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Freies Blatt · 1892-06-05 · 9 (5.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
9 (5.6.1892)
Date
1892-06-05
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 47 Freies Blatt. Nr.!>. herein lcndztcre. (itf brannte das -dem Hause des Borsißeirdeu Roßbach gegenüberliegende C«ebä»de, welches etwa I'ff) schritte vom BersMiwi- - lungSorke entfernt gelegen war. Ä"ie Bersamiiilnng wurde in Folge denen naturgemäß unterbrochen, und die »leisten der Anwesenden eilten •,nm Brandvlap. llebrtgens wurde sofort allgemein der 'M ei » n n g . A u Sd r u ck ge geben, daß dieses Feuer behufs i.t.o r n n g der 'B e vi a ui in l u n g über jüdische Anregung von den S oc ia l ift e it gelegt worden fei; für diese Anschauung sprach nicht nur die Wahl des TrkeS, wo das Teuer znm Ausbruch Um, sondern auch der Zeitpunkt und endlich die Thakzache, daß am Morgen desselben TageS rokhe Zettel gesunden worden waren, ans welchen das 'iSort „Vorsicht";n lesen war. — Es herrschte in Folge die'es Vorfalles, wodurch namenloses Unglück über die ganze Stadt liereinbrechen konnte, große Erbitterung. in-den . reisen der Bürger schaft." soweit der Sdzreiberknechk des antiseniitischen Bavard. Jnwie weit sich, diese „fofort“ allgemein" gehegte Meinung iiU begründet crivieien bat. vergißt die fromme Seele zu erzählen. Wozu auch 'l'eipiiiiidttngeii? Antisemiten begnügen üch;n verleumden, in einem Augenblicke, der furchtbarsten Erregtheit,, während ans dein Rachbar Hanse die Vohe bricht, unter eine durch antisemitische Brandreden auf gestachelte Berianimlniig. das Work zu schlendern i „Sie Hilden legen Äeiicu!" B'elch unsägliches Unglmk Kätte dadurch angerichtet, wie viele Ugichnldige hätten dadurch an Veib und t^nt geschädigt und zugrunde gelichtet werden loniieii? ras aber beküiinnert die antisemitische Rotte »idm Sie berühmt sich »och ihier binimelichreieiiden (Gewissenlosigkeit ivic einer Heldenthat und -fälirt soit, mit dem iyencu zu spiele», bis es ilir eigenes T.'.di ergreifen wird. ■ ' ' /. Tic ('icmriiiöcumblcit in Ziiiiötirukk. > I» den letzten Tagen des vorigen Monates wurden in Jiinsl-rnd die (Rnieinderaihs Er . gau;i:ugswali!eil vollzogen Zweifelhaft war der Ausgang - nur im dritten . BSalilken ver, wo die liberalen »ud elerieale» - Wähler alljähilieli . >>n in gleicher Stärke anttreten und auch die Antisemiten ei-ngen Ein Uns;;n erlangen versuchten -Tas Ergebnis; war, daß zwei -libeiale und iw>: , »l.ueale Eandidaten ans der Urne hervorgingen und die Anti > . üäglich nnteilagen. Im zweiten Wahllorver siegte» mit ci d:inkendei Majorität durchwegs die liberalen ,nn ersten 'Wahllorper beliielte» ebenfalls die 'fortschrittlich gesinnten Eandidaten starke Tber Ilaiid Beinerkenswertli war hener nur, daß die Eleriralen dieses BTahl' 'tevi' io ilne. Summen n A einem „deutsch uatiozialen" Antisemiten aalen/ d'e, nach einem U'eineiiiberathsmandate lechzt Auid' eine neue Bartei der - ., vlln lieliteit und Arbeit";u gründen verlzi/s;: gleichwohl 'scheint aber das^Bertralien ans dielen Mann dpe^Phrase nicht groß gewesen zu. lern. denn er brachte es schließlich ^öeks-nnr aus I I -Stimmen, ie; .lnnsbrinker <''e»iein^erath, welcher Mitglieder zählt, besteht il»n ans -'»4 k'ib.ralen. die in jeder' Richtung einem besonnenen. .Tort 'chritte lnildigen. und ans ’J Ultramontaiien: ein Antisemit ist unter d u Siadtvätern 'von Jnnsbrnek nicht zu finden. Tic alte (Mfidtidltr. Ter „Re I, e II dreien Bresse" wird tns >k'oj kein ge'chrieben: Ten -- Mai halt; liier die Tienstinagd M'-;ei a, welche beim Vedeiliändler Mol'es Tuchs be'dienstet war, - 7a, . :n kündigen Unen a ieiitt verlassen. Am 1'4 Mai war Tuchs Vf. d » Eitern d r. M,;era in Bezmi.ran 'und fragte an, warumilne T ockt-'t den T ieim. ohne;tt kündigen, verlassen babe^ er ei hielt die -ssinivari. daß ilinen der AnfentKali der rochier unbekannt iei. i Alsl-ald re:breitete neli mit ravlker Schnelligkeit 'deis l-lötze Gerücht, j daß d is Mädchen .