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Freies Blatt · 1892-05-01 · 4 (1.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
4 (1.5.1892)
Date
1892-05-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Nr. 4. -V) Seite 6. Freies Blatt. papieren, türkischen, griechische», argentinische» :c. ein. Wie hätte die Attttsemitenprcffc einen ^solchen Betrngsproeeß fructincirt, wenn der - Verbrecher nicht Pastor' Müller, sondern Rabbiner Kohn geheißen tviittc! . . . ch'och bester hättendie Antisemiten einen Borsall vcrwerthct, der sich in der Qbarwochs-nr^dcr-serbischen -Stabt Semendria abgespielt hatte. Tort wurde seit dein il. April der Artiltericeorportil x>lia onstäntiitovi-- vermißt. Ale«.inan die Mannschast anszuforschen begann, ineldete sich der Artillerist Basilie Radnlovi>- und erklärte in aller Nnbe, er liabe denCorporat ans dessen cigcncit Wunsch getödtet. derselbe habe il»» nämlich int Bcrtranen initgetheilt, daß ihm bereits - dreimalim Traume ein alter Mann erschienen sei, der chm die T teste hinter einem der Fcstnngskhürnic an der Tonan bezeichnetc, wo ein großer Schatz vergraben sei, Doch könne der Schatz nur dann gehoben werden, .wenn die Stelle zuvor mit dent Herzblute eines Menschen be sprengt worden -sei. '.'leben dein Schatze werde man auch eilt Gesäß mit einer Flüssigkeit stnden, -tind wenn »tan den Körper, dein mau das Her; entnommen, dannt begießt,, werde derselbe wieder lebendig werden. ->r on >io»stantinovbansgesorderts habe er sich nun mit dciiiselbcii in der letzte» Tonntagsnacht an deli bezeichnctcn Trt begeben: dort babe er ihn ans seinen dringende» Wunsch getödtet und dann AllcS so ge' . tiian, wie cs im Tr«i»ie gefordert wurde. Aber trotzdem er bis;unt srühen Morgen grub, habe er weder den Schatz noch das Gesäß - mit der iviederbelebenden Flüssigkeit gesnndcit, und so sei der todte Corporal auch todt geblieben, '.'lach einem Belgrader Berichte neigt der Unter inchnngsrichtcr von Temendria, welcher die ersten Erhebungen. in dieser Ta che vslog, der Ansicht-;u, daß man cS hier wirklich mit ciucnt aber gläubischen Wahn;n thnn habe, während der vom serbischen Kriegs ininitter nach Teinendria delegirte Auditor den Berdacht hegt, daß der Corvoral von Fein ihm nntergebcnen t^emeiiicn ans Privatrache .ermordet wurde, und. das; er die .'schichte von dein Traume und dem Schatze nur ersuiiden habe, mit der Tträte für sei» Berbrechen;n entgehen. To mancher anti'emitische Heizer wird, als er von diesem Borsallc äienntniß eiliielt, stch gedacht chaben: „Wie schade, daß dieser Basitie ''iadulo.vi'- kc:n indischer Tchächtcr, ja lischt. einmal k-in gewöhnlicher s>nde ist gas hälfe eine prächtige elritnalmordgeschichte gegeben!" Allkisrillilischc Wahrlltlkslirbt.'' In dem '.'rational liberalen ..uv. viii ZN C a i '-et hielt vvi Ktuzein Archivar Tr. Wi.nter ans Marburg, dem Hanvkütze des antisemitischen Bewegung in He neu. einen, interessanten 'Bortrag Über das Thema : „Der. Antisemitismus :i nd die politischst Barteien." Cr erzählte linker Anderem, es-sei eine -b'te jüdischer Wucherer und t^üterschlächtcrvcröstentlicht worden, wo nach nicht iveniger als 77'Wucherer in. Hencit Bauern ans geschlachtet und rouSaus und Hot vertrieben haben sollten: die durch die -Z7rtsl'elf»:dni bewirkte» amtlichen ,vcststell»iigeii hättcit nun aber d:e «uttälugr Thatt'ache ergeben, daß nicht ein BÜertel dieser A n g a b e n g:: t Wa h rbeit. bc r n h t. Cin.mal ntze eine rzpoße An :alii der nautdutitch antgesührten Bauern noch ans ihren Hosen, dann i -.it'ein eh.ii der Ansgetichrten