Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 7 (22.5.1892)
- Date
- 1892-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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5eitc 1. Freies an bei bezeichneten Stelle fehlt hinzuthun, hinzuzüchteü ließe. Dach hier ziemt es sich, meine heitere Deutschthünielei und Festrede abznbrechen, beim ich rühre bereits an meinen Ernst, an das Europäische Problem", .wie ich es-verstehe, an die Züchtung einer neue», über Europa regierenden Kaste. Talnuidstreit. ‘ iCriginalmitibeiiimg be-S „Freien Blattes") Xraka », 2> > Mai. Por einiger Zeit verkündigte ber Veinberger Eorresponbent deS ..Deutschen B ol k S b l a 11" trinniphirenb, bei (Geistliche P ra n a j t i i, Professor' bei hebräischen Sprache an bei geistlichen Akademie in Peters bürg, hätte in eilt ent Dalnindftreite mit bei Warschauer Wochenschrift „Oiroclit" bieietbe beniiL in bie Enge getrieben, baß sie die Waffen strecken, mußte. Pranajtis habe überzeugend baigelegt, baß ber Dalmnb ben Haß gegen bie Christenheit predige. Ich bin kein Kenner des Dalmud, aber toiefe Angabe erschien mir schon mit Rücksicht ans bie > S.nelle, bei sie entstammte, imb ben Sit, wo sie gemacht würbe, sehr verbächtig: ich zog also in Warschau nähere Erkunbigungen ein. Die baielbst in polnischer Sprache erscheinende Wochenschrift „Jzraelita" liat Ibatiächlich in mehreren Ruininern gegen Pranajtis poleinisirt, welcher bie Bchänptung ausgestellt hatte, der^D.glmud enthalte an per ' 'chiebenen Steilen christeuseindliche Auslassungen, imb schließlich erllärt, bie Disenssio» nicht weiter sortspinnen zu wollen, ba „die beiderseitigen Waffen ungleiche iiiib". Zur Charakteristik bes Geistlichen Pranajtis genügt es zu eonstatiren, baß er die Gelehrsamkeit desselben Rohling preist, welchen.christliche Gelehrte, bie einen Weltruf haben, wie Dell t-ich, Röldecke unb Wünsche, ber Ignoranz nnb Entstellung gezielten haben' ' In Wiberlegnng ber Augsührungeii Pranajtis' wies aber' ber .Wzraelita" nach: I. tic im Dalmub vorkoinnienben Worte „Aknin", ..Rockiri", ..Gaj" :e bestehen sich ausschließlich ans Heiden, keines ■ wegS - auf Bekenner des Christenthnms. - Abgesel)en von vereinzelten AnSsprnchen, die übrigens keineswegs verbindlicher 'R'atnr sinb, lehrt ber Talmud Humanität unb empfiehlt auch Heiben gegenüber ei» nieiiichensre-imbtiches Perfahren. MaiS dürfe sienicht übervortheilen, inüffe stets rechtschaffen sein nnb solle jedem Menschen gegenüber MitdilnNigteil üben. Die''Frommen anderer Bölker, äußere der Dalmub, liabeir Anlheü an dein tiinstigen Veben ebenso wie die sroninien .''iraeliken. Man ernähre heidnische Arme, pflege ihre Kranken niid bestalle ibre Dodkcn ebenso wie die lobte» Israeliten. Wen» gleich im .Dalmub hie nnb da Aiispielnngen aus bie Bekenner des Ehristenlhunis bie ursprünglich Juden waren, vonz kirchlichen Eliristeiilhuni, wie essich später heranSbilbete, nichts wußten, -^alle moiajschen (Gebote streng beobachteten und mit den übrigen Inden in mem nnb beniielben Ckoiteshanse beteten , Vorkommen, so sindsie frei von.irgendwelcher Gehässigkeit. Dalnindische (belehrte haben mit den .isten Elinsten srennblichen 'Perkehr gepflogen, nnb die Differenz im Punkte des Messianismus hat einen friedlichen Jbeenanstcuifch nicht verlnnderl. 