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Freies Blatt · 1892-05-01 · 4 (1.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
4 (1.5.1892)
Date
1892-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Freies Blatt. keiner anarchistischen Action bctherligt hat, aber unter dem Bcrdachtc stand, mit Anarchisten verkehrt zu haben, aus Frankreich. anSgcwicscn und »ach Belgien geschoben. Da der (Genannte, der sich int Bcsipc eines Licservistenpasses bcsindct, mittellos ist und in Belgien nicht ver bleiben kan», so wurde ihm ein Fahrbillct »ach Köti/gclöst, und ich beehre mich, Euer Hochwohlgcboren zu ersuchen,, für die weitere Anstradirnng deS Rnbinstein in geeigneter Weise Sorge;n tragen." An Köln hielt sich Rubtnstein einige Tage ans. Er gibt an, däß er dort zu seinem Erstaune» im „Kölner Tageblatt" ein Brüsseler. Telegramm deS JnlMö gelesen habe, er werde von der Polizei verfolgt, da er das 'mißglückt Dynamit-Attentat auf die Brimclcr Synagoge vcrübh.hnbc, nachdem er dem- Rabbiner gedroht hätte, ihn »rit der Snnagogc in die Luft zu sprenge^. Auch diese Angabe erklärt Ytnbinstrin als der Begründungentbehrend. Montag begab cr sich zu.r hiesigen Polizcidircction, meldete sich bei einem Eommissär. undersuchte denselben, ihn zu verhaften, falls die hiesige B>- Hörde Anlas; habe, anznnehme», das; er ein Anarchist und der Urheber des in Brüssel ans Tut SnnaHogc verübten Attentates sei. Es sei sein Wunsch, ans gerichtlichem Wege festgestellt zn sehen, dag man ihn mit U.nrecht für einen Anarchistensiiallc. Ter Eommissätmeinte aber, eS liege gegen il>n nichts' vor: .der Bitte Rnbinstcni's, daß ans össici,cllcni Wege etwas für ihn geschehe, konnte der Eommifsär tcinc Folge geben? Rnbinstein beabsichtigt ‘»tut, von. Wien ans bei der französischen Regierung gegen seine Ausweisung zu protestircn. An der That fpntmt in der Liste der der Wiener Be Hörde bekannten Anarchisten Rnblnstcin's Raine nicht vor. — Dadnrch toinmcn aber.die Antisemiten nm den zweiten ihrer „jüdischen Anarchisten". Ter eine ist zwar Anarchist, aber‘kein Andc: der andere ist zwar Jude, aber kein Anarchist! Hcrzliäp» Beileid! Bor Kurzem die traurigen Enttäuschungen mit Mandl und Snngros, jcllt mit .Königsteiu und Rnbinstein, das ist für eine so kurze Zeit zn viel! - (Ter Antisemitismus nls lLiiischüchttniiigsiiiittcl. An den ersten Tagen deS Monates Mai finden in Proßnill l^enieindcrathswahlcn statt. Die „MoravSta Drliec" fordert nun die dortigen jüdischen Wähler ans, sich wenigstens zum Thcil der Wahl zn enthalten, und droht ihnen für den Fall der Weigerung mit dem schärfsten Anti semitiSmnS der ezechifchen Bevölkerung. Diese Drohung wird hoffentlich ihren Zweck verfehlen und kein wahlberechtigter Bürger israelitischer Eonfession sich durch dieselbe bestimmen lassen, ans die Ausübung seines Rechtes am Wahltage zn verzichten. «Wie sic cS wolle».) Die „Riederösterrcichifche Land zeitnng" bringt folgende Rotiz .ans Litschan: „Der Genicindeans schuß unserer Stadt hat einen echt nationalen Beschluß gefaßt, indem er mit großer Stimmenmehrheit das Aiisnchen des hier ansässigen Anden Aotei Leitncr nm Aufnahme in den Getncindeverband abwies. Hoch die wackere Gcmcindcvertretnng von Litschan!" Der Eorrcspondeni der . „Landzeitnng" hätte gut gcthan, uns zn sagen, ob AosisLeiiiier außer dem-Umstande, daß er Jude ist, noch einen anderen Makel ans der Ehre hafte» hat, daß ihn die wackere Genicindcvcrlrcning von Lilichaü nicht in den Berband der Gemeinde aufnahm! Ast das .nicht auch ei» Beitrag zu denz lehrreichen Eapitcl: Wie sic cs wollen? sBclikrzistrnöwcrtlie