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Freies Blatt · 1892-05-01 · 4 (1.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
4 (1.5.1892)
Date
1892-05-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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I Nr. 4. Freies I (Dir Wallfahrt nach hiirchbtrft.) Der Emansgang des Tr. buegcr nnd Lined Anhanges »ach Kirchbcrg an» Wagram, fcheinl auch in antiseinilifchcn Kreise» nicht Überall gleich günstig bcurlhettt zu werde». DaS Kremser Anti seinilenblättchen »vcnigstenS schildert die Borgänge ap, Cftcimontag Mit einem Gemisch von Spott unAchtecht verhaltener Schadcnsreude über das F»a«eo wie folgt: „Tsternionlag »var es in »nfcrci» sonst" io ruhigen und stille» Cne sehr lebhaft midi laut, uird »vechselteu 'Hoch- und Percatnrfc »»iteinauder in rascher Reihenfolge ab. ES waren auS Wien clwa liOO .Christlich Sociale' nnler der Führung der Abgeordneten Tr. i'negcr, Mulh und Bergauf gekonnncn, »ui» Kilchberg mit ihren» Progranline bclannt;»» »lache»». Tie Bewohner von .'tirch berg »lnd dessen Genicindcvcrtreiung hielte»» sich von de»» Empfang säst gänzlich ferne. Auch ans die AnSschmülluug dcS Marktes mit Fahnen n. dgl. »var, gänzlich vergessen ivorden. Nach den» Einzüge vcrthcilten sich die'Wiener in die diversen Gasthäuser, >vo sic sich unsere' guten Weine »restlich schinecken ließen. Tan»' ging cs a»S Nedcnhallc», »vobci die Zuhörer erinahnt »vnrdc», an der christlich socialen Partei, in »velchcr alle anliscmilischen Schgttiruugen verlreien -seien, und deren Progran»» .aus Grundlage de« »alioualcn Bewußtseins die Besterung der »virlbschafiliche» Berhälmisse auslrebe', sestzuhatten und kein zufolge nur solche Männer zu ihrer BertreNsng;»» ivälilen, die dieser Partei an gehlen. Mehrere Redner ergingen sich in äußerst scharse» Aussilllen gegen de» GemcindeauSschuß und de» Bürgermeister Roßlops »vegen ihres Ferudleibens, und Herr Noßkopf, der seil je .liberale»»' Tendenzen huldigte und auch nie ein Hel» daraus gemache ha», muß»« cs sich gefallen lassen, liii» so manchem deren» seilen« der Wiener Gäste bedacht zu »verdc». Toch »nie alle Tage, wurde e« auch an diesem Tage Abend, und dann (jiiijic--j« langen» Zuge zum Bahnhof. Ta, inilten in» Orte, hieß es plötzlich .half« Zuerst ertönte ein Hoch ans Nirchberg', dann vor der Wohnung des Bürgermeister« ein Perea» dem Zuteu Incchl'. Achnlichc Scene» wiederholten sich an» Bahnhose, dann pnst die boeo niorive, und die Kirchberger waren »nieder allein und unter sich. Geschäfte hatten sie', uaiitenllich die Gastwirthe, ganz gme gemacht. Was sie sich weiter über die 'Wiener Gäste dachlc», erfährt nia» de« genauere» au Sr» mit) Stelle selbst."' »Mkchanikkr Schncidrr in Berlin.» Ter durch die F-abricalion pon Släm pigliei», die Eorrcctur von Sliuunzelicln. die Aniverbnug von »üblichen Zeugen und andere Fertigleile» »veit .und drei» betannlc Wiener Mechaniker ei der gab in de» letzte» Tagen an der Spree einige BorsteUnngcn in der Kunst de« AnliiemiiiSinii? Ter Gast bol vor Allem »'ein Neueste«, .nämlich einen „un beachteten" Taln»,dp»stuS. (Wir bringen hierüber an anderer Tlelle d.ie Acußerung des ProfestorS Tr. Strack.) Änßler dieier Novilä» praienlitte er eil» stalistischc« Anilststüct nnd erzählte seinen Zuhöreu, daß Testerreich!!' , bi», l Millionen (!