Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 7 (22.5.1892)
- Date
- 1892-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 7. Freies Blatt. Und wenn man von de», ungeheuren Rcichthnn, sprach, der sich in den Händen der Inden concentrirc und ein volkswirthschastlichcr Schaden für unsere ganze 'Jfatioi, sei, so vergaß man anzusubren. daß diese Ansammlung' großer Eapitalicn in de» Händen Einzelstcr über Haupt ein chäraktcristisches Zeichen unserer Zeit ist, daß cS anch eine große Menge christlicher BanguicrS mit großem Eapitalreichthmn gibt, und daß der (Großgrundbesitz eines Fürsten von Plcß »nd vieler anderer Vandinagnatcn an liegendem Werth die Kapitalien säinnitlicher jüdischer -Bangnicrö um daS Zchusachc übersteigt, daß es endlich andererseits auch eine große Anzahl in äußerster Dürftigkeit lebender bilden gibt. Statistische Bcrcchnnngen, welche beide Eonfcssioncn oder Racc» nm> faßte», wurden nicht ausgestellt, ini t^egemheil stets unter Hinweis ans oft entstellte Einzclfällc die vagsten Behauptungen ohne jede» Beweis in die Bolksinassc» hineingcworfcn, nm den Haß nnd die Abncignng gegen das Inhenthnin immer höher zu steigern. Wir erinnern liier nur an die völlig nuwahre Behauptung, daß die Inden auch z» den Ber brccher» ein größeres Kontingent stellten'als die „lslermancu". Tiesc leplerc Bchanplung ist denn schon vor fahren durch die Entgegnung eines ebenso scharfsinnigen als gelehrten Juden,?r S. V ö w c» selb, dessen eigentliche, von allen Iachlcntcn ancrlanntc Bedeutung sonst ans historischem (Gebiete liegt, zablcnmäßig nnd schneidend widcrlegl in der sehr lcscnswerlhen Broschüre „ Xic Wahrheit iiüfi der Inden A»ll>eil am BerbIcchcn" sBcrlin, 1**1', deren Rcsnltale seildcm dnt'ch' die amtliche» eriininalstalistischcn Bcrössentlichiingen der folgenden Jahre glänzend besläligl worden sind. ' , Säiliijz wüp ^riedrici? Nietzsche über die Iudell. seiner Schritt „ jenseits von <'\ut und Böse" spricht sich Friedrich "A'iclzschc über die Juden in einer Weise ans, welche anii semitische Vcscr nicht nur empöre», sondern ihnen auch, inioscrnc sie ängstlicher Ratnr sind, lebhafte Bcsorgniste cinflößcn muß. l^elg er doch so weit, die Ausweisung' antisemitischer Schreihälse zn begehre», den Inden aber die Eignung znznschrcibcn, sich der Herrschaft über das wasfcnstarrcndc Europa zn bcinächiigen. Tie Aenßcrnngen eines Schriftstellers wie Riclzfchc sind um so interessanter, alsj der einstige Bcrchrcr Richard Wagncr's immer den Eindruck macht/ bniidheraiis das zn sagen, was il»n eben als wahr vorschwcbt, nnd sich anch nicht scheut, ehrlich zn bekennen, daß er selbst eine Weile ans inneirtem (Ycbictc Aufenthalt genommen batte. Tazn kommt noch die fesselnde I-orin, in welche Richschc seine (Gedanken kleidet. Allerdings fordert er mach unserem Tafürbaltcn nur zu oft den entschiedensten Widerspruch 'heraus, aber nichtsdestoweniger muß, wenn Riclzschc über eine Zeit nnd Streitfrage seine Meinung äußert, Ircund nnd Ieind ihm ans merksam folgen. Tic Antisemiten wurden, wen» sic die ->i linke der Gesetzgebung in der Hand hätten, gewiß nicht ermangeln, so gefäbrliche Schriften wie die. cincs Mannes, der sogar von einer Tantcspslicht Europas gegenüber den Inden spricht, niit Beschlag belegen zn lassen. So weit sind wir indessen noch lange nicht, und wir lönnen dabrr im Nachstehenden jene Stellen aus „Jenseits von G„i und Böse" wicdergcbcn, welche Inden und Antisemiten zum Gegenstände