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Freies Blatt · 1892-06-19 · 11 (19.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
11 (19.6.1892)
Date
1892-06-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Matt Aboiiiikmcntsprcis: (?)rc»än iUT -2lbU?cbt* bCS ^bntlleMltlLMUS. Rcdactiou u»d Admiiiistra io»: Aboiiiikmcntsprcis: Ganzjährig mit Postzusendung . . R. i'.io. Pierteljiihr.st.—SO. MitPostzuscnd.st — >>> Einzelne Nummern > kr. i* v)himmcr 11. (Dl‘($ält zur Abwehr des Antisemitismus. Rcdactiou und Administra ion: - . Wien Erscheint an jedem Sonntage. I. Ssirorstätts 10s Wien. 19. Juni 1892. I. Iahrg nig. Die 2ln1isennten und Ungarn. j Wie sich doch Zeiten und Menschen sorasch ändern können! ci»w wenige Jahre sind cS her, das; in der diesseitigen Reichs Hälfte die Ehristen mit den Inden ein durchaus ungestörtes gesellschaftliches Zusainnienleden pflogen -und mit -überlegenem lächeln luiihörten, wenn über die Vcillja das laute „Hcpp, hepp!" einiger Venlche» .vom Schlage Berhovay's herübcrscholl. In Ungarn hat inan sich indessen rasch — wie dno bei einem jugendkräfligen Organismus vorauöznsehen» war — von dem antisemitischen Schwiiidelansall erholt; die Scclenpcst steckte aber dafür unsere braven Landsleute an und wülhel noch heutigen Tagcö hier ärger als seinerzeit daS „große' Sterben". Das Merkwürdigste aber ist. das; für unsere antisemitischen Beilölänzler die Magynen nun ans einmal Juden schlimmster Sorle geworden sind. WaS jedem nur halbschlächtig Gebildeten schon längst bekannt war. wird den Antisemiten erst jetzt bewußt, daß nämlich die Magyäre» keine Arier seien. Und daS ist eine unauslöschliche Schmach, welche die Magyaren allerdings noch mit einigen andere» liultiiroölf.Tii t lbeilen. k. . _ Unsere braven Herren Gegner sind bekanntlich die reinsten politischen Kautschnkinäniicr. denen keine GcsinnnngSvcrrenkung zu schwer ankommt. Während sic in diesem Augenblicke den erbittertsten Feinden deö Vaterlandes über die Grenze freundschaftlich die Hand reichen, werfen sic sich schon im nächsten Augenblick in die straininste loyale Pose, und wer sie so in der Roihglühhitze dcS vollsten' Patriotismus sieht, könnte bedauern, daß solche Gesinnungskraft incnschcn nicht schon in den Tagen der Hunnenstü,me, der Türke» gefahr, der Schwcdcncinfüllc und in anderen Zeiten der Bedrohniß gelebt und gewirkt haben. Dieser StockpatrivtismuS nun war es vcrmnthlich, der einem Lueger jene berüchtigten Brandreden gegen Ungarn imd die dualistische SlaatSform auf die Lippen legte, mit denen er wiederholt die höchste Empörung und Entrüstung dcS österreichischen Parlaments zu erzielen verstand. Dieser Hyper- Patriotismus war cS offenbar, der die Berschlciß-r der öffentlichen anliscinitischen Meinung, von Zeit zu Zeit zu den giftigsten Leitartikel» gegen die Magyaren, ihre Gesellschaft, ihre wirthschafllichen Bcrhältnisse, ihre Bert-reter inspirirle: nichts als dieser noir- >»>»-< iiliia-PalriotiöninS ist eS, waS die Antisemiten eben jetzt veranlaßt, die wilde PolkSleidenschast gegen eine schwierige Finanzopcraiivn -j» wecken, indem man zugleich den Haß gegen unseren Bruder Itaat schürt. Bon dieser heißen BaterlandSliebe waren Lueger und Schneider beseelt, als sie neulich die Rninünciidepütalion i» Wien zur Parade führten. Und einzig und allein diese unvergleichlichste Loyalität ist cS, waS »cucrdingS die antisemitischen Drgane an läßlich des KrönungSjubiläums so furchtbar in die hämischeste Ber legcnhcit und Bcrlogenhcit setzte. Der Jubel, der Budapest vor . wenigen Tagen mächtig durchtönte, und dessen Echo ' in ganz Europa noch immer nachhallt, dieser Jubel, dem dsr oberste christliche Priester Ungarns den beredtesten Ausdruck geliehen hat, wird einmal alö eine bloße Fiction der „jüdischen" Presse hingcstelll, ein andermal soll er zwar wirklich existirt haben, aber