> Inden habe: die Zahl, rics.er'an«, sei gar »ich» zu conlrolirc», aber man suhle, daß ihrer, zu viele seien. Tie Zndc» — hier berie»' »ich Schneider aus den Statistiker Hoffmann — leben länger und vermehren sich zahlreicher als andcre Stämme, und als logische Eonieauen; dieier Thalsache erklärte er die . Nothivcndigkcit eines Bündnisses aller Enltnrvöller »vider die Zudem Schneider, »velcher vcrinitthlich schon die Znftimmittig Baichalp « .;» dieser internationale» Bereinbarung i» der ^Tasche ha», »vurde von seinen'Berliner Zuhörern beinbrlt, und sie überreichten ihm einen Lorbecrkranz mii ichiuarz-weiß rolhcn und ichivar; gelben Schlcisen mit der Zuschrift: „Tenz .'iänivser siir de« delilichrn Bolle« Recht ni^d Freiheit." TaS „Te»lischc Bolksblnn" ist 'über diesen Erfolg, den Schneider bei den Berliner Gesinnungsgenossen errungen hat, »vie e« .schein», höchlich erfreut. Zs» diese Freude echt, dann sieh» grölst ko' „Bollsblait" ei», »vie bitter Uiirecht e« . einst diesem Schneider getlimi, den c« viele Zähre hi», durch alS Feind des Teiitichthnins, des Rechte« n»st der Freiheit leidenichäsliich' bekäntpfl hat. Zn dicscin Falle »vürde e» sich aber gezicnien, daß da« „Boll« blatl" össenllich seine frühere» AnSlassnugen gegen Schneider »viderrnse, dem e« uamcullich zur Zeit, in »velcher er mit einem, andere», Anliieniilen da» Schicksal »keilte,,alü t'andtagScandidat in der i'eopoldstadt dnr>t»;iiiaUen, hart zuievle. Tie gläubige» Vcfev de« „Bolleblatt" sind »a nicht >a»imr und ionder« gedä>1ni»ßichlvach. Man sollte ihnen al>o, »in Zrresülirunge» voi.ziibengcn, sägen, daß sie sich nicht mehr au da« zu hatte» brauchen, Iva« einst im „Bottsblatt" über Schneider stand, sonder» a» da« bob, »velche« iln» ietzl an»' G»i»»»d einer Ge siittiungSNürung gezollt »vird. Für die Werlhichävniijs 'Schneider'« sprich» außer de»» Beifalle, ivelcktz'st iln» un» das „Bollsblalt" zollt, auch die Thal acht,-daß bei seinem Berliner Gastspiele Rector Ahlivardl milivirtle: ob an« Gefälligkeit oder für cincn Ehreusold, -ist-nicht betann», änderl aber nicht« an der Sache. Nach der Prodncliou Schneider« ans dem (Gebiete kc» Talmud«, der Statistik und der Diplomatie lain Ahlivardl mii »einen „Zndenflinten", und der einheimische .stünstlor erntete cbein'o große» Beifall »vie der seiner »vnidige Wiener Gast. Tic antisemilische» Blätter »vnßten 'überdies von einer noch größere» Auszeichnung zu erzählen, die Ahlivardl zntheil geworden ie». Sie meldete», Kaiser Wilhelm habe ihn in Audienz empsangei», und die „Ei« leber Zeitung" brachte diese frohe Botschaft fettgedruckt Es stellic sich in dessen bald heran«, daß diese Auszcichnnng Ahlivardl'« nur ,'iij stkiöner Traum war. Zn der „Neuen Tentschen