiche .ihre iLinsicht. ihre Betrteb'aiiikoit, ibr isseichaslsdrano 1 i*i 111 ,i"ii Bolle in 'viel'altigster Wen'e, 'zugute gekoininen. sie haben ,i:»!.t :. o * . t:k. > *,**!* 1 -.*»,' die ge>'chä'tl>chen!>aden des Handels und Ber." >. * *> .. r. a idii so Ball weiterzu'viunen. sie haben dergestalt dazu l ** 1 n, ':ii***ch**n a.:**u vinitnrv.'lkern genonenichaktliche uud ireunkichaitliche d . ,1 I::h!''it>ii Tle -egensreich.'. Tbätiqkeit ihrer große» . * * £ *! * Btßeli * 1. ilr. ei* H.-lehrte», ihrer r! oin vonisten. ■. ^:. / ' i : * v 11 nt Bö! kS w I. I li e iß mtieiem Bolle .zugute I - ' :i *•' st d * n Ruhm d es deuf'cheii Ranions aus breite n .* * i! ß .ins g "iwi. niaieriell und geißig. Aut unierein feising , d 1 .*:i 'i.ii'ien das T enkinal nnieres* großen fesiing, : < -*. TesiritnteUers und Tichteis, des .taiNpe» der iWeißes *. .* ,> *.*.:: >->i»*i,i*t e-.echtigung: er war ein srreiind von Moies! . i' :: .!*,*.,'.:n gre-'n indischen Bhiloiopben; mit ihm im vertraulichen! *. ’ 1::^ rin . i, A.l iten d-ianreiien viedesrnal, wenn wir an vir. :i*. T lilmal n, muhen wir UNS immer wieder daran eriunern. . n is n!l ieiiioiil tniß ‘■tiau-.i sind k Enr glührnder deutscher Bairiol war. . -n. fildwig B. I:. der um de» Baterlande-S willen das Brot der Per* baininn.i **'ien mußte: gleich ibnt ieierte der .>ude Heinrich -Heiue begeiilert .7 > 7 Lendui.g', feine zukiin'lige n*ro§e und 'seinen Weltrahm. Boi» Xaiser Rolhbart sang er herrsiche Lieder, und in* seinem Geiste sah er schon den Tag erscheinet,, da der Kaiser sich wieder erhebe» werde, nm die Mörder zu bestrafen, „Tie Mörder, die gemeuchelt einst | Die Iheure wuiidersaine, Goldlockigle Zungsran Germania!" Lg habe» große jüdische Männer mit allen Fasern ihre« HerzenS festgehalten am theure» deutsche» Baterlande. T ent sch e Juden tragen deutsche Cultur in das östliche Europa und verbreiten zugloich überall die deutsche Sprache, wohin sie ko 1»nie». Rachdein Tr. Waltemath cinrn Rückblick auf die Bcrgangcnheit der Juden geworfen, citirte, er aus Martin Lu ther'S Tchrift gegen die Judenhasser die Stelle: „Unser Heiland Jesus Christus war doch selbst ein geboruer. Jude . . . Unsere Rarren . . . haben mit den .Inden gehandelt, als wären es Hunde und nicht Menschen, drum wäre mein Rath, daß man säuberlich mit ihnen umgehe» Will man ihnen helstn, so muß man sie freundlich annehmen, mit lassen werben und arbeiten, damit sie Ursache und Raunt, gewinnen, bei unS und um uns zu sein." Rach diesem Citate sagte der Redner: , - Stolz sind wir Teutstl>r,i aus unsere Eultnr, gber bedenken wir wohl, wir allein haben diese Eultnr nicht gemacht. Die Slave» und die Wenden habe» initgeholfen. 'Als unsere deutsche» Borsahren daS slavische Poniinerland in Bony »ahinen, stand die Bevölkerung des Landes i» keiner Weise .Himer de» Tentschen zurück, vielmehr ans derselben .Höhe der Eiilwicklnng. Tie Slaven wurden unterworfen, ihre Sprache haben sie eingebüßl, und die deutsche. Sprache hat siegteiche Fortsch'rine gemacht, darnin bleibt die Thalsache doch * bestehen, daß »Uerhöchstens ei» Drillet der Bevölkerung Tentschlauds reine Deutsche sind, zwei Drittel aber Mischlinge, gerinanisirte Ablölninlinge der nnterworfenen Böllerßtiaslen, ,ber Slaven und Wenden,, der Rhätier und -Elrusker/.Nelle» und Liitauer. Und doch weiß jeder, der