-:nem „rituellen Mord";»,» xi'fee gefallen iei! I;e <'M! ■ lufton deiait nbeiband, deiß die Inden, wo sie sich ,. a: i. an d.-ni Rbeu bedroht wurden ni^d einige auch torv>-rtidie Bei; t\ >. inten : außerdem wirr den bei melireren angeselieneri Xaui l.-.iie». lnn-i»!iiche'Tensterscheil'en nächtlicher Weile;eni nininei t. Tann; Cu.- derartige Ereile, von gewissenlosen Hetzern angezettelt. -! i ' re. .' . .gl vor'ieleu. >o-tragt es sich, warum man nicht an eine B niiii'g d a Tigane der Sicher!,eit deiikk,. welche die Lfiederkehr! r-e.i An-'ichi:i tut Xeinte ersticken konnten .! Silin Die öam'dicu Zliücn Tculsdic'? Tie „Trete Schleill'che! V ■ ':' ->el. ' ■ Hier Bo'.euiik gegen - ein Troppäuer antisemitisches dv. ein.•..::: ' •' del 'uiiniiiiuigsib. nie in auch «s,r die Eerren Amn'eiiiiten \ mi; prenchneitige ‘ISane. eis ist näinliil, bekannt, daß »iä, > eir'' r II 'lbflaiiiiiniiig „Terniehe" send liiik keineswegs „iu'»>a> ile ..«iernianen", nn> >o wie es viele Menitlien rein d-'n:''. - > .it 'kas. s .; -;il-l, n-.-l.h-';n einem anderen Balte geboren, io kann inan j '! - ns i.e Abstammung a».h;n,n dem-,heil Bolle;ählen. Brie \ t , .1; i! ü r.; : heivorragend-est, sind nicht deutscher Ab (täliinnii-.i -nid r-ii-g-ki n.k. rs,h;» dein tenii.kien Bolle? Es in gar keine Trage, dag die g!.—»ol-, ..... >l>e. nne wie die anderen angebltedett t>ertnaneu -ii-ti de,iani.'en,. nicht dent-cher Absianiiiiung und, daß deren B.iter, gewiß aber deren Großväter noch Gorale», Slovaten, E;eche» oder Polen, also Slave» waren, und doch geben fich die Abkönnnliiche dieser slavischen Borfqhren »Nr, weil üe heule denlsch reden, demsch leben und denken, stolz als „National-Tentsche" ans. Deulfche Slaminesgenossen sind jedoch diese Herren nicht, sie starninen von Slave», aber sie sind Denlsche, und ebenso wie inan es, lächerlich finde» »würde, wenn inan diese slaviichen Nachfahren nicht als Deutsche betrachten würde, so i»»ß inan es lächerlich und.geradezu beschräiiki finden, wenn dieselbe» Herren die Tllden, welche deutsch reden, denlich leben und deutsch denken wie sie selbst, a»S dein Gruiidr nicht;» den Dentichen zählen, weil semilisches Blut in ihre,/ Adern rinnt. Wenn wir'nnn an die Beantwortung der Frage schreiten: Zn I welcher Nalionaliläi gehöre» die deutschen Tnden. »nd sind die dentschen Juden Deinsche? so können u»d müssen wir ivohl diese. Trage rnekhaltSIos bejahen Wir brauche» nicht erst z» betonen, daß nicht die obseetiven Momente des gemeiiiichasilich bewobnten Lerriloriuins, der Bildung, der Staatsangehörigkeit, der Neligio», ja sogar der geinciiiichastlicheii Sprache einzig und allein für die Beantwortung dieser Frage maßgebend sind. Turch diese rein okpeetiven Merl male ist der Begrin der Nationalität nicht fest umgrenzt,, sondern nach »»lerer Aussassilng erwidert dieser Begriff auch ein siibjectiveS Moineiu, nämlich das „Sich fühlen alS Deutsche". Man gehört dem Bolle an, deis inan als sein Bolk ansiehl, dein.man sich verbiniden iveiß durch das Band der Sprache, der Bildung, der iüesillnlig. Das was den heutigen denlsche» Inden charaklerisirt, die Muttersprache, die 'Wissenichasl, die Bildung, die .Himtt, ieiiie Gesittung, kurz alle jene Moineme, welche sein Inneres erzeugen.' sind alle deutsch, und wenn auch die Borfahren der heniigen Inden eingewandert sind, so ''sühlen sich ihre Nachloinmeii doch als „Einheiini-'che", denn' hier standen ihre Wiegen, und hier sind die Gräber ihier Ahnen — hier der Anlang und das Ende ihres Tafeins. ^E'Icidilicrtditistiillff Der ({oufriiioiicn in Uiißaru. Tas ungarische Abgeordneteiihans hat lUd) einer Tebaitg, in weldjer die hervorragendsten Mitglieder aller Baileien die Brineipien der Humanität und <>fereck>tigkeit j vertraten, - den Beichlnßantrag Jr»n»i's betreffend die. gesetzliche .