4 Was die späteren Rabbiner anlaugt, so waren wohl manche - angesichts des PerbaltenS der Kirche und ihrer Diener gegeir"viesell'en seinblich gesinnt, nichtsdestoweniger erklärten di.' meisten l abbiniichen Anlolilälen, vom Mittelalter an bis ans unsere'.Zeit, daß '.iinmlliche Heibenbeuennnngen iui Dalnind keineswegs ans Christen lezogen werbe» können, welche ebenso ivie die stjraeliten ben wahren "'an bek-nine» nnb besten heilige O'eMe beobachten. ä. Ans die Frage t lananis . wozu bie onhodoren Rabbiner >'pä?erer Zeiten die talmnbischen Benennnngen ..Atnin", „Rochri" n. dgl. gebranchen, wenn sie darnnler - 'steh! Clnfften verstellen, erwidert der „Jzraelita": „ Die späteren AuS leger, Et lautetet und Eobi'ieatoren wiederhokten mechanisch alles bas, nrns ste in, Dalnind vorsänden Wurden ja auch die kalinndischen Por ’etnifter. iil>e; Dpserbarbringungen im Denipel zu Jernsaleni,' über; Litulli- Pernnrejiiigiingen und Reinigungen, was doch '.'blies zu äugst rel'chollencn «stebranchen gehörte, eingehend erörtert und-genau e-d i iieit Daß sich der ..Jzraelita" dann bewogen fand, unter Hinweis ans die kl.^gleichaltigkell der Waffen den Dalinndstreil eiirziistelle», ivird ■ b i, ber mit den russischen Preßverhältniffen halbwegs vertraut ist,!- icht erkläilich 'indeu Der geistliche Proieffor, der gegen ikuden schreibt, l-.u keine Schwierigkeiten seitens der Eensur zu besiitchten Wer sich dagegen der '.-tiden annini.nit, die Angriffe eines (Geistlichen ab'znwehre» liat, »ins; sich bie strengste Znriickhaltnng auserlegen, wenn n' seiner l'Olemit W Publieiläl sichern und sich nicht damit begnügen' will, daß tle' bloß von bei Censiirbehörbe gelesen werbe.. So beschossen ist der Blatt. Nr. 7. voinRemberger Corresponbenten des „Deutschen Polksblatt" trinniphirenb verkündigte Sieg beS Geistlichen .Pranajtis 1 Der Warschauer „Dnewnik" ober ein anderes russisches Blatt pflegt auch zu siegen, wenn es sich »in Richtjuben, um Deutsche und Polen, Protestanten nnb Katholiken handeltim pnbliriftischen Kampfe behauptet ist Rußland der Bertreter der den russischen Behörden zusagenden Anschaunnge.l immer daS Schlachtfeld. Es ist aber kein Sieg der Argnniente, sondern der Gewalt. - 1 Wiefel Jycilt.' Bei Berathung bei Wiener Perkehrsanlagen im A bgeordnetenhanse prophezeite der Mechaniker Schneider, daß die Zeit für Prodnetionen von Finaiizkünstlern n In Schlesinger bald vorüber sein werde. vitt nicht ferner Zeit, gab der antisemitische Seher bekannt, werden wir. aller finanziellen Sorgen ledig sein;■> man werde einfach die .'»den berauben, oder parlamentarisch ansgedrüctl: ihre trüber consiseiren. Du nicht ferner Zeit? Ein Sinngpdicht des „Inden" Gotthold Ephraim V essing lautet: . 4n .Jahresfrist, verichtvnr sich Aickel Fein, Sin reicher, reicher Mann zu kein. Auch war' es, lianii! nach seinem Schwur gegangen. Hält' inan ihn nicht vor Jahresfrist gehangen. Zur Grklärnng dcs Vcmstcrqtr crzbischöslichc» (ioiislstorillms 1 Über düS BiutlllNkchtN. Po» einem Dheologen erhielten wir folgendes Schreiben. „Mit Beziig . ans die in Rr. I deS .Freien Blattes' gebrachte Copie eines.von dem erzbischösliclien Consistorinin i» Veinberg -Illi>. (>. Mai 11*01 alnsgestellte» Artenstückes mache ich Die aufmerksam, daß der damalige Erzbischofnach Gams' S.