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Freies Blatt · 1892-06-05 · 9 (5.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
9 (5.6.1892)
Date
1892-06-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Agitation von beit Rockschößen der conservalivcn Partei abzuschütteln, gleichzeitig mittheilt: die conservative Abgeordnetenhausfraetion tjjnbc. bisher „an« patriotischen Gründen" davon Abstand genoininen. von dem'„zahlreichen Material, das sich in ihren Händen befinde", öffentlich ■ Gebrauch zu machen, so ist daS eine erheblich ivirtsämere Unterstützung des Ahlwardt'schen T reibe), s, als sie i» der Ueberreichnng von Lorbeer kränzen liegt. , . . Ter Antisemitismus in (''läe'-handschnlien — da« ist der rteiiib! (Ellthiislungtll bcr > „UrClPnCitllllfl". Tie diesjährige General Versammlung des Wiener Vereines zur Abwehr deS Aiitisemitisnius, welche einen glänzenden Beweis von der Lebensfähigkeit unserer, Be sti'ebungen lieferte, hat unsere Herren Gegner vollständig aus dem Hänschen gebracht. Sie betämen da so manche Tinge zu hören, die sie in den Augen einer anstä-idigen ("esellschast eouipromittiren können: da die Herren Antisemite» dagegen aber nicht mit Argnmenten ankämpfeu kotinten, so führten sie ihre alten Waffen, die Geschütze großealibriger Verdächtigung und albernster Berleumdung ans. Tas „Deutsche BolkSblatt" entblödet sich nicht, gegen den allverehrten Ehrenpräsidenten Hofrath Professor Tr. Roihnagel die unsittiiigsten Vügen aus;» streuen, das Berliner CXunfcxblalt aber bemertt, an die befannten Worte des Präsidenten Freiherr» v. Siittiicr anschließend, daß der M'rein zur Abwelir deS Antisemitisinns seine Thäiigleit wesentlich „im Stillen" betreibe, könne für diejenigen, welche die eigenartige „Arbeit" der „Abwelirgezellschafken"-näher verfolgt haben, nichts Renes besagen „Tie. selben sind," wie die „fireuzzeitung" berausgebrachi hat, „tkatsächlich nur äußere Werkzeuge der .Allianee Isre»'-lite', daraus eingerichtet, Richtjnd'en den Eintritt in den .Borhof' des .heiligen Bundes zu ermöglichen Tort soll den .Berühmtheitenwie einem Gräbner, Schneid!, Rickert und Roihnagel die (''elegenhAt geboten werden, /ich üfsentlich zur Berhsrrlichnng des Semttenthnins ihres Tenlschlhnms zu entäußern: aber andererseits soll die .Abwehr' die Anwendung der kleinen .'iampsmiliel ermöglichen, mit denen sich die .im «Großen' arbeitende .Allianee' nicht genugsam befassen kann. To hat der Berliner Onbeit Schntzverein sämmtliche .ltasfeeliäuser, Eonditoreien und sonstige ösfentlichen Vesestnbe» mit seinen Beiticinensmännern belegt, ivelche ver, psiichtet sind, in -den genannien bezüglichen (Geschäften regelmäßig zu verkehren und einen Einfluß ans deren Inhaber zu erlangen. Bezweckt ist damit die möglichste Iern Haltung aller gegen da« Iiidenlhnm gerichteten Truckerzengnisse aus-den öffentlichen Voealen: und da die Ans legnng der ..skreuzzeitnng" und .Ttaatsbürgerzeitung' doch in den meisten svällen nicht verhindert werden kann — bei dem Bolk, deiii eigentlichen .Ttöcker Blatt', scheint man in dieser Beziehung mehr Erfolg zu haben — begnügt man sich damit, alle .besonders anstößigen' Ruinmern zu beseitigen, In der Geschäftsstelle des Abwehrvereins' werde» zu diesem Zweck alle Zeitungen und Zeitschriften 'gleich nach ihrem Erscheinen von den angestellten .Verlöre»' eiligst dnrchgesehen, und im /volle der .Gefahr' ivird sofort der ganze Stab der Bertrgnens niänner mittelst ,Fernsprecher, R.ohrpostbriesen und Tieitsilenien ans geboten. Tie so Benachvichtigken eilen sogleich in die bezeichnelen Vese ftuben, nm die in die Acht