gar nicht rristirt, ferner jeieäl Andere i'-'uder am Ans:?: tiuifc nicht bethciligt gewesen, lind ciidlich.seien viele Kamen doppelt und drcitach antgcsüiirt-i» der Viftc. Tazri komute aräi, das; mehrere der noch übrig bicibciidm. Wucherer, gar. nicht udn'cher, sondern -lnlülicher Conteinon seien. Ferner tlteiltc Tr. Winter nur, das; neuerdings in der provinziellen antisemitischen Prcne die Aachricht zu le'en war. im Rreiie Marburg seien I7 .iperiell ans , «uinte stalle schändlichen jndi'chen Wuchers vorgckoinmen. ^as Bureau :.ii Abwehr des Antisemilisinns in Marburg habe nun von Marburg d:::ä, die Bolirci lind Titsbebörden amtlich scngestcllt, daß von "..'Fällen nicht weniger als 27 v o I ln ä » di g erlogen ] T:e iiitigen «'» stalle ivarcn stark übertrieben und Tlat'achen geradezu ans den Kops gestellt .Jeder denke'ndemune uch mit Ab'cheu von einer Bewegung wende», die mit?i:r: ::t arb T ie antiscinititche Bewegung sei die .vertust. Bern . g u n a, die jsinals in T cnksch la n-d da --'s -' u : . >tauch, durchaus reaetionär. Tas habe sich d-st.d.r '-attl-.ch 'zwei politischen' Tiiigcn gezeigt. Bei den ' n batten dl Antt'emiten mit den Agrariern,, dagegen; •: ' tu B.-.to''ch:!'ist't5.' mit dem Ceniliinl datür gestimmt Alle n M bitten du!-.:l:g-e BerPtlichtnug, der .antiscniitiiche» eine Botivtafcl anbringcn lasten, die auch den Namen des Stifters enthalten sollte. Das paßte manchen Renten schlecht, und Herr v. Cohn verzichtete auf Diesen Wunsch, sprach dagegen die Absicht aus, bei Uebcrgabc des Denkmals einige Worte zu reden. Hicgegcn wandte man nun ein, das sei nicht angängig, ävcil das Dcirkmal schon acht Tage vorher Cigenthnni der Stadt werde. To verzichte Herr' v. Cohn sowohlaus die Botivtafcl wie airf die geplante Schenkung. — Bei dieser Gelegenheit drängt sich einem die Erinnerung an ein altcö Histörchen auf: Esu neuer Gutsherr wurde von den Trlsiusafseu festlich empfangest zu begrüßen?" Antibvrt erhielt: Haben wir das Bergungen, den Herrn Grafen fragte der Bürgermeister, worauf er die ungnädige Tie haben nicht das Bcrgnügc», sondern die Ehre!" chlagfcrtig erwiderte der Bürgermeister: „Wenn ich nicht das Bcr giiügcn haben darf, so verzichte ich auch ans die Ehre." Cftcril auf Corfll.) Tic CrwarstuIlgen der AntisciNilen, daß c» auf Corf» heuer wieder zw Ausschreitungen gegen die-Inden anläßlich ihres Osterfestes k mtiiteii werde, haben sich, dank den von der griechischen Negierung gctrosstncn BorsichtSmaßrcgcln, nicht erfüllt. Ta die li'arniso» verstärkt war,.das Ghetto bewacht wurde, antisemitische Druckschriften und Abbildungen der Consiseation vcrsiclen und die meist anS der- Fremde stammenden Aufwiegler darüber nichl im Zweifel waren, haß die behördlichen 'nicht ein.mal ei» stören. rgane ihr Thnn sorgfältig beobachten, wurde auch Benuch iiiitmipmmnt, die Nnhe und Trdniing zu 2lus antisemitischen Vereinen und IVr sannnlutraen. it^iii .stcnergericht.. Georg Jä)öi>cre'r versammelte dieser Tage in den „Trei Engel Täfei " auf der Wiede» seine Geirenen »nd hiell Gericht über jene Aiitiseuiiteii, irelchg nicht in ihm ihr Tberhaupt verehren, »nd die er ai« Tchisiiiatiker verdaimiit. Herr Lteinwender lat»noch gliinpsllch davon; dieser sei, sagte Tchönerer. ein regieruiigSsreuiidlicher Mann geworden. Tie Wiener. Antiseiiiüe» aber wutdew voii Schönerer förmlich zerzaust; unter dein stnrinischen Jubel seiner gläubicie» Täiaaren naiiwte^r ihre Trgan'e antisemitische Schund nein Ttreherthiii», da-? den Antiseinirisinns zur. Fördernng en ansttiiize, von Heuten, die tedein Hotsprivenwagew ihre it Berrath und Corrnption re. Schönerer will diese Weber blätter, sprach 'joii e geschäftlicher'Interest tstevere»; mache», vo -bekäntpten: sollten je! >o>ch seine Reihen sich noch mehr lichten und er allein übrig bleiben. ->'o würde er pi t.