Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 10 (12.6.1892)
- Date
- 1892-06-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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I Nr. 10. Seite H. Freies Blatt. Polkc IltlD VJillflB. Berlin kameu letzthin zwei Broceffe gegen Bangniers;uw Adschlune' In dem einen ,Falle wurde ein jüdischer Banqnier namens Bolle nach lllßägiger Berhcnidlunq freigesproche»: . i» dem anderen Falle erfolgte »ach kaum eintägiger Berhaiidluiig die Bernrtheilung eines antiicßiiiriiclM Bananiers »ameiis Maaß wegen Bankerotts nnd wiederholteiJIiiterjchlagnug;» sechs Jahren Kesängnig. Die Begründung, welche der'Akwrsitzende des (''erichtshoses im Falle Bolle dem freisprechenden Erkenntnisse gegeden hat, führt im Beese»t - lichen ans: Der <i'ei ichtshos hatte. dinch die Beweisaufnahme die Uebei;engn»g gewonnen, daß der Angeklagte durch falsche Angaben eine Täuschung hewirtt habe in.der Absicht, sich einen rechtswidrigen Bermögensvortheil;u-verschaffen. Nur da« war nicht erwiesen, daß Hfiie Täiiichniig ivrrlUch einet Schädigung Anderer zur Folge gehabt hat. Ebensowenig konnte dem ^liigellagten das Bewußtsein nachgewiesen werden, daß seine Handlungsweise eine solche Schädigung nach sich 'siehe» werde oder könne. Dieser Mangel eines der gesetzlichen Merk imi des Betruges mußte den li'erichkshof zn einem freisprechenden Eilenniiiiß führen Die Antisemiten sind trotz der für den frei gesprochenen Bolle nichts weniger als schmeichelhaften Begründung des gerichtlichen Unheils mit dem Ausgange des Broeesies sehr unznsrieden, und Jii> revancktiren sichin echt antisemitischer T^eise: sie mache» auch, I wie ,'einer,eit bei dem wegen Betrugs, llrtiin^enfälschiing, Unter-! schlaguvg n >' w -,n vierzehn Jahren Zuchthaus vernrtheilien Basior j B-ilhelm Bl u I de r ans l^oldenttedt,, für den Fall Maaß die validen ' verantwortlich. Am ivi 'ideßeii in das Berhatien der „>i r e u z e i t u n g". ivelche un AbivecliSlnng das Eavirel vom jüdischen Viiriis berührt, / »m tiu Maaß in l’ei l'freftev Beeise ans mildernde Umstünde -,n plaidnen. Das ''iinkerblalt i'eksieibi. „Maaß in das-Bpier der Dveenlalichi geworden. Ben» er liche Börsengeschäfte erhebliche Einbußen cilitten hätte, so iväre es ihm vielleicht möglich gelesen, die drohende >!ataßrovhe abznweiiden Trotz dein l'alem n-iv ui;t ihm fei» Mitleid Der Hang;tiv Berschwendnng bat' ,!'» dem Berbreeti,-»' in die Arme getrieben' Er bat nicht etwa i'oldio Bei io neu. geich-idsgi, die durch Börsenspiel >''eld -,u gewinne» - hessien, sondeni im "wesentlichen solide Eavitalisten, die ihm ihre Er 'variiisse aiirertraitten Tein Berbreche» nein ans derselben Stufe wie das' seiner Borgänger Bo!» und Sommerteld. Es ist richtig, daß;n dem übertriebenen d'iirus, welcher seit etwa ',ivei Jahrzelnildn in Deutsch land getrieben wird', die Inden das Borbild gegeben haben. .Aber schlimm genug in es, d,rßdie nichtjüdische Bevölkerung diesem Borbild' gefolgt in Die Sucht, asiatische Ueppigkeit nach-,ilahilien, hat sich, wie wir leider wahrnehmen müssen, nicht nur auf die li'eschäitSwdlt beschränkt, sondern in bereits in weite reife iianeres Bolkes gedrungen. Sorgen ivir beiteilen dafür, daß ihrer Beitereiitwidliing Halt 'ge boten werde 3ic'fiiln’t den einzelnen, wie wir es bei Maaß gesehen haben, Berbreche» nnd das ganze Bolk zur Entartiing und damit;nm Unke!gang feiner 'B.