erklärten Zeilnngsblätter auf irgend eine Weise zu beseitigen, ebenso wie sie dieselben in den Trinlhallen und aus den Bahnhöfe» anstanfen. Auch sind mit den Unternehmern dieser Zeitungsverkanssstelle» Berabrednugen getroffen, welche es verhüten, daß in solchen Fällen durch Rachbestellnngen dem ösfenilickken Bedarf Rechnung getragen wird. Hierin liegt die Ertlärung für die ausfallende Thatsache, daß nicht nur häufig einzelne Rnmtnern der ..'irenzzeiinng an öffentliche» -Stelle» n»a»sfi»dk>ar sind, sonder» daß beispielsweise auch seinerzeit jene Rümmer der .(Gegenwart', ivelche einen dem Jude»' Ihnm nnangenehmen Aussatz eiitliielt, sosort .vergriffe» war. Ties iß aüerdings nur eine, und zwar .verhältnißmäßig harmlose Waffe ans der .geizigen Rüslfammer, ans welcher die Abwelnlente ihre .'iampf mittel beziehen." Es hieße wahrlich von uns zn viel verlangen, wenn wir alle Ausgeburten des antiseinilischeu Wahnwitzes ernst nehmen oder ' gar das' kindische Märchen von der „Allianee Isra.'lite" und ihren geheimen Helsershclfern mit Äzguiiienten widerlegen sollten. 0111 Uebrigeu iafjen sich die „.Erenzzeituug" iMib die „Staatsbürgerzeit ung", welche die sensalionellen Eiilhüllniigen nachdruckte,.'bereits genöihigt, eiüe Berichtigung des Schriftführers des Berliner Abwehrvereines Gräbner ansziinehuien, ivori» die vorstehende» Enthüllungen ..in ihrem ganzen Umsange für erfunden und unwahr" erllärl wurden. Indes — es wird weiter gelogen. 'Ein erfreuliches Anzcichcn.) Bei einem kürzlich unler dem Borsitze der Präsidentin Baronin Bertha S n I t ne r staltgehablen- Bortrags abend der lSesterreichischen Gesellschaft der Iriedensfrenude hob Iürst Alfred Wrede als erfreuliches Anzeichen hervor, daß sich auch die akademische Jugend den Ideen der irriedensgesellschasten anzuschließen beginne. So habe sich in Wien eine akademische Iriedensvereinigung gebildet, deren-Statuten bereits bewilligt-seien. Ties bestärke in der Hossnnng, daß ein Theil unserer Studirenden den engherzigen nationalen Bornrtchilen, dem ("eiste der Berhetznng und Gehässigkeit' entsagen und sich icncit Idee» ziNvende» werde, welche der Humanität dienen Unkrr der Falmt des szortschntteS., Am 2<',. Mai wurde im ii eil ii teil Bezirke (Grüliethorgasse 2<>) in (Gegenwart eines disttn guirten Pnblirums ein neues V e h r l i n,g s h a u s feierlich eingeweiht, welches der Berein zur Beförderung der Handwerke unter bgt inländi scheu Israeliten errichtete, nachdem Baron Moriz -'i önigswartdr sich bereit erklärt hatte, die Bau nzid Erhaltungskosten zn tragen. Bon de» würdigen Reden. mit deneü das neue Institut feiner Be stiiumniig übergeben wurde, besitzt die des Eentralgewerbetnfveetois Hof lath Tr. dritter v. Migerla ei» be'oiideres Interesse? Er chtonte, mit wie großer' Genngihmmg^ es ihn erfülle, daß eine;-4e:t, die zündenden, zerstörenden und vernichtenden Haß i» alle (Waisen schlendere, auch ein solches Werl hervorgernsei, habe; es iei lei» ("r'nnd zu», Berzagen da, den» der Mensch müsfe sich im Innersten-e> freut fühlen,' wenn' er eine solche Bethätignng dir Menschenliebe und der die <"e sellschast erhaltenden strast^sehe, die alle Schäden Heist »nd heuert n.nv durch opferbereite Mitwirkung nlitztcche' und kräftige Veitte der (''eieil schasl zn füllte stcedner beglückwünschte den Berein und -schloß mit den Worte»„Halten Sie fest auch weilerhiist die Jahne des Iorlschriltes, und tragen Sie sie weiterhin jiu niib fnr!" Baron .'