-hren, sich luiit] Gerinanen i'nr' die niaitn feilt da einer Wabl seines Vaters - :t ' (tu u ■Itr :ttral g-Heutil rzustebe», tondent sie stets energisch iC'illt alte ('iciftiidlic in netter szorill.. Tn Hofbangnier Kaiser W:! b e. m I . Bar.-n- Moris v C c-!- n in T e i s a n. halte dieser Ttadi x m :'A n :: •; » it ark .zngedacht, scheint aber re.: tsed.rnkrn :ü". solchen Tcherikung znriiitgekiwiimen zu sein, da man stell,'wie das „Cöthencr T.agblatt" meldet,' ihm gegen ü!-cr in die Angettgrnh-.it des ran ibm seinem hoben "'öniier errichteten T ittnials sehr e,a ntbiiiniich Iwmmeii li.it, Cr wollte an den, Teiilmal stch. dazu entschließen, der tindatikbaren Heimat den Rüilen dein deutschen Aorden wenden und dort unter echten „heilige Sache" bis a» sein Lebensende streiten. Schönerer echt-orienatliiilieii llebertreibung" schuldig: er war in der viel zu vorstchlig, als daß die Besorgniß,, er werde veretn'/lt dastehen, beg nitdet wäre. Kelche ferne seines Schlages finde» immer Sclniiarover genug, avelche sie davor bewahren, allein Übrig;n bleiben Erft dann, iveilit Schönerer nichl mehr ein Großcapilalist wäre, stände er ohne jeden Anhang da. Was a^er den deutschen Korden betrisst, so dürfte es ihm auch ltidlt überall ionderttch behaisi'n, den» selbst die siechlen Germane,t", '}). iii Hamburg, sind iiid/t dnrchgelMh? reif für leine aUeilb'eliginacheiide Vehre. Iin deni'chen Süden ist iibrusens das Bier »»verfälschter. «„Christlich socinl!"I In einer Bermniiiilniig des sogenaiinteii „christlich soriäleu" Bereines hielt Pienner, ekner der eifrigsten Eolporlenre des Ami seiiiittsiiins, eine t'telie, die zwar nichl' chrislliäfTüid ebeiisorveiiig social, däsür aber ividersinnig und dennneiaiorisch war: '.'iachdtni er die „Nächstenliebe" im Sinne des EooperattrS Säinabl erlchnerl Halle, verdächligle er.die „Judenpaeise", „d. b. jene B ailee, welche die Indenhetze verdainnieii oder auch nur niäit betreiben, als „illoual". Tas Eapitel der foyalilät sollten — wir haben es i'chon nnederboll betont.^— die Herren Anliseniiten in ihrem eigenen Interesse ruhen lasten.' In derselben-Rede, in welcher Pieuner die „Indenpreste" als aillimonarchi'ch hinsteti, vsrnble er eine kleine^Drohung »ach oben hi». Dem „Balksblatt" zntolge ljigte pr ä» einer Schilderung des llnglüiteS, welches das Botl, nalürlich durch! tue; Schuld der Inden, .heiiiigesuchl hat, wörtlich Fol gendes: „Verdorrt her Baum, so verdorrt auch der Wipfel." Wer pairioliich und monarchisch gestiint ist,-pslegl eine solche Sprache nicht zu führest. Taß die „Iudenprests" diss „Schächten" und den „waftan" als etwas „Nn amastbares" liii>stelle,i dürste selbst der beichriinlteste HaiidlnngSdiener nicht glauben. Mehr Erfolg wird wohl Psenner mit der Behauptung haben, daß die „Indenprene", weiniich ein Bischof oder Priester etwas;n Schulde» tommeii laste, dies ans die Religion .übertrage. .Diese Behauptung ist zwar eine »n -wahre, aber der gemei ie Mann kan» deren Richtigkeit nicht eonlrolireii. Auch sieln er nichl ei», daß es im t^egenlheil die antisemitische Preste ist, welche i'n böswilliger Absiäit das Sbstrm befolgt, für jede Gesevesübeitrelnitg eines ein-;el„en „indei, die geiat zu inaibeii amte Iiidenichat't »nd deren clstattbenslehre veraiitivortlich

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