Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 5 (8.5.1892)
- Date
- 1892-05-08
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite;}. i Freies Blatt. Zerstörung des Tempels verfaßte Gesetzessammlung einen Einfluß, wie' es hier geschieht, zumnthen können. Rabbi Yehuda, der Heilige, «hätte diese Bestimmung gewiß in seine Mischna ausgenommen. Tie Zeiten batten sich jedoch wesentlich geändert: die früher durch fortwährende Kriege und At^stäiide erzeugte und genährte Verrohung hatte bedeutend ab- - genomnien, daS Volk war durch schwere Schicksalsschläge besser nnd milder geworden, und darum eine Ilnthak, wie jene Ermordung durch habgierige Verwandte, nicht mehr.;« befürchten. DaS Verbrechen gesck)ah ^aitch wirklich, wie eS mit den Worten wesolio^litilii orclj Impesaclt deutlich gesagt ist, am Vorabend in der Rüstzeit;»m Pasach-Mahle, als der Tempel noch bestand und das' ü*pfev. noch in Jerusalem dar gebracht wurde. Der unerhörte Frevel hatte dis Feststimmitng getrübt, die Gemüthcv verbittert, der heiligen Stadt Schande bereitet und wurde im ganten Vande besprochen; das bat die Behörde bewogen, jene Verordnung zu erlassen. < Bevor wir auf die Sache 'weiter eingehen, erscheint es" angezeigt, das Vobcii nnd Treiben, das in jene» Zeiten .an einem solchen Lage in der Staat Jerusalem herrschte, ein wenig t» veranschaulichen. Hundertlausende strömen aus allen liegenden znsammen: Männer, die Widder nnd Ziegenböcklein mit sich führen,;n Spfergesellschaste» grnppirt, ziehen massen hast durch die Straße» nnd ^Gassen Man eilt zum Tempel, wird dort in dem überfüllten Schlachthofe hastig abgefertigt und geht, daö Fleisch des Spserthieres in dessen Fell gewickelt mit sich tragend, ivieder in das, Algteiggnartier. Menschen flnthen drängend, .stoßend und schreiend nach allen Richtungen, von Moria ertönt Vevitengesang ilnd Posaune» schall, nnd Klein und tMoß ist in steter Erregung, t Siehe Maimonides' Ililoliotlt Koilum J’esaoli, I’t»r<-k I.) Das war ein Tag des Herr», aber auch eine begneiue (Gelegenheit für Räuber, Diebe und Verbrecherseele» aller Art. Darf es Wunder nehmen, daß sie auch von Misse thütern benützt wurde'? Gewiß haben böse Menschen die- Rachmittags stunden eines -solchen Tages öfters zu verbrecherischen Zwecken benützt. Run haben wir über jene dunkle Stelle des Taliiind: \V»si-lio<-litilii i-ivb >,»>,,-im.'It volle Auslläning. Die raubgierigen Verwandten deö zu beerbenden Indenkaben Hallen eben zur Ausführung ihres Vorhabens jene Zeit gewählt, in der Alles mit der Vorbereitung znm Feste be | schüfligt war, nnd das wie „jammernde -Kinderstiminen" klingende (Geschrei der zu opsernden Böcklein vielfach gehört wurde und Blut spuren überhaupt kaunt ausfällig waren, damit die Ilnthat eher geheim bleibe. Der Talmud erwähnt dieses Umstandes, »in damit zn sagen: Die Verordnung wurde erlaßen, damit nicht böse Menschen eine günstige Gelegenheit, wie damals gc»e am Rüstlage znm Vasiach, dazu benützen,' sich deö .lästigen Vvrerben zu entledigen. . Die angeführte