--Regelung der fre-ien Re l igi o n^ü l> u ng und der vol len O) lei d) | berechng u izg der E o nf essiv nen mit erdrückender Majorität! a » ge n o ni nt e n. Mit Ausnahme-von drei pder vier geistlidzen Mil gliedern stimmten sänimtliche Abgeordnete, für den Antrag Jranvi's. Tas Abttiminnngsresnltat wurde vom Hanse mit lebhaften Elsen Rusen \ begrüßt. •Sein BtüHrslliß,l TSährend die „X renzzeil nng" sidz nod) vor -Xnrzem in erllerlei dnntle» Andentnngen über den Stand der mit lautem (Geschrei angetnndigteii Aendernng des Programms der prenßi 'dien Eonscrvativen erging, wird »n» beUnnt, daß dieses Brojert insofern gcfrtjcitcit sei, als auf Antrag des strafen Xanitz beschlofsen wurde, zu erkläre», daß; u der A n fua hine einer a ttt i fcmi t ifd)cu E laufe! in das P artei p r o g r a in in derzeit ein Bedürfnis; >tid>t vorliege. Zu diesem Besdilnsse sd>reibt die „Magdcbur giiche Zeitung"; -„Bergegenivärtigt man sidz, mit weldzem Radz drnd die ..Xrenzzeitiing- und »nt ihr einige ronservative Bereine in der Brovinz die '.>,othwe»digkeit einer Revision des, Programms gerade in diesem Sinne betont, und wie in dem Anssdzlnß der Juden aus allen öisenilidieii Aemlern das Mittel gefunden werden sollte, um der ev» serrative» Partei neue srisdze Lebenskraft ziizuführrn,. so begreift man, daß von dieser Seite Alles ansgebote» wird, um wenigstens die 'Rieder^ läge »ad> außen - hin zu bemänteln. Z» diesem Zwecke erfolgte, kurz nadidem dis Ziele des neuen Programms angedentet 'waren, die offirielle Absdziittelung des. Aiitisemiiisinns der "Tliat Tan» begneinte sidz die anfangs so nng'estüni und »iiversöhnlidz ersdieinende .Xreuzzeitnng' zu der Biitlheilnng, daß die Sadze gar nidzt so böse werden solle, wie man draußen tut Rinde geglanbi habe. Man werde überrasdzl sein übeie das Maßvolle der Tordernngen sowohl als der zu ihrer Ausführung^ ffesorderton Maßnahme», lind nun am Ende das Beleiinlniß-, daß ül>erHaupt ein Bedürfnis; für eine Revision des Programms im emti semitischen Sinne nicht aiiznerlennen sei, »nd dabei ist dieser' Besäzluß .»öd, als ein .Zugeständnis;- an den .maßveßten' AnliseinitisinnS der ■Vetn-n v. Ha in i» erst ein, v. B-a d e rhart h »nd Oieiioifcit anfzn fanen. Senn von anderer Seite war innerhalb der Traetion beantragt worden, an Stelle der antiiemilildien (Slaufet die Erklärung in das Programm ansznnelziiien. daß die ronservative Partei die aiirisemilisdzen Ansidzreitniigeit und die »larerialistisdze» Zeiistiöiniingen verurkheile, gleidzviel ob deren Träger Juden odez" Ehrincn zeien - Tie Ausfahrt der grimmen Reden unler des Herrn v. . Haiitmerstcin T-ührung ist also in der Thal verlause» wie das Hornberger Sdzießen Es blribt ihnen nniiniehr nur »odz überlassen, im engeren Ansdzlnß an de» dieelor Ahlwardk die Perwirltidznii'g ihrer hohen Ziele aiiznskreben, »nd es wäre nidzl ohne J'nkerei'se, wenn der unfreiwillige Erodns dcs Herrn v.' Helldorss Bedra aus der ronservativen Trarlion de-s Herrenhauses iei» (^egenttiid fände in dem ErodnS der Herren von Hamiiierttein und (^ench'srii ans der ronservativen Trarlion des 'Abgcordiielenhaiises, von der sie soeben in sdznödestcr B-cisc verleugnet

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