-ehrhaftigkeit " Die „Urenzzeitnng" enipfiehtt schließlich äiigesichis her durch die Fälle Bolle und Maaß neuerdings nufgedeelten Schäden „eine allseitige D »rchdringniig unseres Bolkes niit echt chrinlichein «'''eine»nd die Ferühaltnng aller entgegengesetzte!! Ein Ilnne von Kor Teilung unserer öfsenilichen Angelegenheiten." Belchen. Berih deile, Svrnelilein ans dem' 2tiieter uiieit Bhrai'eiischätze haben.!»'k am benen daraus;n vfelieu, daß vor nicht langer .-geil auch Herr Maaß >'o salbungsvoll zu sprechen pflegt. Au-ögrschloist». >'N •N e r [• Ir n wurde von fcer sogenannten „Anti semitischen Bolksvariei" der Antiseniitenführer Boded ausgeschlossen, weil ei de» Aiiiisemikismus als Dedmantel für andere niisanbere 'Dinge beiin:-! haben ioll Bodeä -war ein „>«eschäflsantisemit", >!»d iveiin d--' Her--'», nagt die Berliner „Boltszeilniig", ihre Sehaare» urteil die irr 'ü'i,h!ii»g gründlich -mustern wollte», wie viele - „Führer" würden iline-n dann wr-b! übrig bleibeit'? Die Antwort ans diei-e Frage taiin in Berlin »ich: anders ansiallen als in Bie».' Die Heerde hätte dann tri;e Hirten - (riu 2citcnuiiff ut Den Stitinpigliciisälichniigc». A»s dem >doiiig! '.ch 2 iidl » gebt reut „ B. i 11 n e > D a ge bläu" ein neuer Betrag rin El'..ira!ie.:stll der anti'eniitische,, Slampsweii'e zu. Bor einiger.;-|eit eibulMi >'asl läniiiiiliche Hotelieis ttir .liönigreich Sachsen ein Eireular, in welchem dieilben antgefordeii wurden, eine Anzahl »amliait a»sgesül>!rer ainiieniiii'cher Heilnnge» zn halte»: im Beigeriings lalle. wurden die Untcrreichner — es waren dies etwa!:'.>> angebliche k^eschaltsreiieude - fortan in desi bei reife »den Hotels nicht mehr wobnen. Das erpreneriiche Birrnlar iß litt» allerdings von de» meisten kannte, geschweige denn seinen 'Namen darunter gesetzt hatte! In einen« > Falle war eö der in der fUeschäftswelt wohlgelittenc Leipziger Vertreter eines großen auswärtigen Hanfes, desien Name in dieser Weise inißbraucht worden war?a der Herr in fast allen sächsischen Städten i nebelt christliche» midi jüdische -linnden hat, mit denen, er freundschaftlich verkehrt, stellte er 'Nachforschungen nach dem Perbreiter deö lgirenlars an, um denselben zur Rechenschaft zu ziehen. Und wer war dieser Ehrenmann'? Natürlich der hinreichend bekannte Herr Theodor- Fritsch in Leipzig. Dieser sah sich jetzt genöthigt, dem Herrn, dessen Namen er inißbrancht hatte, folgende Erklärung auszustellen: Aus Wunsch des Herrn H. H. erkläre ich hiemit,-daß nur durch einen Jrrthnm dessen Name nnter das bewußte, an die Hoteliers gerichtete Eirenlingelangt ist. Herr H. hat nachträglich wegen dieses Miß' Verständnisses bei mir Einspruch erhoben, jedoch war die Sache damals' nicht mehr abznändern, was ich hiemit ausdrücklich bekunde. Theod. Fritsch, J»g. Wie viele Namen der übrigen „Unterzeichner" mag Herr Theodor Fritsch ivohl noch „durch einen Jrrthnm" unter das Eireular gesetzt habe»? Und wie viele der Herren „Unterzeichner" dürften von diesem „Mißverständniß" »och heute keine Ahnung besitzen? Dhne Fälschungen scheint es bei den agitatorische» .ilnnststücsen der Antisemiten überhaupt nicht abzngeheu. „Ich glanbtt, cs wärt» Iüdiliucil.") B-r dem Schöffengerichte in Mainz kam. wie die „Mainzer Nachrichten" melden, am 4. Juni eine Beleidigungsklage "gegen Fräulein Elise und Franziskain aeimnem ^time 1 B' v ll er zur Berhandlung. Tieselbeii waren angeklagt, den Lieutenant iiiäik^diirch iiiigliick ' Lendheder dadurch beleidigt z» haben, daß sie ihrer Familie gegen j^über brlianptet hätten, er habe sie am li.'i April ^>nrch unpassendes, ausdringliches Beiiehnien aus dem Wege nach (i'öiifejil)ciut beleidigt. Tiei'e Angabe war insosern nicht wahr, als sich heranchtellle, daß