Worte.) Bei <äonstitttii',»g des Deutsch fortschrittlichen Bereutes für Wcstschlcsicn' in Drop pan hielt Dr. Mar Meng er eine strebe, welche auch außerhalb Schlesiens Beachtung ver dient. Er bczcichnctc cs als die Pflicht eines im öiientlichen Leben stehenden Mannes, sich vor leichlfertigten Bersprechnngen zn lniieu Durch solche werden aui meistcn gerade Ijciic Stände geschädigt, denen derartige unbedachte, , niivcrstündige Bei sprecht! ngen gemacht werden, falls sie denselben vertrauen, da sic dadurch verhindert weiden,- die ausführbare» Mittel zu ergreifen-, nm llcbelständcn llmnlichst abzuhelfen, lieber die Folgen'jener'„Socialreform", wie sic die Bekenner des Evangeliums des Hasses in den Wirlhshänscr» predigen,' äußerte Dr. Mengcr: „Reid und Haß der Mindcrbcsivcndcn gegen die Mehr besitzenden sind leicht cntflanunt, doch die Folgen davon sind überaus unheilvoll. Der Zufluß .wohlhabender Familie» nach' einer Stadl, in welcher solche Zerklüftung genährt wird, vermindcrt .sich: manche wohl habende Leute wandern ans, und die Wohlhabenden, die in einer solchen Stadt verbleiben, schränken ihre Ausgaben ein: der Unter' iichmuiigsgcist sinkt, daö Gewerbe findet leinen Abfall, der Handel wird geschädigt. Zwischen den verschiedenen Elmsen der bürgerlichen_ Gesellschaft gibt cs nach der Ratnr der Sache zahlreiche Berschicdcn heilen und Gegensätze, doch unendlich mehr! gemeinsame Antcrcssen.. Wer Streit und Hader zwischen den einzelnen Elasscn säet, schädigt in. den weitaus mcistcii Fällen die ganze bürgerliche Gesellschaft und nicht am wenigsten jenen Stand, für den cinzutrcteii er vorgibt. Alle diese betrübenden wirthschaftlichcn Erschcininigcn werden noch gesteigert, wenn außerdem eine bedauerliche Bewegung gegen einen! Dlicil der Be Seitjr" f>.r wohncr wegen deren Abslanininiig oder Eonfession genährt wird,, ohne Rücksicht darauf, ob der Einzelne ein achtbarer Mains sei,oder nicht." Sehr eifrig empfahl ^,r. Mengcr eine sachliche, leidenschaftslose Er wägnng öffentlicher Fragen, da viele. erjah'rene und kenntnißreiche Männer, angewidcrt von dem Don, welcher da und dort herrscht,.sich nicht mehr' dcni ösientlichen Leben widmen wollen. / lZ»r Rcichssg,l,s'(5rsal;wnlil in Stnuislan. Man schreib, »ns auö Stgnislan: „Am L4. April fand hier eine Wählerversanttnlnng statt, in welcher Professor Dr. Milcwski ans Kratäu und der hiesige Landcsgcrichtsrath Hofm.okl als Bewerber um dap durch die Bcrzichtlciskniig des Dr. v. Bilin.sti erledigte'Mandat ^cs Reichs rathswahlbezirkcs Siauislan Dnsniienica anstraten, während der dritte -Kandidat, Advocat Dr. Heinrich Gott lieb aus Lemberg, durch Un Wohlsein verhindert war, z» erscheinen. Professor Milcwsti verwahrte« sich dagegen, ein Antisemit zu sei», und betonte, dns; er als eisiger .Kalholit selbst seine Feinde liebe. DLs ist sehr schön vom HerraPrPfo fcssor, nur handelt es sich in' diesem Falle nicht in» Feinde, jbit&nii mit Landsleute und Mitbürger . Sntztpathischer iinden wir die Aenßc rnttgcn des Landesgerichtsralhes ‘Hosmotl, welckier den Antiseinitisntus als eine. Schmach des nennzehnten Aahthnnderls tennzeichnctc und hinzufügle, das; er einen ehrlichen »ich braven Anden ebenso achte wie einen ehrlichen und brave'» Ehristen. Er sei entschieden dafür, daß den «Anden A'leichberechlnznng. zntheil werde,- Borrechte aber solle» .sie-nickst genießen. Bolltomnlen cinverstanden, -allein welcher. Borrechtcerfrencii sich denn die Anden? Würde nicht nach einer solchen Bcnierknng eines im Uebrigen. billig dentendcn Mannes der mit den Berhältnissen Leichtvertrante!' glauben