Talmndstelle hat demnach i keinen anderen Sinn als folgenden: Wenn nach dmt^, Tode eines Mannes ein unmündiger Sohn znrückbleibk nnd Verwandte des Vaters chn zur Erziehung über nehmen wollen, die Mutter/jedoch sich dagegen verwahrt »nd den Wunsch ansspricht, daß ihr Sohn vei ihr erzogen werde, soll das (Bericht den Bratest und Wunsch der Mutter beachten und den Sohn bei ihr lassen. Es könnte ja fein, daß fix im Stillen den Argwohn liegt, die erb berechtigten' Verivandten würden ihr -Kind bei günstiger «Gelegenheit beseitigen: es ist ja schon vorgekommen, daß ein solches Kind am Vorabende des lTsterfestes miigebracht wurde. In der von Ernst Schneider vorgelegten Uebst-setznng -enthält nantenl lich der Schlnßpasins statt einer, sinngetreuen' Wiedergabe > des Teiles eine.tendenziöse Unterstellung, liicljteitle Ans sondern eine Hinein legung, um einen Beweis für das „Blntrituale" zu eonstrniren. Es ist zu bedantün, daß der Landtag den. Antrag Schneider nicht zt/m Be schlusie erhoben hat. Wenn es auch nicht ganz ausgeschlossen ist, daß - selbst gelehrte Orientalisten, vom Jndenhasie geblendet, jenes Märchen, das die Bäpste (Gregor IX'., Fnnoeenz IV , Elcmens VI , Sirküs IV., Alexander VII. und (Gregor X., viele geistliche nnd weltliche Würden träger nnd (belehrte gründlich geb'randmartt haben, noch immer glauben tönnen— das Kunststück, diesen Wahn in jene Lalinndstklle;» zwangen, brächte fei» Sachkundiger zu stände. Welt bringt. Die Regierung der Bereinigten Staaten von Amerika hak, durch den massenhaften Zufluß russischer Juden in die Unionsstaaten veranlaßt, zwei außerordentliche Eommissäre nach Rußland entsendet, nümlick) die Herren Sberst I. B. Weber nnd Dr. W Kempster. Der erstere, -ein langjähriges Eongreßmikglied, ist EinwanderttngSeommisiär im Hafen von' Rem-Bork -lind Präsident des AnsschnsseS, welchen der Schatzseeretär zur Prüfung der Einwanderungs frage ernannte, her zweite ein betautster Rew Borker Arzt. Tie beiden Herren hatten speriell die Aufgabe, sich über dieZnstästde der russischen Jude» zn unterrichte'^' unddie Ursache» ihrer BrasseneinwaiidernNg nach Amerika klarznlegen. Im 'Nachstehenden reproduriren wir das Wichtigste ans dem Be richte der amerikanischen Eonimnsäre Tie Herren Weber »nd stemvster Rainen in St. Petersburg am 17. August v. ,i. an. Iivei Sage vor ihrer Ankunft I»att>- die Grsandt-chaiteder Bereinigikit Staate» eine Audienz bei dein Minister des Iuneiii für sie er beten. Während sie eine Amwortshieraus erwarteten hauen sie eine Unterredung' mit einem Beamten des Miiititerinuis der ansierrn Angelegenheiten. Herrn Schischlin, der früher der rnisiiäten Gssandtichast in Washington attachirt war. Er ging ihnen »tit Vorbereitungn zn einet»'Progralnm an die Hand, indem er ihnen die Städte bezeichnet,-, deren Zteinch von Interest',- sei, nnd »nachte sie darauf ansmeitsam, dasi sie sich rnF otsietettem Wega'Vrteke und die nölhigen Tvenmentc beschafsen innßten, '-rve/n sie sich ihre Forschungsreise er leichterit wollten. Der Reiseplan wnrds "sest.m'teUt und die erforderlichen «seinäie in der angegebenen Form eingereicht. Sie frhiettkn »edoch leinen -Bescheid, auch das Andienzgesnch bei dem Minister des Luttern hatte teilte» Erfolg Als die Mitglieder der Eominissioii nach, fünstägigem Warten keine -Antwort er hietten, beschlossen sie, ihre Untersnchiuigen ohne die osneietle täeuehiiiignnq der rnssischen Regierung vorznnehmen. Erst nach ihrer Ank-tnt't in Mostan, am 2ü. August, erhielten sie von der Gesandtschaft der Bei-eimgteu Staaten die. Rächlicht. dasi der Minister des Innern ihnen eine Andien; snr. den »a,Vst,» Sag sbewilligt habe. Sie glaubten ied/>ch diese Einladung, ablelnten -zu tdnnei, und hielte» es nicht snr nöthig, nach St. Petersburg zurück;,ilebr.n ttnd.tbrr Gesuche zu. erneuern. .. Tie von den Mitgliedern ivährend' ihrer lliitersnchnng beieiste t'K-fle,,,-. bfindet sich zwische» Moskau und demienigen Slteile des tzand-s, weis,es betgnut ist als „Mederlassnngsra»»»" der russischen Inden. SieI.tst.inde in Most-i'n sind das Resultat derselben Politik, welche die Matgeieve gestli-.isten ba>. Ente große Iaht jüdischer .Ham'lfiite, geschickter Handwetker und Arbeiter beiden.» Geschlechts hatte in Moskau sesten-Wohnsitz glnommen, weit ihnen die laiier - lichen Ediere auch Freiheit außerhalb des „Ri.-derlaisitngsgebietes' brwistigt hatten Die Maigesetze-betrasen sie nie dirtet, aber, die Erin-nerung derselben wurde als das Bor-piel einer schaKeten Dändhabnttg dieser Gesetze betrachtet, bestimmt, sie in die Elaste der ^Iuden znzüilznveisetzen, wellt,,- gezwungen sind, sich in dem ihne» aii,zewil-sene>t stiavon itiekerzulast'rn. »ilitel, um diele Anstreibung itö großem Mäßsiabe zu beginnen, tvnr.den leicht ,>-iit»de».' -Er-t tnachte inan Schlviertgkriien b i der Eineuerpiig der für die Hatidwerler be stitnmten Zeugnisse, ivelche die.Eo^tz>rationen mit indischen Piitgltedern ans . stellen niiißten, ohne daß inan siedlsmat bei der Ausübung oher bei der In sainmen-etznng der Staluteii entgreisel, tonnte. Man iand etaenj Borwatid'. um jene Iengnii'se für .nngiltig z» 'etklären, »»dem man ' die Wertstä-ten an''n>lne, wo jüdische Handwerker be-chästigt waren. Es wurde eine Ieit.gtwählt, wo >ene tzente abwe>end waren, um Arbeite» abzuliesern oder neue zu baten, vder wenn inan genau wußte, daß sie sich entfernt hatten, um ihre reügios>-n Pstichten zn ersüllen. Es ivnrde ein Bericht abgeschst, welcher besagte, daß' lene Per-oiten nicht in den betresienden Werkstätten arbeiten.' nnd daß .ne ln. betrüge:'üb'- ' -Absicht als Eoivorkitionsmitgl-eder«rt»getragen isien Andere Antlagen wutden it»e einer gesuchten und sicherlich auch ungerechten AnirenditnI des t'vieneJ -l-' 'nnden, die darin blstand. daß sie etiiem Handwerler mir die vp» -,'me: Han," angeseuigten Erzengnitse zn vertansen erlaub:,-.- Man vertrieb Übi-tit-icher. -.,-,-itsie kilirschttjiset verlaust l alten, dir nicht von Ilmen selbst anjtr'eiligi tvarett, »tan verweigerte Schttrid,->ii das Recht des Än!'entl:alte's unter! ."ein'beit,l,leit schein Borwatide-, daß die ooit ihnen gebrauchte» .