nicht? i ente» a n t V e >> dhecker, s o n d'e r n V ie» t e» a n t F isch er 11 vom *7. Regiment die Damen am sraaliche» Tage belältigt hat b'ienleiiaiit Fischer erklärte nun, daß er die^Uigeklagten für Jüdinnen, siadiieriniioii gehalten habe. In dieser Erklävnng bemerlt das genannte '.skraiiizer Blatt: „Herr Vientenmit Fischer 4t. — es ist dies, wie wir erfahren, derselbe Vientenant, der schon einmal in einem hiesigen Eaf>' mit der Bnssetdame eilte nach militärischen wie bürgerliche» Begrissen gleich unrühmliche Nolle gespielt hat — glaubt also für sein nnquali-, iieirbares Betragen dadurch entschuldigt zu fviit, daß er die Damen, die er attaanirie, für Jndenmädchen gehalten? Es liegt in dieser Anschaunng eine so ividerwärtige Denkibcise, daßjeder anständig denkende Menich von dieser sonderbaren Entschlildigniig aufs höchste empört sein muß. Jedenfalls sei diese Anschannng des Herrn Vieutenant Fischer II, hiemit niedriger gehängt nnd dem Urtheile der bürgerliche» wie der militärischen sireise übergeben. Wir denken viel zn gut — auch von den lia-incradeii des Herrn?iente»ant Fischer, als daß wir im enifernlcsien betweiseln sollten, eine so brutale, jeder Nitterlichkeik Hohn ivrechende tisesiiiuungsweise würde nicht allgemein.mit gebührender Ber- I achtung tiiriidgewiescn werden." Tic Biiiicril »ild dir Niitiscniitcrri in Hcssc».) Die „Deutsche - a lict ii - „Hei t it itg" in Erfurt berichtet ans D l> e r h ess e n : „Seit einiger Heit iß Dr. N'eorg B a l t e mat h a»S Hambiirg Hohenfelde, der <Nneralseeretär des Allgemesiien Deutschen Baneriivereincs, i» unserer (^egend für die Ansbreiinng dieses Bereines mit Erfolg thätig. sin zahlreichen! Dörfern hat er die 'Ambiente bereits über die Bedeutung dieses Bereines - aufgeklärt, nnd obwohl schon seit einer ikceihe von Jahren tüchtige?andwirihe mid' (i'rniidhesitzer in dieser (legend zn den Anhänger» des I Allgemeinen Dentschen Bauernvereines zählten, so war doch ei» wirkliche - Agitation erst imstande, diesem Bereine eine breitere Schichte von Anhängern;» gewimieii. Dies geschieht n»n in diesen Tagen durch . die Wirksamkeit des Herr» Tr. Waltemath: auch erweisen sich die'z» ' gleicher „Heit verbreiteten.Leitartikel der „Bauern „Heitung" ans der Feder des Borsivenden als energische Bermittler der heilbringenden Ideen des . Bereines Biele Bauern, nachdem sie diese Aitikel gelesen, erklären, daß; sie '.inn erst vollkommen ittiterrichtet /seien über die „Hiele und Be- ' ßrebiingen des Allgemeinen Deutschen Bänernvereines. Die Arbeit ist i liier besonders schwierig, da die fanatisch undnldsaine Antisemiterei mil | ihrem Bahnwitz vielfach die Dörfer nach Art einer Seuche angesteclt hat Für einen halbwegs vernünstigen Menschen ist es-kaum glaublich, welche Manen von Dummheit durch die antisemilische» Ai eist er und deren Handlanger in das Bolk getragen und leider auch vielfach geglaubt Enipsangern nnbeaclitet gelassen sind einfach in den Bapiertarb geworfen worden ,Es blieb aber iiiclit ans, daß einige Hoteliers gegenüber einzelncn >j werden. Diese Schürer deö Aberwitzes fühlen sich natürliche auch ganz der „lliiterzeichner", als diese trotzdem ihr altes Absteigegnartier wnder . außeiordentlich beeinträchtigt, wenn der gesunde Mciischenverstand wieder aussnchten, das Eireular zur Sprache brachten, »nd da'flellle sich denn > in seine Rechte cintritt. Dnrch die Wirksamkeit des EteneralseeretärS aufmehrfach heraus, daß der belreisende Reisende das Schvistslück gär nicht j geschreekt, schiefen sie nun ihre Helfershelfer in die <?egenden, welche