doch nur von. den Juden und ihrem Eomparaliv. d^n Iudenliberalc», inseenirt worden sei». Ja man cntblödet sich picht, die ganze KrönungS Pracht als -ein Potemkin'fcheS Gemächte, daS Fest als eme Komödie - .hinzustellr». Wie? Eine Komödie, ein Fest, bei welchem niemand Anderer als unser Kaiser und König die Hauptperson war? WaS ist das für eine bedenkliche Form von PchrioliSmns, der sich zu der Behauptung erfrecht, der Kaiser hätte sich dem ganzen Jubel gegenüber kühl undzugeknöpft - benommen, und so die Person :i\ Majestät selbst zu einer Parteitage niedrigster Art mißbraucht? WäS müssen daS für Patrioten sein, welche nicht zu wissen scheinen, daß ihr feindseliges Anstürmen gegen daö staatsrechtlich^ Berhültniß zwischen 'Oesterreich und Ungarn in seinen Erfolg n >»rr Mittel cincn . >>i ^iin>>b> die Revolution wäre? Dr. Lueger, den man im alter, wenigstens ans Grund seines akademische» GraÜcS Rcchlsgelahrten genannt hätte, muß doch wissen, daß dieses Ber hällniß durch Berordnnnzen oder im verfassungsmäßige» Wege überhaupt nicht, zu ändern ist,-und daß die Frucht seiner Brandreden nolhwendig der Bruderkrieg sein müßte. . Doch wer wird noch irgend etwas, also auch den ScheinpatriotiSnrus dieser Eliqnc, ernst nehmen? Haben diese Lei te nicht auch die wirthschaftliche Rothlage der Gesellschaft mjßbranchl, um sich dem Bedrängten alS Rcllungsengcb.Zu präsentire», während ihnen der vielbcrüsene „kleine Manndoch weiter nichts ist, als ei» Schemel-, um dadurch die eigene Gestalt zu erhöhe i. Sie - haben sich mil dem Gewände der Gottesfurcht umgeben und von Ehristenthum gefaselt, während doch gar Bielen von i >nen die Religion keinen Pfifferling werth ist. Sie haben alle erdenklichen Frage», wirthschaflliche, sociale, Lcligiöse, politische, förmlich üsurpirt und oft ohne Bedürfniß halb entschlummerte nsieder ausgerolll. Aber ihre Thäligkeit vertrug das Licht der Sonne nicht, denn es kam zu Tage, daß sie auf allen Linien ein bloße,' Scheininanüver führten, und das; bloß eines an ihnen wahr und echt ' sei, der nnersäUliche Haß gegen eine ganze Elasse von Mi bürgern.. So steht es -auch um die wahren Motive, die der angeblich patriotischen. angeblich staatsrechtliche» Gegnerschaft gcgei Ungarn zu Grunde liegen. Der-Judenhaß ist cS, was sie g gcy den Rachbarstaat so in Harnisch bringt, der Aerger über die ent-, täuschten Erwartungen, die man in die-lranölcithanischen Judcir fresser setzte/der Aerger über die jüngsten Borgänge im ungarischen Parlamente, welche das Dnlduiigöverhültniß der Juden in ein vollrechtlichesuingestaltete» und daö erfolgreiche Bestreben der Ungarn bewiesen, sich in j eder.Beziehung daö Ansehen einer Eulmrnalion zu verschaffe». Daher aus einmal die Entdeckung, daß auch die Magyaren keine Arier seien, daher die glühenden Sympethieu für die unterdrückten Rumänen, daher die erheuchelte Thciliiahme für daS arme ungarische Bölk, welches angeblich unter d in Druck der Indcnliberalen seufze und sich nicht ermannen tonne, den Trug der Iubiläumöfeierlichkcile» offen zu entschleiern. Wer den Wiener Antisemiten für ein -derartiges Boi gehen ein Mandat ertheill hat, weiß nur Gott im Himmel. E »zs aber, steht fest das Saatkorn,- welches'sie diesmal auswerfc >, ist — um an ein biblisches Gleichniß anzuk'nüpfen jenes, wc chcs nicht - auf fruchtbares Ackerlaud, sondern auf selscnharte» Bode a gefallen ist und daher keine Frncht treiben wird. Dr. llXiltentath gegen die Antisen ei: t ou ‘.'iv. 10 dcS „Freie» Blattes" rcvrodiieirlen wir. der E.rfurlcr „Teutschcn Bauern Zeitung",, aus welche», war, wie segensreich Tr. t^eorg"Wälreinaih aus Hainbli fxldc als Gsneralieeretär des Allgeiuciiic» Tciiltchcii Bauer»i» ber hencii tbätig ist. mir welcher Entschiedenheit er zu» iterei. c» Beriktii;ü ersehe» rg- Hohe» ereines i» aaeilc der

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