>(»,>.>- e.t-l -lsrzeigziiist einer. andeten Eoivoralion als der ihrigen (eien. S r Wtni'äi, - amatnstl!- An:- sührting der er-chti,1»-,i>-», aber teilte-swegs deeretnleu ts,-,zu!..--.-änierns >zit i den Mitglieder» der Eommijsiön Beraulanuttg zn t u;lm, >mt.i't!',f,',i Eomntenlar. Sie bericht,», daß die Anssühini»g der Seerete! .'ßt.-nd.-rarng ziisriedendenstettendeit Erfolg bei der b,-stehende» Bia-cht erzielte, dun datau:- das Juli Ediöt entstand, welche« der-Bertreibting der Inden ein,,> ,z.-:>'i>t-.ch.-,'e Slemv. lvetlieh. In F'slgx dieses Gesetzes innßieu .'tamieme Veit bestem iiit-e mit de festigtetfoeialer Stelltmg ihre Earr»'-re oprern und '»-lizdru r-atert.inds.es. M'a verlrieb Bankdirertorrn und Eaisiei^ mit eben en-,-ii-,z Sliwtänljeit zr:e z'a-u-,-, dieuec oder Albeitcr. Selbst die Eörporal:d,isvo>steher nm-'en'' w:>- einmüz- Wegelägerer behandelt, und der'etnzige Trost, der chiie» W».U.J l'i-stand;Ium, daß das ihne» zngesiigte Unrecht rut ivf.tig gioßer ivar ä.s d,.d': : -s-ech.-,'» 'chast, der sie ihr' tzebelang angehort haben. - , I Die Judenverfolgung in 2vus;luud. Ein cmirriknnir'cher Publirtst hat sich große-Berdtenste dadurch er worbcn, daß er die Vage der von russischen Behörde» »ach Sibirte» Berschtckkeu eingehend schilderte.. Konnte er auch nicht das Vos der . selben mildern, so »iß er wenigstens deit Heuchlern die Maske hernuker, welche von christlicher Milde sprechen und.gegen Andersgesinnte mit rafsinirter (^ransamkeit verfahren. Auch hezüglich der Indenversolgung in Rußland liegt nun von amerikanischer Seite ei» Bericht vor, welcher der Wahrheit die Ehre gibt und daS schmachvolle Borgehen russischer Würdenträger und Verwaltungsorgane zur .Keniitniß der rivilisirten Es hahen sich außeitem in Aiosktm -einzelne. Falte n:i -'''>'atis>ti>rk,-i:,-it Pi getragen, deren Glattbwürdigteil mau b>zivets>l'n t„öä-:>-, >r-,-ni, .st.'nicht dnräi. die Mitglieder der Lotttmissiott aufs uachdriakttchste bestätigt tveigeue Schwerkraiiken die Attsttahnte in die Ho-vitaler, >>-tbst dem ^hetarzt nnd dessen Assist, inen beicheinigteii Falt,- -von W einzige Grund war -der, daß die .grauten Itiden waren. Tie :>.«> nttverheitalettn Franen zeichnete sich aut einetti anderen i'vl Eotninissssre zogen in eiiient Falle, wo, es sich ttin eine Wal handelte, dircete Eilnttdignitgeit ein, und es siestte sich hgrau arme Weib versizcht lfatte, ihr-etn z'/ben durch Ettran zu machen, weit ihr, um der Answeiintig zit entgels. übrig blieb, die gelbe Hjlirte der vo!izei11ch bei,t>-.einigtki stitnirten zu verlangett. Trotz der Zioeiict des Herrn Arnold Wbitz< anderer Vrnte sanden sie die Wahrheit dieser Thatsachen destatigt. .Täs^Reiitttar ihrer Prüsmtg in diesem Falle lotvie in Fällen ähnlicher Ratur war/d.tß nach >u -.n,an v.-rb.'t einech v,n i-s.-istben.' iß'VNtiNiig!,it t.-te ans. T t>' ch >-1> ä n dl / i n daß dis-> es len e l n ti, mit- ,1| o i cheer Ansicht den in ngen . V tndisl>eII F-anen umzwei B?-g-- ' stehe». r" I