niüsserk, der Landmarschall von (Galizien werde kmincr den stieihen jüdischer. Rotableii enlnommen, die strabbinet.' von Lemberg und -Kralaii. habe» Birilstiinmen im Landtage und Herkeulzguse, die cRrjchvspräst'denien seien größtenthcils Anden :c. An Wirklichkeit aber hat es"ein Andc bisher troll bester L-nalisicalion nicht einmal zum Bczirksrichler bringen können,. geschweige drnn z»m Laudesgerichi»,ralh. Wo ckind also _bu' Privilegien, welche die Anden fürder nicht besiven sollen? Sie And ein Phantasiegebilde, dessen sich, wie Figura zeigt, auch Personen nicht erwehren können, die sonst . die Dinge'nüchtern ansehen und vernünslig beuriheilen. Rach der Wählerversaninilung trat das hiesige Wahlcon'iit-- znsaniine» und entschiedssckt mit L'> gegen 22 Stimmen für die Eandidaknr Biilewsti's. Einige Eoinit'-uiilglieder, die iiir Hgfinokl stimmen wollten, wurden von den, Freunden Bii lewsti's bewogen, die Eandidainr des lellieren zn unierstüllen. Diese Utnstiuiinnng geschah in einer Weite, die sehr bezeichnend ist Den Wanlclniüihigen wurde getagt: Wenn die Eandidalnr- Milewstt's,- welchc einslnßreich^Z^eise wünschen, nicht ausgestellt.würde, soläme das Mandat in .die Hände des Anden Dr tsollliel', welcher dann holte Protection hält? und liiit Hilt'e' der Wähler von Dttsntienica siegen ni'tißte. Die Furcht vor dem Wahlsiege des'Anden trieb einige Anhänger des Latidesgerichlsralhe» Hosntokl, des Wideriaeltets -jüdischer -Privilegien und Frcnndes-slrcnger l^leichberechiigiltig, in das Lager des selbst seine Feittde liebenden Prosenors Mllewsti." kKriilizc .eine Bcltidigtlllg. Die Ankisemii-tt belränzen litte Liebe», so' oft sich einer der sc l ln» blämiLk oder gat tnil dem Strai -geselle.in Eonslicl geriilh. Bor Kurzem'hielt-sich aber die '„Kreuz zeitung" darüber ans, das; dem verstorbene» Eircnedirector Renz zwei' Wagen voll Kränze'gewidntej worden lind. Dazu bemerlen nnn die von Anlins' Stelle »->> ej m re.digirien „ D -. nl iehe n.. W e s v e u" : „Das ist sehr nett von der ..Krenzzeitnng'. Seil iln Freund, Hen A h lw a rdt,, einen Lorbeertranz betoinmeu bat, ' einpsiudet sie es iellm als nngebörig, daß ein völlig nnbescholiener Mann wie :>stnz Ktanze, erlialt!" Bon dem Angenbliä,- äii, wp-Herr Ahlwardh relränzt.worden ist. erscheint es der ..Krelizzeklnng' mn volleui Liecln als, beletdigend, einen Ehrenman» in ähnliche; Weit'e zu behandeln." - -,-VciDcr feine olibtll. -,'iach 'eiltet vor der Slraslamnter'd-.. großherzoglichen Landgerichts in L ldenbu-rg am I>>. Avril dnrchg'sulirre» Berbandlung wurde der Pastor von t^olddnstedl, Wilbelni Mnll.e,!, zn vierzehn .Aabren .4 n-cll k l> a n s und zehn o-iln^u Ein Verlust vernrtheill. Pastor Mittler halte -lti/. klrtnndcns.tlichttn'gen', -">>> Unter schlagungen lind «!.-Betrügereien-durch Boriviegelnng,sa'ischer Dttatiaelten vertihl. Seine'verbrecherische« .^ndlnngeii reicknen bis znm Aal,re > -">^1 znrüis, ngd die von ihm in diesi-til -^eitranine ve r n-n l r-e n l e S » »i ni - bclänit sich ans in ehr a l s-'im e' Bi i l I io n Mart-.' Der Piarrer einer t^c>iieinde'von .tmim Seelen verstand es,, einen einzigen Bankier um 7-Hum Biarl zn prellen Er nnlei schlug abel KtAch di. Ersparnisse, welche ihm Mägde, Knechte niid .Knhhuten anverlrant Hanen: er betrog eine alte Dante nm LL.Ul»> Mart u-nd -verschonte auch seine lceiden.. Schwestern nicht., von denen er tS nt»tt Matt erschwindelte. Pastiot Müller führte^..eine>> . ieln lntitriöien Haushalt und lies; sich auch tu seht, gewagte Svecnialiünen mir alleit nu >,licheat

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