( ö » i g s w a r! e r hob die Hindernisse hervor/die sich dem llnternelnne» in den Weg stellten, und brachte auf ven .'iaiier, dem die Böller in, Viebe und Treue' als ihrem Schützer mür Beschirmer an'hängen, ein' dreimaliges Hoch aus, in das die Beri'amiitlüatg begeistert einstintnil.', - woraus die' Bolkshipitne gesungen wurde j (tfWti '/lutiicillitcitbclDCU. vor einigen Jahren wußte» die biedern M a n n'r rsd o rf-er /kicktts von jener „arischen" Vechenielmst, welche inan als Antisemitismus bezeichnet Amt in es "aber anbeiegeworden Ein S.nerlopf, derxKcksiA» einem anderen T ne liiiln znreckn' finden tonnte, ließ sich eines TagesV, Mannersdott' nieder, und von diesem .^eitpnnlte ,rn eolvorlirt er daselbstantstemitssche Truckschristeu'. So bedachte er beispielsweise mit dem berüchtigten Antisemiten 'late chismus einen ehrsamen Schneidermeister, der äly damit nichts anzn fangen wußte und sich über die Bedeutung dieses '"eichenles bei einem Juchen Rath« erholte. In Mannersdorf befinden fick, übrigen-' ich Ganze» drei jüdische »vainilien, deren eine seit etwa zwanzig Jahren dort einen Vade» besitzt-und sich stets eines guten Rufes erfreute. Tie ziveiv .vamtkie, ans einer 'Witwe mit drei Töchtern bestehend, ivelch leistete in der dortigen Fabrik als Arbeiterinnen beschäfiigl sind,'ist gleich der hitlni.11 wohlgölrtten. ' Außerdem lebt in Mannersdorf nocki ein Hausierer, der sich mühselig durch das Veben fortschleppt. Selbst nackt der belannlen antisemitischen Toetrin lauff das-„Wiit'hsvolt" von Mannersd.i'.'f leine ("efaltr, durch die'erwähltien Angehörigen S.s -„("a'stvolle." vc» jndet und eorrumpirt zn werden - 'Aickttsdestoweniger f.tmv'l det v..itet köpf gegen dieselben mit einem solchen Eifer wie Ton.v.nirote gegen di.' Windmühlen Ein seiner würdiger(''enosie be'indet tickt in dem benachbaitzn (s ö tz e n d 0 r s Tert'elbe ist Beitreler eines Wiener Biet braueis ii^i'ebee Eonfession/ huldigt also, ' ivenn er .bei einem Juden «''eld vn oien.-m kann, dem (''rnndsave t „,.tr >ck>-t 'Beide Tue find tuiriltie '.Hnmemiti 11 Itcftfi-n waltrlickt nicht zn leeneiden. , m-n zLpicll »ichl mit dkl» JvClirr. Ans X > e IN -'- n-ird!!N geickn nlo ,-' Ehrliche Menschen findüber k>n Antiietuiite-mu-' »n> zto-rlu '.'A'-nu ng, die einen halten chn. bloß für tiet veiacktklickt. die andi n anckt im gesährltckt: wir schließen uns 1 nctlialtslos der letzt,ten iitiiiu. ■:.f. Man kann unmöglich jahraus jahrein, tagt>-.'!> und stünolickt d-' breiten Maste» mit den nnglanblichsten Mittel» barainzurz,», gegen d e t'nd: ichen Mitbürger ' veihetzen, allen gemeinen Trieben int 'BcenMen schmeiccheln und die Roth des einen gegen das >''lück des ckitd--,-.-» ant stacheln, ohne endlich brutale (''ewalnhätigleit, raub lind raelttiickttnze-.- Blulvergießen lterbeiznsühren. Wen» die öTTtücmitlidioii Ea.ii!.n»eanckt vorgeben, dies nickt! Ist wollen, sie würden -dockt titelte die .Macht haben, die eiittetielte Bestie im Menschen, wenn iie fielt• auf den M bezeichnelen Raub wirst, znrnckznhalteu. Iltr Treiben ist ein beständiges gefahrdrohendes Spielen mit dem- Jener, nttd wenzi es bisher noch nicht mehr blutige -'töpfe, noch nicht mehr veiödete Arbeit,- »vditieM gebrannle Woltnstätten zur Aolge gehabt hat, sie find daran nickt) 'chnld, sie haben' es an Eifer wahrlich nicht fehlen laste». Eine ernste '.siial, nnng in dieser'Hinficht bietet eine der letzten Wandenwrstellnnge»? die Schönerer in dem alten Bergstädtchen Schne'eberg int uieltfinlieii Erzgebirge veranstaltete' „Scktöneier mochte," wie da-'- -'iremser, Anti semijenblältchen berichtet, „etwa eine -Stunde gesprochen 'Itaben, -als plötzlich Jener lärm erhonie und heller Ienerschein zn den I-enstei n

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