-ries i-piscoporiini i-oclfsiiiii-atlKiIir-at;' Cajetan Fgna; Kirki hieß. Wie kommt es, daß 'er in der behördlich als richtig bestätigten Copie des Priginalacten stückes Kitkikizki heißt?" Wir wendeten uns nun an eine» polnischen (s'elehrten, der so freundlich war, uns folgende Aufschlüsse zu ertheilen: „Der- Raine des Erzbischofs ist entstellt wiedergegebe». 'Derselbe hat richtig zi> lauten: Cajetan Fgnaz Gozdawa von Kitki Kirki und nicht Kozdnra von Kitkikizki. Der eigentliche Zuname des Erzbischofs ist Kirti: von Kitki ist das Adelsprädirat und bedeutet: der ans Kitki . stainniende. t^ozdawa bezeichnet -daS Wappenzeichen, dessen sich die Familie bediente. Der vielleicht zu lange Raine erklärt sich ans folgende Weise: Ursprünglich nannten sich die polnischen (Geschlechter nach ihrem 'Wappen. Hier war also der ursprüngliche Zuname Gozdawa. Erst gegen Ende des 'fünfzehnten Jahrhunderts nahnien die Familien einen, dem Stammsitz.nachgebildeten Faiililieiinaine» an, und so kam es. daß nahe Perwandte, die dasselbe Wappen führte», doch verschiedene 'R'amen hatten Als späterhin sich diese Familien verzweigten, fügte man dem Familieiinainen noch den Rainen der entsprechenden Realbegüterung hinzu. Der Raine Kirki ist daher aus dem Staminsiviiainen Kitti entstanden: ein Zweig der Familie, der sich int Besitze der Stammburg erhielt, fügte noch den Rainen derselben den, Znnamen hinzu. Dem Zunainen ivnrde der Staininsitznaine, diesem der Wappenname vorangesept. '.si'ach der Dheilung Polens, als ein Dhpil desselben a» Sesterreich kam nnb bie Adeligen auch den österreichischen Adel erwerben konntt», nahmen sie als Prädirat de» Staninisitznaine» aü, häufig den Wappennainen; nicht selten, wie im vorliegenden Fall, wurde» beide vereinigt Daß es aber .(^ozdawa' und nicht .-(iozdnra zu heißen hat, läßt sich ans dem in polnischer Sprache erschienenen .Wappenbuch des galizischen AdelS' ersehen, und dann-kennt die polnische Heraldik ein Zeichen Kozdura nicht (Gozdawa ist aber .Itlium ailiiim .in <-am|w in!»-»', ujic es in einem Dorninent anL dem Jahre läif heißt PietosinSti: .lieber die diinaftische Abstainmnng des polnischen Adels , Krakau, -l-SHS . DieseS Zeichen ist auch in dem angezogenen polnischen Werte f Seite lkä-4, Zeichen 14 , ferner bei 'R'i e.see k.i in seinem '.Polnischen Wappenbnch' Band IV, Seite 2f>ü) abgebrnckt. Drin der polnischen Bezeichnnngs weise nntnnbigen Bersaffer, beziehungsweise Abschreiber des in deutscher Sprache ausgestellten Aetenstückes dürfte das Kozdnra' wie auchdas .Kitkikizki' ziiznschreiben sein. Mmi." i „Zlldkll." Die antisemitischen Racenhetzer, welche übrigens gegen „Jubenstäniinlinge" sehr nachsichtig sinh, wenn diese ihren nnlanteren Zwecken Borschnb leisten, machen ohne viel Federlesens nnverfälschte Arier, die ihnen mißliebig sind, zu Inden. Der gerichtsbetännte Ah 1 war dt erzählte-kiirzlich, der technische Veiler der Vöwe'sche» (slewehrsabiik, Sberstlientenant a D. Kühne sei eine Jude und heiße eigentlich Kohn. Diese Angabe ist, wie Berliner Blätter eonstatiren, vollständkg erfunden. Dberstlieütenant Kühne ist iveder getaufter Jude, nock> heißt er eigentlich Kohn, sondern ist von durchaus n i ge rin a n i fcher, christ I ich er Abftanininng. - Derselbe Ahlwärdt erzählte ferner,,»» die Schlechtigkeiten der jüdischen „Ränberbalide" daznthnn, wie einer christlichen Frau in Berlin durch die In den .Firma Krieg, Skaliyer-