Zeiliiug's erschien eine Berliner Eorrrkpondenz, »velche alle Zltiisione» zcrstörlc: ,cS hieß in derselben: „Tie Nachricht, der, Kaiser habe Rector Ahlivardl in« Schloß befohlen, bgliihi sicherem Be»nehmen »eich ans einem verspätete» Aprilscherz, der dar»»» doppelt zu bedauern ist, » 1 Blatt.' - . . Seite 7. »veil ihn die liberale "Presse sicherlich in ihrer Weise ailsbeinrn »vird lieber Haupt würde inan irren, wenn man sich etwa einbildete, daß die - lcitcnden militärische» Behörden geneigt seien, den lctzlen E»l hüllniigen de« Rector« über die .Zudenslinlen' in» Sinne Ahl »vardl'S Rechnung zu »rage». TaS ist, »vie i»ch ve>bürgen dark, beftimmt ' nicht der 'Fall -. . . Wozu sich immer wieder in Selbsttäuschungen »viegen, »velche höchslen« geeignet sind, unsere Gegner z» crmuihigen'? Ueberhanpl flattern jetzt unter dem Einfluß der tzenzeSstiininnng allerlei Andicnzgeschichte» durch dip 'Rist, denen indessen leider keinerlei Glauben bei'znincssc» ist. Bald soll der, bald - jener Freund »Öftrer Sache im Schlossecinpsa»^»» werde». Und »venn eö . nachher zur Sache kommt, »var e« Alle« nur Wind. Ter böseste Feind, der in unseren» Niger iej.ii Unwesen »reibt, ist iinnier »nieder jener imvcrwüslsichc TplinkiSinu«, der gerade-in so gearieic» Bisione» zum A»«dr»>t Ion»,nt. Z,n Schlosse — da« wisse» alle .ernftha»le>» z'ente — ist snr un« gar gar »iihl« zu hoffen." Wozn-bedars es aber auch de« Schlotte«, »venn man .stäinp'er für des deutsche» Bolke« Rech» nnd Freiheit von tjcegeistigen und moralische»» Höhe 2 ch,leider'« nnd Ahlivardl'« besivl? , '?>.!». 'Aus-'antisemitischen Blattern. ' lTik stiildlichc» Brnüc^.s Sie liege» si»h »viedcr einmal »n de» Haaren, die beide» obersten Heerruser de« 'Wiener A»ii>'c»itti«nn»«. und da sagen sie sich . »viedcr ein wenig die ,,Wahrheit". Ta« „Bolksbfalt" hat in eine»» „Rück, nnd Ausblick" üher dieletzte üanktagSscssion dem „Bäterband" seine Stellung zum Arineiigeiejic übel vermerkt, »veil eSauf die Seite de« kleines» Kreise« der sogenannte» „Mastbürger" trat und dadurch den Sociologen, der ihn» »denk „Baierland") einstens Bcdcnlung verschaffte, deSavourrte. Tarüber ist das „BaierlanlK' nalurlich sehr »»»gehalten nnd sucht feinerseildem „Bollsblatte" cinZ aus« Zeug zu sticken. „Ei» auiii'eiMliiche« Blatt" — schreibt e« uiyon» Itt. April — „da« znwciten auch ans die Bauern, namentlich an' die 'Wein baue»» ipeculirt, bat von .Mastbürger»»' gesprochen, »velche ka-^ »iederöster reichliche Arinengesest bekämpsle», u»»d ganz deutlich zu verstehen gegebeir^daß - dieier ziversclhasle Ehrentitel eigentlich'auch jenen Bauern gebührt, die i»u Vaud tage 'jene viclezerühlnte gesetzgeberische tzeistnng bckäinp't haben. Daß inan »evl * auch schon de» »nnhianist das Seinieze durch redliche Arbeit criverbenden Bnrgc'r nnd Bauer .'.Mastbürger' nennt, da,« ist'von-einem .christlich 'ocialen' Blatte, »»»»nerhin bezeichnend. Rn» nieinen' »vir, daß.der belreis.