haben In dein Abschnitte „ Ta» religiöse Wesen" schveibl Rievsche: In dem. jüdischen „alten Testament", dem Buche von der göttlichen Gerechtigkeit, gibt cs Menschen, Tinge nnd Reden in einem so großen Sl»le. das; das griechische und'indische Schristentlmin ihn, nichls zur Seile zu stelle» hat. Man stehl mit Schrecke» und Ehrfurcht vor diesen int gchcnrdn Ucherblcibscln denen, was der Mensch cinnnials war, nnd ivird dabei über das alte Asien und sein vorgeschobenes Halbinsclchen Europa, das durchaus gegen Aste.» den „Iorlschrill des Menschen" bedeuten möchte, jscjnc traurigen Gebauten baben. Ireilich, iver selb» nur ei» dünnes, zabincs Hausthier nnd nur Hansthierbedürsnisse tennk ..., der bat unter jenen Ruinen weder sich z» verwundern ncch gn sicki zn betrüben. Ter (Geschmack am alten Testament ist ein Prüfstein in Hinstcht ans „Groß" und „(ile'in". Tie bieran sich tnüpfcnden Aeiißernngcn Rictzsche's über das „neue Seslamenl" lölsiie» wir ans prcßgesciztichen (Gründen nicht rcprodneiren In dem „Bölkcr nnd Batcrländer" betitelten Abschnitte sülirt 'A'ietzschc ans: Was,Enrppa den Inden verdaiskl? . Biclcrlei, l^ntcs, nnd' Schlimmes, nnd vor Allem Eins, das vom Besten nnd Schlimmsten zugleich ist: den großen Slnl in der Moral, die Inrchtbärkeit und Majestät unendlicher ,vorder«»ge», unendlicher Bcdciilnngcn, die ganze Romanist nnd Erhabcnbcit der nioralischen Iragwiirdigteilen — nnd wkglich gerade, den anziehendsten, verfänglichsten nnd ansgeinchleste» Sbeil jener <varbc»spicle nnd Bersülsrnngen znin Veden, in deren 'Rach schiinincr heule der Himmel unserer europäischen Eultnr,. il>r Abend Seite tz. Himmel, glüht — vielleicht vcrgliibi Wir Artisten unt r den .^»schauer» »nd Philosophen sind dafür den' Indcn dankbar. Man muß cs in den >iaut ncbmen, wenn einem Bolle, das am nationalen Ncrvcnsicbcr und politischen Ehrgeize lebet, leiden will, mancherlei Wolken nnd Störunge» über den- (seist zitben, kurz, lleinc A-nfüllc von Bcrdumninng: z. B. bei den Tcntsche» von beule bald die antisranzösischc Tnmmhcit, bald die antijiidiiche, bald die amipolnische. bald die christlich romantische, bald die wagncrianiiche, bald die teutonische, bald die preußische man sebe lich hoch diese armen Historiker, diese Sybcl und, Srcitschkc und ihre dick verbiNidencn -Eöpsc a»>, .nnd wie sic alle beißen mögen, diese lleincn Penebelnngen des deutschen (Geistes nnd (sewiffenö. Möge man mir verlzcihen, daß anch ich bei einem kurzen gewagten Au fein ball auf sehr i meinem (sebictc, nicht völlig von der .((rankheil vc.schont bl.wb nnd in r, wie.alle Welt, bereits (Gedanken über Tinge zn machen anstmg, die mich nichls angcben: erstes Zeichen der politischen Ins.'etion - inan höre! Ich bin noch teincin Tenlsche» begegnet, .der B. über die - Inden: den Juden gewogen gewesen wäre, und so nnbedingt die Ablcbnung der ngenttichcn Vlnt seniitcrci vo» Seite» aller-Borsichligen und Politischen sei» mag, io richtet sich doch anch diese Borstcht >>.»d Polilit nicht > elwa gegen die lsatlung des Gefühls selber, sonder» »nr gegen teilte! gefährliche. »n chaudbaren Aus. ch nicht länichen ' deutsche Magen, - ge- Rolli -baben rlig zn werden fertig geworden ist dir deutliche mäßigkcil, insbesondere gegen den abgcschiikacktcn nnd druck dieses iinntäßigen (^csiihls—darüber dari man s Taß Tenlschland reichlich gcnng Inden bell,- daß der das deutsche Blut Roth bat -und noch ans lai < wirdi, lim auch mir mit diesem "T.iianlnni „ Jude" üso 'wie der Italiener, der Iranzoie, der Engländer sind in Iolgc einer krästigcre» Bcrdaitmig. Aussage und Sprache eines allgemci tcn Instincles, aus welchen man boren, nach welchem inan Handel» mns; „sleine neuen Inden »sehr bineinlastst-it! z Und itamentlich nach dem Tneu '< auch nach Testeneichzu die e ltoreztisperrcti!" Also gebietet der Instinel eines Bottes, ^desten ,'lrt noch schwach »nd iiubcsliinml ist, so ->>aß ste leicht venvischl, leicht hni cl, eine stärkere Raee ausgclöschi werden tönme! Ti? Inden sind aber ol,ne allen Taumel die stärlsle, zäheste und reinste Rare, die jetzt in Europa lkstt: sic verstellen es, h'ett'st noch .den schlimmsten Bedingungen, /ich dtirchztiselzen best'erA'ogar al-' »nie günstigen) vermöge irgendwelcher Tugenden, die tnan Vastcrn' stempeln möchte, danl vor Allem einem rne der sich vor-den' „inodernen Ideen" nicht zn schämen hranchl ändern sich, ivcnn sic sich verändeni, iininer mir io/ stteich seine Erobc.rnngen 'macht — als ein Reich, das nicht von gestern ist. nämlich nach dein l>st-„:tdsalze: „so langsattt als möglich!" Ein T.enter, der die Iiitnntk Europas' am'scinem l^ewinen bat, wild bei allen.Enrwürsen. ivelche er bei sich über dieie^ Intniiik macht, mit den Inden, rcchncn wie mit nnd wabricheittlichslen Iaetoren >i raiie. Tas, ivas heute iir' Eitropa „Vtaiion" genanm :v:> nicbr eine r>-^ l'n>-ln als 11 iin ist. ja iitnnnlet einer rznni Bcrwechseln äbnlich' .siebt, ist in jedem 'Ialle etnEs Werdende---, Junges, leicht Berichiebbares, nor> leine :>laee, g.'schi beute gern zu luten l^lanben, : ste ver ipte das iiiistsche 7leii bat nnd .den Rnss.en. als den z l:n großekl. Spiel n r t.".' naelvl tickierilen d Ziaiilps der nnd st geritlich - >- ' I i * -1.: m * -tge -denn et» - ..'A'aiionen" Ie-ndstbiatn '^elianvlnna dazu zwa:'?..-, „ t! 'eltäiZ" litt'.i. leiten.' - tonIt'ein II. ' Sw dnrste.i ' Ianl>z, geackii-.i - e>ii 'Iiel zn - solches N'-rpr-i>-miiii>, ivie cs di-- Iiideiiail n'l iolllcn stch doch vor jeder Iiivtöpstgen Eon. nr lenz nn' lorgsällig in Acht nebmeii' - t , stiieviche stellt mui die schon'erwäbnie tiöckist i>mdeib-ir-' ans, daß dp' Juden, loeun sie wollten oder iv^tn iiim, l'!e. wie es die Anliscinilen zn ivollen -. >cheinen, jetzt ickt.-ä d»' iiber Europa habe» lonnien, daß ste aber nicht dataps sondern „einstweilen" sogar mit ei nger Indiuigliellteit Europa,' von 'Europa ein '' nnd a»sgesangt zn weiden danach, fährt dann 'A'ielzsckie fort, endlich irgendwo iest, - zn, sein nnd dem 'A'omadeiilelwn, denk „ewigen Juden" ielzen, und man sollte diesen .Ing und' I rang', der vielleicht 'selbst 'ebon eine Milderung den indiickten Instineie ansdriickt, wohl > beackilen nnd ibin cntgegciiloiniiien, ivozn cs vielleicht n ttiz I i elf » n d l , l > ig iva't e, die a n ki sein i li i che n S chrc i bgl i e des Va » k es z >> verivei'en: mit aller "Borsichl cntgegenloninien, mit Ansivahl, itngst'äbr io. iv,-- der englische Adel es lbm '? ' : Es liegt ans der.Hand, daß am niibedent'ltckisteii »och mit d:.' stärkeren und -bereits seste.r geprägten Snven des 'neuen Teniichtlnims inil ibne» einlasscii lonnien, z B der adelige Tinenr aüs der Mais. cs wäre' von vielsacheln Imerene, zn sehen, ob steli irietid zn der erb lichcn iiiil'l des Besehlens- und (^-horchens in bilden, ist das bezcichncte Vand beute elastisch - ' das <^en.ie des (Geldes und der l^ediijd (und vor "Allein ctivas l^eist nnd l^eistigleil, wor/n cs reickilick; l