deutsche Geschichte getrieben hat, ivie er sollte, daß die Slaven tmd Wenden von det» Deutschen »och viel ärger gehaßt wurde» als die ötirtn. Köstlich ist es mm, daß unter den Führern der Aniisemiten sich eine ganze Reihe slaviicher und wendischer Rainen befindet. Ta ist z. B. der .Herausgeber der antisemitischen Heyblätter in Leipzig, er trägt einen stavischen Raine»; da ist der bekannte Proseh'or Treilschke, er trägt ebentalls einen i'lavisllie» Raine, 1, und gerade;» 'paßhast uiliß man es nennen, daß einer der Führer der hiesigen Autisemile» einen nngarische» Rainen ldägt. Ter Herr sllieinl alio nnln einmal von den vielgrrühinten Ariern abznstannnen, sondern von den Mongolen »nd nünnit sich doch heraus, die Juden unter Ficindeiirccht stellen zl, wolle». Ralürlich liegt es iiiir durchaus fern, aus der Abilaininniig von irgend einem jener Böller einen Bonvurs herleiten zu wollen, das- >ei ferne! Wir sind zusaininengeschweißt durch die Jahihnndertr: Deutsche »nd S4ave» ini Rorden, Tenliche und Kellen und andere Böller im Süden unseres gesegneten Baterlandes: wir reden die/gleiche Sprache, wir haben .die gleiche' Eultnr eniwickelt und snid stolz und groß i» dein Beivußlsein »ni'örer stii'ainmeugehörigleit . So wolle» ivtr aber auch die deutsche» Juden mit dein gleiche» Bande der Baterlandsliebe uni'chließen. Ter Rcduer wies darauf hi», daß Hamburg durch Tnldsamkeit und (Gerechtigkeit gegen Ändersdenlende groß geworden ist. Seine Paterstadt habe verfolgten Riederländern, futheranern, Reformirteu ein Äi»l gewährt. Ter Rath von Hamburg habe auch jenen /lüde», denen es solang, ans Spanien und Portugal, wo die, Jugnisition fttit allen -ihren Schrecken, mit Folterqualeu und Schelterhanfeu gegen sie geluiitliet, zu entloiilinen, eine Freistatt angeboten, und dieser hochherzige Cnti'chlnß habe unmittelbar segensreiche Erfolge gezeitigt: Tie aus Spanien und Portugal fl ü tätigen Juden haben mit sich i hre i'veschä s t svcr b indu nge» geb ra ch t, der. Hanbei und der P e r k e h r H a m b ti r g s sei e n d a d u r ä> erweitert 'worden, uud Hamburg zähle heule noch viele Rach- 'lommen jener Inden mit Stolz z n seinen Bürgern. Im weiteren 'Perlanse seiner Aubeinanderseynngen führte Tr. Waltemath aus: - Wie ist es »nil getonuneii, saß eine aiiiiseniillsche Bewegung tut neuen Tentichen Reich entstehen konnte'.*- Rach deii riilnnreiche» Tagen des großen Krieges* begann.die Feit der Juchheiiahrc und der schwindclhastcii Gründungen, der Milliarkenran'ch hielt die Veistcr gefesselt, aber e-s währte nur eine Weile, da stellte sich »atiirgemäß der Käyeiiiänimer ein, >knd es folgten die böte» Wehetage. Ta suchte* inan die Schuldige», n»d aus einmal hieß es, gerade >vie in! de» niistereu Zeile» des Mittelalters, der Jnde sei au Allein schuld. Wer aber war es, der zuerst seine Sliiinne öüentlich erhob gegen das Gründerlhnm; wer stand ans im Reichstage am 7. Februar 1^7,', und legte den Finger auf die Wundey Es war niemand Anderer ats Eduard' Lasier, der kleine Jude, der im unscheinbaren Körner eine» geivattigen Geist'barg, lei» Geschäslspvlitiler ivie >0 mancher Andere, der das große Wort führt lind selbst die freisinnige Bolitik als melkende Kuh ansüüyt, es war /in uncigeiiiiühigcr idealistischer Ehreiimaini; er erbob sich und zeiglc dein deutscheu Bolle, daß nicht Juden es