-iide Seeiologe sich best der, Adresse vergrisscn bat. Nicka'diejeniiZen sind die Beastbürger, »velche ciey Beast ansbringen »iinsse»», ionder» eher Andere, die sich von jenen gut »»ihren lassen »nockiten. Tje tticdcrö^lerreichischeil Bauern können an« jener, den' Tbai- -bestand griindlick»'» eiilsleUeutrn'.Tilstlalnr erschen, »vie richtig sie Handel», »venu sic solchen Sociologen lind .Boilssrennde»»' gegenüber sich besten« zugrlnöptt verlialtei». Tie in ''olcheui Tone, vom Bauer schreibenden, i»»' den z'andivahl bezirlen freilich ganz ander« redenden Socialresormer benehmen sich »a eigeui/ lich/noch jchlechlcr al« die baiieriisei»dI1che»i liberale» n»>d Bllremilralen-, denen, mail dl^-Täinoie Arineiiioeienreso'liil vezdant». Tieie bäben allerding« in sörmlich gdgch» den "Bauer anjrcizeu^en» Tone t»e»'e .steesorm' dem'»lachen tzande a»s » gezlvnn^e», aber sie gaben fi/l» »venigsten« al« da«, »vaS »ie stnd,. a>« den Idränendc» tzöiven, der da« bäuerliche Sckia' verschlingen »vill. Zene .Mast bürge»"-Ha'ser aber sind, imstande,, gegen den Bauer, zu schreiben -uiit daun in einen ländlichen Wahlbezirk zu gehen'und dorr die»'e herzlo'en Mastbürger' at« i ,«beehrte BTähler und christttche« Bell!' anzuiingeui" W.t« den Boclvilcs beirene, da« „Baierlaild" habe mil »einer -Haltung de» Sociologen desavoniri. der iliin einsten« Bedcnlliiig verichassl, >'o rn'l da« „Bälelland" den» tzeiiarlitter vom „Bolisblall" die Frenndttchteil zu, „daß der beirene »de Berel,»er Ba.onBog.l i'ang'« leider, wie >o'viele si»ch ietzl breiimachelide .Soeialvolittter' die Albeltz-n Bogelsang'-Z nichl, e>nn>." geleien, noch weniger stndirl bai " - Ta«'in >'ni '• die Pannrgen ' von de»' a»z»ie»n»liichen Presse ein bißchen vie». c u werd.» vieÜeichl Räche töchen. Z»l»v «Vliict aber dauern >'olckie Flsindschaste» iti.ii lange, und virllejchi »och vor den nackisten 'Wahlen wird da« „Balettand" irgend- , eine» „'.stiastburger Hast'er" den „geehrten Wählern nnd-dein ck»c'ist!»chen Bott." ivarmsleiiS^ empfehlen. ‘ _ (SprachSilMUlliciieu.» Gustav Wnslntttnn, der Bet'iast'er eine« B»iä»lem.- „Allcrhand Sprackidnmmheildn", tlnn in -»en „Grenzboleu" »ebr enililstrg über die Bcipre>chu»gen, die seine Eoiiip>lation«arheil in den Zennngen. unzwar hanmiärchlich in „tüdi'chen" Blällcln'gejnndeil bat. lstroßariig! .stommi da ein aulncmilistli angciätt'cller Schulmeister daher, der di>> lebendige Svrache gerne »ach, seiner philologischen Wci«l»eii Zlistirtze» mockite, undda >oll gleich die gelamnile ösientlickie Meinung nicht« Andere« lhiin, als deii'nonesten nationalen „Re'ormcr" anränchern. Tic Hcrr Präceplor beweist damit nur stpnerlich, da»^ er pon den Aufgaben des pral»i»che» bebest«, »peeicil von denen, der Zeitting nichl« versteht, »va« er auch »chog damals hewiesen, al« er »ich über da« ZeilnngSkciitslch in »einer Präccpioreiiivcise lustig »nachie »int den kühnen Satz gelassen a»«ipr'»rch: „Ein gloßcr Tlieil unsere« ltriiiigen Svrachniilalh« gebt aiisschlicstlich ans da« Zndnideul'sth der Berliiicr und der Wie,»er Tagespreise

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